Monatsarchiv: Mai 2017

Grünes Gras

Stefan Aigner ist der nächste. Der nächste, der ausserhalb Frankfurts das Gegenteil von dem versprochenen Erfolg hat. Wie all die Ochs, Schweglers, Jungs, Rodes vor ihm. Wie die Hradeckys nach ihm.

Aigner, wie die anderen Genannten war bei der Eintracht ein Leistungs- und Sympathieträger. Ein Vorwärtsgeher, einer der wenigen Qualitätsspieler in der Mannschaft. Und nun ist er Drittligist mit 1860 München, schon auf dem Weg dorthin nur einer von vielen Spielern. Daran ändern auch angeblich vertraglich zugesicherte Häuschen und Co. nichts. Ändern sie die Stimmung, lindern den Schmerz, betäuben die Zweifel?

Man fragt sich immer wieder, was in diesen Fussballprofis vorgeht. Als ob irgendeiner von denen die dritte, die vierte Millionen Euro nötig hätte. Klar, die, die es zum Profi geschafft haben, nach vielen Mühen und Entbehrungen, müssen in 10, 12, 14 Jahren so viel Geld erwirtschaften wie Ottonormalmensch in 40,45,50 Erwerbsjahren. Bei den entgrenzten Sportlergehältern und der Tatsache, dass der eine oder andere Euro auch nach der Karriere noch verdient werden kann und wird, ist Verständnis aber völlig unangebracht. Die Nomaden ziehen weiter, mal verdienen sie Erfolgsprämien, mal kassieren sie Schmerzensgeld. Verdient wird immer, mal in diesem, mal in jenem Trikot.

Der schon angesprochene Lukas Hradecky wird ebenfalls diesem Zyklus folgen. Sich woanders wiegen lassen, sich auf vermeintlich grünerem Gras betten. Um dann, an den stillen Abenden sich eben doch zu grämen, dass man das, was man hatte zugunsten der nächsten Ungewissheit aufgegeben hat. Als Herausforderung gelabelt, natürlich.

Unterdessen verkauft Berlin einen sehr guten, aber sicher keinen überragenden Innenverteidiger (J.A. Brooks) für 20.Millionen Euro (!) zum Fast-Absteiger (!) Wolfsburg. Dieses Geschäft ist, auch gänzlich ohne Helene Fischer und Kaneras an Weizrnbiergläsern verkommen.

Einer Fussballmannschaft zujubeln? Mitfiebern? Wieso eigentlich? Selbst die Kirche ist ehrlicher (und jeder Pfarrer ärmer) als die Sportler, Funktionäre, Berater. Und jeder Fan sowieso.

Nun kommen zur erstklassigen Eintracht also Haller, Jovic, Fernandes. Jo, schön. Die nächsten Nomaden. Die nächsten Wundertüten, die nächsten Internationalen, die nächsten Syline-Superfans-Superstadion-Sprungbrett-Spieler. Gäääääähn. Und mit Mijat Gacinovic, unproduktivem Offensivaußen und leidlicher Sechsernotlösung verlängert man den Vertrag. Aha.

Beim Pokalfinale sprach mich ein Mitschauer, Freiburg-Fan an. Mit der Eintracht befasst er sich null, wie ausserhalb Hessens quasi jeder. Er fragte bei der Kamerafahrt entlang der Spieler vor Anpfiff: „Habt ihr eigentlich noch Deutsche?“ Ich, im reflexartigen Verteidigungsmodus, zählte sie auf – nur Bastian Oczipka spielte, Timothy Chandler wurde mir auch noch zugestanden. Da nickte der Gegenüber still und wissend.

Ich will nicht die Internationalitäts-Kiste von vor einem Dreivierteljahr erneut aufmachen, aber hat sich der Kurs denn tatsächlich bewährt? Man ist knapp über dem Niveau der Vorsaison gelandet, dank einer nicht nur punktemäßig brillianten Hinrunde. Einzig und allein. Der erste Einbruch, November/Dezember 2016, die erste Krise ab Februar 2017 und es kam nie wieder Luft in den Ballon. Der war geplatzt. Und das Erreichen des Pokalfinals, da lüge man sich als Frankfurt-Funktionär besser nicht in die Tasche, ist dem von Runde 1 bis zum Endsüiel holde Los- und Spielglück zu verdanken, keineswegs dem Faktor Qualität.

