Lindner verhindert Klatsche

Das war schon ziemlich peinlich. Natürlich war der Auslöser dafür, dass dieses Spiel quasi mit dem Anpfiff verloren war, die Slapstick-Nummer von Lukas Hradecky. Der oft so tadelose Keeper war mit dem Kopf wohl noch beim Bierzählen im Kühlschrank. So kurios und folgenschwer die Szene auch war, schon die Entstehung, der Steilpass hinter der Mittellinie zentral vors Frankfurter Tor war ein Fingerzeig in welche Richtung diese Partie zu laufen gedachte. Dass Bastian Oczipka (der später, unmittelbar vor dem 3:0 noch mit Jesus Vallejo zusammenrannte) dann beim Nachschuss des Freistoßes zum 1:0 pennt, richtig schön im Winterschlafmodus hängt, krönte die Kuriosumskette und war Auftakt zu einem Spielverlauf, der einen als SGE-Anhänger schaudern ließ.

Eintracht Frankfurt ist in Ostdeutschland regelrecht überrollt worden, und nur Heinz Lindner, der sein erstes Bundesligaspiel absolvierte, ist es zu verdanken, dass das beste an diesem Abend das Ergebnis war. Problemlos hätte der Konzernklub aus Leipzig 5:0, 6:0, gewinnen können, wenn nicht müssen. Okay, 5:1, 6:1 wenn man die eine Ante-Rebic-Chance hineinrechnet, die letztlich doch ziemlich kümmerlich vergeben wurde. Ob das nur an der frühstmöglichen Unterzahl lag? An einer Leipziger Klasse und Form, die einem Klassenunterschied nahe kam? Man mag es hoffen, aber selbst wenn dem – auch wegen mangelnder Entlastung – so sein sollte: Frankfurt Defizite waren frappierend offensichtlich. In puncto Tempo, Handlungsgeschwindigkeit, Zweikampfgeschick und grundsätzliche Zweikampfführung waren große qualitative Unterschiede erkennbar. Die Tatsache, dass sich die üblichen Verdächtigen – Omar Mascarell und Ante Rebic (die 5., also Sperre) – mit rustikalem Einsteigen jeweils Gelbe Karten abholten, war eine der wenigen Konstanten zum Gros der ersten 16. Spiele. Lediglich zwischenzeitlich, so von Minute 20 bis 35, wirkte es als könnte die Eintracht den einen lucky punch zu einem 1:1 mt folgender Parole „Halten“ versuchen. Richtig zwingend wurde es da leider auch nicht.

Was nimmt man also für Erkenntnisse aus diesem quasi sofort verlorenen Spiel mit in die nächste(n) Woche(n)? Jedenfalls nichts neues, eigentlich nur Redundanzen/Fortsetzungen: A) Ohne Marco Fabian ist diese Mannschaft weniger wert, gerade im Spiel nach vorne, so sporadisch das an diesem Spieltag auch nur möglich gewesen wäre. Ohne ihn ist das der über Jahre bekannte Einheitsbrei, mehr Trott als Turbo. B) Michael Hector muss sich zur Decke strecken um in der Bundesliga mithalten zu können. C) Mijat Gacinovic ist noch weit sehr weg davon, der erhoffte (positive) Faktor zu sein (—> Aymane Barkok macht einen wesentlich besseren Eindruck). D) Ante Rebic müht und rackert, ist aber glück- und erfolglos.
Einzig zu Heinz Lindner weiß man jetzt mehr als je zuvor: Er wird Lukas Hradecky gegen Schalke so vertreten können, dass niemand, der es mit Rot-Schwarz hält, Panikattacken haben muss. Im Gegenteil, wäre der finnische Stammtorwart in der Vergangenheit dann und wann mal wackelig gewesen, wäre Lindners Parforceritt als eine regelrechte Kampfansage zu werten.
Zur Aussagekraft des nächsten „besten Trainingslagers aller Zeiten“ steuert diese Partie indes nichts bei. Immerhin.
Und doch ahnt man, dass die Herrlichkeit ein Ende gefunden haben könnte. Ob das tatsächlich so ist, wird sich im Spiel gegen Schalke weisen, die Mannschaft mühte sich zu einem Last-Minute-1:0-Sieg gegen Ingoldstadt. Wenn Frankfurt gegen dieses Gelsenkirchen gar nichts holt, wird man aber wohl von einem Fehlstart sprechen können. Aber bis dahin schmilzt noch viel Eis von der Nidda.

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10 Kommentare

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10 Antworten zu “Lindner verhindert Klatsche

  1. Koppweh

    Eigentlich wollte ich mich nicht mehr äußern zu Joel. ABER

    Stendera nicht fit.
    Blum nicht fit.
    Varela nicht fit.
    Huszti und Fabian am Arsch.
    Medo am Arsch Arsch
    Flum weg.
    Seferovic Abschiedsgelaber vom Bobic

    Ich hätte Joel nicht den Laufpass gegeben.

