Einzelkritik Hinrunde 2016/2017

Lukas Hradecky: Sicher, souverän, nicht ohne Grund der Mann mit der weißesten aller Westen in der Bundesliga. Bekommt aber auch weniger aufs Tor als je zuvor, doch wenn, wirkte er sogar in der Fast-Abstiegssaison noch besser. Seinen Spinnen-Spitznamen letzten Hinrundenspiel gegen Mainz – eigentlich zum ersten Mal in der gesamten Hinrunde. Aber: Die eine oder andere seltsame Szene, wie der Abroller vor Mainzer Füße, also fußballerische bzw. konzentrationstechnische Mängel hatte er drin.

Heinz Lindner: ohne Wertung – weiterhin. Man fragt sich lediglich, wieso sich ein Profifußballer so einen Null-Chance-Status jahrelang antut.

Leon Bätge: ohne Wertung.

David Abraham: Hat sich über das Stahlbad Fast-Abstieg zu einem legitimen, unumstrittenen und souveränen Abwehrchef aufgeschwungen. Seine Geschwindigkeit ist der Faktor, der den Frankfurter Defensivverbünden in vielen Vorjahren fehlte. 3 Gelbe Karten sind für einen Innenverteidiger, der alle Partien absolvierte, aller Ehren wert – da ändert auch die Beinahe-Rote-Karte gegen Darmstadt/Sandro Wagner nichts am Gesamtbefund. Zumal er sich zweimal als Türöffner für Siege erwies: Wichtiges 1:0-Tor gegen Ingolstadt und ein Traumpass zum 1:0 gegen Mainz.

Jesus Vallejo: Der nicht nur von den Anlagen, sondern auch von der Umsetzung auf dem Platz der wohl beste Innenverteidiger der zumindest jüngeren Vereinsgeschichte – jünger bedeutet hier 25 Jahre. Das „wohl“ in der Bewertung wäre weggelassen worden, wenn nicht die letzten drei, vier Hinrundenspiele gewesen wären, wo seine Leistungen menschlicher, jedenfalls altersgerechter wurden. Da streute er plötzlich ungewohnte Fehler ein – vielleicht verletzt, angeschlagen, einfach überspielt? Keine einzige Verwarnung in 16 Spielen, das ist angesichts der körperbetonten Spielweise des Teams überraschend und Zeugnis für seine Klasse.

Michael Hector: Erfüllt seine Rolle zufriedenstellend und hat sich nach anfänglich haarsträubenden Leistungen besser reingefuchst ins Bundesligageschehen. Immer mal wieder für Fehler im Stellungsspiel gut, biologisch/physisch bedingt oft zu langsam. Sein Kopfballtor gegen Berlin war gut und wichtig, insgesamt aber keine Konkurrenz für die Stamm-Innenverteidiger. Eine Ausleihe, die zu keinem Folge-Engagement führen wird, die aber für die Eintracht bis hierhin sinnvoll und nützlich war.

Marco Russ: ohne Wertung – je nach Belastbarkeit, deren Wiederherstellung nicht so schnell gehen wird wie er selbst erhoffen wird, ein Kandidat für die Ablösung von Michael Hector als Erstwahl für einen Platz in der Innenverteidigung sobald Abraham oder Vallejo ausfallen sollten. Vorbehaltlich des unklaren Sofort-Leistungsvermögens von Neuzugang Anderson Ordonez. Als Führungsspieler, Lautsprecher, In-den-Hintern-Treter so oder so ein Gewinn – denn wenn der Mannschaft eine Nuance fehlt, dann der (verbale) Charakterkopf. Und das kann im Krisenfall, egal ob das Abstiegskampf oder Ringen um hochhängende Trauben bedeutet, entscheidend fürs Gelingen sein.

Bamba Anderson: ohne Wertung – kurios lange verletzt und kurios lange vertraglich gebunden (bis 2018). Dürfte nicht nur angesichts der Gesundheitsfragen keine Chance mehr haben, die Weichen für Gegenwart und Zukunft sind ohne ihn gestellt.

