Nice to have

Wer den / das Blog länger oder regelmäßiger liest, weiß, dass ich trotz aller Emotionalität und vierteljahrhundertiger Verbundenheit mit Eintracht Frankfurt so wenig wie möglich durch die Vereinsbrille betrachte. Jedenfalls versuche ich so gut es geht eine kritische Reflexion auf das Geschehende.

Umso verwunderter bin ich über mich selbst, dass ich das Gejaule über den nicht gegebenen Elfmeter für Darmstadt nicht nachvollziehen kann, dass ich da vollends einschwenke auf die Äußerungen von Trainer Niko Kovac. Ich habe mir die Szene beim Eckball in Echtzeit nun zig Mal angesehen, die Verlangsamungen aus verschiedenen Kameraperspektiven ebenfalls – und wenn dieser Rempler, auf den man ja geradezu hingewiesen werden muss, einen Strafstoß rechtfertigen soll, können wir alle – von Profis bis Kreisligaspielern – mit diesem Sport wirklich aufhören. Dann spielen wir das ganze an der Konsole aus und gut ist.

Ganz im Gegensatz zu der Szene steht das griechisch-römisch Ringen gegen Jesus Vallejo. Das war nicht nur ein klarer, es war ein sprichwörtlich offensichtlicher Elfmeter. Wenn man soweit gehen will und David Abraham in der ersten Halbzeit Cleverness unterstellt, muss man die Aktion des Darmstädters im zweiten Durchgang schlicht als Dummheit bezeichnet.

Ginge die Spiel(verlaufs)bewertung in dieser seltsamen (Nicht-)Elfmeter-Logik weiter, hätte Darmstadt auch gerne 30, 40 Minuten zu zehnt auskommen müssen, der Bodycheck von Marcel Heller in Halbzeit 1 war ein richtig übler und danach leistete er sich noch weitere Foulspiele. Thematisiert nur keiner. Ebenso wenig wie die seltsam überzogenen Verwarnungen gegen Mijat Gacinovic oder Ayman Barkok. Auch das ist eine Form von zweierlei Maß.

Man muss übrigens vorab auch mal klar festhalten, dass Darmstadt 98 in dieser Saison eine grottenüble Mannschaft ist, der nicht mal mehr das Zerstören, nicht mal mehr die strukturierte Fußballverweigerung gelingt. Das ist von vorne bis hinten Prinzip Hoffnung. Das war im Hinspiel gegen die SGE so, das war im Rückspiel so. Angesichts dieser massiven und monatelang anhaltenden Mankos herzugehen und die Benachteiligungs-Karte zu spielen – gegen ein Team, das Karte um Karte gezeigt bekommt – , ist albern.

Ein Schwenk noch zu den von mir befürchteten spielerischen Defiziten der Eintracht in Anbetracht des Wegbrechens der Zentral-Achse Huszti/Fabian: Die SGE hat bewiesen, dass sie auch das kompensieren kann. In dem Fall über den Go-To-Guy Ante Rebic auf dem linken Flügel. Trotzdem muss man festhalten, dass es lange danach aussah dass diese Einsilbigkeit nicht funktionieren würde, nach gut einer Stunde war die Eintracht sichtbar ratlos. Da sah man dieselben Staffetten wieder und wieder verpuffen; bis eben Rebic ein eins-gegen-eins gewann. Das Aussteigenlassen eines Gegenspielers, Rebic war tatsächlich der einzige, dem das gelang. Mehrfach. Ansonsten ging das Frankfurt ab, da fehlt dann eben die Dynamik eines Fabian. In diesem Sinne kam für mich die Einwechslung Barkoks eigentlich zu spät, da wollte der Trainer offenbar nicht zu früh ins Risiko gehen. Die Maxime „Gib Rebic den Ball und der macht was damit“ mag in diesem speziellen Fall funktioniert haben, aber spätestens am kommenden Wochenende, beim Spiel in Leverkusen, wird es wieder mehr als einen Ankurbler brauchen. Mijat Gacinovic beispielsweise hat weiterhin so seine Mühe, zu einem Faktor zu werden.
Merkwürdig ist aber vor allem das derzeitige Auftreten von Branimir Hrgota, der eben nicht an die Leistungen, an die Präsenz aus dem Dezember anknüpft. Angesichts der Ersatzpersonalie Haris Seferovic kündigt sich im Sturm ein (seit Wochen befürchtetes) Problem ein. Momentan gilt zumindest in Bezug auf den Sturm (wieder mal): Alles hängt von Alexander Meier ab.

Morgen, wenn es dann in Hannover im DFB-Pokal zur Sache geht, wird Kovac mit Sicherheit personell etwas verändern. Dass eben Meier pausiert, ist gut vorstellbar. Seferovic wird ihn ersetzen. Dass Barkok beginnt, ist im selben Maße denkbar. Und dass es auch in der Defensive eine Änderung gibt, sollte nicht augeschlossen sein.
Wann, liebe Leser, konnte man das in Frankfurt mal bedenkenlos annehmen? Im Sinne von: Wie lange ist es her, dass es eine Frankfurter Mannschaft gab, bei der nach Spieler Nummer 11 der Qualitätsabbruch nicht sofort durchschlägt?!
Der DFB-Pokal, bei dem die SGE unter Friedhlem Funkel ja bisweilen mächtig für Furore sorgte, ist seit Jahren ja alles andere als eine angenehme Sache für Frankfurt. Und auch anno 2016 war der Wettbewerb ja vor allem glückliches Stückwerk. Der Schiedsrichter in der KO-Partie gegen Hannover ist jedenfalls aus Mainz.
Gefühl habe ich keines für dieses Spiel, zu sehr bin ich im Bundesliga-Modus. Denn Leverkusen auf Distanz zu halten, ist meine persönliche Priorität. Vorher Hannover zu bezwingen ist da … nice to have. Hauptsache, man kommt da kräfteschonend, also nach 90 Minuten durch. Leverkusen hat nämlich unter der Woche frei. Und zwei Mal hintereinander zu verlieren, das darf 2016/2017 ruhig konsequent vermieden werden, wettbewerbesübergreifend.

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Nice to have

  1. akloppi

    Yes we have!

    Mutiger Kovac, überragender Hradecky. Double weiterhin möglich!🙊

  2. Der Norddeutsche

    Bei aller Verbundenheit, Abraham hat “ leicht“ nachgeholfen.
    Er hat es wohl selber gemerkt und sich fallen lassen.
    Meine Meinung!

  3. TK Idstein

    Da kann man wenig hinzufügen, außer dass man mal wieder gerne nach Berlin fahren würde … diesmal vielleicht gegen eine Gladbacher, Kölner oder Dortmunder Mannschaft 🙂

    • Genau: erst Berlin und dann Europa.

      Im Ernst: Hannover sollte schlagbar sein, auch wenn 2-3 Stammspieler pausieren . Ein zweiter Rebic muss her: vielleicht ist Blum endlich mal fit.

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