Später, aber richtige Entscheidungen

Johannes Flum kann einem nur leidtun. Jetzt also ist er aus dem Kader von Eintracht Frankfurt gestrichen worden. Und das alles wegen einer Verletzung, deren Folge sich als ähnlich schlimm entputt wie ihr Zustandekommen. Flum, ein Spieler der sich nach Anlaufschwierigkeiten und Patzern gefangen, ja zu einer verlässlichen Größe im Team gemausert hatte, hat keine Zukunft mehr bei der SGE. Das ist auch insofern bedauerlich als dass es auf der Sechserposition durchaus nicht so prickelnd ausschaut im Team. Mascarell, dessen Verbleib unklar ist. Huszti, dessen Perspektive qua Alter gering ist. Hasebe, dessen Rolle eine andere geworden ist. Stendera, dessen Rückkehr noch dauert und dessen Güteklasse weiter nicht ganz klar ist. Kurzum: Gerade in der Rückrunde hätte ein weiterer gelernter Sechser der Mannschaft gut getan, denn fällt bspw. Mascarell aus, wird – etwaig geplante Neuzugänge mal außen vor gelassen – sofort das Rumgeschiebe losgehen.
Flum nun schon aufs Abstellgleis zu stellen, halte ich für eine Fehlentscheidung.

Slobodan Medojevic, der bezeichnenderweise an Flums Misere „schuld“ ist, hatte hingegen in Frankfurt einfach keine Chance. Seine Verpflichtung wirkte von Beginn an seltsam, seine Leistungen waren eher schlechter als das mit seltsam treffend beschrieben wäre. Unvergessen sein folgenschwerer Ballverlust in der Vorwärtsbewegung, was der Eintracht in den letzten Minuten der Partie wichtige Punkte kostete. Es ist eine Szene, nein, die Szene, die geradezu symbolhaft für sein ganzes Wirken bei der SGE steht.
Medojevic nun das Aus zu signalisieren, halte ich für eine korrekte Entscheidung.

Dass mit Joel Gerezghier und Enis Bunjaki die nächsten einst hochgelobten Nachwuchsspieler mangels Qualität nicht im Profikader fortleben, zeichnete sich seit langem ab. Spätestens als Gerezghier sang- und klanglos beim FSV Frankfurt scheiterte, als Leihspieler Tribühnengast war, wusste man um die Einordnung seiner Qualität. Bunjaki war ohnehin schon raus, den rehabilitierte Trainer Niko Kovac zu Zeiten seines Balkan-Gen-Fiebers – wieso, erschloss sich damals schon niemandem so recht. Fakt ist, dass der Stürmer auch in krisenhafteren Zeiten wohl chancenlos gewesen wäre. Ein gewisser Aymane Barkok macht ihnen gerade vor, wie es auch, wie es selbst von 0 auf 150 gehen kann.
Nicht mehr auf Gerezghier und Bunjaki zu setzen, halte ich für sinnvolle Entscheidungen.

So sollen also vier gehen, wohingegen ein Stuttgarter Jugendspieler schon verpflichtet worden ist. Stuttgart, das ist doch mal was! Die haben nämlich eine Jugendabteilung, die den Namen verdient. Da sind schon so manche hochgekommen, die den Sprung mindestens zu soliden Spielern schafften. Unabhängig davon, ob dieser Max B. auch das Zeug dazu hat, ist dieser Transfer ein interessanter Fingerzeig. Da sind jetzt ganz offenkundig endlich fähige Leute am Werk. Die Entscheidungen, die in diesem Klub getroffen werden, sind die richtigen geworden. Sie kommen allesamt zwar zwei, drei Jahre zu spät/später als nötig, aber immerhin kommen sie.
Meine Anerkennung daher für die Herrn Fredi Boic, Ben Manga und natürlich Kovac/Reutershahn. Die zwei, drei anderen Funktionäre, die sich nun in der Entwicklung sonnen, dürfen den Weg meinetwegen mitfeiern. Aber nicht selbst selbst.

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16 Kommentare

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16 Antworten zu “Später, aber richtige Entscheidungen

  1. Jermaine Jones Junior

    Dass Flum aus dem Kader gestrichen wird, muss wohl überlegt worden sein. NK wird im Hinblick der bevorstehenden Spiele (18 x Bundesliga, mind. 1 x Pokal, Hasebes Länderspieleinsätze) wissen, dass er kein unnötiges Risiko eingehen darf. Für mich ist das ein klares Signal für das weniger defensivere 4-2-3-1 System.