Was also ist die Bilanz? Verpasste Chance (n), Treten auf der Stelle, Status quo mit Tendenz gen Abstieg beim Blick auf 14,15 der Bundesligakonkurrenten.

Die nun eingelegten Patronen müssen ihr Ziel treffen. Mehr noch als vor/während der abgelaufenen Spielzeit. Denn 2017/2018 gibt es maximal 3,4 Augenhöhe-Konkurrenten im einträchtlichen Keller, nicht abermals Kleine, Augebhöheteams und ein weiteres halbes Dutzend Großkaliber.

Und wer weiss, vielleicht feiert man in einem Jahr den Klassenerhalt auf dem Römer. Die Meisterschaft des Mini-Mannes – mit Tankard als Helene Fischer für … nunja, Arme.

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Verpasst

Das Kapital gewinnt letztlich immer. So auch im Fall des DFB-Pokalfinals. Geld schiesst Tore. Ein Spiel, das unentschieden ausgehen muss, in dem Eintracht Frankfurt in Führung gehen muss und Borussia Dortmund lediglich von der individuellen Klasse ihres Stürmers und zwei starken Anfangsphasen profitiert. Das bessere Kollektiv erntet warmen Applaus und Respekt, die besseren Individualisten bekommen den Titel.

Wie schon die ganze Pokalauslosung, war auch der BVB im Finale nicht die stärkste Mannschaft. Deren Lustlos-Leerlauf hätte die Eintracht nutzen können, vielleicht sogar müssen. Erst verhinderte der Pfosten, dann ein Dappes-Elfneter den Weg zum Coup. Da war etwas drin in Berlin, es ist auf 90 Minuten kumuliert ein Abbild des Saisonfazits: die Saison der verpassten Möglichkeiten.

Bei Frankfurt setzt der Trainer zu spät auf Alexander Meier, überrascht mit Slobodan Medojevic und wird sich, wie ganz Frankfurt fragen was mit Lukas Hradecky los war/ist. Seit Wochen, seit dem Vertragspoker ist von seiner einstigen Sicherheit und Souveränität nichts mehr übrig, der Glaube, zu höherem berufen zu sein, lähmt (auch) ihn. Auch der Finne jagt der Illusion hinterher, sportlich besser zu sein als er ist.

Sebastian Rode, Patrick Ochs, Sebastian Jung, Pirmin Schwegler … Ganze Liederbücher könnten geschrieben werden von Spielern, denen die SGE nicht gut genug war, obwohl sie selbst nicht gut genug waren. Nicht gut genug für die Guten.

Nun ist die Saison also vorbei, mit einem versöhnlichen Abschlussspiel ohne den grossen Triunph.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass es 2017/2018 tatsächlich ums sportliche Überleben gehen wird, weit mehr als dass 2016/2017 der Fall gewesen ist. Der Austausch Daimler gegen Audi und Kind gegen Darmstadt machts möglich. Augsburg und Frankfurt, Mainz und je nach Doppelbelastungs-Malus auch Freiburg werden tief drin stecken im Abstiegsstrudel. Bleibt zu hoffen, dass Braunschweig hoch kommt – als Pufferteam für die SGE.

Gute Zeit allen Lesern, die nächsten Wochen wird es ja newsmäßig dünner – und nach Umzug gilt es jetzt erstmal die neue Bleibe einzurichten. So dann, auf ein Neues in Kürze!

