Monatsarchiv: März 2017

Die Miezekatze vom Main

Dann beginnen wir also mal mit dem Gesundbeten: Unter den Zehntausenden, die das Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem Hamburger SV gesehen haben, hat es bestimmt zwei Menschen gegeben, dem das Dargebotene gefallen hat. Der eine ist Thomas Schaaf, jedoch ist unklar, ob er sich von Berufswegen aus diesen Gruselkick tatsächlich angesehen hat. Jedenfalls dürfte dem Eintracht-Ex ganz wohlig um Herz und Kopf geworden sein, als er sah, dass auch einer seiner Trainer-Nachfolger im 21. Jahrhundert den Spiel…aufbau über Langholz als vielversprechenden Ansatz sieht. Vielleicht chattete Schaaf im Laufe der 92 quälend langen Minuten auch einmal quer durch die Republik mit dem anderen Spaßhaber: Armin Veh. Der dürfte wiederum seine Freude an der Wiedererkennung der Plan- und Ratlosigkeit in Frankfurter Farben gehabt haben.

Das 0:0 im bwin-Topspiel war das logische Ergebnis zwischen zwei bemitleidenswert limitierten Mannschaften. Es war kein „will nicht gegen kann nicht“, es war „kann nicht gegen kann nicht“. Das wird der nichtabstiegs-zufriedene Eintracht-Funktionär oder Frankfurt-Fan natürlich umdeklinieren, er wird die zwei, zweineinhalb vergebenen Torchancen durch Branimir Hrgota und Michael Hector in den Vordergrund stellen, das Ende der Pleitenserie benennen und behaupten, die SGE sei dem Sieg doch so viel näher gewesen als der Gegner, man habe den HSV beherrscht. Und so. Aktuellst mögliches Beispiel: „Es war ein intensives Spiel. Wir hatten ein Chancen-Übergewicht, aber ich kann mit dem Punkt gut leben“ (Trainer Niko Kovac in der Pressekonferenz nach dem Spiel).
Realität ist, dass es einen, mit gutem Willen zwei lichte Momente im Offensivspiel der Eintracht gab. Ante Rebics Hereingabe auf Hrgota in Halbzeit eins, Rebics Kopfball nach Chandler-Flanke in Halbzeit zwei. Dazu der schulbubenhaft umgesetzte Flachpass von Hrgota auf Rebic ebenfalls in Abschnitt zwei. Müßig zu erwähnen, dass ein Alexander Meier – der absurderweise erst in der 84. Minute für den völlig indisponierten Hrgota eingewechselt wurde – mindestens eine dieser zwei Chancen verwandelt hätte. Auch diese Fiktions-Feststellung ändert nichts daran, dass die SGE so gefährlich ist wie eine Miezekatze. Hätte der HSV auch nur annährend so weitergespielt wie in den ersten 15, 20 Minuten, hätte man öfter das Laufduell Bobby Wood gegen Marco Russ oder Michael Hector gesucht; der Knock-Out für die Eintracht, die bis zum Saisonende auf Makoto Hasebe und somit ohne Könner-Sechser auskommen muss, wäre früh gekommen.

Es ist erschreckend, wie wenig der Mannschaft generell einfällt, sobald sie 40, 35 Meter vor des Gegners Tor angekommen ist. Der HSV stand, wie so viele der letzten Gegner, nicht mal hintendrin. Das war konservativ kontrolliert, keineswegs ein vielbeiniges und vielköpfiges Bollwerk, es war auch nicht massiert oder gar bissig kämpferisch. Und selbst dafür, also gegen normales Verhalten bei Nicht-Ballbesitz, findet Eintracht Frankfurt keinen Schlüssel. Wäre Ante Rebic nicht auf dem Feld, könnte man tatsächlich auch die letzte Hoffnung auf einen Torschuss begraben. Selbst gegen den Hamburger SV, den Tabellen-16. der Bundesliga, der nur zuhause Stärke gewonnen hat.

