Die Miezekatze vom Main

Dann beginnen wir also mal mit dem Gesundbeten: Unter den Zehntausenden, die das Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem Hamburger SV gesehen haben, hat es bestimmt zwei Menschen gegeben, dem das Dargebotene gefallen hat. Der eine ist Thomas Schaaf, jedoch ist unklar, ob er sich von Berufswegen aus diesen Gruselkick tatsächlich angesehen hat. Jedenfalls dürfte dem Eintracht-Ex ganz wohlig um Herz und Kopf geworden sein, als er sah, dass auch einer seiner Trainer-Nachfolger im 21. Jahrhundert den Spiel…aufbau über Langholz als vielversprechenden Ansatz sieht. Vielleicht chattete Schaaf im Laufe der 92 quälend langen Minuten auch einmal quer durch die Republik mit dem anderen Spaßhaber: Armin Veh. Der dürfte wiederum seine Freude an der Wiedererkennung der Plan- und Ratlosigkeit in Frankfurter Farben gehabt haben.

Das 0:0 im bwin-Topspiel war das logische Ergebnis zwischen zwei bemitleidenswert limitierten Mannschaften. Es war kein „will nicht gegen kann nicht“, es war „kann nicht gegen kann nicht“. Das wird der nichtabstiegs-zufriedene Eintracht-Funktionär oder Frankfurt-Fan natürlich umdeklinieren, er wird die zwei, zweineinhalb vergebenen Torchancen durch Branimir Hrgota und Michael Hector in den Vordergrund stellen, das Ende der Pleitenserie benennen und behaupten, die SGE sei dem Sieg doch so viel näher gewesen als der Gegner, man habe den HSV beherrscht. Und so. Aktuellst mögliches Beispiel: „Es war ein intensives Spiel. Wir hatten ein Chancen-Übergewicht, aber ich kann mit dem Punkt gut leben“ (Trainer Niko Kovac in der Pressekonferenz nach dem Spiel).
Realität ist, dass es einen, mit gutem Willen zwei lichte Momente im Offensivspiel der Eintracht gab. Ante Rebics Hereingabe auf Hrgota in Halbzeit eins, Rebics Kopfball nach Chandler-Flanke in Halbzeit zwei. Dazu der schulbubenhaft umgesetzte Flachpass von Hrgota auf Rebic ebenfalls in Abschnitt zwei. Müßig zu erwähnen, dass ein Alexander Meier – der absurderweise erst in der 84. Minute für den völlig indisponierten Hrgota eingewechselt wurde – mindestens eine dieser zwei Chancen verwandelt hätte. Auch diese Fiktions-Feststellung ändert nichts daran, dass die SGE so gefährlich ist wie eine Miezekatze. Hätte der HSV auch nur annährend so weitergespielt wie in den ersten 15, 20 Minuten, hätte man öfter das Laufduell Bobby Wood gegen Marco Russ oder Michael Hector gesucht; der Knock-Out für die Eintracht, die bis zum Saisonende auf Makoto Hasebe und somit ohne Könner-Sechser auskommen muss, wäre früh gekommen.

Es ist erschreckend, wie wenig der Mannschaft generell einfällt, sobald sie 40, 35 Meter vor des Gegners Tor angekommen ist. Der HSV stand, wie so viele der letzten Gegner, nicht mal hintendrin. Das war konservativ kontrolliert, keineswegs ein vielbeiniges und vielköpfiges Bollwerk, es war auch nicht massiert oder gar bissig kämpferisch. Und selbst dafür, also gegen normales Verhalten bei Nicht-Ballbesitz, findet Eintracht Frankfurt keinen Schlüssel. Wäre Ante Rebic nicht auf dem Feld, könnte man tatsächlich auch die letzte Hoffnung auf einen Torschuss begraben. Selbst gegen den Hamburger SV, den Tabellen-16. der Bundesliga, der nur zuhause Stärke gewonnen hat.

