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Einträchtliche Entwöhnung

Als dann im Frühsommer 2016 auch faktisch die seit Monaten herrschende Machtlosigkeit des Heribert Bruchhagen vorüber war, wirkte das auf Eintracht Frankfurt wie eine Kur, wie ein Aufenthalt im Sanatorium: Das Sedativum der jahrelangen Predigten über Demut, Zement, das Gebeugtgehen schien im Nu von Vorstandsvorsitz-Nachfolger Fredi Bobic und Trainer Niko Kovac aus dem SGE-Körper gesaugt zu werden. Binnen Tagen änderte sich der Ton, die Herangehensweise an den Kern dessen, was die Eintracht Frankfurt AG für viele Millionen Euro Kosten (und fanbasierten Einnahmen) so tut: Leistungssport/Profifußball betreiben.
Das fruchtete. Die Mannschaft, deren kaum verändertes Stammpersonal fast abgestiegen wäre, häutete sich ganz offenkundig schon alleine durch die ambitionierte Ansprache des Trainers. Denn vormachen muss man sich nichts: Auch Bayerns Carlo Ancelotti oder Manchesters Guardiola lassen keine hexengleichen Dinge üben, bei den Inhalten macht ein Kovac nichts diametral entgegengesetztes zu dem, was andere Berufskollegen so tun. Es war, ist und bleibt letztlich Fußball.

Mittlerweile wird aber genau das kaum mehr getan, Fußball gespielt. Das, was Eintracht Frankfurt zwischen August und Dezember auszeichnete, ist zu etwas verkommen, das bisweilen an Kick-and-Rush, oft genug an Bolzen erinnert. Die Zahl der langen Schläge, mal über 25, mal über 50 Meter, wahlweise zentral oder diagonal, hat in der Rückrunde sichtbar zugenommen, in dem Maße, wie das vormals praktizierte Kurzpassspiel abnahm. Nicht nur vom dauer-überforderten Michael Hector, der unglückseligerweise zum Stammspieler gezufallt wurde, auch von Spielern, die es in jüngster Vergangenheit ganz anders, nämlich und kurz und knackig gezeigt haben. Selbst Torwart Lukas Hradecky, der in der Hinrunde endlich wieder die schnellen Abwürfe aus seiner Anfangszeit in Frankfurt praktizierte, hat davon wieder Abstand genommen und bläst das Leder lieber per Vollspann nach vorne. Dorthin, wo dann auch Gott nicht mehr helfen darf, jedenfalls nicht der Frankfurter Fußballgott. Schon der Mix: Lange Schläge, aber ohne den körpergrößten Spieler im Kader als Anspielstation (Alexander Meier), belegt die Absurdität der aktuellen und anhaltenden Spielweise. Ein Auftreten, das gegen jedes Team gewählt wird, egal ob es presst, mauert oder – wie der Hamburger SV – schlicht fehlervermeidend kontrolliert. Dass es gegen Bayern München für 25, 30 Minuten hoffnungsnährend anders aussah, kann man sich bei Studium des nachfolgenden Käsekicks im Stadtwald nur mit einer Mischung aus bayerischer Total-Lustlosigkeit und hessischem „Mut der Verzweiflung“ erklären.

Es ist ja keineswegs so, dass die erfolgreichen Spiele in der Vorrunde einzig auf Spielglück fuß(t)en. Natürlich hätte das eine oder andere Spiel auch in die andere Richtung gehen können, aber alleine schon die defensive Stabilität sorgte dafür, dass kaum eine erfolgreich bestrittene Partie so völlig anders hätte laufen können – mit Ausnahme des Spiels gegen Mainz am 16. Spieltag, und da wankte das einträchtliche Gebilde bereits. Konkret: Beim Sieg gegen Leverkusen in der Hinrunde führte man 1:0, der Gegner glich aus, die SGE dann mit dem Siegtor. Zwischendurch Chancen auf Tore für beide Seiten, die Eintracht länger weitaus näher am 2:0 als Leverkusen am 1:1. Das 3:3-Unentschieden gegen Hertha in der Hinrunde: Vor dem späten Ausgleich durch Hector führte man bereits 2:1 zur Halbzeit. Beim Remis gegen Bayern war München weitaus näher an der Niederlage als die SGE, den zweimaligen Rückständen zum Trotz. Die Siege gegen Ingolstadt und Hamburg waren ungefährdet, auch der Auftakterfolg gegen Schalke war außerhalb des Ergebnisses nicht wirklich knapp. Gegen den FC Köln, dieses Spiel hätte angesichts der zweiten Halbzeit tatsächlich auch anders als 2:1 pro Eintracht ausgehen können. Der Dreier gegen Dortmund war sicher glücklicker, einen Punkt hätte es aber auch dort „so oder so“ gegeben. Bleibt das Darmstadtspiel, das anders hätte ausgehen können/müssen – allerdings im Sinne Frankfurts.