Gegen die drei Tabellenletzten hat es also zu vier Punkten gereicht. Diese Ausbeute alleine zeigt, wie weit weg die Eintracht mittlerweile vom Europapokal ist. Die Tabelle ist tatsächlich zum Zerrbild geworden, die Mannschaft profitiert, rangierend auf dem vorletzten Rückrundenklassement-Platz, einzig vom Schneckenrennen um die Ränge 6 und 7. Um die SGE herum haben sich Teams mit Stabilität bzw. Siegermentalität gruppiert, jedenfalls sind da drei, vier Konkurrenten nun in der Lage regelmäßig Tore zu schießen und hin und wieder dreifach zu punkten. Für Letzteres braucht es Ersteres, aber unter den ersten 13 der Bundesligatabelle hat Frankfurt die mit Abstand schlechteste Offensive – die nicht mal gegen die schlechteste Defensive der Liga wirklich Chancen herausspielen konnte.
Gegen wen bitteschön gedenkt die Mannschaft, die verflossene Heimmacht denn noch mal ein Tor zu schießen, geschweigedenn in Richtung 40-Punkte-Märkchen ein Spiel zu gewinnen?

Die laufende Rückrunde ist zumindest eine, die die Lust auf diesen Klub nimmt. Schon wieder. Aktuell läuft nämlich angesichts der spielerischen Armut alles darauf hinaus, dass man versuchen wird – ähnlich wie am Samstagabend gegen Hamburg – ein 0:0 nach dem nächsten zu ergraupen. Gegen Werder Bremen misslang das vor rund einem Jahr übrigens schonmal folgenschwer. Aber jetzt ist ja Länderspielpause, in der wird alles gut. Und vielleicht wird in dieser Zeit und vor dem Heimspiel gegen Mönchengladbach, dem nächsten Anlauf zum „sich ins Ziel robben“ ja auch Chris gesund.

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Konbanwa

Schon vor dem Anpfiff des wegweisenden Spiels von Eintracht Frankfurt gegen den Hamburger SV setzt es den ersten Nackenschlag: Makoto Hasebe fällt auf unbestimmte Zeit aus, er wird am Knie operiert. Womit auf der ohnehin dürftig besetzten Position im defensiven Mittelfeld endgültig Alarmstufe Rot herrscht. Und das letzte Resthoffnungchen Europa passé sein dürfte.
Wieder mal bewahrheitet es sich, dass man Stammspieler niemals ersatzlos verkaufen darf bzw. man die offenkundigen Schwachstellen in jeder Transferperiode bearbeiten muss. Wusste rund um die Eintracht jeder, dass ein Veräußern von Huszti und Flum fatal werden kann; ganz einfach, weil die Qualität schon mit ihnen nicht die größte war bzw. – neben dem linken Offensivflügel – das größte Manko eben auf der 6 gelegen hat. Dass das ohne die Genannten nicht besser wird, das zu erkennen, dafür braucht es keine A-Lizenz. Konsequenz: Der vor kurzem noch krebskranke Marco Russ muss in die Startformation geschickt werden – während die SGE-Verantwortlichen doch stest auf die Bremse traten was die Genesung und die Fitnesszurückgewinnung des Spielers anbelangt. Herrje!

In 30 Minuten dann also Anpfiff in einem Spiel, das über die Frankfurter Fahrtrichtung entscheiden wird. Nach Siegen von Wolfsburg und Bremen sind es dann halt nur noch deren sechs Punkte Vorsprung auf den Keller … und sechs Punkte „Polster“ wären es im Falle einer Heimniederlage, die Trainer Niko Kovac ohne Alexander Meier anzusteuern gedenkt, auch auf den HSV, also den Relegationsplatz. Mal sehen, wie sehr die Nachtigall trapst.

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Das Muss-Spiel

Zum seit vielen Wochen bestehenden sportlich-spielerischen Unglück Eintracht Frankfurts hat sich in dieser Woche noch Präsident Peter Fischer gesellt. Der schwadronierte von „schönen Beinen“ und allerlei anderem Käse, um das seit Jahren ebenso oft wiederholte wie erfolglose International-Marketing der Eintracht voranzubringen. Internationalität ohne Europapokal? Ziemlich schräge Vorstellungen, die in den Köpfen der Frankfurter Funktionäre stattfinden.

