Monatsarchiv: Mai 2018

Keine Feier ohne Meier

Alexander Meier erhält keinen neuen Vertrag bei Eintracht Frankfurt – und dieser Verein treibt die personelle Entfremdung immer weiter voran.

Unter Fredi Bobic ist der personellen Beliebigkeit keine Grenze mehr gesetzt. Geht A, kommt B. So ist es eben nicht mehr der Klub, der mir ans Herz wuchs, Pokalsieg hin, Pokalsieg her.

Es ist der richtige Zeitpunkt für Abschiede. Irgendwann wird auch dieser Trend enden, dann steige ich sicher auch wieder intensiver ein. War schön neulich am Paulsplatz, fast so schön wie tags zuvor vorm TV. Aber das ist nun so Vergangenheit wie Alex Meier. Wie ein gewisser Marius Wolf. Wie bald Marco Russ.

Viel Erfolg den Verbliebenen; auf dass ihr schnell viele neue Namen und Gesichter lernt. Und Sprachen. Dieses Jahr, dann nächstes Jahr. Übernöchstes. Es geht immer weiter.

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Once in a lifetime

Niederlagen. Wie viele Niederlagen habe ich gesehen! Jahrelang von Marburg, gar von Rostock aus nach Frankfurt gefahren, 1. Liga, 2. Liga – mal gegen Schalke mal gegen Reutlingen, mal 10. nal 17. in der Tabelle. Mal mit, mal ohne Dauerkarte. Und just in dem Jahr, da ich Eintracht Frankfurt bewusst den Rücken kehre, und da ich bewusst das vielleicht fünfte, sechste Saisonspiel sehe, geht der Traum in Erfüllung. Eintracht Frankfurt gewinnt einen Titel. Einen echten, keinen Fuji-Cup oder das Hallenmasters, sondern einen realen mit Wert. Un. Fucking. Fassbar. Einmal pro Leben wird ein Adler sowas erleben (dürfen). Und wir, Freunde und Kritiker, Lover and Hater, wir waren/sind es, die das erleben durften. Wir, die Unglücklichen sind plötzlich zu den Glücklichen geworden. Abstieg? Aufstieg? Jetzt ists egal, selbst in der Oberliga Hessen kann uns das keiner mehr nehmen. Nicht den Titel, nicht den Erfolg, nicht die Emotion, nicht das Erlebnis.

Eine ganze Fan- wie Spielergeneration hat nun das erreicht, was den Yeboahs, Okochas, Beins nie vergönnt war. Die Russ, Meiers, Chandlers, Hasebes, Abrahams und Rebics haben das von Jupp Heynckes einst zerstörte Versprechen eingelöst. Ihnen ist unverhofft die Rache am Dämon, an der Geißel unseres Vereins geglückt. Osram ist Geschichte, ein für alle mal.

Aber nein, von Häme halte ich nichts. Im Gegenteil, ich verachte sie. Denn es war ein extremst duseliger Triumph der SGE gegen Bayern München. Die beiden Lattentreffer, drei Hochkaräter die durch den Fünfer flogen, ein nicht-gegebener Elfer, der so foul war wie Foul foul sein kann: Dusel und Effizenz haben dieses Wunder, ja; Wunder bewirkt. Und eben weil das so ist, darf, soll und muss unsere Freude, müssen unsere Emotionen explodieren. Aber Häme und Sarkasmus? Nein, das ist mehr als unangebracht.

Denn streng sportlich genommen, war Eintracht Frankfurt vergangene Saison näher, verdienter am Pokalsieg.Verdient hin, verdient her – wie oft ist man am kurzen Ende dieser Skala gelandet? Ich erinnere etwa an das Uefa-Cup-Spiel gegen den FC Porto. Oder das Pokalfinale vor mehr als zehn Jahren gegen Bayern München, als Oliver Kahn nur versehentlich den Kopfball von Ioannis Amanatidis pariert. Vielleicht ging man ja vergangenes Jahr oder damals schon beim Fußballgott, den Fußballgöttern in Vorleistung.

