Der nächste Resetknopf

Der Druck auf den Resetknopf 1.0 Anfang 2016 ist ja ziemlich daneben gegangen; mit den Regäsels dieser Neuzugangswelt rauschte man in den Fast-Abstieg. Der Resetknopf 2.0 im Sommer 2016 ging kaum weniger schief; Pokalfinale, ja ja, man weiß ja auch wie bzw. gegen wen – aber ligatechnisch ist das doch letztlich ziemlich genau das gewesen, was Eintracht Frankfurt immer so abliefert: Im Optimalfall graues Mittelmaß, läufts etwas schlechter Abstiegskampf mit Coin-flip-Wahrscheinlichkeit, dass es ins Unterhaus geht.
Und nun also Resetknopf 3.0 – einer mit der Tendenz, die Mannschaft noch etwas beliebiger, austauschbarer zu gestalten als vor einem Jahr. Alexander Meier und Marco Russ, zwei der drei letzten Gesichter des Vereins und Kapitäne Eintracht Frankfurts, sind von Trainer Niko Kovac ziemlich ausgebootet worden. Die späte Einwechslung Meiers im Pokalfinale war da nur die Fortsetzung dessen, was schon vor Meiers Verletzung geschah: Entgegen allem Gestümper auf dem Platz wurde ihm nur noch die Rolle des Minutensammlers zugestanden. Und selbst das wohl zähneknirschend. Marco Russ stand in der Bewertung plötzlich hinter Michael Hector, einem Spieler, der den fußballerischen Ansprüchen der Bundesliga nicht im Ansatz genügt, der in vielerlei Hinsicht wie ein Soto-Kyrgiakos-Relikt anmutet. Seltsame Schachzüge, wenn man da eine Strategie vermuten will. Einzig Bastian Oczipka, und dank der abgelaufenen Saison Timothy Chandler sind nach einem alles andere als undenkbarem Vereinswechsel jedenfalls Alex Meiers so etwas wie Identifikationsfiguren. Mau, mauer, Mainmannschaft.

Dass die Kader-Internationalisierung gescheitert ist, dass sie jedenfalls keinen Vorwärtsschritt brachte, darf wohl als eine Lehre der Spielzeit 2016/2017 feststehen. Die Frage ist, was die Funktionäre nun zutun gedenken?

Gelson Fernandez. Ein Vereinsbummler, zehn Klubs in zehn Jahren. Dazu exakt so torgefährlich wie die anderen SGE-Sechser der Vergangenheit und Gegenwart (zehn Tore in zehn Jahren). Keinesfalls also der Antreiber, der Dampfmacher, den es auf dieser Position bräuchte. Auch im x-ten Jahr nach Sebastian Rode, der ja nun wahrlich auch seine Mängel hatte und hat, tummeln sich im Eintracht-Kader ausschließlich „Ballverteiler“, Zerstörer oder Notlösungen auf dieser so spielentscheidenden Position. Hasebe, Mascarell, Medojevic, Gacinovic, nun Fernandez (Marc Stendera, dem die spielerische Note durchaus zuztrauen wäre, kann man ja getrost abschreiben). Egal für welche Doppelsechs, und egal in welcher Reihung diese auf dem Platz steht, man sich entscheidet: Keines der perspektivischen Duos wäre in der Lage die eklatanten Defizite im Aufbau- bzw. Offensivspiel zu mindern, geschweige denn zu beheben. Einzig ein „Königstransfer“, die Verpflichtung eines Hochqualitativspielers kann das. Dort müsste das Geld, egal ob vorhanden oder nicht, hineingesteckt werden.