Was auch immer im Wintertrainingslager in der Wüste geübt wurde, es ist nicht verfangen, es gab keine Entwicklung – es war offenbar schlicht der komplett falsche Inhalt. Wiederholt wird, neben den regelmässigen (Nicht)Toptrainingslagern samt Rückrundeneinbruch auch der Fehler, den torgefährlichsten Spieler der Mannschaft faktisch auszumustern. Kovac gab und gibt den Schaaf, dafür bekommt er, das Team, der Verein die Quittung. In Form eines tabellarischen Absturzes, der im puncto Umfang an 2011 herankommen dürfte, wenn in den nächsten drei Spielen nicht vier Punkte geholt und generell mal wieder so etwas wie Fußball gespielt wird. Ziel: Stabilisierung im einstelligen Tabellenbereich. Wenigstens das. Denn im Gegensatz zu so manchen Ansichten, ist ein Abschneiden auf 9,10,11 nicht der Erfolg, zu dem er schon jetzt pro-aktiv gemacht werden soll. Der Maßstab kann nach einer Hinrunde, die sportlich, spielerisch wie von der Punktausbeute top war, doch nicht ernsthaft die vorherige Saison sein. Ein halbes Jahr lang beweist man, dass man zu den drei, vier Besten der Bundesliga gehört; mit gehörigem Abstand auf das Verfolgerfeld. Die Geschichte der Bundesliga belegt, dass solch erfolgreiche Halbserien im Regelfall zur Europapokalqualifikation führ(t)en. Die Überraschung über diese sich ankündigende eigene Sensation taugt doch nie und nimmer als Argumente dafür, dass ein Ausbleiben eben dieser Sensation samt Abrutschen auf irgendeinen Mittelfeldrang zum Erfolg gedichtet werden kann.

Die Verletzungen können jedenfalls nur bedingt als Grund für die Entwöhnung von jedweden fussballerischen Elementen herangezogen werden. Unbestreitbar reißt der Ausfall von einem Stammspieler bei einem Team der Mittelklasse (und entgegen aller wiedergekehrten bruchhagenschen Demuts-Fürbitten ist Eintracht Frankfurt beim Blick auf den Spieleretat genau das und hat eben kein Klassenkampfkader) eine größtere und sichtbarere Lücke als bei München, Dortmund, Mönchengladbach, Leverkusen, Schalke … geschenkt. Dass jedoch die komplette Spielweise einbricht, das irgendwelche Ideen zum erfolgreichen Bestreiten eines Duelles praktisch nicht mehr sichtbar sind, sobald ein, zwei Häufig-Spieler – zumal solche, die für die spielerischen Lösungen in des Gegners Hälfte nicht wirklich zentral sind – nicht dabei sind, ist keineswegs normal.
Zu allem Überfluss sieht der Trainer noch Argumente, eine Legitimation für die faktische Ausmusterung Meiers, begründet das mit einer anderen offensiven Spielweise. Natürlich ist das vorgeschoben, platt regelrecht, denn zum einen ähnelt Branimir Hrgota – der Meier perspektivisch tatsächlich wird ersetzen können – Meier in mancherlei Hinsicht sehr, zum anderen sieht ein Blinder, dass dieses angebliche neue Offensivkonzept das Gegenteil von wirksam ist. Aller Abschottung des Trainings, aller Wagenburgmentalität zum Trotz, sei angemerkt. Kovac macht da Kokolores, das ist auch so ein Mosaik im der Fehler/Fehlenzscheidungs-Gesamtheit der vergangenen Monate. Der Trainer selbst steht nun an einem Scheideweg. Er hat sich ohne Not von der Angst vor der eigenen Courage einholen lassen. Mal wieder entwickeln sich die formulierten 40 Punkte als Hemmschwelle; wie im Vorfeld der 2013er-Uefa-Cup-Qualifikation, nur mit mehr zwischenzeitlich erreichten Punkten. Die Eintracht steckt mittendrin in der zwar erwarteten, aber doch doppelt so lang wie angenommenen andauernden Krise. Eine Krise, die nicht nur eine der Ergebnisse ist. Kovac wird gegen Mönchengladbach und Köln, zwei direkte Konkurrenten um Rang 7, gelingen müssen, was zwei Spielmonate lang nicht gelang: Torchancen erareiten, Tore schießen, mindestens in einem der beiden Spiele dreifach punkten. Dann lebt sie trotz des vergeigten Riesenvorsprungs, der Traum von Europa. Werder Bremen muss man in der Folgewoche so oder so schlagen, egal ob man weiter nur die 40-Punkte-Marke oder höhere Weihen anstrebt.