Apropos Fußballgott: Ja, Alexander Meier hätte in den Kader gesollt. Aus mehr als emotionalen Gründen. Aber er ist so entschädigt worden, wie vor ihm wohl kein anderer Spieler eines Underdog-Vereins. Er, das Gesicht und der beste Fußballer dieses Vereins hievte den Pokal in die Luft. Etwas, das all den 90er-Jahre-Ikonen nie vergönnt war. Er hat es erreicht. Und auch für ihn gilt: Er ist für diesen Triumph in Vorleistung gegangen; und hat nun einen Abschied bekommen, der märchenhafter kaum sein könnte. Das Bundesligator, nun der Pokalsieg. Das ist der perfekte Schnitt für Alex Meier, in Frankfurt hat er tatsächlich nun alles erreicht, was ein Fußballer erreichen kann. Letzenendes sogar dank Niko Kovac, einem Trainer, der ihn sportlich oft eher geringschätze. Sei es drum. Jetzt der Schritt in die USA? AM14FG wäre es zu gönnen. Runde Sache, runde Karriere. Vielleicht sogar die perfekte Karriere; und wäre ein anderer Charakter Bundestrainer als der, der es ist, hätte ein Meier auch in der Nationalmannschaft seine Einsätze bekommen.

Und Marco Russ? Für ihn gilt eigentlich ähnliches. Sportlich gibt es ja viele Parallelen zu Meier, die beiden sind untrennbar mit der „neuen Eintracht“ ab 2004/2005 verbunden. Russ hat die Krebserkrankung überstanden. Und ist jetzt Pokalsieger. Was könnte man mehr wollen? Für ein paar Uefa-Cup-Spiele eventuell nochmal und weitermachen? Für etwas, das er zumindest schonmal erleben durfte? Auch für ihn wäre nun die große, goldene Tür für das Karriereende geöffnet. Wenn nicht, auch gut, einen wie ihn braucht es als Gesicht. Als Typ.

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Nach der Römerfeier geht es hier weiter. Mit einigen Worten zu Kovac und zu den Gründen, wieso dieser Blog dann wohl tatsächlich komplett dichtmachen wird. Stichwort: Besser kann es nicht werden.

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Größe

Ich weine. Es ist unfassbar. Ich, wir erleben einen Titel für Eintracht Frankfurt! Samt toller Geste für Alex Meier. Das war Größe auch des Trainers.

Bis Sonntag aufm Römer!

PS: Nein, ich nehme von einstigen Aussagen nichts zurück. Aber ich gestehe ein, dass das heute einmalig war und diese Einmaligkeit auch durch Trainer Niko Kovac erreicht wurde. Und das Pokalhochheben mit Meier – eine tolle tolle tolle Szene. Und wohl das Ende einer Dynastie. Danke, Alex! Unvergessen 4 ever!

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Nackt

Und ganz zum Schluss der Bundesligasaison 2017/2018 steht der kroatische Kaiser ohne Kleider da. Der nackte Niko. Wie sich dieser Mann, wie sich dieser Trainer selbst ausgezogen hat – das sucht seines Gleichen. Niko Kovac wird man in Frankfurt charakterlich auf einer Stufe mit Jermaine Jones stellen müssen. Ein Lügner, ein Heuchler. Das wusste man nach dem „Stand jetzt“-Slapstick nun seit einigen Wochen. Damals gab es und konnt es nur die Befürchtung geben, dass diese Nummer Eintracht Frankfurt implodieren lassen wird. Genau so ist es gekommen. Also ist Kovac nicht nur ein Lügner, er ist damit, mit dem Kaputtmachen einer Mannschaft dem Jupp Heynckes der 1990er näher als dem SGE-Fan lieb sein kann.

Mit dem teuersten Kader der Vereinsgeschichte trudelt die Kovac-SGE also auf Rang 8 ein. Beinahe gar auf der 9. Eine Leistung, ein Ergebnis, das vor Kovac schon einige erreichten, nach ihm erreichen werden. Armin Veh hat das vollbracht. Friedhelm Funkel. Selbst das Trainerimitat Michael Skibbe. Also alle Trainer die seit 2004 für eine Weile das Sagen hatten. Für das Feuerwehrmanndasein gilt ähnliches, auch das schafften vor Kovac einige, nach ihm wird das anderen auch gelingen. In Kovac wurde aber von vielen, wieso auch immer, das Besondere gesehen. Der smarte Kerl, Denker und Werteverfechter, ein telegener Typ der sogar Spiele gewinnt! So schien es. Aus dem schönen Schein ist nicht mehr geworden als Durchschnitt. Die Ratten sind dem Rattenfänger hinterher gelaufen, die Lemminge purzelten den Abhang hinunter.
Und das trotz der Millionenausgaben, trotz der Investition in maximale Internationalität in Abgrenzung zu Identität. Hat es sich also bewahrheitet, dass Eintracht Frankfurt sich ein seelenloses Sammelsurium an Spielern zusammengekauft hat. Irgendwelche Leute aus irgendwoher. Und als es dann nicht mehr wie von selbst lief, als auch der letzte Gegner den 60-Minuten-Kraftfußball als solchen erkannte hatte, als das Leistungsloch da war, haben sich viele Spieler in das Schicksal ergeben. Und so schlurft man als einstmals Tabellenzweiter kollektiv zu Rang 8. Das ist so oder so ähnlich alles schonmal passiert. Nur eben für billiger Geld.

