Sieg im Holzschnittspiel

Diese Spiele nach Sommer- oder Winterpause, sie waren, sind und bleiben einfach Rohkost. Das ist teilweise wirklich ein, zwei Klassen unter dem Niveau, das man im Ligabetrieb-Normalfall sieht. Und so entwickelte sich auch das siegreiche Spiel von Eintracht Frankfurt in Gelsenkirchen zu einem Dauerabtasten. Viel Geplänkel, kaum Tempo, wäre es beim 0:0 geblieben hätte man von einem leistungs- wie optischgerechten Ergebnis gesprochen.

Doch wenn ein Team hätte gewinnen sollen, müssen, können dann war es Frankfurt. Schlicht deshalb, weil während 90 Minuten kollektiver Nichtgefahr die SGE den konzentrierteren, den reiferen Eindruck machte – und sich trotz der vom Personal her offensiven Grundausrichtung auf die Stärken der Hinrunde besann: das Verteidigen, gleichsam gepaart mit Spielkontrolle über Ballbesitz. Da war viel Verschleppung, keineswegs Offensivdrang mit dabei. Und diese Verlangsamung war es, mit der Schalke bei zunehmender Spieldauer weniger klarkam, was sie entnervte. Trotzdem: Mit Guido Burgstaller hatte die Eintracht mehr Mühe als ihr recht wahr, er hätte zweimal treffen können, einmal (kurz nach Wiederanpfiff) vielleicht sogar müssen.

Aber das sind sie eben, die Unterschiede zu Alexander Meier. Der lief, nach einer ebenso schmucken wie cleveren Freistoßvariante mal wieder dorthin, wo man (Sieg)Tore schießen kann. Ohnehin absolvierte der Kapitän eine starke Partie, holte sich so manchen Ball und führte so manchen Zweikampf wie in vergangenen Zeiten als Quasi-Zehner. Ayman Barkok macht Freude, seine Finesse und Einsatzbereitschaft sind ein Zugewinn, er entwicklet auf eine feinere Art und Weise die Wucht, die Ante Rebic allzu oft in Physis steckt. Makoto Hasebe ordnete und sortierte fleißig wie gewohnt und David Abraham erwies sich nicht nur unmittelbar vor dem 1:0 als abgeklärter Hund. Heinz Lindner parierte im entscheidenden Moment stark, er hat seine Visistenkarte für die weitere Karriere (irgendwo außerhalb Frankfurts) hinterlegt, seine Chance genutzt.

Insgesamt liefert das Spiel, auf andere Art und Weise wie gegen Investorenleipzig, doch weniger Ansatzpunkte für einen Blick in die Form- und Klassenglaskugel als gedacht. Dafür verlief die Partie zu … holzschnittartig. Fakt (kein alternativer, sondern ein echter) ist, dass die Eintracht einen Gegner auf Augenhöhe bezwungen hat (zum zweiten Mal in einer Saison!). Die Sterne vom Himmel zu spielen kann niemals der Anspruch sein, schon gar nicht, weil und wenn mit Arbeit auch nur maximal drei Punkte erreicht werden können. Das hat die SGE geschafft, das ist bemerkenswert gut. Nimmt sie eine Entwicklung, gibt es andere Nuancen als in der Hinrunde, ein Ausbrechen aus dem Muster, dem sich ab Ende November sichtbar abnutzenden Masterplan gerade im Offensivspiel? Davon ist noch nichts zu sehen, im Grunde erkannte man – speziell in den ersten 20 Minuten – dass Schalke auf Spiel- und Herangehensweise der Eintracht eingestellt war. Die wussten, was sie erwartete und hatten dagegen durchaus Mittel. Frankfurt kam nicht vor. Als dann das 1:0 fiel, nach einer Standardsituation, und die Eintracht sich vollends auf ihre Zurückhaltungs- und Wucht-Spielweise verlagern konnte, offenbarte das noch weniger die Stärke Frankfurts als die Schwäcke Schalkes. Aber sei es drum – die Eintracht schaufelt sich drei Zähler aufs Konto, die Tabelle weist das Team mit 32 Punkten – und somit nur noch vier Zähler vom sicheren Klassenerhalt entfernt – aus. Ab jetzt noch 18, 19 Punkte, dann wird es für den Europapokal gereicht haben. Ein Ziel, dass genau mit Siegen wie heute erreicht werden wird. Respekt, Eintracht Frankfurt!

