Rückblickende Vorausschau

Unklar, woher die sich zuletzt eingeschlichene Zurückhaltung von Trainer Niko Kovac rührt. Eine gewisse Angst vor der eigenen Courage tritt immer mehr hervor, sei es die „Nicht-Spitzenmannschaft“-Äußerung oder das vorgebliche „ist mir egal wie der Sieg zustandekam“ im Nachgang des Pokalspiels. Das passt nicht zu der forschen, kecken, fordernden Art und Weise, wie Kovac in den Monaten seit seinem Amtsantritt aufgetreten ist. In den Aussagen der vergangenen gut und gerne zwei Wochen schwingt die alte, elende Demut-Logik mit, es ist von dort an nicht allzu weit zur bruchhagenschen Litanai des „seid froh, dass wir überhaupt Bundesligafußball spielen/sehen (dürfen)“.

Die Eintracht hat sich Rang 3 / 4, auf dem sie nach mehr als der Hälfte der Saison stand, nicht aus Zufall gesichert. Sie haben sich dorthin gekämpft, gespielt, gearbeitet. Mit einem kollektiven Plan, nicht mit individueller Klasse. Denn: Man muss kein Spitzenteam sein um eine Spitzenplatzierung einzunehmen (Kovac selbst hat es vorgemacht) und diese Position zu behaupten (Pal Dardei gelingt das mit Berlin offensichtlich in Serie). Und der Trainer selbst hat in der Wintervorbereitung erkannt, dass man den bisherigen Plan ändern, sich Neues, wenigstens Elemente einfallen lassen muss, um zu bestehen. Aber irgendwo auf dem Weg zwischen Erkenntnis und Umsetzung ist etwas schwer schiefgelaufen. Statt einem irgendwie gearteten Plan hat man eine handfeste spielerische Krise, denn in Frakfurt ist im Februar 2017 der Zufallsfußball zurückgekehrt; genau die Anmut, die man aus den vergangenen zwei Spielzeiten so leidvoll kannte.

Von Kovac, den ja seine Offenheit durchaus auszeichnet(e), hätte ich mir nach Abpfiff des entsetzlichen Schauspiels gegen Arminia Bielefeld jedenfalls eine gewisse Portion Fassungslosigkeit gewünscht. Denn das, was dort 70 Minuten lang angeboten wurde, war eine der unterirdischsten Darbietungen der vergangenen Jahre. Um es nochmal klar zu schreiben: Eintracht Frankfurt ist nach passabler Anfangsphase und mit einer Führung im Rücken vor heimischem Publikum von einer Mannschaft regelrecht schwindelig gespielt worden, die nicht nur Vorletzter der zweiten Bundesliga sondern auch das zweiterfolgloseste Auswärtsteam der beiden deutschen Bundesligen ist (Darmstadt: 0 Punkte, Bielefeld: 3 Punkte). Angesichts all dessen, Stanzen wie „Hauptsache weitergekommen“ in die Welt zu senden, berührt einen angesichts der nötigen Dauer-Paraden des Lukas Hradecky doch eher peinlich.

Das, was da auf den Platz gebracht wurde – und das war gegen Bielefeld jetzt nicht mal wesentlich schwächer als etwa gegen Ingolstadt – war und ist höchst bedenklich. Und das im Pokalspiel war nun wahrlich nicht die B-Elf, zu der sie in der Nachlese von manchen gemacht wird. Mit Oczipka und Hasebe fehlten zwei Stammspieler, aber mit Abraham und Mascarell kehrten ebenso viele in die Startformation zurück. Wenn man so will wurden also Wechsel im Defensivverbund nötig – also in dem Mannschaftsteil, auf den es ja gegen so einen Gegner eigentlich niemals hätte so stark hätte ankommen dürfen. Tawatha und Blum sind natürlich zwei Spieler aufgelaufen, die nicht zur Regel-Startelf zähl(t)en – aber beide sind keine Notgroschen, jedenfalls sollten auch sie als Teile eines Erstligakaders in der Lage sein, in einer Partie gegen einen akut abstiegsbedrohten Zweitligisten zu bestehen. Selbst von Michael Hector, mittlerweile ja Zufalls-Stammspieler, hätte man das erwarten können. Von all den anderen namentlich jetzt nicht genannten Akteure sowieso. Dem war aber nicht so, kurioserweise war es sogar – mit Ausnahme von Torwart Lukas Hradecky – lediglich Blum, dem man eine durchweg gute, eine angemessene Leistung im Pokalviertelfinale attestieren kann. Er hörte jedenfalls nicht nach 20 Minuten mit Fußballspielen auf, im Gegensatz etwa zu dem wenigstens in dieser Zeit agilen und auffälligen Ante Rebic.