Es mutet daher beinahe grotesk an, dass die Funktionäre einem Torwart, Lukas Hradecky, einen Unsummenvertrag hinlegen wollen. Nach allem was so erzählt wird, soll die Finnenspinne knapp unterhalb des Salärs eines Alexander Meiers angesiedelt werden. Was ja völlig absurd wäre. Alleine vom Faktor der (Un)Ersetzbarkeit ist doch – wieder mal – offensichtlich geworden, wer wie einzuordnen ist. Auch in puncto Gehaltsgefüge.
Nein, für einen Torhüter, einen guten aber eben keinen überragenden, darf ein Mittelfeldklub sich nicht derart strecken. Die Baustellen in dieser Mannschaft liegen ganz woanders, das Geld muss in die neuralgischen Positionen fließen – die des Torwarts ist damit nicht gemeint, da gibt es ein Füllhorn Fähiger, und die bereits kolportierten Namen wie Julian Pollersbeck und Ron Robert Zieler zählen dazu. Nicht, dass ein Zieler jemals ernsthaft Naitonalmannschafts-Keeper hätte sein sollen, aber solange sich dieses Label nicht in seinem Gehaltswunsch spiegelt, wäre er qualitativ allemal auf Augenhöhe mit Hradecky zu sehen. Und über die Genannten hinaus gibt es da draußen noch weitere gutklassige Keeper, kurioserweise ist Hradecky selbst ja das beste Beispiel dafür: Was wurde von manchem nach dem Abgang von Kevin Trapp nicht gezittert, ob da jetzt nicht eine riesige Lücke gerissen wird. Wurde es nicht. Was erwartbar war. Und auch nun wieder ist. Ums kurz zu machen: Nein, keinesfalls den Vertrag zu Konditionen verlängern, die derart teuer zu stehen kommen und Investments in weitaus größere Baustellen (defensives Mittelfeld, Innenverteidigung, offensive Außenbahnen) verhindern – im Gegenteil, sofort den Millionenerlös, und seien es statt 7,8 nur 5,6 Millionen Euro einstreichen. Schubkarre und so; aus den gerade skizzierten Gründen.

Ein Name, der nun aufkam und der eine eben solche Summe kosten würde, ist André Hahn. Ein Spieler, bei dem zumindest bestritten werden darf ob er mehr Leistungsfähigkeit besitzt als Ante Rebic, einen Akteur also, der offenkundig nicht, jedenfalls nicht zum Preis von rund 3 Millionen Euro weiterbeschäftigt wird. Für Hahn sollen es ja eher um die 5 (Hradecky)Millionen Euro sein. Fast doppelt so viel – kann Hahn auch doppelt so viel? Das kann man getrost verneinen. Für günstige(re)s Geld macht eine Verpflichtung Sinn, jedenfalls täte sie einem nicht grundsätzlich weh.

Tomi Juric, ein in der Schweiz aktiver Australien(Kroatien)stürmer, ist heute in den ersten „sozialen“ Netzwerken als Namen aufgetaucht. Seine Berateragentur heißt schonmal original „Kick&Rush“ … Name=Programm? Würde ja zum Kovac/Hectorschen Spielstil der vergangenen Monate passen… Spaß beiseite: Es ist sehr wahrscheinlich, dass die SGE noch einen Stürmer verpflichtet. Alexander Meier wird vor dem Absprung stehen, Juric als Balkangen misst – wie Haller – kantige 1,90 Meter. Doof, dass er nicht – wie so viele andere in der vergangenen Saison (Seferovic, Rebic, Gacinovic, Tawatha, Regäsel) – beim dubiosen Liansports unter Beratervertrag steht, dann wäre die Sache klarer. Liansports wäre übrigens auch das ideale Einfalltor für Marko Marin, den Ewigherbeigerüchteten Außen. Er da oben behüte …

Montepelliers Steve Mounié, ein weiterer 1,90-Meter-Turm liest sich da schon deutlich vielversprechender. Der 22-Jährige traf in Frankreich 14 Mal, bereitete drei Treffer vor – und kostet halt das vierfache von Juric. Aus Gründen, kann man meinen.

Danny da Costa ist ein sinnvoller, ein guter Transfer. In einem passablen Maß bundesliga(!)erfahren, Außenbahnspieler und mit 23 Jahren absolut entwicklungsfähig. Die Leverkusener Ausbildung ist jedenfalls nicht die schlechteste in Deutschland.

Stürmer Sebastian Haller ist indes allen Rekordausgaben zum Trotz nichts weiter als eine Wundertüte. Luc Castaignos, man erinnert sich mit Schrecken, war in Holland auch alles andere als eine Nullnummer. Was das wert ist, sah man bei der SGE leidvoll. Skepsis gegenüber Haller ist angebracht; Geld schießt die Tore bekanntlich stets anderswo, remember your Caio 😉

Immerhin: Die Zeichen deuten darauf hin, dass man die richtigen Positionen im Blick hat. Auf der Außenbahn sucht man, im Sturmzentrum hat und sucht man, auf der Sechs hat man – wenn auch nicht ausreichend – und die Torwartfrage wird sich nun endlich klären. Was bleibt, ist die Baustelle Innenverteidigung; und die ist groß. Jesus Vallejo nochmal zu leihen, löst das Problem ja nicht. Weder David Abraham noch Marco Russ, sofern dieser überhaupt noch sollen darf, werden jünger. Und Anderson Ordonez kann, darf nach allem was man gesehen hat keine ernsthafte Zukunftsoption sein.