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Die bessere Mannschaft hat verloren

Lukas Hradecky versaut das Pokalfinale. Das passt. Hauptsache Vertragspoker. Weg, blos fort mit dem. Irgendwohin. Dieser Drollo. Immer denken diese Leute, sie seien für mehr bestimmt. Die Realität holt sie immer und immer wieder ein, auch Hradecky über Wochen, aber nein, es muss ja immer mehr sein. England. Ja dann, bitte, weg. Der nächste wird schon paar Bälle halten. Oder keine dappigen Elfmeter verursachen.

Eintracht Frankfurt hat Borussia Dortmund beherrscht, war die bessere Mannschaft- und verliert das Pokalendspiel. Es ist einfach bitter. Und es ist eben wie immer: das Kapital gewinnt.

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Ankerwurf im Strudel

Eintracht Frankfurt hat es fast geschafft, sogar noch einen Tabellenrang zu verlieren. Seelenlos, qualitätslos hat man die Saison nach dem Erreichen des Pokalfinals austrudeln lassen, gegen Brauseball 75, 80 Minuten lang nicht minder als so oft zuletzt – ein Doppelschlag, der sich nicht im geringsten andeutete, verhinderte das Abrutschen um einen weiteren Platz. Durchatmen, dieses Irgebdwie2:2, die schiere Präsenz von Alexander Meier  (und Jesus Vallejo) ist die Minimalst-Motivationsspritze im Vorfeld des letzten Pflichtspiels der Saison. Ein Ankerwurf im Strudel.

Nicht auszudenken, wenn Bayer Leverkusen dann in der Liga auch noch vorbei geschippert wäre. Stimmungstechnisch wäre es der nächste Nullpunkt gewesen. Wie so viele Teams zuvor, wie so viele mit einstmals enormem Rückstand drohte auch Leverkusen vorbeizuspazieren an der SGE. Elfter ist die Eintracht letztlich geworden, gerade so nicht Zwölfter. Auf einen der drei grauesten Plätze gestürzt, kommend von Rang 3 (Februar 2017), nicht von 16 (Mai 2016). Ein tabellarischer Absturz, der der Rückrunde der Schande in nichts nachsteht. Nur darf die nun beendete Hslbserie ja nicht so genannt werden. Weil Pokalwettbewerb. Spiele, die inhaltlich ja auch überragend waren, gegen ebenso überragend Gegner. Aber dann, das Procedere kennt man, ists gerne „Ergebnissport“, der Liga-Murks ist dann auch kein Murks, es ist nur „Ergebniskrise“.

Dabei markiert das Doppelschlag-Remis am 34. Spieltag lediglich das überfällige Ende einer Bundesligasaison, in der es leichter denn je war, Europa zu erreichen. Weil die Großkopferten samt und sonders und dauerhaft patzten. Jubel gibt es anderswo. Wieder mal. Weil in Frankfurt zu viele zu wissen glauben, wo man herkommt – und dass diese Herkunft den Verlauf und den Ausgang beim Leistungssport bestimmt. Naturgesetzlich, gottgleich.

Im Kalenderjahr 2017 bestritt die SGE 18 Bundesligapartien. 54 Zähler sind das zu erreichende Maximum. 13 sind es geworden, um einen Blum/Vallejo sogar nur zwölf. Das ist mies, Punkt. Im deutschen Profifußball findet sich nur ein SGE-Kompagnon: Würzburger Kickers, die von Rang 6 auf 17 fielen – und Würzburg schlug Frankfurt in einem Testspiel im Frühjahr. Bemerkens-, nicht Muster gänzlich ohne Wert.

TV-Tabelle, Formsuche vor Berlin, Ehrenappell? Gereichte offensichtlich- und erwartbar- nicht zur Motivation bzw zur Qualitätsverbesserung. Logisch, als es noch um etwas ging, haben Trainer und Funktionäre alles fürs Bremsen, alles für die Akzeptanz der Ambitionslosigkeit getan. Niko Kovacs „wir sind nicht so gut…“ ist das Pendant zu Armin Vehs „Hände schütteln“-Satz. Nur kommt es ja nie darauf an, WAS gesagt wird, sondern WER etwas sagt.