Gegen die drei Tabellenletzten hat es also zu vier Punkten gereicht. Diese Ausbeute alleine zeigt, wie weit weg die Eintracht mittlerweile vom Europapokal ist. Die Tabelle ist tatsächlich zum Zerrbild geworden, die Mannschaft profitiert, rangierend auf dem vorletzten Rückrundenklassement-Platz, einzig vom Schneckenrennen um die Ränge 6 und 7. Um die SGE herum haben sich Teams mit Stabilität bzw. Siegermentalität gruppiert, jedenfalls sind da drei, vier Konkurrenten nun in der Lage regelmäßig Tore zu schießen und hin und wieder dreifach zu punkten. Für Letzteres braucht es Ersteres, aber unter den ersten 13 der Bundesligatabelle hat Frankfurt die mit Abstand schlechteste Offensive – die nicht mal gegen die schlechteste Defensive der Liga wirklich Chancen herausspielen konnte.
Gegen wen bitteschön gedenkt die Mannschaft, die verflossene Heimmacht denn noch mal ein Tor zu schießen, geschweigedenn in Richtung 40-Punkte-Märkchen ein Spiel zu gewinnen?

Die laufende Rückrunde ist zumindest eine, die die Lust auf diesen Klub nimmt. Schon wieder. Aktuell läuft nämlich angesichts der spielerischen Armut alles darauf hinaus, dass man versuchen wird – ähnlich wie am Samstagabend gegen Hamburg – ein 0:0 nach dem nächsten zu ergraupen. Gegen Werder Bremen misslang das vor rund einem Jahr übrigens schonmal folgenschwer. Aber jetzt ist ja Länderspielpause, in der wird alles gut. Und vielleicht wird in dieser Zeit und vor dem Heimspiel gegen Mönchengladbach, dem nächsten Anlauf zum „sich ins Ziel robben“ ja auch Chris gesund.

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19 Kommentare

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19 Antworten zu “Die Miezekatze vom Main

  1. Der Norddeutsche

    Habe diesen Blog immer gern gelesen. Aber er steckt doch voller Wiedersprüche. Vor nicht einmal fünf Monaten Himmelhoch jauchzend und jetzt ……..?
    Der gern zitierte Flum, ich sag es noch einmal, ist nur Ersatz beim FCP.
    Huszti? War doch verletzt. Spielt er in China?
    Und wenn sich nicht einem Investor geöffnet wird, man muss sich ja nicht gleich mit Haut und Haaren verkaufen, finden wir uns in der Traditions Liga (Zwo) wieder. Geld schießt eben doch Tore.
    Wieso schafft es der HSV Jahr für Jahr Millionen zu regenerieren obwohl sie untererdisch spielen?
    Ist der Verein doch nicht so Serie wie Herr Fischer immer raus posaunt?
    Es sollte nicht der gleiche Fehler wie bei 1860 begangen werden.
    Noch ein Wort zu Torwart: Verkaufen und Martin Hansen verpflichten.

    • Jermaine Jones Junior

      Ich wäre für Schwolow vom SC Freiburg.

      • der Norddeutsche

        Ironie?!

      • Jermaine Jones Junior

        Nee, eigentlich wäre ich für Manuel Neuer. Oder De Gea. Ach ich kann mich nicht entscheiden. Was meinst du? Für wen würdest du dich entscheiden?

    • Himmelhochjauchzend seinerzeit, weil es dafür allen Grund gab. Und jetzt … weil es dafür allen Grund gibt. Es ist die Art und Weise, wie man sich in Frankfurt die – ich wiederhole mich: einmalige – Chance Europapokal zerdeppert. Durch, wieder mal, hausgemachte Fehler. Dazu zählt das offenbar alles andere als Top-Trainingslager (das wievielte Mal waren die in der Wüste? Das wievielte Mal verkacken sie danach?) und die Personalentscheidungen Huszti/Flum. Um das mal klarzustellen: Es geht dabei weniger um Huszti und Flum im konkreten Sinne, es geht darum, nicht einen von beiden in einem halbwegs adäquaten Maße ersetzt zu haben. Ja man hat auf der Position nicht mal quantiativ Ersatz geholt! Im Wissen, dass das zentrale defensive Mittelfeld das ohnehin schwächstbesetzte Mannschaftsteilchen ist (wobei, nein, das „Wissen“ zu Beginn des Satzes muss in Anführungszeichen). Das ist die strukturell selbe Nummer wie einst, als man in der Winterpause auf den Kauf eines Innenverteidigers verzichtete. Folgen: bekannt.
      Ich hoffe, diese Konkretisierungen helfen bei der Auflösung der Verwirrung.