An den großen Mankos, an der Bestandsaufnahme hat sich selbst gegen Bielefeld nichts verändert: Die SGE bringt in 90 Minuten faktisch keine Bälle mehr in den Strafraum, weder über die Außen noch übers Zentrum. Alexander Meier kommt nicht mal mehr in die Nähe eines Torabschlusses, er ist, wie alle anderen Offensiven mehr mit hin- und herlaufen sowie ackern als mit kombinieren geschweigedenn ablegen oder schießen beschäftigt. Die Vorwärtsbewegung gleich derzeit dem absoluten Stillstand, es wird nichts zwingendes mehr heraufbeschworen, gegen Arminia Bielefeld reichte es über gut und gerne 60 Minuten kaum mehr zu Entlastungsangriffen, Ballbesitz, Tempoverschleppung, Kontrolle. Vom Vereinsversprechen Mijat Gacinovic oder dem furios in die Karriere gestarteten Aymane Barkok kommt derzeit mehr Gefahr für die eigenen Reihen statt Produktives in Richtung Offensivspiel. Bei Barkok kann man das, so ärgerlich lässig er manches mal agiert, verzeihen. Gacinovic müsste wenigstens einen Ticken weiter, reifer sein – aber hier bewahrheitet sich dann eben doch die Vehsche Einschätzung zum Spieler.
Klar, die Unstetigkeit in den Anfangsformationen ist für diese Pleitephase das eine Verantwortlichkeit. Aber es gab ja auch vorher schon stetige Rotation auf ein, zwei Positionen pro Spiel – die sich nie so gravierend auswirkte wie zuletzt. Man sollte grundsätzlich ja erwarten dürfen, dass auch eine geschwächte Mannschaft zumindest konkurrenzfähig ist gegen Teams wie Bielefeld und zuvor schon Ingolstadt. Selbst Berlin trat nun nicht turmhoch überlegen auf, wobei man gegen die meinetwegen in personalgeschwächten Zeiten auch mal so hemdsärmelig auftreten und verlieren durfte, wie man es tat.

Es ist nun an Kovac selbst, auch öffentlich zu formulieren, dass ein neunter, zehnter, elfter Rang am Saisonende einfach  sch**** wäre, da man spät in der Saison, nicht nur irgendwie zwischen dem 9. und 13. Spieltag in den Europapokalgefilden weilte. Die Gefahr ist nämlich weder der Druck oder das Abheben noch das Scheitern an verwegenen Zielen. Die Gefahr ist die Zufriedenheit mit dem bislang Erreichten; denn das sorgt dafür, dass man am Ende eben nichts erreicht.

Das Spiel gegen Freiburg wird so oder so happig, die sind clever, die sind mutig, die sind stabil, die sind schnell. Kurzum: Die sind einfach in vielerlei Hinsicht besser als alle Gegner, die die Eintracht in den vergangenen Wochen vor der Brust hatte. Wenn die SGE also auch nur halbwegs so schwach auftritt wie in den vergangenen Pflichtspielen, sieht sie gegen Freiburg kein Land. Das gibt dann auch keine Klatsche, gab es ja bisher nie, aber eine Niederlage wäre verbrieft. Von mehr als einem Zähler als mögliches Maximum auszugehen, ist schon alleine wegen der Nullgefahr vor des Gegners Tor töricht. Punkt(e) sind angesichts des bevorstehenden Gastspiels im nun in der Spur befindlichen München dringend nötig, sonst steckt Frankfurt richtig fest in der Krise, da hilft dann auch keine Erwartungsbremserei mehr.

Advertisements

15 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

15 Antworten zu “Rückblickende Vorausschau

  1. Koppweh

    Ich schreibe heute nix.
    Das könnte nämlich strafrechtlich relevant sein.