Einfacher würde alles, wenn in Frankfurt wieder mal Chancen zum Toreschießen und damit Möglichkeiten auf Punkterfolge herausgearbeitet würden. Gegen 35 Minuten lang müde, matte Münchner war das zwar nach Wochen der Total-Tristesse mal so; aber man lege bei der Einordnung des Ganzen bitte den Fokus auf die ersten beiden „M“s: müde, matt. Als die Bayern sich einmal räkelten, wurde die Sache dann die erwartet klare.
Gegen den Hamburger SV, da gibt es aller Rückrundentabelle zum Trotz nichts zu deuteln, kann nur ein Heimsieg der Anspruch sein. Für alle internationalen Träume ist das ein Muss, für die Nichtabstiegs-Zielsetzung nicht minder. Leute, es geht gegen den 16.! Gegen ein Team, das sich nur zuhause berappelt hat und nun auswärts ran muss. Wenn da jetzt wieder die Mahner und Duckmäuser die Oberhand gewinnen, ja herrje, gegen wen will man denn dann als SGE noch was reißen?

Jesus Vallejo fällt indes wohl doch weiter aus, Makoto Hasebes Chancen sind auch nicht die größten – tja. Vielleicht erhöht das ja nun mal den Druck, den Leistungsbring-Zwang auf jenen Mannschaftsteil, der seit Wochen nichts zustande bringt: das Mittelfeld. Die Spieler müssen endlich mal wieder Bälle in die Spitze bringen, so dass Alexander Meier den Ball mal wieder zumindest erahnen kann, nicht nur mit dem Fernglas schauen muss, wo die Pille gerade rumrollt. Gerade Omar Mascarell hat sich in eine gewisse Bringschuld gebracht, das reine Abräumerdasein genügt nicht (mehr), es müssen von ihm endlich offensive Impulse kommen. Nur auf Ante Rebic zu setzen und auf Marco Fabian zu hoffen, reicht nicht aus.

Im Grunde genommen sind aber im Vorfeld der Partie heute Abend aller Worte schon zu viel gemacht worden, es ist in der Konsequenz das Immerselbe: Verkackt die Eintracht heute gegen den HSV, verkackt sie eine ganze Saison. Denn eine Endplatzierung irgendwo zwischen 9 und 13 wäre, allem Geradeso-Nichtabstieg 2016 zum Trotz, eben kein Erfolg. Nicht, weil das der Fluch der guten Tat ist/wäre, oder weil die unersättlichen Erwartungshalter einen an der Klatsche hätten, sondern weil erneut der Ton die Musik macht: So sang- und klanglos wie die SGE bis hierhin, darf man sich die mehr als berechtigte Chance auf den Europapokal nicht nehmen lassen. Mit Ende der Tagesschau wissen wir mehr.

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Duckmodus

Besser als der Tabellenstand.

Gehören nicht dahin.

Haben ihre Stärke bewiesen.

Gefestigte Mannschaft, aufsteigende Form.

Favorit sind wir nicht, wir spielen gegen eines der besten Rückrundenteams.

… das ist eine Auswahl an Stanzen, die wir im Laufe der Woche von Frankfurter Verantwortlichen zum nächsten Gegner Hamburger SV so oder so ähnlich hören werden. Möglichst klein wird man sich machen, ducken, um das Risiko zu minimieren, über das Spiel hinaus nicht mehr zu verlieren als das Spiel selbst. Eine PR-Strategie, die bei tausenden Dauerzufriedenen ja in der Regel funktioniert. Dankbarkeit für die schiere Existenz, der bruchhagensche Impfstoff gegen sportliche Erfolge.

