Symbolik

Für einige sind Symbole im Leben ja etwas ganz wichtiges. Mit keinem Tag wird ein Neuanfang wohl so sehr verbunden wie mit Neujahr, was ja schon im Wort selbst begründet ist. Ein paar Glockenschläge bzw. heutzutage ein Blick auf die Handy-Displayanzeige und schon scheint das Eine vorbei und das Andere gekommen. Mit einem Wisch ist alles weg.

Für Eintracht Frankfurt war ein Tag im Mai 2016, das reingestocherte Tor von Haris Seferovic nach Dribbling-Hereingabe von Mijat Gacinovic in Nürnberg dieses Symbol. Doch schon Wochen vorher wurde Neujahr, die Feierleichkeiten dafür eingeläutet, die Rakete Niko Kovac wurde gezündet. Dass sie dann nicht nur in den Himmel stieg sondern – für SGE-Verhältnisse – in die Stratosphäre schoss und weiterhin nicht verglüht ist, war natürlich zu keinem Zeitpunkt erhofft oder gar geplant.

Wie unterschiedlich so ein Feiertag wie jener im Mai 2016 für die Protagonisten nachwirkt, ist schon interessant. Die Einen wachen ohne jeden Kater auf als ob nichts gewesen wäre, die Anderen kommen einfach nicht auf die Beine, torkeln mit Brummschädel und flauem Magen von Wand zu Wand. In etwa dieses Bild könnte man die Extrempole bei den Eintracht-Klassenerhaltlern einordnen: Kovac macht seitdem unbeirrt weiter, Gacinovic und speziell Seferovic befinden sich unablässig im Wachkoma. Und das, wo man ausgerechnet mit diesen beiden Spielern die größten Hoffnungen für die nahe Zukunft verband. Der Serbe wurde zum Juwel, das man bald für Mondpreise verkaufen könne, erkoren. Beim Schweizer wollte man das Platzes des Knotens gehört haben. Zu Seferovic, zur Erfüllung der Prophezeihung des Eintagsfliegenspielers-Daseins, ist seit Monaten im Blog alles gesagt. Man verpasste, die vielsagende Vita des Spielers ignorierend, seinen Verkauf, der einst für Unsummen und nach der Europameisterschaft sicher auch noch für einen nennenswerten Betrag möglich gewesen wäre.
Zu Gacinovic ist in Bezug auf das große Ganze, auf die rote Linie seiner Karriere und seines Beitrags zum Eintracht-Erfolg in der post-Relegationszeit weniger geschrieben worden. Einzig in der Einzelkritik wurde das oben Gesagte schonmal angerissen. An diese Einschätzung anknüpfend bleibt auf seine Produktions-Zahlen zu verweisen: Zwölf Bundesligaeinsätze, ein (Sieg)Tor gegen Köln. Keine Vorlage, drei Gelbe Karten. Unbestritten hat der 21-Jährige den Sprung zur Nummer eins auf der linken Außenbahn geschafft, stand elf Mal in der Startformation, darunter auch zweimal als Zentraloffensiver (was misslang). Gerade zu Saisonbeginn und zum Hinrundenende präsentierte er sich aber schwach, profitiert bei dem Stammspieer-Status, bei den Einsatzzeiten maßgeblich von der faktischen Konkurrenzlosigkeit auf der Position. Der hektisch verpflichtete Fremdkörper-Spieler Shani Tarashaj fiel die meiste Zeit der Hinrunde aus, doch als er einmal auf Strecke (62 Minuten) spielte, erzielte er jenes eine Tor, das auch Gacinovic vorzuweisen hat – im Sechsfachen der Spielminuten.

Der Entscheidende Kritikpunkt gegenüber Gacinovic: Man merkt ihm noch wenige Lerneffekte an. Er begeht weiterhin jene Fehler, die Ex-Trainer Armin Veh wahrlich nicht zu unrecht kritisierte und die bisweilen an Takashi Inuis Dribbling- und Querpass-Ballverluste erinnern. Weniger folgenreich, weil das Team insgesamt besser steht und Gacinovic sich aller Schmächtigkeit zum Trotz immerhin für die Wege zurück weit weniger schade ist als der Japaner das war.  Immerhin. Trotzdem: Gacincovic verhaspelt sich zu oft in Dribblings, viel gravierender und leichter abzustellen ist aber der Hang zur Durchführunge des Komplizierten/Besonderen statt des Simpeln. Die berühmten falschen Entscheidungen eben – in seinem Fall aber einer gewissen Laxheit, Lässigkeit geschuldet, keinesfalls der Verunsicherung. Gegen Mainz gab es für diese, seine systemhafte Schwäche eine symbolhafte Szene, als ein langer Ball aus der Abwehr auf den Flügel gespielt wird und er diesen Pass mit der Hacke direkt ins Zentrum prallen lassen und für den Doppelpass steilgehen will. Wieso? Dafür bestand angesichts ders Ergebnissen (und selbst wenn das beim 0:0 gewesen sein sollte) zum Einen kein Anlass, zum Anderen wären konservative Ballannahme samt Ballabschirmun schon anspruchsvoller gewesen als das in 90 Prozent der Passempfänge der Fall ist. Schwupps lag der Ball also vor des Mainzers Füßen, es gab den Konter auf Höhe der Mittellinie. So Dinger müssen einfach nicht sein, jedenfalls nicht in dem Spieldrittel. Wenn, dann lohnt so eine Harakiri-Aktion mal tief drin in des Gegners Hälfte. Gacinovic ist einer, der Gefahr heraufbeschwören kann, ohne direkt den statistischen Wert Tor/Torvorlage zu bekommen. Das ist ein Wert ansich, ein großer sogar.