      • Genau das ist es: es geht nicht um die Qualität von Flum und Huszti. Zum einen hat man ein eingespieltes Team auseinander gerissen, zum anderen nicht mal zahlenmäßig für Ersatz gesorgt.
        Wohin das führen kann , sieht man auch gerade in Mainz.
        Russ, Stendera und Medojevic waren lange verletzt oder sind es noch. Auf düse Namen wollte und könnte man nicht bauen. Die 5er Kette brachte Stabilität, die es nach der Rückkehr von Hasebe ins Mittelfeld nicht mehr gab. Jetzt fällt Hasebe auch noch aus…
        Fast alle neuen Spieler waren nach ihrer Verpflichtung erstmal lange verletzt….Alles nur Pech?

    • Jermaine Jones Junior

      @ Der Norddeutsche: Das mit Schwolow war ernst gemeint. Aber leider scheint er sehr begehrt zu sein, wodurch wiederum die mögliche Ablösesumme steigt.

  2. Jermaine Jones Junior

    Mir ist immer noch nicht klar geworden, woher der Anspruch der Europapokal-Teilnahme herrührt.
    Die halbe Mannschaft ist geliehen, wir wären letztes Jahr fast abgestiegen und schon zum Ende der überragenden Hinrunde hörte der Zauber eigentlich auf (siehe 3:0-Sieg über Mainz). Wir haben nur in dieser Saison streng genommen „nur“ 12, 13 oder 14 Spiele wirklich richtig gut gespielt.
    Wir müssen akzeptieren, dass die Mannschaft Körner lässt und die Kaderzusammenstellung nicht mehr hergibt. Das hat noch nicht mal was mit Demut oder solchen ähnlichen Gedankengänge-/konstrukte zutun.

    Wer behauptet eigentlich, dass das obere Tabellendrittel zementiert ist? Warum sollte uns der Europapokal-Coup nicht in den nächsten 2-3 Jahren gelingen?

    Alex Meier hat Recht damit, dass die Tabelle ein exaktes Bild des Leistungsvermögens abgibt. Jeder steht am Ende der Saison genau dort, wo er hingehört. Die Mannschaft kann gerade nicht besser spielen.

    • Woher der Anspruch rührt? 1. Leistungssportdenke, 2. Punktausbeute nach der Hinrunde, Vorsprung, Schneckenrennen

      • Jermaine Jones Junior

        Alles richtig. Niemand gibt sich mit Mittelmaß zufrieden. Aber: Die Mannschaft kann im Moment nicht besser spielen, weil ihr taktisch der Plan B fehlt und das Selbstbewusstsein abhandengekommen zu sein scheint. In den ersten Minuten gegen den HSV hat man gesehen wie verunsichert sie war.

        Trainer und Mannschaft hatten im Wintertrainingslager Weltklasse-Bedingungen. Womit haben sie bloß ihre Zeit vertrieben?

      • Mit Mittelmaß gibt man sich eben doch zufrieden. Dieses 40-Punkte-Ding ist ja ein Beispiel dafür. Da war sie wieder, die Genügsamkeit aus Angst vor der eigenen Courage.
        Recht hast du mit der Trainingslager-Kritik. War ja wieder das beste aller Zeiten. Man will gar nicht wissen was ein schlechtes Trainingslager dann für Auswirkungen hätte ..

      • Jermaine Jones Junior

        Erschreckend sind zwei Erkenntnisse: Erstens ist der Mannschaft der Biss abhandengekommen. Man wird als Tabellen-Siebter die Saison wohl nicht abgehakt haben? Was ist aus der beispielhaften Tugend geworden, die NK täglich vorgelebt hat?
        Zweitens, wieso ist die Mannschaft so fragil, sobald das System ohne ihre Schlüsselspieler (u. a. Hasebe) auskommen muss?

