Monatsarchiv: April 2018

Die Sünde des Niko Kovac

Fußball ist ein Geschäft, das weiß im Kopf jeder. Im Herz schmerzt es 
den Fan aber immer nur, wenn die Mechanismen des Geldverdienens den 
eigenen Klub betreffen. Niko Kovac entpuppt sich nun mit seinem Wechsel 
zum FC Bayern München als der größte Heuchler der jüngeren 
Bundesliga-Geschichte, als der Prototyp eines Wanna-be-Saubermanns. Er 
ist ein Falschspieler. Eben noch Treue, und sei es nur Vertragstreue 
predigen, küchen-wissenschaftlich die Zustände im Profisport anprangern, 
und im nächsten Moment durch die eben noch verteufelte Drehtür gehen? 
Menschen wie Niko Kovac sind der Grund für das so rau gewordene Klima, 
das wir politisch wie gesellschaftlich bemerken. Das Problem sind 
Menschen, die A sagen und B tun, bei denen Worte und Taten nicht 
zusammenpassen. Was Niko Kovac getan hat, wirkt über den Sport hinaus. 
Die Maske ist gefallen, er ist zum Anti-Vorbild geworden, denn im 
Ansehen fallen diejenigen tief, die vorher sehr hoch flogen.

Denn im Leben geht es immer vor allem um das Wie; floskelhaft gesprochen 
machen die Töne stets die Musik. Es geht nämlich nicht darum, den 
Verein, den Arbeitgeber zu wechseln. Auch, wenn es der von vielen so 
verachtete FC Bayern ist. Es geht nicht darum, jemandem einen Weg, eine 
Karriere zu verbauen. Es geht aber sehr wohl um Anstand und um 
Ehrlichkeit. Es geht sehr wohl darum, wie wir miteinander leben und 
umgehen, wie wir miteinander reden und uns behandeln wollen. Und so, wie 
Kovac mit Fans von Eintracht Frankfurt, mit Journalisten, offenbar auch 
den eigenen nahen Kollegen/Vorgesetzten im Verein umgegangen ist, ist 
das Anti-Beispiel dafür, wie es im Umgang miteinander sein sollte.

Eben weil nicht jeder Mensch den Verheißungen des Geldes, oder das, was 
gerne als Perspektive, Chance und Herausforderung verkauft wird, folgt, 
lösen die Kovacs, Dembeles und Co. dieser Welt diese heftigen Reaktionen 
aus. Die normalen Leute versuchen so anständig zu leben, wie es geht, 
mit allen Vorteilssuchen und Flunkereien, die nunmal zum menschlichen 
Makel gehören. Doch wenn eben diesen Menschen immer wieder eine 
Rücksichtslosigkeit, eine Rückgratlosigkeit, eine Skrupelosigkeit, eine 
Charakterlosigkeit vorgelebt wird, die nur Bösewichte in Filmen und 
Romanen zustehen sollte, müssen sie ins Zweifeln kommen. Über 
Grundsätzliches, von ihrem eigenen Lebensentwurf bis hin zur Erziehung 
ihrer Kinder oder zum Umgang mit Fremden.

Selbstverständlich kann und soll Kovac den Verein, den Arbeitgeber 
wechseln können und dürfen. Im Idealfall halt nach Ende einer mal 
eingegangen Verpflichtung. Aber er, wie jeder andere soll seine Schritte 
nicht mit gezinkten Karten tun. Ist selbst dieser zwischenmenschliche 
Minimal-Konsens aufgekündigt worden? Wenn er wechseln wollte, will, soll 
er das sagen. Nach innen wie nach außen. Dann soll er auf seine 
Ausstiegsklausel hinweisen statt über seine angebliche Nähe, Liebe und 
was nicht noch alles zu Eintracht Frankfurt zu fabulieren. Dann soll er 
es machen wie etwa einst Albert Streit, der klipp und klar gesagt hat, 
was für ihn Masse ist. Oder wie Armin Veh, der vor Jahren verbal geteert 
und gefedert wurde als er seinen angekündigten Abschied aus Frankfurt 
mit "mehr gewinnen wollen" begründete.