Wie man es dreht und wendet: Wenn Eintracht Frankfurt zuhause gegen den HSV nicht gewinnt, ist nicht nur das einstige Riesenpunktepolster, das selbst nach fünf Pleiten in folge (!) die Mannschaft nicht aus den Europapokalplätzen fallen lassen will, weg, sondern auch jedes positive Saisongefühl. Im Zuge der vergangenen fünf Spieltage hat die SGE das Kunststück fertiggebracht, den Abstand auf den Relegationsplatz um 10 (!) Punkte, von 19 auf neun Zähler schrumpfen zu lassen. In der Rückrundentabelle belegt man punktgleich mit dem 18. Darmstadt 98 den letzten Rang – anders gesagt: keine Mannschaft ist 2017 schlechter als Eintracht Frankfurt. Und das Gefühl kennt man als Fan dieses Klubs ja nur zu gut. Dass aus diesem Gefühl reale tabellarische Gefahr werden kann, das könnte in Kürze, nach Abschluss des bevorstehenden Mini-Schicksalspiels im Stadtwald bewusst werden.

Apropos Rückrunden- (also Form)tabelle: Gegen Leverkusen und Ingolstadt verlor Frankfurt ja bereits – es sind der 14. und 15. besagten Klassements. In der Tat erlebt die Eintracht nun den Saisonverlauf, den es mit etwas weniger Glück in der Hinserie auch hätte geben können. Dann wäre sie eingetroffen, die Befürchtung, dass der zusammengewürfelte Kader nicht funktioniert. Und es wäre so benannt worden. Aus den einst prognostizierten zwei, drei Niederlagen am Stück sind fünf geworden. Setzt es am Samstag eine sechste, zumal zuhause, ist Polterabend in Frankfurt.

Dass es nicht so kommen wird, dafür sprechen 35 starke Minuten gegen Bayern München. Gegen Münchener allerdings, die bis dato sichtbar untertourig spielten und nur kurz am Leistungshähnchen drehen mussten um gefahrlos zu gewinnen. Mit Bastian Oczipka und vermutlich Jesus Vallejo wird die Stamm-Viererkette wieder stehen, hoffentlich mit Makoto Hasebe. Marco Fabian könnte eine Option sein, Alexander Meier muss zwingend zurück in die Offensive – und Ante Rebic seine Form halten. Dann bliebe nur das Dauerärgernis auf einem Flügel bestehen, man ersetze die Namen Gacinovic, Seferovic, Tarashaj, Barkok beliebig.

Es stinkt so oder so nach unentschieden gegen den HSV, womit das Fallen der 40, wenigstens das Überspringen der 36-Punkte-Marke weiter auf sich warten ließe.

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Mutig in München

Nach Wochen des spielerischen Elends beginnt Eintracht Frankfurt ausgerechnet gegen Bayern München wieder sowas wie konzeptionelles Fussballspielen. 30 Minuten, eine Halbzeit lang gar mit dem Prädikat (sehr) gut, das sind ja schon 15,20 Minuten mehr als zuletzt. In der 20. Minute muss Branimir Hrgota halt dann das Tor auch machen – sonst erzielt der Gegner, egal welcher eben jeweils das erste, das zweite, das dritte …

Und so kann man sich im uninteressantesten Spiel des Jahres dann außer dem erwart warmen Händedruck nach dem erwarteten Ergebnis nichts kaufen. Juckt nicht. Genauso wenig wie die nun omnipräsenten (richtigen) Feststellungen der Frankfurter Leistungssteigerung.

Denn gegen Hamburg wird man nächste Woche natürlich nicht so mutig, forsch und strukturiert ans Spiel gehen, denn da ist wieder was zu verlieren, weshalb man auf zähen Handbremsenfußball und einen Fehler (mehr) des Gegners setzen wird.

Diktieren, dominieren, aufs, gar ins Tor schießen – es wird ein Wunsch bleiben. Hauptsache gegen Bayern war man offensiv präsent. Gut fürs dritte Bein war der 45-Minuten-Auftritt in München ja vielleicht. Muss dieses dritte halt mal einen Ball im Tor des Gegners unterbringen, wenn es die elf Mal zwei anderen partout nicht schaffen.

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Ausfälle

Das heimische Internet ist seit zwei Tagen ausgefallen. Passend zur aktuellen Lage bei Eintracht Frankfurt. Zum Glück gibt es im Vorfeld von Spielen gegen Bayern München nie etwas zu sagen. Es gibt die verbriefte Niederlage, man wird sich vorher tapfer wehren – und irgendwas um die 3 Gegentore schlucken.

