Abgesägte Schrotflinte

Es ist gekommen, wie es kommen musste: Eintracht Frankfurt muss sich fragen lassen, wieso man so lange am Schweizer Stürmer Haris Seferovic festgehalten hat – und, hoffentlich nur aus Angst vor weiterem Marktwertverfall, öffentlich weiter festhält. Es ist schließlich nicht so, dass das Bewertungs-Fallbeil nach einer anhaltend schlechten Phase, einer festgezurrten Formkrise oder gar unfair kurzen Zeit auf ihn hinunter gesaust wäre. Vielmehr lässt sich der Anfang vom Ende der Leistungsstärke des Haris Seferovic ziemlich genau datieren.  Es ist der 17. Dezember 2014, dem vorletzten Hinrundenspieltag seiner Frankfurter Debütsaison. Es war das letzte seiner Tore, beim kuriosen 4:4 gegen Hertha BSC Berlin, als Teil des damaligen SGE-Super-Sturms. Es sollte acht Spiele, bis in den März 2015 bis zu seinem nächsten Treffer, sechs weitere Partien bis zum zweiten von letztlich drei Rückrundentoren dauern. Am Ende stand trotz des statistisch-qualitativen Abschmelzens mit Beginn der Winterpause eine bärenstarke Saison – in welcher der Niedergangsprozess aber bereits nach wenigen Monaten begonnen hatte.

Der weitere Verlauf, sprich die folgenden bis jetzt eineinhalb Jahre des 24-Jährigen, liest sich erschütternd. In unwesentlich weniger Einsatzzeit gelang ihm wesentlich weniger Produktives, seine Darbietungen wurden immer kurioser, die Streuung seiner Schüsse, wild, kopflos, glich endgültig denen einer Schrotflinte – gepaart mit den oft thematisierenden Stänkereien gegen Mitspieler, die dann durch eine gewisse externe Überbetonung seines treuen Teamgeists und Vertragsverlängerungs-Vorpreschereien relativiert wurden. Das durfte und das darf man getrost als folkloristisches Schauspiel einordnen.

Man muss Seferoric nicht charakterliche Defizite unterstellen um die Liste dessen kurz zu halten, die für ihn, für seinen Verbleib sprachen und sprechen. Schlussendlich erschöpft es sich in recht weichen Faktoren wie Vertrauen und Hoffnung. Ersteres gewährten ihm sowohl Armin Veh als auch Niko Kovac sogar über Gebühr. Zweiteres ist ein Luxusgut, dass man sich gerade als Mittelklasseverein nur für einen beschränkten Zeitraum und mit Alternativen im Kader (Hrgota entpuppte sich spät in der Hinrunde als solche) leisten kann.

Das Problem ist, dass der Verein für die Missachtung des Niedergangsprozesses einen hohen Preis bezahlt. Man muss nicht auf die angebliche 10-Millionen-Euro-Offerte von Borussia Mönchengladbach abstellen um zu argumentieren, dass die richtigen Zeitpunkte für einen Verkauf Seferovics verpasst wurden. So ein Betrag dürften sich Klubs wie die SGE niemals entgehen lassen; schon gar nicht in Kenntnis der Eintagsfliegen-Entwicklung eines Spielers. Wenn der Klub jetzt, da sich vielleicht noch die Hälfte der einst gezahlten Ablösesumme reinholen ließe, den Verkauf nicht aktivst vorantreibt, wäre das der erste wirkliche Fehler im Wirken von Fredi Bobic (das Aussortieren, den Verkauf von Johannes Flum an St. Pauli halte ich persönlich wie gesagt auch für einen, aber der ist weniger wirkungsmächtig als das Dauerärgernis Seferovic). Selbst wenn der Schweizer in der Rückrunde noch die eine odere andere passable Leistung zeigt, gar noch ein, zwei Tore schießt: Wieso sollte der Klub eine Vertragsverlängerung, die ja immer mit Gehaltserhöhungen verbunden ist, vollziehen wollen? Wieso sollte Seferovic angesichts der Tatsache, sportlich selbst hinter No-Names wie Aymane Barkok zurückgefallen zu sein, selbst einen neuen Vertrag wollen (zumal er im Sommer sprichwörtlich frei ist und sich das nächste Engagement quasi aussuchen kann)?

Was ihm und von ihm bleibt, ist das entscheidende Klassenerhalts-Tor in Nürnberg. Ein Treffer der Marke „Mittelstürmer der 1990er“, als er richtig stand, die richtige Bewegung im richtigen Moment machte und den Ball somit über die Linie drückte. Dass er aber selbst nach dem emotionalen Ritt im Frankenland bis heute nicht so sehr als „Retter“ gefeiert wird, liegt nicht nur an der Übermächtigkeit des Wirkens von Trainer Niko Kovac und dem Situations-Geistesblitz von Mijat Gacinovic. Für einen Heldenstatus hatte sich schon damals schlicht zu lange zu viel Balast angehäuft.

Das mit Haris Seferovic und Eintracht Frankfurt begann als eine leidenschaftliche Beziehung. Es hätte Liebe werden können. Am Ende ist es eine Bettgeschichte geworden.