Kann übrigens jemand mit dem Namen Anderson Ordonez was anfangen? Den soll es angeblich geben, ein Schelm wer über die banale Verletzung bzw. Vorschädigung böses denkt. Pirmin Schwegler, der sich dem „spannenden Projekt“ SAP anschloss, wird ja aber nun auch tatsächlich zurückgerüchtet. Es muss Mächte in diesem Verein geben, dunkle Mächte, die wirklich jedwede Veränderung verhindern. Rückholaktion, Akte die 3424. „Zeig ihn mir, den ausgetretenen Pfad, auf diesem will ich wandeln.“ (Psalm 1899, Eintracht Frankfurt)

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Die Miezekatze vom Main

Dann beginnen wir also mal mit dem Gesundbeten: Unter den Zehntausenden, die das Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und dem Hamburger SV gesehen haben, hat es bestimmt zwei Menschen gegeben, dem das Dargebotene gefallen hat. Der eine ist Thomas Schaaf, jedoch ist unklar, ob er sich von Berufswegen aus diesen Gruselkick tatsächlich angesehen hat. Jedenfalls dürfte dem Eintracht-Ex ganz wohlig um Herz und Kopf geworden sein, als er sah, dass auch einer seiner Trainer-Nachfolger im 21. Jahrhundert den Spiel…aufbau über Langholz als vielversprechenden Ansatz sieht. Vielleicht chattete Schaaf im Laufe der 92 quälend langen Minuten auch einmal quer durch die Republik mit dem anderen Spaßhaber: Armin Veh. Der dürfte wiederum seine Freude an der Wiedererkennung der Plan- und Ratlosigkeit in Frankfurter Farben gehabt haben.

Das 0:0 im bwin-Topspiel war das logische Ergebnis zwischen zwei bemitleidenswert limitierten Mannschaften. Es war kein „will nicht gegen kann nicht“, es war „kann nicht gegen kann nicht“. Das wird der nichtabstiegs-zufriedene Eintracht-Funktionär oder Frankfurt-Fan natürlich umdeklinieren, er wird die zwei, zweineinhalb vergebenen Torchancen durch Branimir Hrgota und Michael Hector in den Vordergrund stellen, das Ende der Pleitenserie benennen und behaupten, die SGE sei dem Sieg doch so viel näher gewesen als der Gegner, man habe den HSV beherrscht. Und so. Aktuellst mögliches Beispiel: „Es war ein intensives Spiel. Wir hatten ein Chancen-Übergewicht, aber ich kann mit dem Punkt gut leben“ (Trainer Niko Kovac in der Pressekonferenz nach dem Spiel).
Realität ist, dass es einen, mit gutem Willen zwei lichte Momente im Offensivspiel der Eintracht gab. Ante Rebics Hereingabe auf Hrgota in Halbzeit eins, Rebics Kopfball nach Chandler-Flanke in Halbzeit zwei. Dazu der schulbubenhaft umgesetzte Flachpass von Hrgota auf Rebic ebenfalls in Abschnitt zwei. Müßig zu erwähnen, dass ein Alexander Meier – der absurderweise erst in der 84. Minute für den völlig indisponierten Hrgota eingewechselt wurde – mindestens eine dieser zwei Chancen verwandelt hätte. Auch diese Fiktions-Feststellung ändert nichts daran, dass die SGE so gefährlich ist wie eine Miezekatze. Hätte der HSV auch nur annährend so weitergespielt wie in den ersten 15, 20 Minuten, hätte man öfter das Laufduell Bobby Wood gegen Marco Russ oder Michael Hector gesucht; der Knock-Out für die Eintracht, die bis zum Saisonende auf Makoto Hasebe und somit ohne Könner-Sechser auskommen muss, wäre früh gekommen.