    In diesem Punkt werden Niko und ich keine Freunde.

  2. Der Norddeutsche

    @Walter Kolb
    Haben Sie das Spiel komplett gesehen?
    Wir hatten doch 70 Minuten kaum Zugriff auf das Spiel. Leipzig hat den Ball gut laufen lassen, war gedankenschneller und generell in der Vorwärtsbewegung schneller. Wir haben überwiegend nur reagiert und nicht agiert.
    Aber ich denke auch, auf Schalke werden die Karten neu gemischt und der Trainer wird die richtigen Worte finden.

  3. sonny 85

    Pleiten Pech und na ja Fehler passieren und weiter geht’s.

  4. F.N.

    Das war schon eine Demonstration der Leipziger und die erste Klatsche der Saison. Auch mit 11 Mann wäre nicht viel zu holen gewesen, die Schnelligkeit im Eintrachtspiel reicht gegen so einen Gegner nicht.
    Auf Schalke werden die Karten neu gemischt…

  5. Jermaine Jones Junior

    „Der oft so tadelose Keeper war mit dem Kopf wohl noch beim Bierzählen im Kühlschrank.“ Anmaßender Kommentar. Das hätte jetzt echt nicht sein müssen.

    Leipzig war schlichtweg einfach nur verdammt gut heute und wir haben gleichzeitig in vielen Szenen unreif ausgesehen. Schade, dass wir verloren haben, weil ich gerne ein elf gegen elf gesehen hätte.
    Mit dem 0:3 kann ich gut leben. Die Niederlage fand ich in Betracht der individuellen Fehlerketten und dem Niveauunterschied nicht sooo schlimm.
    Es war ja schließlich nicht so, dass die Mannschaft nicht wollte.

    Die Wolfsburg-Niederlage und hingegen, die von so vielen hier schön geredet wurde, ja, die war schlimm (einschließlich dem überheblich verschossenem Elfmeter).

    • Die Niederlagen gegen Darmstadt und Freiburg waren auch schlimm weil unnötig. Heute war die Niederlage nicht zu ertragen , weil man auf die für mich zur Zeit stärkste Mannschaft der Liga traf.

      • Jermaine Jones Junior

        So komisch das klingt, aber ich war nicht sooo unzufrieden mit der heutigen Leistung, weil die Einstellung nach dem Platzverweis bis zum 0:2 grundsätzlich nicht schlecht war. Wir konnten heute -ihr lest richtig- Leipzig Paroli bieten. Das ist eine gute Botschaft.
        Das 0:1 und die damit verbundene rote Karte waren Künstlerpech.
        Das 0:2 resultierte aus einem unnötigen Foul von Hector.
        Beide Gegentore resultieren also aus individuellen Fehlern -> Individuelle Fehler basieren meist auf dem Zufallsprinzip. Dagegen kann man als Trainer oft nicht viel entgegenwirken.

        Aber die Leistung in Unterzahl zwischen dem 0:1 und 0:2 war gegen eine richtig gute Leipziger Mannschaft auf fremden Boden sehr ansprechend.
        Spätestens nach dem 0:2 vor der Pause war das Spiel gelaufen.
        Nur zum Ende mussten wir aufpassen, dass wir keine Klatsche bekommen.

      • Ohne Lindners Glanztaten wären es mind. 5,6 Dinger geworden. Das nochmal als Erinnerung.
        Die Niederlage ist keine Schande, das Wie denkbar unglücklich. Man muss aus der Pleite nicht mehr machen, als nötig. Und doch erkenne ich gewisse Fortsetzungen zu dem Eindruck aus dem Dezember. Daher interessiert(e) mich das Spiel gegen Schalke schon vor diesem Spiel weit mehr.

    • Ich kann mich weder ans Schönreden der Niederlagen gegen VW noch gegen Darmstadt und Freiburg erinnern. Und die Biere im Kühlschrank stammen aus seinem mund, nicht meinem

      • Walter Kolb

        Das die beiden Torchancen für RB nach dem 1:0 noch dem geistigen Durcheinander der roten Karte geschuldet war, sollte man ruhig zur Kenntnis nehmen.

        Danach war von Leipzig doch nicht mehr viel zu sehen. Die Eintracht hatte zwei herausragende Chancen durch Rebic und diktierte zunehmend die Partie.

        Erst der völlig überflüssige Freistoß in der 4.Minute der Nachspielzeit brach der Eintracht moralisch das Genick.

        So ein negativer Kommentar zu dem Spiel ist völlig ungerechtfertigt, aber das ist man von dem Blog- Betreiber ja leider gewohnt, dass er öfters mal negative Tendenzen suggeriert.

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