        Wie bereits beschrieben: Alex Meier hat damit Recht, dass man gerechterweise den Tabellenplatz einnimmt, auf dem man temporär steht.
        Schade nur, dass die Vereinsführung (Manager und Trainer) die Rahmenbedingungen der ersten Saisonhälfte nicht pflegen konnte oder wollte. Wenn wir so weiterspielen, werden wir am Ende einen Platz zwischen 8 und 12 einnehmen. Es ist immer noch viel mehr möglich.
        Mit einem Hasebe und Hustzi – Ersatz wären wir mit Überzeugung noch dick im Rennen. Ich habe Angst einzusehen, dass die Vereinsführung sich in eine Wohlfühloase begeben hat. Anscheinend hat der Pudding (Bobic) im Trainingslager wohl doch zu gut geschmeckt.

      • Jermaine Jones Junior

        Es wird wieder Zeit unser Tafelsilber zu veräußern (Hradecky?).
        Wir brauchen dringend einen Huszti-Ersatz (Baumgartlinger oder Schwegler oder beide). Hat dieser Verein aus dem Inui-Verkauf nichts gelernt?

        Gegen HSV haben wir nur ganz wenige Torchancen herausgespielt.
        Die dickste Chance (Hector) resultierte aus einer Standardsituation.
        Was ist nur aus der Struktur geworden, die NK so auszeichnete. Die Mannschaft trug in der Hinrunde ganz klar seine Handschrift.

        Die Mannschaft spielt immer so, wie der Trainer denkt und fühlt. Im Moment redet sich NK Spielereignisse schön. Ich erkenne ihn im Gegensatz zum Freiburg-Spiel aus der Hinrunde kaum wieder.

      • Durch die Abgänge von Huszti und Flum hat man sich der Alternativen beraubt. Sich weiter auf Barkok und junge Neuzugänge wie Wolf und Besuschkow zu verlassen. , war eine krasse Fehleinschätzung der Vereinsführung. Es gab alternativen auf dem Markt. Stattdessen hat man den schnellen Euro gemacht und verspielt jetzt Millionen an zukünftigen fehrnsehgeldern , was wiederum bedeutet, dass es nächste Saison nicht besser wird.
        Der sportliche Ehrgeiz kann nur sein , sich zu verbessern. Und dafür braucht man gutes Personal, auf allen Ebenen!!!!!! Internationale Vermarktung geht auch nur mit nationalem Erfolg ! Da reicht es nicht , sich im Winter ins Wunderland der Träume zu begeben und Pudding zu schlabbern. Harte ehrliche Arbeit soll sich lohnen sagt so ein Politiker. ….

  3. Walter Kolb

    Was ein Glück gab es noch mit guten Freunden eine schöne Zeit in Sachsenhausens Lokalitäten vor und nach dem Spiel, ansonsten wäre es ein mehr als gebrauchter Samstagabend geworden.

  4. 15 Minuten lang habe ich mir das Elend angesehen und weitere 15 Minuten im Radio verfolgt, dann war klar: 0:0 oder es wird ein knapper HSV Sieg

  5. Olsen

    Es kann für mich nur ein Urteil zum aktuellen Wochenende geben: gestern war ich offenbar noch schlauer als heute. Da vertrat ich felsenfest den Standpunkt, mir diesen Grottenkick der Eintracht 2017 ein weiteres Mal NICHT anzutun. Frankfurt gegen den HSV – die wahrscheinlich traurigste Ansetzung der aktuellen Saison. Dazu gab es quasi gar nichts, was für einen fantastischen Fußballabend sprach. Und doch griff ich zum Laptop. Wie kann man sich das erklären? Möglicherweise war es die Hoffnung, dass man, wenn auch gegen niemanden sonst, gegen Hamburg gewinnen könne. Andererseits wäre es möglich, dass ich Dinge, die ich gestern noch klar sehen konnte, heute gar nicht mehr erkenne. Sollte es letzteres gewesen sein, mag ich heute gar nicht zu Bett gehen. Wer weiß, in welchem Zustand ich morgen aufwache…

    • Eine nur auf den ersten Blick verworrene Logik. Letztlich aber wesentlich klarer und durchdachter als der beste der wenigen Frankfurter Angri…aktio…verpuffungen.

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