Frohe Sommerpause so dann, beim Confed-Cup wird man sicher noch den einen oder anderen aus zweiten Reihen rumturnen sehen, den Eintracht Frankfurt vor Turnierbeginn hätte verpflichten können.

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26 Kommentare

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26 Antworten zu “Der nächste Resetknopf

  1. TK Idstein

    Laut Bildzeitung löhnt der neue Hauptsponsor 6,6 Mille im Jahr für die nächsten drei Jahre.

  2. Zimmermann für Lindner im Tor. Da wird kein Druck auf Hradecky ausgeübt.

    • Im Gegensatz zu dem Medojevic-Ding, halte ich die Personalie Zimmermann für eine vernünftige.

      • Bin ich zu 100 Prozent bei dir. In Bezug auf die Qualität als Nr.2, jetzt dazu eine neue jüngere Nr.1 und den netten Finnen verkauft. Für das Gehalt gibt es dann noch einen neuen Spieler dazu.

      • Der Norddeutsche

        Was wurde bei der weiter Beschäftigung falsch gemacht?
        Meiner Meinung nach wenig bis gar nichts.Keine Ablöse, Leistung bezogenes Gehalt.
        Ist integriert! Ergo, ein kalkulierbares Risiko.

      • TuS Erndtebrück – viel leichter kann man es im Pokal (wieder) nicht treffen

      • Jermaine Jones Junior

        Den Gegner find ich gut. Man wird wohl auf das Stadion der Sportfreunde Siegen ausweichen. Für die vielen Fans aus Hessen und den vereinzelten aus NRW (wie ich aus Köln) ein nahegelegender Standort.

  3. Medojevic bleibt…..

  4. Mark

    Maximilian Philipp wechselt für gerüchtete 20 Millionen zum BVB. Wieder einmal machen die Schwarzwälder Kasse und werden das verdiente Geld sinnvoll investieren. Habt Ihr schon mal darüber nachgedacht, welchen Verein man nächstes Jahr eigentlich denkt hinter sich lassen zu können? Die Freiburger jedenfalls machen den Frankfurter Verantwortlichen schon jetzt und einmal mehr eine lange Nase.

  5. Medojevic wurde anscheinend nicht offiziell verabschiedet . Da läuft tatsächlich etwas im Hintergrund. Balkan ich hör dir trapsen…..

    • Hradecky will erst urlauben, der Klub bessert weiter das Angebot nach … da bekommste doch nen Fön bei den Nasen

      • akloppi

        Jedes Jahr eine Posse. Ich dachte das ändert sich mal, aber mit Hübner wird sich da nix ändern. Der ist wie ne Klette und vergeudet seine Zeit mit abgefahrenen Zügen.

      • Leverkusen ist eben noch nicht soweit… dafür gab es da Costa günstiger . Also warten wir . Hat vor 2 Jahren auch geklappt . Klappt wieder. So denken die Verantwortlichen. Wir sind eben keine ehemaligen Fußballprofis und daher nur Laien. Wenn man uns machen lassen würde, wäre die SGE dtsch Meister

  6. Realisto

    Kämpfer (Eins gegen Eins) braucht die SGE und Rebic war einer. Die Personalpolitik des Managements muss man nicht verstehen. Warum wird der Vertrag von Lindner nicht verlängert? In seinen wenigen Auftritten war er einfach gut und das Gehalt wäre bezahlbar. Lieber weiter auf Wundertüten setzen. Ihre Leistungen sind einschätzbar und noch ausbaufähig. Hyrgotas steht nicht zur Disposition – leider kein eiskalter Chancenverwerter- , kaum zu glauben. Eine Option auf links wäre wieder Inui, kommt bei Eibar gut zurecht und schießt auch wieder Tore. Kovacs muss aufpassen, das er diesmal muss der Start in die neue Saison funktionieren, sonst kann er seinen Hut nehmen. Soviele Vereine die nicht in Schwung kommen, wird es nächste Saison nicht geben.

  7. Jermaine Jones Junior

    Damit eins klar ist: Eher verlässt Niko Kovac vorzeitig den Verein als Alex Meier. In der Rückrunde hat er bei mir eine Menge Sympathiepunkte verloren.