    Dfb Mafia
    Sollte Morgen in der Zeitung stehen, dass Günter Perl bei einem Verkehrsunfall tödlich ums leben kam, würde es mich nicht die Bohne jucken.

  2. Der Volker

    Ich verfolge diesen Blog, sowohl Björns Texte als auch die Kommentare, seit er existiert. Er ist seit Jahren morgendliche Pflichtlektüre. Meine Auffassungen zur Eintracht decken sich grundsätzlich mit denen des Bloggers und Kreisligaspielers. Manchmal betrachtet er in seinen Spielanalysen zu sehr die Leistungen oder auch Nicht-Leistungen der Eintracht. Manchmal ist der Gegner halt einfach besser und man verliert halt. Aber nun gut.
    Ich war in Frankfurt gegen Ingolstadt und in Berlin hautnah dabei und ich dachte es lag an mir, dass wir nur noch verlieren. Doch mit der heutigen Niederlage habe ich nichts zu tun, da ich nicht im Stadion war.
    Dennoch bin ich total frustriert, da sich mir Fragen stellen, die ich nicht beantworten kann. Wer lässt Götter (so lange) auf der Bank? Wenn die Schrotflinte nicht gesperrt wäre, hätte sie wohl beginnen dürfen. Wieso spielt Hector, dieses Ärgernis? Hat er seine Ligauntauglichkeit nicht in den letzten Wochen stets bewiesen? Gibt es keinen A- Jugendspieler der für ihn spielen kann? Kann man nicht mal selbstbewusst in ein Heimspiel gehen und in den ersten Minuten mal richtig Druck machen? Ist es wirklich so schwer, trotz des Fehlens von Marco Fabian, ein Offensivspiel zu entwickeln, welches nicht nur lange Bälle in die Mitte oder aus Flanken aus dem Halbfeld besteht?
    Mein Eindruck in den letzten Wochen ist dieser: Sie wollen aber sie können nicht. Ihnen fehlen die (spielerischen) Mittel. Ob das ein gutes Zeichen ist oder eher sorgenvoll in die Zukunft blicken lässt? Ich weiß es nicht.

  3. Der Norddeutsche

    Eines noch als Nachtrag.
    Wie wertet der Björn Wisker die Leistung des von ihm geforderten
    Branimir Hrgota?
    Kommt jetzt das Argument, wenn aus der Mitte nichts kommt…….?

  4. Jermaine Jones Junior

    Wir wurden heute um unsere Punkte betrogen.

  5. Sky Berichterstattung ist genauso manipulativ wie …… Rebic fuss steht im Mittelpunkt. Lachhaft.
    Heute war der Schiedrichter entscheidend.

    • Der Norddeutsche

      Stimme ich teilweise zu.
      Aber……. Freiburg war in der Spielanlage einfach reifer und intelligenter.
      Das 1:0 war, wenn man ehrliche ist , ein zufalllsprodukt.
      Ich unterstelle Hector einfach einmal das die “ Flanke“ als reiner Befreiungsschlag gedacht war.
      Wir hatten doch kaum Zugriff auf das Spiel. Rannten nur hinterher, Bälle versprangen. Und sobald der Ball führende Spieler angelaufen wurde, hatte er oft keine Idee.
      Das 2:1 war, obwohl Abseits, hervorragend heraus gespielt.
      Kommt jetzt die super Rüchrunde der Schande?

      • Beide Freiburger Tore waren schön herausgespielt, aber mehr als ein weiterer Torschuss kam aus Freiburg auch nicht. Frankfurt ist spielerisch beschränkt. Freiburg zeigt zudem, dass man sich junge deutsche Spieler leisten kann und erfolgreich sein kann. Der krasse Gegensatz zur Eintracht Philosophie. Wenn Kempf nicht günstig abgegeben worden wäre, hätte heute kein Hector spielen müssen….
        Und trotzdem verlor man heute drei Punkte , weil die Schiri Leistung indiskutabel war.

  6. Olsen

    Ich habe mir jetzt 1 Monat lang die Wochenenden vom Fußball ruinieren lassen. Die Sonne scheint. Es gibt keinen Grund, sich den Dreck schon wieder anzutun.