Bastian Oczipka: Beweist, dass seine Leistungen aus Vorvergangenen Jahren keine Eintagsfliegen waren. Der Linksverteidiger ist zu großen Teilen zurückgekehrt zu dem Können, das ihn in der Wiederaufstiegssaison nah an die Nationalmannschaft brachte. Längst nicht so ultra-offensiv, sondern auf andere Art und Weise überzeugt er. Sein Stellungsspiel ist nur noch vereinzelt ein Manko, er geht viel bissiger zu Werke als in den zwei, drei Vorsaisons und bringt seine guten Leistungen unabhängig vom Vordermann; der Position, auf der esnach wie vor die größte Baustelle gibt.

Taleb Tawatha: In anderen Jahren hätte man das Wort „bezeichnend“ gewählt, wenn der teuerste Neuzugang genau der ist, der dauerverletzt ist und von dem man bislang nur ahnt, dass er das sportliche, spielerische Vermögen für die Bundesliga nicht mitbringt. An Bastian Oczipka in dieser Form wird er keinen Weg vorbei finden, nach all dem bisschen was man bisher vom Israeli sah.

Timothy Chandler: Ein Comeback-Kid, das man so lange nicht gesehen hat und für das man viel Respekt haben muss. Abgeschrieben, weil er zwei Jahre lang nicht annährend das zu bringen imstande war, was Vorgänger Sebastian Jung zeigte. Er stand im Abseits, zurecht. Wie er seine Chance dann nutzte, war und ist bemerkenswert. Es zeugt von gutem Charakter, dass er sich – trotz Rumstehens im Schaufenster des Transfermarkts – in der Vorbereitung nicht zu schade fürs Aushelfen in der Innenverteidigung war. Dass er dann unersetzbarerer Leistungsträger auf seiner gelernten Position wurde, ist eine bemerkenswerte, aber eben keine zufällige Entwicklung. Gegen Mainz, in Abgrenzung zum flügellahmen Auftritt in Wolfsburg, sah man seinen Wert fürs Offensivspiel der SGE.

Guillermo Varela: Das, was man von ihm sah, war sehr vielversprechend. Dann das absichtliche, ungeahndete Foul des Darmstädters Sven Schipplock – und seine Vorsätze, Ansätze und Karriereentwicklung waren vorbei. Er wird den Konkurrenzkampf auf der Rechtsverteidigerposition anfachen, sich mit Chandler ein Duell auf Augenhöhe liefern. Eventuell sehen wir in der Rückrunde angesichts der unsteten Leistungsqualität der Flügelspieler sogar beide gleichzeitig auf dem Feld, den einen vor dem anderen positioniert.

Yanni Regäsel: ohne Wertung – ein Winterneuzugang, der seinerzeit schon irgendwie seltsam wirkte und sich tatsächlich als in vielerlei Hinsicht unbefriedigende Personalie entpuppt.

Furkan Zorba: ohne Wertung.

Makoto Hasebe: Der Stabilisator ist zurück, der Japaner ist wieder der entscheidende Faktor, der er vor zwei Jahren bereits war. Seine Stärke ist das Ordnen, das Sortieren des Defensivverbunds. Trainer Niko Kovac hob ihn mit der Umpositionieung als Libero vor der Abwehr auf ein neues Level; nicht zwingend qualitativ, aber er schneiderte die perfekte Position für ihn, was dieser mit konstant guter Leistung zurückzahlt. Und: eine einzige Gelbe Karte und bedeutend weniger im Mecker-Fokus sind Beweis für die Rückkehr von einem der wenigen Hoch-Qualitätsspieler.

Szabolts Huszti: Von einem Ärgernis hat er sich zum „aggressive leader“ gemausert. Die Rolle als offensiverer Sechser füllt er ganz gut aus, fällt aber durchaus mehr noch durch die Bissigkeit und das eine oder andere (kluge) taktische Fouls in der Rückwärtsbewegung auf. Der Immerspieler, der er gefühlt trotz aller Minderleistungen vergangene Rückrunde war, ist es jetzt zurecht. Angesichts der im zentralen Mittelfeld personell dünneren Besetzung dürfte er auch in der Rückserie gute Chancen auf einen Stammplatz haben – ist aber ein Kandidat, dem auf die Pelle gerückt werden wird.

Omar Mascarell: Anfangs beinahe blass, drehte er in den vergangenen Wochen mächtig auf. Offensiv zwar weiterhin bisweilen (zu) inaktiv, aber in allen anderen Belangen ein Erfolgsgarant. Grätscht, wenn es Not tut, zweikämpft permanent und spielt sichere, kluge Pässe, die oft ein zügiges Umschaltspiel ermöglichen. Er erinnert an Pirmin Schwegler bzw. dessen Spielweise. Es tut der Mannschaft gut, so einen ruhigen und doch giftigen Vertreter auf der Sechs zu haben.