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8 Kommentare

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8 Antworten zu “Sieg im Holzschnittspiel

  1. TK Idstein

    Lindner Top.. zwei Torchancen im gesamten Spiel.
    Nach Schlacke auswärts fahren ?
    Nein, nicht zu empfehlen !
    Die Erfahrung hat man gemacht und weiß jetzt wovon man in diesem Fall redet.
    Positiv:
    -3 Punkte
    -Stadion Currywurst
    … das wars

  2. Jermaine Jones Junior

    Selbst das Spiel gegen Darmstadt wird kein Frankfurter Offenbarungseid über die wirkliche Form. Das Hessenderby werden wir ganz locker gewinnen. Bis dahin hoffe ich, dass Marco Fabián wieder genest. Wobei…was ich heute wieder von Barkok gesehen habe…Mama mia!

    • Einspruch! Ich glaube sehr wohl dass das ein Fingerzeig wird. Denn genau in dem Spiel wird sich zeigen wie es mit dem Fußball SPIELEN aussieht, ob das Team da wieder in der Spur ist.

      • Jermaine Jones Junior

        Abwarten. Darmstadt ist in allen Belangen, defensiv wie offensiv, einfach zu schlecht, um nach dem Spiel wirklich einen Rückschluss über die Frankfurter Offensivfähigkeiten zu ziehen. Das Frankfurter Fußballjahr 2017 beginnt eigentlich am 18. Februar gegen den FC Ingolstadt. DA wird sich zeigen, was die Mannschaft über die Winterpause geübt hat.

      • Jermaine Jones Junior

        Noch etwas zu Heinz Lindner. Nach den Interviews von Heinz Lindner und dessen ansprechenden Leistungen gegen Leipzig und Schalke muss ich sagen, dass wir nicht nur einen richtig guten Ersatztorwart, sondern einen ganz feinen und reifen Menschen in unserem Kader haben (entgegen deiner Einschätzung nach dem Testspiel damals gegen so irgendsoein japanisches Team in der Saisonvorbereitung 2015/16, als Du, verehrter Björn, meintest, ein weiterer Torwartneuzugang sei kein KANN, sondern ein MUSS). Einen schönen Abend.

      • Darmstadt wird ein fingerzeigspiel, weil alle Abstiegsaspiranten noch nach FFM kommen und sich hinten rein stellen werden. Die SGE muss kommendes Wochenende zeigen, dass es ein Konzept gegen diese Teams gibt und wenn all diese Spiele gewonnen werden könnten , sind die gewünschten Punkte da….
        Trotzdem braucht der Kader noch eine Ergänzung im Mittelfeld.
        Schalke war nach gutem Beginn ( max 10-12) Minuten stärker, dann bekam die Eintracht das Spiel gut in den Griff und hätte die Konterchancen nur mal nutzen müssen und nicht wie Sefe zur eckfahne laufen.

    • Olsen

      Das ist zwei Jahre her und Lindner sah damals tatsächlich eher grausam aus. Wahrscheinlich hat er in den zwei Jahren eine Entwicklung genommen. Das lässt allerdings keinen Rückschluss darüber zu, ob Lindner damals ein guter Rückhalt gewesen wäre. Eine „Ätsch Bätsch“ – Haltung ist an der Stelle also recht unangebracht.

      • Lindner ist ein richtig guter Torwart, so eine Nr.2 haben nicht viele Vereine, stärker als Ulreich ist er alle Mal….

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