  7. Jermaine Jones Junior

    1:4… Meine Güte…

    Freiburg war schon immer ein dankbarer Gegner. Es war schon immer egal, ob der Zeitpunkt in dem Freiburg kam „richtig“ war oder nicht. Freiburg wurde im Waldstadion immer weggeputzt.

    Die Mannschaft steckt in der Krise, weil sie vor allen Dingen verunsichert ist.
    Deswegen kommt es morgen auf uns Fans an. Das alles klingt zwar sehr abgedroschen, aber diesmal stimmt das wirklich. Morgen kommt es nicht auf gewonnene Zweikampfwerte, Spielanteile oder sonstige Statistiken, sondern auf die mentale Stärke an. Ich hoffe deswegen, dass die Fans nicht gleich beim ersten, zweiten oder dritten Fehlpass anfangen zu stöhnen.

    Dass die Mannschaft das Fußball spielen und kombinieren nicht verlernt hat, hat sie doch in den ersten 30 Minuten gegen Bielefeld bewiesen.
    Wieso ist plötzlich alles so schlimm, Jungs und Mädels?

    Mein Tipp: 2:1.

    Das „Wie“ lass ich morgen links liegen, weil nach der Rückkehr von Fabian, Vallejo und Co. eh alles besser wird.

    • Als ob in diesem Stadion jemals auf das Spielgeschehen reagiert werden würde. Die können sich doch der Ewigfeierei/Ewigtreue sicher sein (eines der Probleme).
      Verunsicherung lasse ich der Truppe übrigens nicht durchgehen. Die haben alle Spiele in spielerisch sehr ähnlicher weise verloren. Das ist kein KopfProblem, diesmal sind es die Beine.

      Freut ihr euch auch schon so auf Hector? Ich ziehe morgen dem livespiel das hiesige Kreisligaderby vor, übrigens. Mal sehrn ob ich dann noch lust habe auf „Live on tape“. Aber an 1:4 oder gar 4:1 glaub ich nicht.

      • Jermaine Jones Junior

        Das wirst Du wieder einmal bereuen… wobei, vielleicht ist das ein gutes Omen. Wie letztes Jahr im Hinspiel gegen Bayern. Damals bist du auch mit deinen Kumpels zum verkappten Italiener gegangen und wir haben entgegen deiner Einschätzung überraschend gepunktet.

      • Sollen sie gerne punkten, sehr gerne. Die zeiten in denen ich es bereue ein frankfurtSpiel verpasst zu haben, sind aber schon länger vorbei. Zumal wenn sich ein gruselspiel andeutet.

        Übrigens bin ich ja ein verfechter von „wer im kader steht muss fit für 90 Minuten sein“. Ergo: Der soll den Russ spielen lassen.

  8. Alex

    Also, um es direkt auf den Punkt zu bringen: das ist Politik.
    Zu Saisonbeginn gab es für NK nichts zu verlieren. Nun, wo der Klassenerhalt einigermaßen klar sein dürfte, gilt es als Trainer, den eigenen Erfolg auch als solchen darzustellen. Nicht, dass am Ende ein 8. Platz rauskommt und alle sind enttäuscht.
    Absolut nachvollziehbare Reaktion, auch, weil er die Begrenztheit des Kaders am Besten erkennt bzw. um diese weiß.
    Ich bin leicht optimistisch, etwas Demut hilft den Akteuren in Fra demnächst auch im Spiel wieder!

    • Ändert nur nix dran das man enttäuscht sein wird. Es sogar sein muss. Mir kann niemand erzählen dass er nach 34 spieltagen mit rang 8,9,10 glücklich ist wenn er an Spieltag 20 auf Rang 3 stand.
      Es sei denn, man ist zufrieden im Sinne des olympischen Gedankens.

      • Es wird noch schlimmer kommen: Platz 12 oder 13, wenn die Mannschaft nicht endlich wieder dem Gegner ihr Spiel aufzwingt. Vielleicht hätte man an dem System der Hinrunde festhalten sollen. Die 5er Kette war stabil, die Mannschaft ist um ihr Leben gerannt , aktuell läuft sie hinterher, weil sie permanent den Ball vertändelt . Gegen Freiburg wird das „tödlich“. 1:4 mein Tipp

Diskussion

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s