    Ich glaube deswegen schon, dass NK Hasebe bewusst als 6er einplant.
    Er muss es auch, weil er gegen die vermeintlich schwächeren Teams offensiver aufstellen muss (die Stammleser errinnern sich an meinen Beitrag im Hinblick auf die Rückrundenkonstellation). Das bedeutet, dass NK die Libero-Position zugunsten einer offensiveren Variante opfern muss. Kurzum: Das defensive Mittelfeld im 4-2-3-1 System, das mMn häufiger zu sehen sein wird, ist an sich mit Hasebe, Huszti und Mascarell breit genug besetzt.

    • Das mit der Formation schätze ich ähnlich ein. Allerdings sind mir die drei genannten Verbliebenen in ihrer Spielanlage zu ähnlich als dass ich mit dieser Ausstattung an Sechsern zufrieden wäre. Hasebe und Mascarell sind sehr defensiv eingestellte Sechser, Huszti der einzige offensiv agierende – und an der Stelle fehlt eben ein zweiten mit Drang nach vorne, zumal einer mit einer auch physisch etwas anderen Schlagkraft als die verbleibenden drei.
      Nicht dass ich mir von Flum Wunderdinge erhofft hätte. Aber in ihm sah ich schon eine sinnvolle Ergänzung zum Vorhandenen. Jedenfalls gibt es noch 1,2 andere, denen ich eher den Laufpass gegeben hätte.

      • Jermaine Jones Junior

        Die Entscheidung Flum aus dem Kader zu streichen finde ich wirklich tragisch. Der Fall Flum, dessen Schicksal mich an Christoph Preuß’s errinnert, ist deshalb so tragisch, weil seine Willensausdauer kurz vor Vertragsende nicht belohnt wird. Offenbar ist seine Verletzung hartnäckiger als sie nach außen schien. Er hätte das Mittelfeld mit seiner feinen Technik bestimmt beleben können.

        Oder aber NK bleibt bei seiner 3er Kette (mit Hasebe) und zwei Außenverteidiger und bringt nur einen 6er (Mascarell). Stattdessen tauscht er Huszti gegen einen kreativen Mittelfeldspieler aus.

        Mit einer System- und Taktikumstellung rechne ich im jeden Fall.

        Wem hättest du den Laufpass gegeben? (Ich tipp auf Haris Seferovic)

      • Seferovic, den der Bannstrahl aber ja offenbar auch trifft, wenn auch indirekter.

        Lindner, der letztlich nur Geld kostet.

        Tawatha/Regäsel als Missverständnisse.

        Und einen Stürmer sowie Außen nachverpflichten (wobei die wintertravsfers … naja, Regäsel war ja so einer)

      • F.N.

        Regäsel würde ich auch abgeben. Tawatha und Lindner werden , wenn es gut läuft, nicht gebraucht, sind aber als back up wichtig, wenn man auf diesen Positionen nicht handeln will.
        Sefe scheint zu gehen.
        Auch bei einem Taktikwechsel würde ich die 6 er Position stärken, da es im Sommer dort einen Umbruch geben wird.
        Fabian war ein Winterwechsel…..
        Ich bleibe dabei: Merino und ein Stürmer.

      • Jermaine Jones Junior

        Die 6er Position würde ich ggf. erst zur neuen Saison verstärken, weil wir -wie ich finde- breit genug aufgestellt sind. Eine Verstärkung hängt vom Verbleib Mascarells ab.
        Ich wiederhole mich gerne: Pirmin Schweglers Vertrag läuft am Ende der Saison aus. Ich finde nicht, dass er verbrannte Erde hinterlassen hat. Wenn es nach mir ginge, stünde die Tür für ihn offen.