Marco Fabian: Der Schlüsselspieler in der Offensive des Teams. Seine Quirligkeit, seine Technik und sein Zug zum Tor, die Liebe zum Spielgerät Ball als solches, bringen genau jene Elemente ins Kollektiv, die lange, speziell vergangene Saison fehlte. Manches mal noch zu ungestüm und wild, ist er trotzdem ein steter Unruheherd. Allerdings: Er muss dafür zentral spielen, auf dem Flügel ist er, sind seine Stärken verschenkt und der Mexikaner automatisch kein Faktor in der jeweiligen Partie.

Danny Blum: Zeigte bereits, dass er kein Odonkor’scher Leichtathlet ist, sondern durchaus Fußball spielen will und kann. Seine Verletzung wirkte sich in den Folgewochen negativ auf die Leistungen auf den Außenbahnen aus, er wäre ein Kandidat gewesen, um die öfter matten, mauen Leistungen der Konkurrenten vergessen zu machen.

Mijat Gacinovic: Die Befürchtung, dass der junge Serbe doch noch weiter von dem Status Stammkraft/Leistungsträger/Perspektiv-Millionenverkauf entfernt ist, den ihm manche Funktionäre zudachten, zeichnet sich ab. Immer mal wieder blitzt sein Können auf der Außenbahn auf, zumeist verheddert sich aber, verliert den Ball, spielt zu spät, zu ungenau ab, sucht zu oft das Komplizierte statt das Einfache/Sinnvolle – oder taucht unter, was gerade im Zentrum regelmäßig der Fall ist. Wird sich in der Vorbereitung strecken müssen, um seinen Stammplatz zu behalten. Gerade Ante Rebic scharrt mit den Hufen.

Ante Rebic: Der Hufenscharrer.

Shani Tarashj: War, ist und bleibt der Fremdkörper. Ist unsichtbar, von ihm erinnert man sich an das stark erzielte Tor, sonst … Dabei lagen die Schwächen häufiger auf den Außenbahnen, sich diese Situation zur Nutze machen, schaffte er nie …

Aymen Barkok: … im Gegensatz zu diesem Nachwuchsspieler. Famoses Debüt, was mit einem Harakiri-Dribbling im eigenen Strafraum begann. Seine Technik, sein Tempo, seine Überischt, Ruhe, seine Abgeklärtheit sind bemerkenswert. Er bringt Dampf ins Spiel, Zug zum Tor und ist ein ernsthafter Kandidat für die Dauerbesetzung einer offensiven Außenbahn. Stand jetzt gibt es jedenfalls keinen Weg an ihm vorbei, jedenfalls nicht für den schon angesprochenen Mijat Gacinovic.

Joel Gerezghier: ohne Wertung – dürfte verliehen werden, wenn diese Leihe allerdings läuft wie die letzte zum FSV Frankfurt in die zweite Liga, wo er ebenfalls nicht spielte, hat sich eine Erstligakarriere wohl bis auf Weiteres, jedenfalls für die SGE erledigt.

Slobodan Medojevic: ohne Wertung – schwer vorstellbar, dass er angesichts fußballerischer Mängel ein ernsthafter Konkurrent um die Kaderplätze wird. Trainer Kovacs‘ Faible für Balkan-Gene könnten ihm helfen. Unverletzt würde es für ihn nun einen Markt geben, wäre demnach sicher abgegeben worden. So wird er bald zum Team gehören, aber Perspektive? Die wird im Sommer enden.

Johannes Flum: ohne Wertung – ihm droht ein ähnlicher Verlauf wie für Medojevic, jedenfalls was die Perspektive angeht. Hat jedoch das fußballerische Vermögen und somit eine gewisse Comeback-Chance, da speziell die Sechserposition personell nicht so umfänglich besetzt ist. Reicht es fürs Druckmachen auf den mutmaßlich am ehesten im Konkurrenzkampf endenden Huszti?