Dabei wollte dieses Team doch, der Einsatz und der Geist sind – zumindest bei den immerselben – vorhanden. Dem Team reicht ein Funke, da ist das Comeback gegen Brausesport nicht das erste Beispiel, aber es muss eben auch mal wieder ein Feuer entzündet werden (dürfen). Bastian Oczipka, David Abraham, Danny Blum: Hätte man sie gelassen, hätte man sich in mutigem Fußball versucht, statt Spieler verbal wie taktisch einzufangen, vielleicht hätte man Minderkönner a la Seferovic ausgleichen und die Minimalstausbeute von 17, 18 Rückrundenpunkten (Europa) erreichen können. Gegen Leipzig, sowieso gegen Mainz, Wolfsburg oder Sonstwen. Perdu.

Das Pokalfinale wird diese Mannschaft natürlich nicht gewinnen. Und ebenso wenig wird diese Mannschaft durch Dortmund vom Platz gefegt, überrollt, vor einem Millionenpublikum zum Gespött. Es wird halt einfach verloren, 1:3, 0:2, irgendsowas. Dann wird sich auf die zuckenden Schultern geklopft für all das toll Geleistete, diese tolle Saison und die tolle Erfahrung Pokalfinale… „Hätte das vor der Saison einer gesagt“ – dieser Verbalerguss wird dann wieder bemüht; wie immer wenn underperformed wurde.

Wieso auch nicht, die Lemminge fressen ihnen bei der Eintracht ja aus der Hand. Lämmer. Schlachter. Und so.

Die Leute draussen, die mit der Eintracht nichts am Hut haben und sich bestenfalls an die prinzipielle Erstligazugehörigkeit dieser grauesten aller Mäuse erinnern, werden sich nach einem langweiligen, einseitigen Pokalfinale fragen, wie Frankfurt es bis ins Finale geschafft hat. Eventuell sollten die Fernsehsender den Turnierbaum der SGE dauer-eingeblendet lassen; das ordnet dann vieles ein, die „Neutralen“ draussen sind eher in der Lage zu erkennen, wie leicht die Lose zwischen August 2016 und April 2017 waren (wie mies und glücklich die meisten dieser Spiele liefen, bliebe trotzdem verborgen).

Es sei denn, ja es sei denn, Eintracht Frankfurt gedenkt im Anschluss an die letzten sieben Heimspielminuten, sich doch wieder aktiv in und an Fussball zu versuchen. Besagter Funken. Jagen, nicht jagen lassen – dann ist gegen Dortmund einer der grössten Erfolge der Vereinsgeschichte drin. Lasst sie von der Leine, Mut, Verve, Wucht – diese Mannschaft kann das können. Entgegen aller Vorzeichen kann sie das können.

Zügelosigkeit, jetzt.

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Kleine Glocke

Der Fredi Bobic, babbelt der stets in die Richtung, in die der Wind weht? Jetzt soll es laut des Vorstandsvorsitzenden plötzlich das Ziel von Eintracht Frankfurt sein, Spieler zu kaufen und langfristig zu binden. Vor wenigen Monaten hiess es noch: Leihen! Ausbildungsverein! Ja, was denn jetzt? Sind ja im Fussball denkbar einfach, recht analog, die Wege. So oder so; oder der Hybrid, der halt nie funktioniert, weil halbgar, unentschlossen. Aber im Vierteljahrestakt seine, nunja, Ausrichtung, seine Grundidee zu ändern, zeugt ja wahrlich auch nicht von planvollem Vorgehen.

Diesen Sebastian-Stürmer hat die SGE schonmal gekauft. Sagen sie jedenfalls. Sicher auch gänzlich ohne Klausel und Kleingedrucktes. Für einen ziemlich hohen Betrag, wie kolportiert wird. Eine Summe, die insofern überrascht, als dass die sinnigste und umfangreichste Investition eindeutig ins defensive Mittelfeld fließen müsste. Anders: Hätte fließen müssen.

