Der Weg zum Geldhahn

Der Dichte im oberen Tabellendrittel ist es geschuldet, dass alle dort platzierten Überraschungs-Mannschaften bis zuletzt zittern werden müssen, ob es tatsächlich für den ganz großen Wurf – eine Europapokalplatzierung – reicht. Die Gefahr, dass Eintracht Frankfurt am Ende den, angesichts des offenen Möglichkeiten-Fensters, hässlichen Rang sieben oder acht belegt, wird vor Mitte Mai nicht weichen. SAP Hoppenheim, Hertha BSC Berlin, FC Köln und die SGE: Zwei, maximal drei aus vier werden am Ende in der Sonne stehen. Irgendwer wird aber im Schatten verweilen. Und ganz unabhängig vom einträchtlichen Werdegang, bei aller Tiefstapelei mit Verweis auf die Katharisis des Fast-Absteigers zum Europapokalanwärter, wäre das Verpassen der Europa League zum jetzigen Zeitpunkt bereits eine große Tragik. Einfach, weil es genau diese Saisons, diese Phasen sind in denen die Mittelklasse-Mannschaften die Gelegenheit beim Schopfe packen, sich den Zugang zum Geldhahn sichern müssen.

In diesem Sinne ist die heutige Partie von Eintracht Frankfurt bei Leverkusen ein Sechspunktespiel. Bayer ist von den vier schwächlenden Großkopferten noch am nahesten dran an der SGE, umso wichtiger ist eine Nicht-Niederlage aus SGE-Sicht. Einen direkten Konkurrenten könnte man so auf Distanz halten; wofür es ja nicht mal den Wahnsinn von drei Punkten bräuchte. Gegen Schalke 04 erreichte man das Maximum bereits, es bleiben eben noch vor allem Bayer und Mönchengladbach, deren Weg nach oben mal ausbremsen muss. Nicht, dass in das Ausscheidungsrennen der Überraschungsteams doch noch ein, zwei Spitzenteams reinpfuschen.

Dass die Eintracht so ihre Probleme bekommt, wenn personell etwas nicht 100%ig passt, das hat die Pokalpartie in Hannover gezeigt. Eine Viererkette ohne das Duo Abraham/Vallejo fällt in ihrer Qualität dann doch sichtbar ab, und wenn es dazu – wie seit Spätherbst – im Sturm generell klemmt (Alexander Meier mäßig im Spiel war, Haris Seferovic wie zuletzt auch Branimir Hrgota blass bleiben), rückt Torwart Lukas Hradecky sofort in einem Maße in den Mittelpunkt, wie man es anno 2016/2017 nicht oft sah.

Die Aufstellung gegen Leverkusen wird daher spannend werden. Dass Meier eine Pause bekommt, erscheint fast zwingend. Gegen Hannover wirkte er matt, war jedenfalls längst nicht der Faktor, der er sein kann und der er beispielsweise gegen Darmstadt auch war. Für ihn könnte Seferovic in die Spitze gehen, weil Mijat Gacinovic den Flügel besetzt. Hrgota würde dementsprechend seinen Nimbus ziemlich schnell wieder verloren haben. Das Aus von David Abraham könnte teuer werden, mit Michael Hector bleibt der defensive Unsicherheitsfaktor im Team. Im Aufbauspiel mangelt es bei ihm deutlich und ein 1gegen1 vs. Brandt, Volland oder Chicharito würde sich mit Abraham doch besser anfühlen.
Irgendwie, völlig esotherisch dahergeschrieben, erscheint die SGE heute im Rheinland fällig. Das alles, diese Saison geht weiterhin irgendwie zu glatt, zu reibungslos, zu erfolgreich, völlig eintracht-untypisch also. Ein Trendstopp – und sei er hoffentlich nur so temporär – muss und wird ja mal kommen. Heute? Von der Papierform her deutet in dieser Saison umgekehrter Vorzeichen tatsächlich nichts auf eine Pleite der Eintracht bei Bayer hin. Und unter 100 000 Eintracht-Fans wird es 100 000 Gefühle/Vorahnungen zum Spielverlauf und Ergebnis geben, weshalb meine ebenso (un)maßgeblich ist wie die der anderen 99 999 – von daher muss und soll dieses subjetive Empfinden keinen interessieren. Trainer Niko Kovac, den Zauberer, am wenigsten.

Er wird genau wissen, dass die positiven Eindrücke des Pokalachtelfinals überwiegen. Etwa die Verstetigung der Leistung(en) von Ante Rebic. Der Kroate schaffte es zum ersten Mal, zwei Spiele in Folge mehr als nur sporadisch, situativ sein Können zu zeigen. Er ist momentan der Go-to-guy des Teams, speziell der Offensive (Makoto Hasebe ist das in der Defensive). Auch Max Besuschkow hat angedeutet, eine Verstärkung, jedenfalls eine passende gutqualitative Ergänzung sein zu können. Bei Taleb Tawatha setzte sich hingegen fort, was man bisher sah: Ziemlich wilde Karussellfahrten nach vorne wie nach hinten. Diese Brachialität kann aber speziell gegen Hintendrinsteher positiv sein, noch zu einem wichtigen Faktor in den nächsten Wochen werden.
Ändert alles nichts an diesem subjektiven Gefühl, dass dieser Spieltag den Eintracht-Fan mal nicht dauergrinsend in die Arbeitswoche entlassen wird. Am großen Ganzen, am Gesamteindruck würde auch das nicht rütteln.

 

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Der Weg zum Geldhahn

  1. Koppweh

    Rudi Völler ist moralisch eine Nulpe.
    http://www.wiesbadener-kurier.de/sport/top-clubs/eintracht-frankfurt/eintracht-frankfurt-angebliche-lockrufe-aus-leverkusen-tangieren-kovac-nicht_17673981.htm

    Das Gerücht kam mir vor zwei Wochen privat zu Ohren.
    Als ich das hörte lief es mir kalt den Rücken herunter.
    Diese Trainerklau Methode hat ja System bei Bayer04 Leverkusen.
    Moralisch ist Bayer04 ein asozialer Verein.

    Ich wünsche mir das Rudi Völler von Bayer entlassen wird.

    Ekelhaft widerlich ein Kotzverein Plastikscheiße

  2. Koppweh

    Doffmund wird heute in Darmstadt verlieren.

  3. In Leverkusen kam es immer wieder zu schönen Eintracht Erlebnissen …. Why Not today?

    • Es hat vier Minuten gedauert bis das passiert, was ich ahnte – und wo besagter Herr Hector eine der erwartbaren Rollen spielte.

      • Das ist das Problem: ein schlüsselspieler fehlt und dann geht es nicht zusammen , Hector gegen die schnellen Leverkusener und dazu Meier in der Startelf ….

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