Timothy Chandler sieht sicher Gelb, fällt aus und das Personalpuzzle geht im eminent wichtigen Heimspiel gegen Hamburg weiter. Ob es heute eine Torchance für die SGE gibt? So viel Spannung!!

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Die Chris-Logik

Im Zuge von Pleitenserien, die Eintracht Frankfurt nicht nur gewohnt sondern auch wieder mal mitten drin ist, gibt es unter Fans den immerselben Reflex: Das Vertrauen und Verweisen darauf, dass all die Verletzten, die Gesperrten, die Rückkehrer die sportlich schwierige Situation verbessern werden.

Sinnbildlich für diese Denkweise steht Ex-Eintrachtspieler Chris, der über Jahre – vorzugsweise rund um die Winterpause – seitens Fans und Funktionären nach jeder neuen Langzeitverletzung als „gefühlter Neuzugang“ angepriesen wurde. Wenn der erstmal wieder dabei ist, dann Gnade den Gegnern Gott, dann geht es für Frankfurt aufwärts wie einst für die Apollomission gen Mond. Science fiction, das war es dann auch, in der Realität machten weder Chris noch andere Rekonvaleszenten den Unterschied.

Was logisch ist, denn jeder Fußballer, der mal verletzt war – und da rede ich nicht von Bänderdehnung oder noch so schmerzhafter Prellung – weiß, wie lange die Rückkehr an die Nähe der alten Leistungsfähigkeit dauert. Selbst banale Dinge wie Schrittfolgen, Stellungsspiel und Passhärte/Präzision sind nicht wie auf der Videospielkonsole im Nu wieder da, von der Psyche, der Schmerzerinnerung und der Zweikampfscheue, die kein Training ersetzt kann, ganz zu schweigen. Konkret: Wenn nun rund um die Eintracht nun auf Marco Fabian, Marco Russ oder gar Marc Stendera verweist, lügt man sich selbst etwas in die Tasche was die Prognose für die restliche Saison anbelangt (dazu unten mehr).

Dabei war, ist das Glück der Eintracht in einer Spielzeit nie so hold gewesen. Erst sorgt der Spielplan dafür, dass ein formschwacher Gegner nach dem nächsten vor die Frankfurter Flinte läuft, man selbst zudem in der Spur liegt. Dann gibt es im Pokal ein Leicht-Los nach dem nächsten. Und zu guter letzt findet in der Rückrunde tatsächlich nur ein einziger der abgehängten Großklubs das Gaspedal in Richtung Europapokalplätze (jenes Mönchengladbach das seinerzeit nach dem Fast-Abstieg europäisch spielte und seitdem zu Deutschlands Spitzenklubs zählt).

Wenn das Gleichnis mit dem Silbertablett und dem nur zugreifen müssen je gestimmt hat, dann ist das für Eintracht Frankfurt jetzt, 2016/2017 der Fall. Es ist eines dieser Jahre, wo die bekannten Größen des Geschäfts (sehr und dauerhaft) schwächeln und wo sich das Erfolgsfenster für die Mittelklasseteams öffnet. Umkehrschluss: Gelingt es der SGE diese Saison nicht hindurchzuklettern, gelingt ihr Europa auf viele Jahre nicht mehr. Das hängt mit dem im Sommer bevorstehenden Kaderumbau 2.0 zusammen, viel mehr aber noch mit dieser nicht noch einmal zeitgleich und dauerhaft auftretenden Dauerschwäche von den vier Europapokal-Dauerkarteninhabern Leverkusen, Gladbach, Schalke und Wolfsburg. Dazu wird es nicht abermals die Doublette eines wankelmütigen Dortmunds und ein nicht-astronomisches Bayern München geben, gegen die Spiele nicht von vorneherein verloren sind/waren.

