Kleine Glocke

Der Fredi Bobic, babbelt der stets in die Richtung, in die der Wind weht? Jetzt soll es laut des Vorstandsvorsitzenden plötzlich das Ziel von Eintracht Frankfurt sein, Spieler zu kaufen und langfristig zu binden. Vor wenigen Monaten hiess es noch: Leihen! Ausbildungsverein! Ja, was denn jetzt? Sind ja im Fussball denkbar einfach, recht analog, die Wege. So oder so; oder der Hybrid, der halt nie funktioniert, weil halbgar, unentschlossen. Aber im Vierteljahrestakt seine, nunja, Ausrichtung, seine Grundidee zu ändern, zeugt ja wahrlich auch nicht von planvollem Vorgehen.

Diesen Sebastian-Stürmer hat die SGE schonmal gekauft. Sagen sie jedenfalls. Sicher auch gänzlich ohne Klausel und Kleingedrucktes. Für einen ziemlich hohen Betrag, wie kolportiert wird. Eine Summe, die insofern überrascht, als dass die sinnigste und umfangreichste Investition eindeutig ins defensive Mittelfeld fließen müsste. Anders: Hätte fließen müssen.

Das Problem der Eintracht sind nämlich nicht die ausgelassenen Chancen, da tat sich einzig Branimir Hrgota in der Rückrunde hervor. Das, was die Funktionäre als Chancenwucher ausmachen und wo sie Schwächen ausmach(t)en, sind tatsächlich statistische Torschüsse, keinswegs Torchancen im eigentlichen Sinne. Das Problem dieser Mannschaft ist schlicht der Spielaufbau, die Angriffsgenerierung, die Tempowechsel, das Kurzpasspiel. Jedwede Form von strukturierter Vorwärtsbewegung. All die Dinge, die im Mittelfeld passieren, vor allem auf der Sechserposition. Seit Jahren.

Eintracht Frankfurt benötigt einen Präger, einen Taktgeber fürs Offensive, einen Vorstoßer, keinen weiteren Ordner und Verteiler (mit Hasebe ist der beste fürs 6er-Tandem schon vorhanden). Eben deshalb, fürs Prägen, fürs Vorstoßen braucht es einen bundesliga(!)erfahrenen Zentralmittelfeldmann. Jemanden, der den deutschen Fußball kennt, sofort funktioniert, keine Anlaufzeit, keine klimatisch-mentalitätsmäßige Anpassungszeit braucht. Keine neuerliche Wundertüte, keinen aus Irgendwohersistan, keinen Perspektivspieler (Interessante Kennzahl an dieser Stelle: Der Ausländeranteil 2. Liga liegt bei 33, in der 1. Liga bei 50 Prozent). Der zuletzt gehandelte Almog Cohen von Ingolstadt – dessen Verpflichtung per se in Ordnung wäre – sollte aber nicht der Transfer sein, dem das oben Skizzierte aufgetragen werden sollte, er ist in seiner Laufbahn Typ Wühler gewesen. Ein Lukas Rupp, Hoppenheim und vormals Stuttgart wäre ein guter Schachzug. Problem: noch bis 2020 Vertrag bei SAP, Label: unbezahlbar. Dominik Kohr, Augsburg, wäre ebenfalls eine gute Lösung. Problem: Leverkusen hat die Leihgabe bereits zurückbeordert, und das nicht grundlos angesichts der eigenen Sechserprobleme.

Das grundsätzliche Manko: Da die Eintracht abermals mehr Teams vor als hinter sich hat, ist die Attraktivität eines Wechsels zum Verein doch eher mau. Wenn man sportlich nichts zu bieten hat, jedenfalls nur minimalst mehr als, sagen wir Mainz oder Augsburg, geht es halt nur übers Geld. Geld, das man dem eigenen Bekunden nach ja auch nicht hat. Tja, so wird es dann ganz schnell ganz dünn mit den inländischen Optionen. Jedenfalls nicht aus Liga 1; und das bräuchte es angesichts der Not, der bevorstehenden Aufgaben halt. Für die Sechs gebe es von Nürnberg noch Kevin Möhwald, ein offensiv ausgerichteter Sechser (16 Scorerpunkte in dieser Saison), dessen Markwert auf 1 Mio. taxiert wird – also: kaufen.

So oder so: Auch links offensiv drückt der Schuh, seit langer schon. Valentin Stocker, bei Hertha ausgebootet und wechselwillig, wäre ein Zugewinn. Steven Zuber von Hoppenheim ebenfalls, Problem: kürzlich erst den Vertrag verlängert. Marco Terrazino, einst Bochum und nun ebenfalls bei Hoppenheim, erscheint da schon wesentlich bezahlbarer. Akaki Gogia, von Brentford zu Dresden ausgeliehen, könnte man sich vorstellen, vielleicht sogar eher noch Erich Berko (ebenfalls Dresden).

