15 Minuten blinder Wille

Deckel drauf, die Saison ist vorüber und Eintracht Frankfurt wird 2017/2018 erstklassig bleiben – was rechnerisch aber noch nicht sicher ist. Wie vorab prognostiziert, überspringt die SGE am 30. Spieltag jedenfalls die 40-Punkte-Marke und beendet die längste Erfolgsserie seit vielen Jahren. Eine 60 Minuten lang nicht weniger als unterirdische Leistung gegen eine Augsburger B-Mannschaft hat dann irgendwie zum Sieg gereicht. Und es ist kein Zufall, dass Marco Fabian, der einzige fußballerische Lichtblick in diesem trägen, uninspirierten Flickwerk-Kollektiv letztlich für die Erlösung sorgte. Hinter Alexander Meier konnte es ja auch nur der Mexikaner sein, der den Karren aus dem Dreck wuchtet. Er ist in diesem Team der einzige Qualitätsspieler, zumindest in der Offensive hinter dem (erst abgeschobenen, dann verletzten) Kapitän.

Die SGE präsentierte sich eine Stunde lang wie der heißeste Anwärter auf den Relegationsrang. Das war grotesk schlecht, sogar noch ein Level unter den mageren Leistungen der Vorwochen. Die immergleiche uninspirierte Spielweise mit Quer- und Rückgeschiebe, träge, langsam und gepaart mit wilden und immer kruder werdenden Personalentscheidungen des Trainers  (gegen Augsburg: plötzlich steht Barkok wie aus dem Nichts wieder in der Startelf, wird dann zur Halbzeit vom Totalausfall Tarashaj ersetzt und als letzte Option sollte es Seferovic richten) zieht sich seit Monaten durch die Saison.
Gegen den FCA leistete dieses Team den nächsten Offenbarungseid, das war bis zur alternativlosen Wucht-Schlussoffensive nicht minder struktur-, ideen- und harmlos wie unter Armin Veh während dessen zweiter Amtszeit. Die wollen, können aber nicht – sinnbildlich dafür stand und steht Ante Rebic (dem dann ja tatsächlich doch mal ein Tor gelang nachdem er das 1:0 maßgeblich verschuldete). Echte Chancen wurden bis 15 Minuten vor Schluss erneut kaum herausgespielt, und das Bisschen, das es an Abschlüssen gibt, wird vergeben, mitunter kläglich (Hrgota aus Meier/Schalke-Position). In solch einer Gemengelage wurde Veh vor einem Jahr entlassen, bis 15, 20 Minuten vor dem Ende wäre auch eine Entlassung Kovacs angesichts des Trends, der Tristesse und des Totalabsturzes ebenso gerechtfertigt wie sinnig gewesen.
Ein Kraftakt, ein Akt des Willens und der blinden Verzweiflung war es dann, der dieses Spiel in der Schlussviertelstunde gedreht hat, gepaart mit dem durchaus glücklich entstandenden 1:1 durch Fabian. Danach verlor Augsburg komplett den Faden, Frankfurt nutzte die Verunsicherung aus. Geradeo gutgegangen, muss man aus Eintrachtsicht konstertieren. Es zeigt, dass der Trainer das Team noch erreicht. Das ändert aber an den grundsätzlichen Mängeln nichts, die Kritikpunkte waren, sind und bleiben dieselben. Die zweite Halbzeit war schier der Mut der Verzweiflung, irgendwie versuchte man Torgefahr zu erzeugen – was bezeichnenderweise weniger an den Hereinnahmen etwa von Tarashaj sondern am besagten verzweifelt-leidenschaftlich-blinden Willen einiger Spieler lag (im Folgesatz kommen die Namen). Das mit der Torgefahr gelang spät, aber es reichte – und dann gleich zu drei Treffern, nachdem Frankfurt eigentlich mausetot war. Marco Fabian und Ante Rebic, auch Timothy Chandler und der sich als Systemspieler immer wertvoller machende Bastian Oczipka sind die Säulen, auf denen diese Auflehnungshaltung fußt. Mascarell, Gacinovic, auch der beim 1:0 abermals zumindest unglücklich aussehende Hradecky entpuppen sich (nicht erst seit heute) als die Verzichtbaren unter den Stammspielern.