Für eine einträchtliche Europapokalteilnahme hätte es so furchtbar viel ja gar nicht bedurft, vielleicht sogar so wenig wie selten zuvor. Nach einer Sahne-Hinrunde war die einzige Anfordeung die, eine schnöde Klassenerhalts-Halbserie zu spielen: 18,19,20 Punkte. Eine Zahl, die jedes Team das in der ersten Bundesliga bleiben will, je zwischen August und Dezember und zwischen Februar und Mai holen muss. Doch urplötzlich scheitert Frankfurt selbst an diesem Mindestanspruch. Aktuell kann man getrost von einem tabellarischen Absturz ausgehen, der es mit 2011 aufnehmen kann. Höchstwahrscheinlich wird dieser nicht im Tabellenkeller, gar mit dem Abstieg enden. Aber abermals acht, neun, zehn Ränge vom (spät)zwischenzeitichen Optimum zu verlieren (2011 stürzte man von Sieben auf 17) ist angesichts des anhaltenden Leistungseinbruchs keinesfalls ausgeschlossen.

Zwei alarmierende Zahlenvergleiche gefällig? Toremäßig war Eintracht Frankfurt, das nun bei 26 Treffern liegt, zuletzt 2003/2004, einer Abstiegssaison, mit 25 Toren so wie jetzt unterwegs. 2010/2011 , einer Abstiegssaison, erzielte man 24 der 31 Gesamttore in der Hinrunde; nach 23 Spieltagen waren es 24. In der Saison 2007/2008, einer Nicht-Abstiegssaison endend auf Rang 9, hatte man zum selben Zeitpunkt deckungsgleiche 26 Tore.
Auch was die Ausbeute des besten individuellen Torschützen angeht, deuten die Indizien eher auf eine Endplatzierung im zweistelligen Tabellenbereich der Bundesliga hin: Zuletzt wiesen zu diesem Zeitpunkt der Saison lediglich Ervin Skela (6 Tore in 2003/2004, am Ende schoss er 8 Tore, das Team wurde 17.) und Nikos Liberopoulos (5 Tore in 2008/2009, am Ende schoss er 9 Tore; das Team wurde 13.) als beste Torjäger die Trefferzahl auf, die der aktuell beste Frankfurter Torschütze (Alexander Meier, wieder mal) auf dem Konto hat.

Der Grund, wieso die SGE aller entwichenen Luft zum Trotz nicht total abstürzen wird, ist die Zahl der Gegentore, die Abwehr, die erst ein paar Spieltage nach der Offensive einbrach (und durch den Torwart wenigstens das Pokalspiel gerettet bekam). In den vier oben genannten Vergleichs-Spielzeiten kassierte die SGE bis Saisonende 53, 50, 49 bzw. 60 Gegentore. Derzeit steht Frankfurt bei 24, quasi ein Schnitt von einem Gegentor pro Spiel. In den genannten beiden Abstiegssaisons waren es am 23. Spieltag deren 34 bzw. 32, in den zwei oberes/unteres Mittelmaß-Spielzeiten waren 30 bzw. 37.
Auch bei einer verbrieften Niederlage gegen Bayern München am Wochenende mit mehr als einem Tor Unterschied, selbst bei einer 0:4, 0:5, 0:6 Klatsche in der Allianzarena, liegt man in dieser statistischen Kategorie noch unterhalb des Gefahrenbereichs.

Am Verlauf der nächsten Wochen, an der Gesamtprognose wird sich indes auch nichts ändern, wenn Stammspieler wie David Abraham und Jesus Vallejo – die einzigen, die quasi sofort wieder in Tritt kommen werden – in die Mannschaft zurückkehren. Denn auch die Spanischsprachler sind ja ins kollektive Loch mitgerissen worden, ihre Leistungen waren schon vor ihren Ausfällen merklich unterhalb des Hinrunden-Levels. Nur, wenn es Trainer Kovac gelingt eine Formel für das Fußballspielen wiederzufinden, also ein Offensivspiel zu etablieren, dass Torchancen herausarbeitet, kann die SGE die Kurve bekommen. Es wird aber ab sofort wieder so gemacht werden, wie immer in solchen Situationen, es wird eine Erinnerung an den Beginn der Kovsc-Amtszeit geben: hinten dicht und das beste hoffen. Die Kurve, zu was auch immer – erstmal nur zum Klassenerhalt, dem 36. Punkt – wird es krampfhaft zu bekommen gelten. Ernüchternd genug, wenn man nach mehr als der Hälfte der Saison 3. / 4. gewesen ist.

 

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