Im Sturm, da neben Neuzugang Haller nur Branimir Hrgota bleibt – man darf getrost davon ausgehen, dass Alexander Meier sich ein weiteres Jahr erzwungenes Siechtum nicht antut – sollte selbstredend ein weiterer Stürmer geholt werden. Was bietet die Bundesliga da an Möglichkeiten? Ideal: Mark Uth aus Hoppenheim, aus Ingolstadt Dario Lezcano, bei Abstieg des HSV Bobby Wood, alle drei eher quirlige Stürmertypen in Ergänzung zu den vorhandenen großgewachsenen.
Als Innenverteidiger, da gab es ja mal diesen partour verschmähten Stefan Bell, Stammspieler bei Mainz 05. Der tut sich den Stadtwald mitnichten nochmal an. Den einen oder anderen würde man noch finden, aber mit diesem Anderson Ordonez und dem Poker um Jesus Vallejo sieht man sich ja neben Abraham und Russ und Zukunfts-IV Bastian Oczipka gut genug aufgestellt …

Austauschtruppe 2.0 oder Aufbau 1.0? Die nächsten Neuzugänge, zu denen Ante Rebic nicht gehören wird, werden jedenfalls mehr offenbaren. Die Hoffnung ist, dass man nicht schon wieder „Phantasie“  freien Lauf lässt, wieder aus C-Ligen (wo im Ligenqualitäts-Alphabet ordnet man Holland eigentlich ein?) verpflichtet, sondern jemanden Sicheres, einen gestandene (Bundesliga)Personalie präsentiert. Ich wiederhole mich: Kategorie (!) Stefan Reinartz, das war der richtige Weg, aber er wäre nur der Anfang gewesen bzw kann es jetzt wieder sein.
Es muss ja auch etwas geschehen, etwas ebenso Qualitatives wie Belastbares aufgebaut werden.

Mit Stuttgart und Hannover zurück in der Liga, einem HSV oder VWolfsburg, das sich gegen Braunschweig in der Liga hält, wird sich die Eintracht 2017/2018 mit Augsburg, Mainz und – je nach Europabelastungsverdauung – Freiburg als eines von drei, vier Teams um die Abstiegsränge balgen. Die Wahrscheinlichkeit ist weitaus realer als das vor der noch laufenden Spielzeit der Fall war, allen „man muss ja mal sehen wo man herkommt“-Gerede zum Trotz.

Die Hoffnung: Es gibt tatsächlich einen Lernprozess und die geben nun heimlich, still und leise endlich mit vollen Händen Geld aus – weil viel hilft viel, wie mein alter Chemielehrer einst zu sagen pflegte. Die Eintracht hängt demnach die Dinge an die kleine Glocke sozusagen. Klingt nach strategischem Vorgehen; verlockender Gedanke. Realisitisches Szenario? Aller Erfahrung nach: nein, no way, man kennt schliesslich seine Pappenheimer. Aber falls doch … zu irgendetwas muss dieser ganze Personalaustausch in zweiter Reihe doch taugen.

Apropos Neuzugänge: Freiburg wird einen Maximilian Philipp verkaufen. Es ist von einer zweistelligen Millionensumme die Rede. Ein deutscher (!) Feld- (!) gar Offensivspieler (!), der über einen Drittligisten (!) den Weg zu einem Spitzenklub finden wird. In der Logik der Frankfurter Funktionäre geht das nicht, ist naturgesetzlich unmöglich. Alleine schon wegen den absurden Gehaltsvorstellungen, die deutsche Jugendspieler angeblich haben – und die etwa von Freiburgern (bekanntlich finanzielle Großkotze) bezahlt werden können. Fällt da was auf?

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Kleine Glocke

  1. TK Idstein

    Wieder mal nen Top Vertrag abgeschlossen….

    HR online : Für Stürmer Sébastian Haller sollen bereits rund sieben Millionen Euro an den FC Utrecht geflossen sein, die Niederländer könnten zudem an einem Weiterverkauf profitieren. Die zusätzlichen Mittel stammen laut Bild aus den DFB-Pokal- und TV-Geld-Einnahmen sowie der wegen Verletzungen und der schwachen Rückrunde eingesparten Gehälter und Prämien.

  2. akloppi

    15Mio Euro sollen laut Blöd in die Mannschaft gesteckt werden. Ein Quantensprung…

    …mal schauen wann das Dementi kommt…

  3. Olsen

    Es gibt in der Liga mit Darmstadt und Hamburg tatsächlich nur 2 Mannschaften, die weniger Chancen herausspielen – und wir stecken erstmal mehr Geld denn je in einen Stürmer. Manchmal hat man das Gefühl, die Verantwortlichen streben mit aller Macht ins Fußballunterhaus.

    Heißt für mich, bei Betrachtung sämtlicher Aussagen und Handlungen, dass wir auch nächstes Jahr wieder wöchentlich mit 8 Leuten verteidigen und darauf hoffen, dass die 3 Offensiven auf dem Feld, die jeden Sprint mit zurück gehen sollen, vorn groß aufspielen. Hört sich doch nach einem fantastischen Plan an.

  4. TK Idstein

    Perfekt geschrieben, Top Darlegung !

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