Es ist erschreckend, wie wenig der Mannschaft generell einfällt, sobald sie 40, 35 Meter vor des Gegners Tor angekommen ist. Der HSV stand, wie so viele der letzten Gegner, nicht mal hintendrin. Das war konservativ kontrolliert, keineswegs ein vielbeiniges und vielköpfiges Bollwerk, es war auch nicht massiert oder gar bissig kämpferisch. Und selbst dafür, also gegen normales Verhalten bei Nicht-Ballbesitz, findet Eintracht Frankfurt keinen Schlüssel. Wäre Ante Rebic nicht auf dem Feld, könnte man tatsächlich auch die letzte Hoffnung auf einen Torschuss begraben. Selbst gegen den Hamburger SV, den Tabellen-16. der Bundesliga, der nur zuhause Stärke gewonnen hat.

Gegen die drei Tabellenletzten hat es also zu vier Punkten gereicht. Diese Ausbeute alleine zeigt, wie weit weg die Eintracht mittlerweile vom Europapokal ist. Die Tabelle ist tatsächlich zum Zerrbild geworden, die Mannschaft profitiert, rangierend auf dem vorletzten Rückrundenklassement-Platz, einzig vom Schneckenrennen um die Ränge 6 und 7. Um die SGE herum haben sich Teams mit Stabilität bzw. Siegermentalität gruppiert, jedenfalls sind da drei, vier Konkurrenten nun in der Lage regelmäßig Tore zu schießen und hin und wieder dreifach zu punkten. Für Letzteres braucht es Ersteres, aber unter den ersten 13 der Bundesligatabelle hat Frankfurt die mit Abstand schlechteste Offensive – die nicht mal gegen die schlechteste Defensive der Liga wirklich Chancen herausspielen konnte.
Gegen wen bitteschön gedenkt die Mannschaft, die verflossene Heimmacht denn noch mal ein Tor zu schießen, geschweigedenn in Richtung 40-Punkte-Märkchen ein Spiel zu gewinnen?

Die laufende Rückrunde ist zumindest eine, die die Lust auf diesen Klub nimmt. Schon wieder. Aktuell läuft nämlich angesichts der spielerischen Armut alles darauf hinaus, dass man versuchen wird – ähnlich wie am Samstagabend gegen Hamburg – ein 0:0 nach dem nächsten zu ergraupen. Gegen Werder Bremen misslang das vor rund einem Jahr übrigens schonmal folgenschwer. Aber jetzt ist ja Länderspielpause, in der wird alles gut. Und vielleicht wird in dieser Zeit und vor dem Heimspiel gegen Mönchengladbach, dem nächsten Anlauf zum „sich ins Ziel robben“ ja auch Chris gesund.

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Konbanwa

Schon vor dem Anpfiff des wegweisenden Spiels von Eintracht Frankfurt gegen den Hamburger SV setzt es den ersten Nackenschlag: Makoto Hasebe fällt auf unbestimmte Zeit aus, er wird am Knie operiert. Womit auf der ohnehin dürftig besetzten Position im defensiven Mittelfeld endgültig Alarmstufe Rot herrscht. Und das letzte Resthoffnungchen Europa passé sein dürfte.
Wieder mal bewahrheitet es sich, dass man Stammspieler niemals ersatzlos verkaufen darf bzw. man die offenkundigen Schwachstellen in jeder Transferperiode bearbeiten muss. Wusste rund um die Eintracht jeder, dass ein Veräußern von Huszti und Flum fatal werden kann; ganz einfach, weil die Qualität schon mit ihnen nicht die größte war bzw. – neben dem linken Offensivflügel – das größte Manko eben auf der 6 gelegen hat. Dass das ohne die Genannten nicht besser wird, das zu erkennen, dafür braucht es keine A-Lizenz. Konsequenz: Der vor kurzem noch krebskranke Marco Russ muss in die Startformation geschickt werden – während die SGE-Verantwortlichen doch stest auf die Bremse traten was die Genesung und die Fitnesszurückgewinnung des Spielers anbelangt. Herrje!

In 30 Minuten dann also Anpfiff in einem Spiel, das über die Frankfurter Fahrtrichtung entscheiden wird. Nach Siegen von Wolfsburg und Bremen sind es dann halt nur noch deren sechs Punkte Vorsprung auf den Keller … und sechs Punkte „Polster“ wären es im Falle einer Heimniederlage, die Trainer Niko Kovac ohne Alexander Meier anzusteuern gedenkt, auch auf den HSV, also den Relegationsplatz. Mal sehen, wie sehr die Nachtigall trapst.