Das Problem der Eintracht sind nämlich nicht die ausgelassenen Chancen, da tat sich einzig Branimir Hrgota in der Rückrunde hervor. Das, was die Funktionäre als Chancenwucher ausmachen und wo sie Schwächen ausmach(t)en, sind tatsächlich statistische Torschüsse, keinswegs Torchancen im eigentlichen Sinne. Das Problem dieser Mannschaft ist schlicht der Spielaufbau, die Angriffsgenerierung, die Tempowechsel, das Kurzpasspiel. Jedwede Form von strukturierter Vorwärtsbewegung. All die Dinge, die im Mittelfeld passieren, vor allem auf der Sechserposition. Seit Jahren.

Eintracht Frankfurt benötigt einen Präger, einen Taktgeber fürs Offensive, einen Vorstoßer, keinen weiteren Ordner und Verteiler (mit Hasebe ist der beste fürs 6er-Tandem schon vorhanden). Eben deshalb, fürs Prägen, fürs Vorstoßen braucht es einen bundesliga(!)erfahrenen Zentralmittelfeldmann. Jemanden, der den deutschen Fußball kennt, sofort funktioniert, keine Anlaufzeit, keine klimatisch-mentalitätsmäßige Anpassungszeit braucht. Keine neuerliche Wundertüte, keinen aus Irgendwohersistan, keinen Perspektivspieler (Interessante Kennzahl an dieser Stelle: Der Ausländeranteil 2. Liga liegt bei 33, in der 1. Liga bei 50 Prozent). Der zuletzt gehandelte Almog Cohen von Ingolstadt – dessen Verpflichtung per se in Ordnung wäre – sollte aber nicht der Transfer sein, dem das oben Skizzierte aufgetragen werden sollte, er ist in seiner Laufbahn Typ Wühler gewesen. Ein Lukas Rupp, Hoppenheim und vormals Stuttgart wäre ein guter Schachzug. Problem: noch bis 2020 Vertrag bei SAP, Label: unbezahlbar. Dominik Kohr, Augsburg, wäre ebenfalls eine gute Lösung. Problem: Leverkusen hat die Leihgabe bereits zurückbeordert, und das nicht grundlos angesichts der eigenen Sechserprobleme.

Das grundsätzliche Manko: Da die Eintracht abermals mehr Teams vor als hinter sich hat, ist die Attraktivität eines Wechsels zum Verein doch eher mau. Wenn man sportlich nichts zu bieten hat, jedenfalls nur minimalst mehr als, sagen wir Mainz oder Augsburg, geht es halt nur übers Geld. Geld, das man dem eigenen Bekunden nach ja auch nicht hat. Tja, so wird es dann ganz schnell ganz dünn mit den inländischen Optionen. Jedenfalls nicht aus Liga 1; und das bräuchte es angesichts der Not, der bevorstehenden Aufgaben halt. Für die Sechs gebe es von Nürnberg noch Kevin Möhwald, ein offensiv ausgerichteter Sechser (16 Scorerpunkte in dieser Saison), dessen Markwert auf 1 Mio. taxiert wird – also: kaufen.

So oder so: Auch links offensiv drückt der Schuh, seit langer schon. Valentin Stocker, bei Hertha ausgebootet und wechselwillig, wäre ein Zugewinn. Steven Zuber von Hoppenheim ebenfalls, Problem: kürzlich erst den Vertrag verlängert. Marco Terrazino, einst Bochum und nun ebenfalls bei Hoppenheim, erscheint da schon wesentlich bezahlbarer. Akaki Gogia, von Brentford zu Dresden ausgeliehen, könnte man sich vorstellen, vielleicht sogar eher noch Erich Berko (ebenfalls Dresden).