So oder so gibt die Eintracht-Führungsriege – nicht zum ersten Mal – ein peinliches Bild ab. Am Trainer festzuhalten, obwohl dieser in mehrfacher Hinsicht vereinsschädigend agiert hat und der sportliche Trend eindeutig war/ist, ist grotesk. Dass Bobic seinen Balkangenossen Kovac nicht entlassen hat, ihn nicht entlassen wird, hängt vor allem mit dem Vertrag, mit der Ausstiegsklausel, mit den im Entlassungsfall wohl ausgeschlossenen Transfereinnahmen zusammen. Klausel hier, Klausel da – das ganze Elend hat mit Bruno Hübner begonnen und geht offenkundig endlos weiter.

Jetzt sedieren sich große Teile der Fanschar erneut mit dem Erreichen des DFB-Pokalfinals. Als ob schon die Reise nach Berlin etwas Zählbares, als ob das der sportliche Erfolg wäre. Zum zweiten Mal in Folge erhielt Eintracht Frankfurt in der jewieligen Runde das einfachste, das einfacherere Los. Und wird gegen Bayern München natürlich alles mobilisieren – und eben doch verlieren. Schulterklopfen. Warme Worte. Kein Titel, kein Europa. An der Gesamtschau, an der Gesamtbilanz der Saison ändert das Pokalfinalerreichen jedenfalls nichts. Wenn man irgendwann in der Rückrunde auf Rang 2, auf Rang 3 stand und ein Punktepolster von acht, neun Zählern auf den ersten Nicht-Europapokalplatz aufwies, ist alles andere als eine Europapokalqualifikation eine Enttäuschung. Die SGE ist wieder mal abgestürzt, wie stets in einer Rückrunde. Diesmal nur eben nicht von 8,9 oder 10 auf 14,15 oder 16, sondern von den Finanz-Futtertrögen in die Holzklasse samt Holzmedaille. Strukturell ist dasselbe passiert, was immer passiert: Luft einmal raus, wird nie wieder Luft reingepumpt.

Und es hat nur Minuten gedauert, da sagten die Bobics, Hübners, Hellmanns, Fischers und Kovacs Sachen wie, dass man doch eigentlich eine ruhige Saison spielen wollte. „Einzigartig“ sei das gewesen, sagte Kovac gar. Man habe „overperformed“. Dazu: siehe oben. Die Sachen, die in den nächsten Stunden und Tagen gesagt werden, sind dann noch DInge wie: Dass man das jetzt erreichte Ergebnis vor der Saison mit Kusshand genommen hätte. Dass man also alles und mehr erreicht habe und man doch als Fan und Beobachter dankbar für das Gezeigte sein solle. Also all die Argumentationslinien, wofür Leute wie Heribert Bruchhagen – nicht zu unrecht – abgewatscht worden sind. Es kommt halt den meisten nicht drauf an, was jemand sagt, sondern wer es sagt.

Nun ist diese Spielzeit also vorbei. Und das Rad wird sich weiterdrehen, so wie immer. Spieler gehen, Spieler kommen. Trainer gehen, Trainer kommen. Mir persönlich ist dieses kindlich-trotzige, sich selbst den Zeit-, Geld- und Emotionsaufwand rechtfertigende „Aber wir Fans sind immer da und bleiben es“ einfach zu wenig geworden, sorry.

Hebt Alexander Meier, hebt Marco Russ in einer Woche dann doch den DFB-Pokal in den Himmel, werde natürlich auch ich kurze Zeit später auf dem Römer stehen und die Erfüllung meiner Fan-Träume feiern. Das wäre für das Profifußballverfolgen tatsächlich der Abschluss, den ich mir wünschen würde.

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