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Das Muss-Spiel

Zum seit vielen Wochen bestehenden sportlich-spielerischen Unglück Eintracht Frankfurts hat sich in dieser Woche noch Präsident Peter Fischer gesellt. Der schwadronierte von „schönen Beinen“ und allerlei anderem Käse, um das seit Jahren ebenso oft wiederholte wie erfolglose International-Marketing der Eintracht voranzubringen. Internationalität ohne Europapokal? Ziemlich schräge Vorstellungen, die in den Köpfen der Frankfurter Funktionäre stattfinden.

Einfacher würde alles, wenn in Frankfurt wieder mal Chancen zum Toreschießen und damit Möglichkeiten auf Punkterfolge herausgearbeitet würden. Gegen 35 Minuten lang müde, matte Münchner war das zwar nach Wochen der Total-Tristesse mal so; aber man lege bei der Einordnung des Ganzen bitte den Fokus auf die ersten beiden „M“s: müde, matt. Als die Bayern sich einmal räkelten, wurde die Sache dann die erwartet klare.
Gegen den Hamburger SV, da gibt es aller Rückrundentabelle zum Trotz nichts zu deuteln, kann nur ein Heimsieg der Anspruch sein. Für alle internationalen Träume ist das ein Muss, für die Nichtabstiegs-Zielsetzung nicht minder. Leute, es geht gegen den 16.! Gegen ein Team, das sich nur zuhause berappelt hat und nun auswärts ran muss. Wenn da jetzt wieder die Mahner und Duckmäuser die Oberhand gewinnen, ja herrje, gegen wen will man denn dann als SGE noch was reißen?

Jesus Vallejo fällt indes wohl doch weiter aus, Makoto Hasebes Chancen sind auch nicht die größten – tja. Vielleicht erhöht das ja nun mal den Druck, den Leistungsbring-Zwang auf jenen Mannschaftsteil, der seit Wochen nichts zustande bringt: das Mittelfeld. Die Spieler müssen endlich mal wieder Bälle in die Spitze bringen, so dass Alexander Meier den Ball mal wieder zumindest erahnen kann, nicht nur mit dem Fernglas schauen muss, wo die Pille gerade rumrollt. Gerade Omar Mascarell hat sich in eine gewisse Bringschuld gebracht, das reine Abräumerdasein genügt nicht (mehr), es müssen von ihm endlich offensive Impulse kommen. Nur auf Ante Rebic zu setzen und auf Marco Fabian zu hoffen, reicht nicht aus.

Im Grunde genommen sind aber im Vorfeld der Partie heute Abend aller Worte schon zu viel gemacht worden, es ist in der Konsequenz das Immerselbe: Verkackt die Eintracht heute gegen den HSV, verkackt sie eine ganze Saison. Denn eine Endplatzierung irgendwo zwischen 9 und 13 wäre, allem Geradeso-Nichtabstieg 2016 zum Trotz, eben kein Erfolg. Nicht, weil das der Fluch der guten Tat ist/wäre, oder weil die unersättlichen Erwartungshalter einen an der Klatsche hätten, sondern weil erneut der Ton die Musik macht: So sang- und klanglos wie die SGE bis hierhin, darf man sich die mehr als berechtigte Chance auf den Europapokal nicht nehmen lassen. Mit Ende der Tagesschau wissen wir mehr.

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Duckmodus

Besser als der Tabellenstand.

Gehören nicht dahin.

Haben ihre Stärke bewiesen.

Gefestigte Mannschaft, aufsteigende Form.

Favorit sind wir nicht, wir spielen gegen eines der besten Rückrundenteams.

… das ist eine Auswahl an Stanzen, die wir im Laufe der Woche von Frankfurter Verantwortlichen zum nächsten Gegner Hamburger SV so oder so ähnlich hören werden. Möglichst klein wird man sich machen, ducken, um das Risiko zu minimieren, über das Spiel hinaus nicht mehr zu verlieren als das Spiel selbst. Eine PR-Strategie, die bei tausenden Dauerzufriedenen ja in der Regel funktioniert. Dankbarkeit für die schiere Existenz, der bruchhagensche Impfstoff gegen sportliche Erfolge.