Um in der Rückrunde ähnlich viele Spielanteile zu bekommen, wird Gacinovic sich trotzdem mächtig ins Zeug legen, steigern müssen – gerade in puncto Produktivität. Als offensiver Außenbahnspieler sollte gerade die Chancenvorbereitung oder eben das (zum Eigenabschluss)Einrücken ins Zentrum sobald der Angriff über die andere Seite vorgetragen wird, Kernaufgabe sein. Das geschieht beides viel zu wenig, was sicher gerade in den vergangenen Hinrundenwochen auch der generellen Abnahme der Frankfurter Torgefahr, des Erlahmen des Offensivspiels geschuldet ist.

Es sollte nicht verwundern, wenn entweder Shani Tarashaj die neue Erstwahl auf Linksaußen wird, oder der Verein auf der Position sogar nochmal auf dem Transfermarkt tätig wird. Denn klar ist: Wenn es leistungs- und optimierungstechnisch noch einen Hinterherhinker in Frankfurt gibt, dann findet er sich im linken Mittelfeld. Ein ebenso Vielversprechender wie (auch angesichts der anstehenden millionenschweren Infrastrukturinvestionen) Unrealistischer, jedenfalls nach Tarashajs Leihende im Sommer und dem Ignorieren des Planspiels Rebic oder Barkok auf links, ist ja dieser Spieler hier ...
Und um innerhalb der Verbesserungstheorie auch noch schnell den Kreis zum Ganzobengesagten zu schließen, mangelt es ja auch im Sturmzentrum qualitativ und angesichts des Wintervakufsgebots dann auch quantiativ noch vor Sommer dieses neuen Jahres (Seferovic).

Es ist jedenfalls schon bemerkenswert, dass die Geschichte dieser Saison gerade nicht von denen geschrieben wird, denen man das, samt aller damit verbundenen Zukunfts- und Erlösfragen am ehesten zutraute bzw. von denen man das erwartete.

Stand jetzt sieht es zumindest so aus, als ob im Sommer 2017 der tatsächliche Umbruch kommt. Dann, wenn Leistungsträger für umme zurückbeordert, die Enttäuschungen für geringer-als-möglich-Beträge verkauft und ein Urgestein seinen Abschied nehmen wird, wird man auch sehen, für wie sinnvoll die Funktionäre um Fredi Bobic den Mannschaftsaufbau-Weg über Ausleihen bzw. Geschäfte mit den Branchenriesen halten. Angesichts der bereits angerissenen bevorstehenden Infrastruktur-Investitionen dürfte der Leih-Weg mindestens noch eine Saison fortgesetzt werden. Aber das ist dann Gesprächsstoff für den nächsten Symboltag, dem 30. Juni 2017.

Frohes neues Jahr jedenfalls für euch, die Blog-Gemeinde. Auf dass das siebte kein verflixtes wird.

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11 Kommentare

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11 Antworten zu “Symbolik

  1. F.N.

    Merino Leihe aus Dortmund wäre mein Wunsch für 2017 und zur Ergänzung Fabian Schnellhardt aus Duisburg

  2. Anonymous

    Meine Wunschelf für das Jahr 2017

    —————————————-Oka———————————————–
    ————–Olsen————-BWDeskmann——————Koppweh——
    –a. kloppi——————————————————————————-Olli
    —————————–JJJ————-Adlerschnabel————————-
    -der Norddeutsche—————————————————-Florian——-
    —————————————–F.N.————————————————

    • F.N.

      Das gefällt mir: wäre als 50 plus noch eine Alternative für LA.
      Happy New Year. Think different.

    • 😀

      Ich ahne aber, dass Olsen protestieren wird. Der will sich ausruhen und situativ glänzen, wäre also eher was für zentral vorne.

      • F.N.

        Du meinst als gleichwertiger Ersatz für Sefe.

      • Sozusagen – wobei dem ja so ziemlich alles, nur eben die Laufbereitschaft nicht abzusprechen ist. Das sieht beim Olsen erfahrungsgemäß anders aus. Der läuft nicht, tanzt aber auf Bierdeckeln Gegenspieler aus und Bälle prallen leidenschaftlich gerne an seinem Leib ins Tor ab.

    • akloppi

      Ich stand in der Kreisoberliga eher meistens vorne rum. Abstauben und so..ja eine gute Nase hätte ich vor dem Tor.😏

      Frohes Neues!

    • Jermaine Jones Junior

      Oh wie schön. Ich spiele auf der Position, auf der ich in meiner Jugend schon gespielt habe: Vorstopper 🙂

    • Koppweh

      Ohhh welche Ehre .
      In der Mannschafts Kabine steht ein Kasten Bier als Einstand.

      Wer ist Spielführer? BJÖRN Wer hockt auf Bank?

      Milchmannn

      Jetzt zeigt das Zdf um 1 Uhr Lesben Sex mit einer Hochschwangeren.
      Love Island

      Ts ts ts ich will meine GEZ Gebühren zurück

      Widerlich ne ne 🙂

      • Uschi Glasgow Rangers

        Ich bereite selbstverständlich Rührei vor. Die gibbet dann vorm Spiel als Stärkung. Und passend zur kalten Jahreszeit mach ich heißen Tee mit verschiedenen Kräutern für die Halbzeitpause. Die gieß ich dann in eine Isolierkanne und stell sie Euch bereit in die Kabine.
        🙂

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