Im Sturm, da neben Neuzugang Haller nur Branimir Hrgota bleibt – man darf getrost davon ausgehen, dass Alexander Meier sich ein weiteres Jahr erzwungenes Siechtum nicht antut – sollte selbstredend ein weiterer Stürmer geholt werden. Was bietet die Bundesliga da an Möglichkeiten? Ideal: Mark Uth aus Hoppenheim, aus Ingolstadt Dario Lezcano, bei Abstieg des HSV Bobby Wood, alle drei eher quirlige Stürmertypen in Ergänzung zu den vorhandenen großgewachsenen.
Als Innenverteidiger, da gab es ja mal diesen partour verschmähten Stefan Bell, Stammspieler bei Mainz 05. Der tut sich den Stadtwald mitnichten nochmal an. Den einen oder anderen würde man noch finden, aber mit diesem Anderson Ordonez und dem Poker um Jesus Vallejo sieht man sich ja neben Abraham und Russ und Zukunfts-IV Bastian Oczipka gut genug aufgestellt …

Austauschtruppe 2.0 oder Aufbau 1.0? Die nächsten Neuzugänge, zu denen Ante Rebic nicht gehören wird, werden jedenfalls mehr offenbaren. Die Hoffnung ist, dass man nicht schon wieder „Phantasie“  freien Lauf lässt, wieder aus C-Ligen (wo im Ligenqualitäts-Alphabet ordnet man Holland eigentlich ein?) verpflichtet, sondern jemanden Sicheres, einen gestandene (Bundesliga)Personalie präsentiert. Ich wiederhole mich: Kategorie (!) Stefan Reinartz, das war der richtige Weg, aber er wäre nur der Anfang gewesen bzw kann es jetzt wieder sein.
Es muss ja auch etwas geschehen, etwas ebenso Qualitatives wie Belastbares aufgebaut werden.

Mit Stuttgart und Hannover zurück in der Liga, einem HSV oder VWolfsburg, das sich gegen Braunschweig in der Liga hält, wird sich die Eintracht 2017/2018 mit Augsburg, Mainz und – je nach Europabelastungsverdauung – Freiburg als eines von drei, vier Teams um die Abstiegsränge balgen. Die Wahrscheinlichkeit ist weitaus realer als das vor der noch laufenden Spielzeit der Fall war, allen „man muss ja mal sehen wo man herkommt“-Gerede zum Trotz.

Die Hoffnung: Es gibt tatsächlich einen Lernprozess und die geben nun heimlich, still und leise endlich mit vollen Händen Geld aus – weil viel hilft viel, wie mein alter Chemielehrer einst zu sagen pflegte. Die Eintracht hängt demnach die Dinge an die kleine Glocke sozusagen. Klingt nach strategischem Vorgehen; verlockender Gedanke. Realisitisches Szenario? Aller Erfahrung nach: nein, no way, man kennt schliesslich seine Pappenheimer. Aber falls doch … zu irgendetwas muss dieser ganze Personalaustausch in zweiter Reihe doch taugen.

Apropos Neuzugänge: Freiburg wird einen Maximilian Philipp verkaufen. Es ist von einer zweistelligen Millionensumme die Rede. Ein deutscher (!) Feld- (!) gar Offensivspieler (!), der über einen Drittligisten (!) den Weg zu einem Spitzenklub finden wird. In der Logik der Frankfurter Funktionäre geht das nicht, ist naturgesetzlich unmöglich. Alleine schon wegen den absurden Gehaltsvorstellungen, die deutsche Jugendspieler angeblich haben – und die etwa von Freiburgern (bekanntlich finanzielle Großkotze) bezahlt werden können. Fällt da was auf?

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Hallo Haller

Eintracht Frankfurt hat laut HR wieder einen „Wunschspieler“ verpflichtet. Heisst Sebastian Haller, ist stürmender Franzose, 1,90 Meter lang und hat 13 Mal für Utrecht in … Holland … getroffen.

Wie oft hat Luc Castaignos (die Grauen erinnern sich an den Schmankerl-Stürmer) in der holländischen (!) Liga getroffen? 14 mal, dann 10 Mal. Der war aber auch nur 1,87m. Von daher: Granatengarantie.

Allez Aller oder so.

