Polsterung

Im US-Sport gibt es einen Statistik-Fetisch, dort wachsen bereits seit Jahrzehnten Datenbanken, die jeder für jede beliebige These ausplündern kann. In Deutschlands Sportberichterstattung wird auch vermehrt irgendwelches Zahlenmaterial herangezogen um Geschichten zu erzählen. Wie lange irgendeine Mannschaft in irgendeinem Stadion nicht mehr gewonnen hat, wie viele Spieler des aktuellen Teams schonmal gegen Mannschaft XYZ gewonnen haben als dort XYZ Trainer war während dieser eine rote Krawatte bei Regenwetter trug …

Dass sich in den vergangenen Stunden jemand in die Bundesliga-Archive begeben hat, dort vielleicht ganz altmodisch Bücher wälzte und darin auf ein Datum stieß, wann zuletzt zeitgleich der Tabellenzweite, Tabellendritte, Tabellenvierte, Tabellenfünfte, Tabellensechste und Tabellensiebte verloren haben – davon ist (noch) nichts bekannt. Der 20. Spieltag 2016/2017 dürfte, so dann meine These zumindest nah dran sein an einem Novum.

Resultat: Eintracht Frankfurt verteidigte verlierend den 3. Rang, der Abstand zum (solange das Pokalfinale nicht angesetzt ist und Aufschluss über die Wertigkeit des 7. Rangs gibt) Nicht-Europapokalplatz ist unverändert. Das ist die Kurzzeitperspektive. Mittel- bis langfristig ist es aber so, dass sich durch den Stillstand im Kampf um die Fußball-Futtertröge Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach an eben jene sportlich wie finanziell lukrativen Positionen herangezogen haben. Und bei den Minimalst-Abständen innerhalb der Top-Sechs, von denen die Hälfte Überraschungs- und selbsterklärte Anti-Spitzenteams sind, wird keiner die nötige Stabilität haben um nicht binnen zwei Spieltagen vom Strahlemann zum Bedröppelten geworden zu sein.
Der Blick speziell auf Gladbach und Leverkusen ist daher geboten – verbunden mit der Hoffnung, dass der Spielplan diesen Mannschaften Knüppel zwischen die Beine wirft, sie nicht so recht in Fahrt kommen, auf Erfolge sogleich Misserfolge folgen. Konkret: Gladbach darf am Wochenende gegen den sympathischen Stolz Ostdeutschlands sehr gerne verlieren, während Augsburg sogleich das aufatmende Bayer ausbremst.

Zu allererst sollte Eintracht Frankfurt sein Heimspiel gegen den FC Ingolstadt gewinnen; etwas, das viele sicher als durchaus zwingend, gar als Pflichtaufgabe ansehen. Und das ist auch so. Denn unabhängig vom derzeitigen Tabellenstand der SGE, hätte auch in Zeiten des fiesesten Abstiegskampfs der Anspruch sein müssen, den 17. der Bundesliga zu bezwingen, zumal im Waldstadion. Das hat mit überzogener Anspruchshaltung, um diese Leier und Litanei der „immer-schweren-Gegner“ schonmal vorab zu entkräften, nichts zutun.

Der Faktor Kraft wird bis Samstag keiner mehr sein, personell (David Abraham) darf man hoffnungsvoll sein, die Defensive dürfte weitaus weniger zutun bekommen und selbst bei Hochbetrieb geordneter stehen als im Rheinland. Die Sorge um die Offensiv-Form ist die, die bleibt. Hinter Alexander Meier und Ante Rebic fallen derzeit alle ab, Mijat Gacinovic befindet sich im Dauertief, Haris Seferovic sowieso (bei leicht aufsteigender Tendenz gegen Zweitligist Hannover), Branimir Hrgota bleibt ein nur situativ starker Spieler und Shani Tarashaj der große Frankfurter Fremdkörper.
Das Fehlen von Marco Fabian schlägt daher immer mehr durch, dass der junge Max Besuschkow – der gegen Zweitligist Hannover durchaus überzeugen konnte – die nötige Finesse, die nützlichen Tempowechsel reinbringen könnte, erscheint nicht nur angesichts seines gänzlich anderen Spielstils unwahrscheinlich. Das Manko, dass aus dem zentralen Mittelfeld generell (zu) wenig zwingender Offensivimpuls kommt, ist oft genug benannt worden. Lahmen unter diesen Umständen die Flügel, gelingt der Eintracht zu wenig nach vorne, die Torgefahr bleibt aus (was gegen Ingolstadt zum Negativfaktor werden würde) die Entlastung für die Defensivabteilung (die gegen Ingolstadt vermutlich weniger entscheidend sein wird) wird immer geringer.

Am Samstag entscheidet die Durchschlagskraft, das Chancen-Erzwingen durch die Offensivspieler darüber, ob die Eintracht bei ihrer „Es-werden-keine-zwei-Spiele-in-Folge-verloren“-Serie bleibt. Wie zwei Absätze weiter oben schon geschrieben: Gegen Ingolstadt muss die SGE jederzeit gewinnen wollen und können. Das obere Tabellendrittel darf sich meinetwegen ja gerne uusammenschieben – wenn das Frankfurter Polster auf die Holzklasse gleichbleibt.

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Polsterung

  1. Alex

    Warum betonst du immer wieder das RB der ganze Stolz Ostdeutschlands sein soll? Es ist nicht so und wird auch sicher nie so werden! Auf welche Recherchen beziehst du dich da? Oder soll es eine Stichelei gegen uns „Ossi´s“ sein, weil wir sinst nix haben?

    • In Ostdeutschland gibt es doch blühende Landschaften , toll sanierte Städte und RB ; da muss man sich nicht klein reden

      • Alex

        Ich will nichts klein reden, aber ich hab bei Björn momentan das Gefühl, dass er denkt, dass ganz Ostdeutschland nur auf RB gewartet hat um wieder glücklich zu sein.

      • Ein weiterer Beweis dafür, dass Sarkasmus in Textform einfach nicht funktioniert. Ich machs künftig kenntlich oder halte mich brottrocken.

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