Der Plüschadler

Der DFB-Pokal, das war ja zu Friedhelm Funkels Zeiten mal eine Domäne Eintracht Frankfurts. Gut, Domäne, das klingt nach Titelsammlung, was natürlich nicht der Fall war, ist und sein wird. Aber der Maßstab in Frankfurt ist ja über die Jahre ein winziger geworden, da zählen Teilnahmen an der Pokalrunde der Letzten-4-bis-8 bereits als titelähnliche Erfolge. Unter Trainer Niko Kovac ist der SGE nun nach mehrern Jahren erneut der Einzug ins Halbfinale gelungen – mit einer gehörigen Portion Glück in Bezug auf A) die Auslosungen und B) die  Spielverläufe.

In der 1. Runde bezwang man im Elfmeterschießen den 3.Ligisten aus Magdeburg, eine Runde später den designierten Erstligaabsteiger Ingolstadt, in den Folgerunden hatte man es mit den Zweitligisten Hannover und Bielefeld zutun, setzte sich jeweils – nicht nur im Ergebnis – knapp durch. Und mit Borussia Mönchengladbach wartet im heutigen Halbfinale erneut nicht das stärkste Team aus dem Lostopf auf Frankfurt, aber sehr wohl das stärkste im bisherigen Turnierverlauf.

Ein Bezwingen Gladbachs erscheint auf den ersten und den zweiten Blick möglich, dazu reichen ein Blick auf die Bundesligatabelle und die Erinnerung an die Spiele in der Saison. Auswärts ist Frankfurt allerdings nicht die Wucht, steht auf Rang 12 aller Bundesligisten (wobei man nach dem Absturz zuletzt selbst zuhause nur noch 9. und damit keine Macht mehr ist). Borussia Mönchengladbach wiederum ist Zehnter in der Heimtabelle. In einem Detail steckt der Teufel, der die Eintracht heute scheitern lassen dürfte: In fremden Stadien hat das Team kümmerliche zehn Tore in 15 Partien erzielt (20 kassiert), nur Darmstadt traf noch, nämlich einmal weniger. Die Stindls, Raffaels und Co. haben zuhause im Gegenzug 23 mal genetzt (15 Gegentore) – das ist der zu Frankfurts Heimbilanz fast identische statistische Wert.

Viele Worte, knappes Resümee: Ein Spiel auf Augenhöhe steht an, jedenfalls wenn man sich die Zahlen anschaut. Der casus knaxus ist, ungeachtet alles möglichen Knotenlösens nach dem gesicherten Klassenerhalt, die einträcthtliche Torungefahr außerhalb des Waldstadions. Die Plüschadler, sie kommen nirgendwo sichtbarer zur Geltung als auf des Gegners Spielwiese. Wenn sich daher bei Ex-Gladbachstürmer Branimir Hrgota ausgerechnet heute Abend die Füße richten würden, er ins Tor träfe, bestenfalls mehrfach und zum SGE-Sieg, wäre das natürlich die Geschichte, die man sich in Frankfurt am liebsten erzählen würde. Der Geist ist ja bekanntlich willig, das mit dem Fleisch …

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8 Kommentare

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8 Antworten zu “Der Plüschadler

  1. Gut gebrüllt Adler!
    Auch heute habe ich die Wechsel nicht alle verstanden , aber sch….. drauf: wir fahren nach Berlin!

  2. Jermaine Jones Junior

    Jaaaaaaaaa!!!

  3. Olsen

    Was ich seit Monaten gut schaffe, gleitet mir gerade aus der Hand: emotionale Distanz zum Trümmerhaufen aus Frankfurt. Ich bekomme regelrecht Lust auf das Spiel. Das ärgert mich jetzt schon.

  4. 1 EUR ins Phrasenschwein: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze.

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