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Der Verantwortliche

Er tanzt und tanzt und tanzt.  Zur Melodie von „Spiel mir das Lied vom Tod“, und weil niemand im Klubhaus in der Lage ist die Musik abzustellen, tanzt er weiter, immer weiter. Bruno Hübner, der Sportdirektor von Eintracht Frankfurt, war, ist und bleibt im Amt. Teflonartig perlt jede Kritik an ihm ab, schlimmer noch:  Sie gelangt erst gar nicht an ihn heran. Wie immer in der Vergangenheit steht auch jetzt, da man sich wie so oft im Tal der Tränen wiederfindet, der Trainer im Fokus.

Zweifellos hat Niko Kovac Fehler gemacht, gravierende sogar, und macht sie weiterhin. Er pflegt seit geraumer Zeit eine kuriose Austellungspolitik, die oft im Karussell „Startelf-Tribüne-Bank-Startelf“ gipfelte. Er kurbelt Scheindebatten zu Schiedsrichterleistung oder Pech/Glück an, bemüht Durchhalteparolen, findet überhaupt keinen Hebel für Veränderungen. Kovac hat die Spieler zudem mental ausgezehrt, die Dauerverpflichtung von „Anweseheit auf dem Trainingsgelände von morgens bis nachmittags“ samt Abschottung von der Öffentlichkeit  (etwas, dessen Sinn Alexander Meier früh infrage stellte und wofür er dem Vernehmen nach gestutzt wurde) schadet offensichtlich mehr als dass es nützt. Zumindest ist der Zenit dieses Ansatzes lange überschritten. Nimmt man Timothy Chanlder und Bastian Oczipka raus, kann diese Mannschaft körperlich nicht ausgelaugt sein, dafür ist die Spielbelastung viel zu gering (Mainz bspw. spielte immerhin ein paar Mal international) – aufgewogen wird das höchstenst durch ein eventuell nicht sinnvoll gesteuertes Training, eines, das entgegen der Verwissenschaftlichung gegenteilige Effekte (zu hohe, ermüdende Belastung) hätte. Das sind nicht mal Neuigkeiten, einiges wurde hier und anderswo schon vor Monaten angemerkt. Das Problem: es ist weiterhin der Status quo, die Zahlen (Rückrundentabelle, Siege/Tore/Gegentore etc) sind bekannt. Das wiederum führt zur logischen Konsequenz, dass Kovac natürlich schon länger nicht mehr Trainer wäre, wenn in der Hinrude auch nur ein Sieg weniger eingefahren worden wäre.

Zurück zum übergeordneten Problem, dem Tanz-Bären, zurück zu Bruno Hübner: Einen Transferflopp nach dem nächsten legt er aufs Parkett, nach der Erfolgswelle Aigner/Trapp/Zambrano/mit Abstrichen Inui kam bis auf vereinzelte, punktuellste Verstärkungen praktisch nichts mehr, das als sportlich voranbringend klassifiziert werden könnte. David Abraham und Marco Fabian – und dahinter wird es ganz schnell ganz dünn.

Die vergangenen Transferperioden sind samt und sonders in den Sand gesetzt worden, da taugten viele Neuzugänge bestenfalls situativ, andere phasenweise, die meisten genügten nicht mal Bundesligaansprüchen. Im Grunde genommen ist für jene, die ohnehin schon seit Jahren die besten, die stabilsten Akteure waren, nicht mal im Ansatz Nachfolge erkennbar. Für Alexander Meier gilt das, aber ebenso für Bastian Oczipka, auch für Marco Russ, David Abdraham und Makoto Hasebe. Lediglich Branimir Hrgota wird das Zeug haben, Meiers Wegfall teil-kompensieren zu können. Doch weder Taleb Tawatha, noch Anderson Ordonez oder gar Michael Hector besitzen das Vermögen die oben genannten Spieler zu ersetzen. Im Mittelfeld, in der Zentrale und damit auf der neuralgischsten Position herrscht Total-Ebbe, da fehlte es in der Vergangenheit, der Gegenwart und Zukunft an Qualität, zumal Hasebe eine andere Rolle anzunehmen scheint. Und so ist auf die Schnelle skizziert, welche Versäumnisse und Fehleinschätzungen bei Eintracht Frankfurt vorlagen und vorliegen. Dinge, die im Verantwortungsbereich des Sportdirektors liegen – heutzutage ist der Sportdirektor im Vergleich zum Trainer die wesentlich entscheidendere Position, an dieser Stelle entscheidet sich mindestens mittelfrisitg Wohl und Weh des Klubs. Doch in Frankfurt kennt man dank Hübner nur Weh. Sechs Jahre, das ist im Fußballgeschäft langfristig, aber mit Ausnahme der einen Attacken-Hinrunde unter Armin Veh (der Wiederaufstieg, machen wir uns nichts vor, MUSS ja Mininmalanspruch eines 35-Mio-Euro-Etats-Klubs sein) und dessen Wiederholung in 2016 ist nichts gelungen. Kein Schritt, keine Entwicklung, schon gar kein zählbarer sportlicher Erfolg.