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13 Kommentare

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13 Antworten zu “Abgesägte Schrotflinte

  1. Steven

    Volle Zustimmung, bis auf die Sache mit Flum… Er konnte nie die Erwartungen erfüllen, seine guten Leistungen kann man an drei Fingern abzählen… Ihm fehlt(e) es leider an Schnelligkeit und Technik. Tugenden,die man für die erste Liga braucht… Ansonsten ein solider Zweitligaspieler…

  2. Jermaine Jones Junior

    Soviel Wirbel um eine SMS von Bobic an Bruchhagen. *Kopfschüttel*
    Und angeblich wollte Bruchhagen mit seinem Kommentar Unruhe zwischen Hellmann und Bobic stiften…
    Was ein Kindergarten…

    • Niko und Robert

      Und deren Vorstand hat auch nichts besseres zutun als sich an Silvester volllaufen zu lassen und spurlos zu verschwinden 😀 😀 😀

    • Koppweh

      Nur das ich das richtig verstehe. Heri hat eine private SMS von Bobic öffentlich gemacht, ohne die Zustimmung von Bobic und hat damit Bobic in Bedrängnis gebracht gegen Hellmann.
      Das wäre schäbisch, wenn es so wäre .
      Ich hab die letzten Wochen die Eintracht nicht verfolgt.
      Ich weiß nur wer gekommen ist. Aber viel weiß ich nicht über den Neuen.
      Gruss koppweh

      • Jermaine Jones Junior

        Also so richtig fies wäre es ein Screenshot von der SMS zu veröffentlichen, um Bruchhagen zu blamieren. Weil es nicht das erste Mal ist, dass Bruchhagen in der Öffentlichkeit kleine Lügen verbreitet. Bruchhagen ist schon ein Fuchs. Aber ich möchte mich gar nicht über ihn aufregen, weil er mit der Aufgabe den HSV zu führen schon zu genüge bestraft ist.

      • Koppweh

        OK, dann lassen wir uns alle mal hoffen, dass der Dino ausstirbt .
        Das Heri mal den Arsch von einem trojanischen Pferd leckt, wäre mir nicht in den Sinn gekommen.
        Man lernt nie aus.

        Der Heri zieht das Unheil an. Jetzt verschwinden schon Mitarbeiter beim HSV.
        Des wird nicht besser durch Heri.
        Hat der doch glatt Spahic rausgeschmissen. Ts ts ts ts

    • Madjeed

      Jeder der im Berufsleben von einem mächtigen Chef aufgrund Mangelleistung angebrüllt wurde weiß, man steht mit dem Rücken zur Wand. Was der Herri bei uns beim Abgang veranstaltet hat war nicht OK. Ich kann Hellmann gut verstehen.

      • Jermaine Jones Junior

        Interessant. Björn sieht das nämlich anders. Aber ich stimme dir zu. Als Watzke letztes Jahr mal zu Bruchhagens Abschied befragt wurde, meinte er, dass die Liga eine echte Größe verliere. Wenn du so einen machtbezogenen und ligaweit gut vernetzten Vorgesetzten hast, könnte der Eindruck entstehen, dass der ein oder andere im Eintracht-Vorstand etwas eingeschüchtert war. In jedem Fall spürt man ein Aufatmen. Das erkennt man nämlich daran wie zügig der Staff ergänzt wurde oder der Konstruktion angestrebter Pläne für die FERNE Zukunft.

      • Koppweh

        Heri hat das letzte Jahr ausgesessen. Mit Armin hat er den ganzen Laden blockiert. Den Bruno hat er jahrelange schön kleingehalten.

        Mit dem Satz . Diese Frage steht ihnen nicht zu, hat Heri bei mir den letzten Rest an Sympathie verloren.

        Dann kam dieses Zementgelaber bei Sky über die Eintracht.

        Das war so verletzend von ihm mir gegenüber.
        Die Eintracht soll froh sein, wenn sie in der jetzigen Saison nicht absteigt.

        So abfällig von oben herab. Anstatt der Eintracht die Option von größerem zu gönnen und zu wünschen , fiel er in die alten Sprachattitüden.

        Armin hält wenigstens seine Klappe. Das rechne ich dem Armin hoch an.
        Der weiß wie die hohe Abfindung verpflichtet. Mal sehen wie lange.

  3. Olsen

    Von wegen Schrotflinte. Seferovic trifft im Test gegen Changchun Yatei Fc und wartet auf deine Entschuldigung 😜

  4. Koppweh

    Toller Satz vom Bruno. Das zeugt von Optimismus. Bruno hat das Veh Syndrom verarbeitet. Geil….
    Wir sind über den Berg. Nichts kann uns mehr aufhalten.
    Ein Riese ist erwacht. Die Bundesliga gehört jetzt uns.

    Der Fußball ist nur noch im Jetzt und Hier, was mal war, interessiert keinen mehr. Der Fußball lebt nur in der Zukunft.

  5. Koppweh

    Bei mir ist es Liebe und keine Bettgeschichte.

  6. Der Norddeutsche

    Und wer hat Schuld? Bei Thomas Schaaf hatte Johannes Flum, unter Veh noch Stammspieler, nie eine echte Chance und wurde regelrecht demontiert.
    Warum auch immer.
    Ich kauf mir jetzt ein St. Pauli Trikot😉

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