Wie man es dreht und wendet: Wenn Eintracht Frankfurt zuhause gegen den HSV nicht gewinnt, ist nicht nur das einstige Riesenpunktepolster, das selbst nach fünf Pleiten in folge (!) die Mannschaft nicht aus den Europapokalplätzen fallen lassen will, weg, sondern auch jedes positive Saisongefühl. Im Zuge der vergangenen fünf Spieltage hat die SGE das Kunststück fertiggebracht, den Abstand auf den Relegationsplatz um 10 (!) Punkte, von 19 auf neun Zähler schrumpfen zu lassen. In der Rückrundentabelle belegt man punktgleich mit dem 18. Darmstadt 98 den letzten Rang – anders gesagt: keine Mannschaft ist 2017 schlechter als Eintracht Frankfurt. Und das Gefühl kennt man als Fan dieses Klubs ja nur zu gut. Dass aus diesem Gefühl reale tabellarische Gefahr werden kann, das könnte in Kürze, nach Abschluss des bevorstehenden Mini-Schicksalspiels im Stadtwald bewusst werden.

Apropos Rückrunden- (also Form)tabelle: Gegen Leverkusen und Ingolstadt verlor Frankfurt ja bereits – es sind der 14. und 15. besagten Klassements. In der Tat erlebt die Eintracht nun den Saisonverlauf, den es mit etwas weniger Glück in der Hinserie auch hätte geben können. Dann wäre sie eingetroffen, die Befürchtung, dass der zusammengewürfelte Kader nicht funktioniert. Und es wäre so benannt worden. Aus den einst prognostizierten zwei, drei Niederlagen am Stück sind fünf geworden. Setzt es am Samstag eine sechste, zumal zuhause, ist Polterabend in Frankfurt.

Dass es nicht so kommen wird, dafür sprechen 35 starke Minuten gegen Bayern München. Gegen Münchener allerdings, die bis dato sichtbar untertourig spielten und nur kurz am Leistungshähnchen drehen mussten um gefahrlos zu gewinnen. Mit Bastian Oczipka und vermutlich Jesus Vallejo wird die Stamm-Viererkette wieder stehen, hoffentlich mit Makoto Hasebe. Marco Fabian könnte eine Option sein, Alexander Meier muss zwingend zurück in die Offensive – und Ante Rebic seine Form halten. Dann bliebe nur das Dauerärgernis auf einem Flügel bestehen, man ersetze die Namen Gacinovic, Seferovic, Tarashaj, Barkok beliebig.

Es stinkt so oder so nach unentschieden gegen den HSV, womit das Fallen der 40, wenigstens das Überspringen der 36-Punkte-Marke weiter auf sich warten ließe.

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Mutig in München

Nach Wochen des spielerischen Elends beginnt Eintracht Frankfurt ausgerechnet gegen Bayern München wieder sowas wie konzeptionelles Fussballspielen. 30 Minuten, eine Halbzeit lang gar mit dem Prädikat (sehr) gut, das sind ja schon 15,20 Minuten mehr als zuletzt. In der 20. Minute muss Branimir Hrgota halt dann das Tor auch machen – sonst erzielt der Gegner, egal welcher eben jeweils das erste, das zweite, das dritte …

Und so kann man sich im uninteressantesten Spiel des Jahres dann außer dem erwart warmen Händedruck nach dem erwarteten Ergebnis nichts kaufen. Juckt nicht. Genauso wenig wie die nun omnipräsenten (richtigen) Feststellungen der Frankfurter Leistungssteigerung.

Denn gegen Hamburg wird man nächste Woche natürlich nicht so mutig, forsch und strukturiert ans Spiel gehen, denn da ist wieder was zu verlieren, weshalb man auf zähen Handbremsenfußball und einen Fehler (mehr) des Gegners setzen wird.

Diktieren, dominieren, aufs, gar ins Tor schießen – es wird ein Wunsch bleiben. Hauptsache gegen Bayern war man offensiv präsent. Gut fürs dritte Bein war der 45-Minuten-Auftritt in München ja vielleicht. Muss dieses dritte halt mal einen Ball im Tor des Gegners unterbringen, wenn es die elf Mal zwei anderen partout nicht schaffen.

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Ausfälle

Das heimische Internet ist seit zwei Tagen ausgefallen. Passend zur aktuellen Lage bei Eintracht Frankfurt. Zum Glück gibt es im Vorfeld von Spielen gegen Bayern München nie etwas zu sagen. Es gibt die verbriefte Niederlage, man wird sich vorher tapfer wehren – und irgendwas um die 3 Gegentore schlucken.

Timothy Chandler sieht sicher Gelb, fällt aus und das Personalpuzzle geht im eminent wichtigen Heimspiel gegen Hamburg weiter. Ob es heute eine Torchance für die SGE gibt? So viel Spannung!!

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