Wie auch?  Der Minimalausgaben-Ansatz ist gescheitert, der Resterampen-Ansatz ist gescheitert, der Ansatz mit dem zusammengestückwerkten Internationalitäts-Ensemble ist gescheitert, die Jugendspielerintegration ist ebenfalls ein einziges Scheitern. Alles geht auf dasselbe Kernproblem zurück: Die Verweigerung Eintracht Frankfurts, das Geld auszugeben, das man nicht hat. Also das Gegenteil von dem zutun, dass ein Gros der Fußballvereine tut.Als ob irgendjemand auf nur einen Gedanken an Seriosität, an Wirtschaftlichkeit, an Kaufmannslehre verschwenden würde. Diese Tugenden bringen Eintracht Frankfurt, einen Klub mit einem Etat der weit über dem von anderen Profivereinen liegt, wohin genau? Rang 11? 12? 13? Immer mal wieder in die zweite oder erste Bundesliga? Bravo!
Mateschitz, Hopp, Kind, Kühne, Daimer/Porsche … die zetreten die Kirchenmaus ohne dass es ihnen auffällt. Und der Kirchenmaus fällt es nicht auf, dass sie von denen non chalant zertreten wird – das ist die eigentliche Peinlichkeit.

Stattdessen, back to Tagesgeschäft, knöpft man sich bei der SGE im Nachgang der nächsten Pleite ausgerechnet Ante Rebic vor. Den Spieler, der zehn Minuten spielte und der tatsächlich als einziger Offensiver in der „Rückrunde der Schande 2.0“ ein Mindestmaß an Leistung brachte, der aller Fehlerhaftigkeit wenigstens Schwung reinbringt, der die grauenvolle Statik auflöst. Wer sich angesichts dieser Fehleranalyse, dieser Konsequenzenableitung aus dem Gezeigten nicht sofort an den Kopf fassst, soll es hier kundtun.

Eintracht Frankfurt hat ein Kompetenzproblem, und zwar an entscheidenster Stelle. Seit Jahren. Und solange das nicht behoben ist, solange der verantwortliche Funktionär nicht faktisch entmachtet ist, wird sich bei der SGE nichts zum Guten entwickeln. Denn unabhängig vom Ausgang des DFB-Pokalspiels ist klar:  Schon jetzt, ein Jahr vor dem letzten Spieltag der Bundesligasaison 2017/2018 steuert Frankfurt auf den Abstieg zu. Man kann nur hoffen, nur beten, dass jetzt intern irgendwoher ein Leuchtturm, wenigstens ein Einäugiger auftaucht. Einer, der Fußball versteht und Einer, der versteht, dass man in der Regel für viel Geld viel Qualität bekommt – und für wenig Geld, wenig(er) Qualität. Was man aus dem Rohmaterial, aus den Ausgangsvoraussetzungen macht, das ist dann wiederum Aufgabe des Trainers. Scheitert der kolossal an der Input/Ouput-Rechnung, versucht sich der nächste daran. It is that simple.

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