    Mal ketzerisch gefragt: Was macht Eintracht Frankfurt mit all den Balkanesen und (Ex-)Jugoslawen, wenn Niko Kovac spätestens im Oktober gefeuert wird?

  8. Mark

    Ich lese es gerade zum xten Mal: „Hradecky muss sich heute entscheiden“ – ich kann es nicht mehr hören! Dieses „Rumgeeiere‘ geht mir dermaßen auf die, ähh… Nerven. Entgegen allen Bekundungen besteht offenbar null Verbundenheit zu dem Verein, der ihm diese Kapriolen nun ermöglicht. Vom Hof jagen würde ich ihn!

    • Interessant, was die HR-Abschreiber schreiben: Neben dem Gehalt soll er noch wollen, dass ihm „besondere Paraden“ vergütet werden. Sagt mal, gehts noch?! Fodd! Jetzt, Feierabend. Bogen überspannt.

      • Olsen

        An wievielen Paraden gedenkt er denn im kommenden Jahr teilzunehmen? Und kann man wirklich davon ausgehen, dass die dann besonders sind? 😀 Wer oder was definiert eigentlich den Begriff „besonders“?

    • Jermaine Jones Junior

      Im Fall Hradecky verkennen viele die Strategien bei den Verhandlungen.

      Eintracht Frankfurt gibt eine Preispolitik vor, die für ihr Gehaltsgefüge angemessen erscheint, aber die Hradecky wohl veranlasst den Verein zu verlassen. Die Eintracht sagt sich, salopp ausgeschrieben, „du bekommst ein Gehalt auf Alex-Meier-Niveau. Unterschreib ihn oder geh halt. Wir finden schon Ersatz für dich! Deine Ablösesumme könnten wir dann übrigens auch gut gebrauchen“.

      Hradecky hingegen, so scheint es mir offenkundig, möchte seinen Abschied mit dubiosen und völlig unverhältnismäßigen Gehaltsforderungen provozieren. „Besondere Paraden“ – so ein Bullshit! Das restliche Millionengrundgehalt zählt dann nur für das Rumstehen, oder was?!
      Mein Bauchgefühl sagt auch, dass er schon längst ein paar Interessen-Bekundungen erhalten hat. Am meisten spekuliert er wohl darauf, dass Bernd Leno Bayer Leverkusen verlässt. In der Bundesliga hat er sich nämlich ein Standing aufgebaut. Die lukrative, aber erbarmungslose Premier League traut er sich (noch) nicht zu, sonst hätte er längst ein Ticket nach England gebucht.

      Was wir gerade erleben, ist nichts weiter als ein klassisches Transfer-Theater.

      Dieses ganze Kalkül und Rumgeeiere geht mir trotzdem so dermaßen auf den …

      • Soll er doch nach Nordkorea gehen. Da sind Paraden sehr beliebt.
        Ich würde sogar Wiedwald aus Bremen zurückholen, wenn die übrigen Namen nichts werden. Nur bitte nicht Ullreich….
        Mit den Meier Millionen Gehaltseinsparungen ist auch Rebic finanzierbar.
        Mich wundert, dass noch kein HSV Spieler in den Folus rückte, Achnee ich vergaß: in HH verdient man zu gut.
        Ochs aus Hoffenheim holen, Schnatterer aus Heidenheim, Polanski aus Hoffe, Merino vom BVB oder Kolo… Dingsda von Gladbach

  9. Olsen

    Es wird berichtet, dass Rebic geht. Damit verschwindet für mich der Fußballer, der offensiv so etwas wie ein Licht am Horizont für mich war. Er war einer der wenigen, mit denen ich mich gern identifizieren würde. Hat er doch Tugenden, die ich im Fußball mag (und die wir in Frankfurt eher selten zu Gesicht bekommen).

    Aber wenn wir eines können, dann linke Flügelspieler verpflichten. Fiel uns in der Vergangenheit ja immer sehr leicht. Lieber Unsummen in den TW stecken. Das ist deutlich wichtiger.

    Ich bin schon wieder genervt. Fehlt nur noch, dass wir die Leihe von Hector ausweiten…

    • Das geht mir ähnlich. Bei allen Mängeln war der Typ wirklich so ziemlich der einzige, bei dem man merkte: Ja, gib dem den Ball, dann KANN was passieren. Von dieser Art Spielern wimmelt es bei der Eintracht ja bekanntlich seit Jahren …

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