Doch wie so oft ist trotz der persönlich enttäuschenden Handlung Kovacs 
das eigentliche Problem Eintracht Frankfurts ein anderer. Und das seit 
Jahren. Es ist Bruno Hübner, den ich in meinem stillgelegten Blog 
"Klausel-König" taufte. Wer eine Mannschaft und offenkundig gar eine 
Leitungsebene auf Optionsverträge aufbaut, muss sich über spontane 
Abschiede nicht wundern. Aber keine Sorge, liebe Mit-Fans, die SGE wird 
einen neuen Trainer einstellen. Der macht dann auch seine ein, zwei, 
drei Jahre - wie auch die Spieler. Und so geht das immer weiter, Jahr um 
Jahr, Saison für Saison. Mal in Liga 1, mal in Liga 2, mal auf Rang 7, 
mal auf Rang 17.

Niko Kovac liefert mir persönlich jedenfalls die nachträgliche 
Bestätigung dafür, dass es richtig war, dass ich mich nach dem letzten 
Geradeso-Nicht-Abstieg des Vereins ziemlich radikal aus der jahrelangen 
leidenschaftlichen Anteilnahme am Treiben Eintracht Frankfurts 
verabschiedet habe. Es mutete damals als der richtige Zeitpunkt an, es 
war irgendwie ein emotional sauberer Schritt am nahen Ende mancher 
Spielerkarriere. Wegen eines Erfolgserlebnisses, das in Erinnerung 
bleibt und vor allem wegen der Babytochter, die mehr Aufmerksamkeit 
braucht und kriegen soll, als es Fußballschauen wert sein kann.


Das ist nach vielen Monaten der Ruhe auf diesem Blog, seit September 2017 ein Artikel, der einfach raus muste. Es ist ja nicht so, dass ich das Geschehen rund um die Eintracht völlig ignoriert hätte – aber was sich dieser (Ex)Trainer geleistet hat – das ist Jermaine Jones in verschärft. Und wir alle wissen, was Jones gesagt und gemacht hat, wie es seinen Ruf ruiniert hat. Und ein Kovac iist unter der Maske dann auch  nur ein Jones. Kovac ist sozusagen die „Zeit“ – eine „Bild-Zeitung“ für Intelektuelle.

Dass Christ Kovac mit sich, seinem Seelenleben – wie er vorhin nach Abpfiff des 1:4 in Leverkusen und dem damit verbundenen Bibbern um Erreichen des siebten Platzes wohl sagte – im Reinen ist, glaube ich sofort. Die Eigenart der Religiösität ist, dass Verantwortung bei Bedarf auf eine höhere Macht geschoben werden kann. Unergründliche Wege und so. Moral und Doppelmoral, gerade einem Gläubigen sollte die Unterscheidung klar sein. Formal-juristisch ist das mit dem Vertrag in Ordnung. Unrecht kann es aber trotzdem sein. Wenn aber Formal-Juristerei der Maßstab für einen Christen, für einen Moralisten im 21. Jahrhundert ist, dann ist das Abendland tatsächlich im Rektum.
Haben sich die Balkan-Gene von Brazzo und Kovac jedenfalls gut ergänzt, als sie – na klar – am Donnerstag ihren Import-Export-Deal gemacht haben. Ein Verein wie Bayern München verpflichtet in einer Nacht-und-Nebel-Verhandlung einen Trainer, der de facto noch keinen Erfolg vorzuweisen hat außer, dass er, wie so viele vor ihm und nach ihm, einen abstiegsbedrohten Klub gerettet hat und dann A) ins Mittelfeld der Tabelle und B), bedingt durch nie da gewesenes saisonübergreifendes Losglück in Pokalendrunden führte. Dieser „Coup“ zwischen Salihamidzic/Rummenigge/Hoeneß und Kovac war geplant, er war es vielleicht nicht zwei Monate, aber sicher keine zwei Tage. Womit Kovac der Lügner ist, der er nicht sein will.

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