Marc Stendera: ohne Wertung – wird im Mai auf eine verlorene Saison blicken, verpasst im Zuge der nächsten bösen Knieverletzung die Wintervorbereitung, jedenfalls das Trainingslager, was seine Situation auf viele Folgewochen, vielleicht Monaze nicht verbessert. Dabei hätte vor allem er derjenige sein können, der von Beginn an auf die Verdrängung Husztis hinarbeitet. Das könnte im Verlauf der Rückrunde irgendwann passieren. Die Perspektive auf der Position gehört ihm, wenn er denn gesund bleibt und die Knie nicht schon dafür gesorgt haben, dass sein Leistungsvermögen geschrumpft ist. Denn spielerische Mängel hatte er vorher schon manche.

Alexander Meier: Wieder und weiter bester Torschütze, obgleich mit Abstand weniger Abstand als in vielen Vorjahren – was auch mit der Rotation zutun hat. Eine Neuerung, die ihm aber weniger gut zu tun scheint wie anderen, der Rhytmus ist nicht so da wie in all den Vorjahren. Ist unter Trainer Kovac generell mehr zum Rollenspieler, zum Arbeitstier in vorderster Front geworden. Hat, so zeigte sich gegen Ende der Hinrunde endlich ernsthafte Konkurrenz bekommen. Die Rückrunde dürfte für ihn ähnlich verlaufen wie die Hinrunde: ohne den ganz großen Rhytmus, aber mit genügend Spielanteilen für Unruhestifterei beim Gegner, resultierend in eigenen Toren oder Buden für Mitspieler.

Branimir Hrgota: Der Anlauf war länger als man das erwarten konnte, aber schlussendlich hat er eine effektive Duftmarke in Richtung Spielanteilssteigerung abgegeben. Seine Auftritte waren meist bieder, so recht fand er nicht statt, die Bindung fehlte. Gegen Mainz wurde er gesucht, gefunden und wirkte generell wesentlich präsenter als in den Partien zuvor. Tendenz: aufsteigend, positiv.

Haris Seferovic: Das Gegenteil zum Letztgesagten gilt für den Schweizer. Das Eintagsfliegen-Image wird er einfach nicht los, kommt nicht in Tritt, wirft sich im besten Fall in Zweikämpfe, mehr kommt nicht – an dem Gesamteindruck ändert auch das Siegtor gegen Dortmund nichts. Mittlerweile ist er in der Offensivspieler-Rangfolge noch hinter Nachwuchsspieler Aymen Barkok zurückgefallen. Perspektive? Status quo auf der Bank. Eine Vertragsverlängerung kann weder in seinem, noch im Sinne des Vereins sein. Ein Verkauf in der Winterpause würde dem Klub noch etwas Geld einbringen; und  Kapazität für einen Stürmertyp, der im Kader noch fehlt, einen wuseligen Vertreter beispielsweise.

Enis Bunjaki: ohne Wertung.

Niko Kovac (Trainer): Die Bezeichnung „Bessermacher“ hat die Frankfurter Rundschau kreiert, und sie trifft es am besten. Er hat aus einer beinahe unmöglichen Situation heraus den Klassenerhalt geschafft und daraus einen Schwung entwickelt, der zu 29 Hinrundenpunkten geführt hat. Zu fünf Zählern mehr also als der Klub zum Zeitpunkt seiner Verpflichtung vor dem 26. Spieltag 2015/2016 aufwies. Und das mit einer Mannschaft, die in ihrem Kern weiterhin aus einem umfänglichen Teil der Spieler besteht, die den Fast-Abstieg herbeiführten. Man kann viel mehr Worte um den Trainer machen – oder man verweist einfach auf schon Geschriebenes. Bitteschön.

 

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6 Kommentare

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6 Antworten zu “Einzelkritik Hinrunde 2016/2017

  1. Jermaine Jones Junior

    Ich wünsche allen Lesern und Schreibern ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest. Euer JJJ.

  2. Jermaine Jones Junior

    Tolle Analyse. Wie gut, dass ich in den vergangenen Wochen und Monate meine beiden Lieblingsspieler Haris Seferovic und Danny Blum wegen Ihrer Persönlichkeit gewürdigt habe. Sonst hätte ich hier wieder Einwand erhoben 😉

  3. F.N.

    Zutreffend!

    Seferovic abgeben und einen neuen Stürmer verpflichten; dazu noch ein neuer Sechser und der Kader steht für die Rückrunde.

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