      • Schwegler wird Anfang März 30, steuert also bei seinem nächsten Verein auf die 31 Jahre zu. Alter ist für mich zwar wahrlich kein Argument, zumal er als erdachter Huszti-Ersatz ja einen ersetzen würde, der auf der Zielgeraden seiner Karriere ist. Allerdings, und hier kommt der entscheidende Punkt: Huszti ist im Gegensatz zu Schwegler ein Offensivspieler und nur auf Sechser/Achter umgeschult. Im Prinzip ist der Ungar ein Ex-Außenbahnspieler, der stets Zug zum Tor hatte (es ist bemerkenswert, dass er versucht diese seine Stärke auch auf der ungewohnten Zentralposition anzuwenden).
        Schwegler hingegen war, ist und bleibt Sechser, aber eben eher Typ Hasebe: Aufbauend, ordnend, Ruhe in den Aufbau reinbringend und Defensivzweikämpfe suchend. Nach vorne war/ist Schwegler aber nie ein Faktor gewesen; ergo wäre er als Ersatz für Huszti jedenfalls in dieser Rolle nicht geeignet.
        Grundsätzlich braucht es neben dem defensiveren Sechser einen nach vorne aktiveren, so wie schon beim Duo Schwegler/Rode, wo ja Letzerer, so uneffektiv und flipperig er ist, den klar offensiveren Part spielte. Florian Grillitsch (Bremen, 21 Jahre, ablösefrei) wäre einer, den ich in diesem Bezug nehmen würde.
        Aber Schwegler selbst? Ich weiß nicht … und angesichts des eingeschlagenen Klub-Kurses ist glaube ich der Weg der Rückholaktionen vorerst vorüber.

      • F.N.

        Schwegler im Sommer für Huzsti wäre ok.
        Hasebe sollte für mehrere Spielsysteme eingeplant werden.
        Stendera sehe ich eher auf der 10 als Fabian Ersatz, muss allerdings erst fit werden
        Mascarell muss ggf ersetzt werden, daher würde ich einen jungen Spieler für 1,5 Jahre ausleihen.

      • F.N.

        Kritik an eventueller rückholaktion Schweglers ist nachvollziehbar. Erfahrung tut der Mannschaft allerdings auch gut. Also Schwegler und Grillitsch oder ganz andere Lösungen….

      • Jermaine Jones Junior

        Die Idee, als ehemaliger Ex-Außenbahnspieler auf der 6 zu spielen, ist nicht neu. Zé Roberto beim FC Bayern und später beim HSV interpretierte diese Rolle ähnlich.
        Sollte uns die Sensation tatsächlich gelingen und spielen nächste Saison international, dann macht eine Verpflichtung Schweglers noch mehr Sinn, weil der 32 Jahre alte japanische Nationalspieler und absoluter SGE-Schlüsselspieler Hasebe ab und zu mal geschont werden muss.
        Die Eigenschaften Schweglers, die du beschrieben hast, passen da perfekt ins Anforderungsprofil eines Hasebe-Backups.

      • Das ist richtig, nur brauchen wir meiner Ansicht nach weniger Backup- und Breitenverstärkungs-Denke als vielmehr Investition in Spitzenqualität.
        Das ist ja die Crux der vielen vergangenen Jahre gewesen, da war viel qualitativer Einheitsbrei dabei, ein Herausforderer war letztlich sogar nur seltenst besser als derjenige, dem er Druck machen sollte. So oder so gelang nie, um die zwei, drei Hochqualitätsspieler im Kader noch andere Spieler ähnlicher Güteklasse zu gruppieren. Da war, so krachend die Personalie auch scheiterte, Stefan Reinartz prinzipielle die richtige Idee. Und in diese prinzipielle Richtung gilt es weiter/wieder zu handeln. Dann kann dieser Klub tatsächlich dauerhafter die Rückkehr in Tabellengefilde schaffen, die die Ewige Tabelle widerspiegelt und von der aus hin und wieder mal ein Griff gen Europa drin ist.

      • F.N.

        Spitzenqualität klingt gut, leider scheint das ohne Kapitaleinsatz kaum erreichbar, es sei denn man landet glückstreffer wie bei vallejo und hat zudem einen Trainer wie Kovac, der mehr als das Maximum aus der Mannschaft herauskitzelt.

      • Richtig, Kapitaleinsatz ist dafür nötig. Man sieht zwar etwa bei Vallejo, dass es auch ohne allzu große Summen zu investieren möglich ist, hochqualitative Spieler zu bekommen. Aber weg von Kurz- hin zu Mittelfristdenken ist eine Qualitätssteigerung, ein Teamaufbau über Leihspieler natürlich nur temporär möglich und funktioniert zudem auch nur bei Vorhandensein eines Mini-Korsetts von 3,4 vorhandenen Hochqualitätsspielern.

        An dem Punkt macht ja die Jugend, Stichwort Barkok, ja erstmals seit vielen Jahren Hoffnung.

  2. F.N.

    Die Entscheidung gegen Flum ist wirklich tragisch. Alle anderen kann ich mehr als nachvollziehen.
    Ein guter sechser ist als Neuzugang im Winter eigentlich Pflicht . Den neuen Entscheidern wird dazu bestimmt etwas einfallen .

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