Bei Darmstadt 98, Berlin und Bayern dürfen sich die Frankfurter überdies für ein gerüttet Maß Schützenhilfe bedanken. Wäre im Stadion eingeblendet worden, dass Hamburg und Wolfsburg führen würden, hätte es im Stadion mit Sicherheit nicht nur das laue Pfeiflüftchen zur Halbzeit gegegben. Da hätte es stimmungstechnisch eskalieren können. So oder so: Das war ein ganz enges Höschen an diesem 22. April, Grund für Euphorie gibt es nach dem gedrehten Spiel nicht wirklich, Europapokal wird diese Mannschaft trotz der Mini-Punktabstände nicht schaffen, und das nicht nur wegen des Restprogramms und der Formstärke von Werder Bremen und der Stabilität von Berlin und Köln. Zum Durchatmen reicht es aber; und zur Personalplanung auch. Immerhin. Letztlich also alles, wie gestern prognostiziert.

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10 Kommentare

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10 Antworten zu “15 Minuten blinder Wille

  1. Jermaine Jones Junior

    Mönchengladbachs Auftritt gegen den BVB hat mich nicht überzeugt. Ich sehe gute Chancen auf ein Weiterkommen. Wir haben in dieser Saison gegen Gladbach in beiden Bundesliga-Begegnungen eine überzeugende Leistung gezeigt und hätten jeweils gewinnen müssen. Die Tagesform entscheidet über das Weiterkommen. Ich glaube an ein 1:0 für uns (Tor: Fabian). Wir sehen uns im Finale gegen Bayern.

    • Jermaine Jones Junior

      Gegen Gladbach wünsche ich mir folgende Aufstellung:

      ——————————-Hradecky——————————–
      ———-Chandler——–Abraham————-Oczipka———
      Wolf————————————————————Tawatha
      ——————–Russ—————–Gacinovic——————-
      ———–Fabian—————————————-Rebic——–
      —————————-Seferovic————————————

      Oczipka hat mir gegen den FCA gut gefallen. Er hat wesentlich mehr Zugriff auf das Spiel nach vorne, wenn er als Innenverteidiger im Zusammenspiel mit Tawatha in Antritt kommt. Außerdem gefällt mir sein Aufbauspiel. Seine Schnelligkeit wird ihm morgen zugutekommen.
      Das Gleiche gilt für das Duo Chandler/Wolf auf der anderen Seite.
      Es bietet sich daher an mit der Mannschaft relativ „hoch“ zu pressen, weil wir bei Konter schnell umschalten könnten.

      Im Mittelfeld müssen wir wieder häufiger die Zweikämpfe gewinnen (vor allen Dingen nach Ballverlust). Da schätze ich Russ grundsätzlicher stärker ein als Mascarell. Der Spanier soll zudem seit dem FCA-Spiel angeschlagen sein.

      Zu Hrgota möchte ich nicht viel schreiben (soll auch nicht als Bashing gemeint sein), aber Seferovic macht auf mich den frischeren und präsenteren Eindruck.

      Alles in allem würde ich mich über eine offensive Eintracht freuen, weil man in der jüngeren Vergangenheit gesehen hat, dass die Fohlen unter Offensivpressing extrem wackelig wirkten.

  2. Fast 24 Stunden später nach einem langen Durchatmen bin ich über den Auftritt der Mannschaft, die Aufstellung und die HZ Wechsel immer noch verärgert. Was solls , ich freue mich aufs Austrudeln und den Beginn der Tennissaison .
    SGE Schlafmodus.

  3. Gratulation zum Klassenerhalt! Bin allerdings wenig zuversichtlich ob wir uns kommende Saison nochmal treffen

  4. akloppi

    Bei Bayern für Schützenhilfe bedanken??? Jetzt wird es aber albern!😄

  5. Staniii

    Jetzt kann man sich wenigstens auf das nicht erreichen eines einstelligen Tabellenplatzes konzentrieren.
    #TV-GELDER
    #JEDERTABELLENPLATZZÄHLT

    Wenigstens das Ochs’sche Orakel orakelte mal richtig.

    • Walter Kolb

      Ich glaube, den Verantwortlichen wäre Platz 8 am Ende das Liebste, weil sie genau wissen, dass mit dieser Mannschaft nächste Saison eine Doppelbelastung durch die Europa League der sportliche Selbstmord wäre.

      Der gestrige Auftritt hat mich davon überzeugt, lieber nicht Donnerstags um 21.05 Uhr Eintracht-Spiele sehen zu wollen.

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