Ausfälle

Das heimische Internet ist seit zwei Tagen ausgefallen. Passend zur aktuellen Lage bei Eintracht Frankfurt. Zum Glück gibt es im Vorfeld von Spielen gegen Bayern München nie etwas zu sagen. Es gibt die verbriefte Niederlage, man wird sich vorher tapfer wehren – und irgendwas um die 3 Gegentore schlucken.

Timothy Chandler sieht sicher Gelb, fällt aus und das Personalpuzzle geht im eminent wichtigen Heimspiel gegen Hamburg weiter. Ob es heute eine Torchance für die SGE gibt? So viel Spannung!!

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Die Chris-Logik

Im Zuge von Pleitenserien, die Eintracht Frankfurt nicht nur gewohnt sondern auch wieder mal mitten drin ist, gibt es unter Fans den immerselben Reflex: Das Vertrauen und Verweisen darauf, dass all die Verletzten, die Gesperrten, die Rückkehrer die sportlich schwierige Situation verbessern werden.

Sinnbildlich für diese Denkweise steht Ex-Eintrachtspieler Chris, der über Jahre – vorzugsweise rund um die Winterpause – seitens Fans und Funktionären nach jeder neuen Langzeitverletzung als „gefühlter Neuzugang“ angepriesen wurde. Wenn der erstmal wieder dabei ist, dann Gnade den Gegnern Gott, dann geht es für Frankfurt aufwärts wie einst für die Apollomission gen Mond. Science fiction, das war es dann auch, in der Realität machten weder Chris noch andere Rekonvaleszenten den Unterschied.

Was logisch ist, denn jeder Fußballer, der mal verletzt war – und da rede ich nicht von Bänderdehnung oder noch so schmerzhafter Prellung – weiß, wie lange die Rückkehr an die Nähe der alten Leistungsfähigkeit dauert. Selbst banale Dinge wie Schrittfolgen, Stellungsspiel und Passhärte/Präzision sind nicht wie auf der Videospielkonsole im Nu wieder da, von der Psyche, der Schmerzerinnerung und der Zweikampfscheue, die kein Training ersetzt kann, ganz zu schweigen. Konkret: Wenn nun rund um die Eintracht nun auf Marco Fabian, Marco Russ oder gar Marc Stendera verweist, lügt man sich selbst etwas in die Tasche was die Prognose für die restliche Saison anbelangt (dazu unten mehr).

Dabei war, ist das Glück der Eintracht in einer Spielzeit nie so hold gewesen. Erst sorgt der Spielplan dafür, dass ein formschwacher Gegner nach dem nächsten vor die Frankfurter Flinte läuft, man selbst zudem in der Spur liegt. Dann gibt es im Pokal ein Leicht-Los nach dem nächsten. Und zu guter letzt findet in der Rückrunde tatsächlich nur ein einziger der abgehängten Großklubs das Gaspedal in Richtung Europapokalplätze (jenes Mönchengladbach das seinerzeit nach dem Fast-Abstieg europäisch spielte und seitdem zu Deutschlands Spitzenklubs zählt).

Wenn das Gleichnis mit dem Silbertablett und dem nur zugreifen müssen je gestimmt hat, dann ist das für Eintracht Frankfurt jetzt, 2016/2017 der Fall. Es ist eines dieser Jahre, wo die bekannten Größen des Geschäfts (sehr und dauerhaft) schwächeln und wo sich das Erfolgsfenster für die Mittelklasseteams öffnet. Umkehrschluss: Gelingt es der SGE diese Saison nicht hindurchzuklettern, gelingt ihr Europa auf viele Jahre nicht mehr. Das hängt mit dem im Sommer bevorstehenden Kaderumbau 2.0 zusammen, viel mehr aber noch mit dieser nicht noch einmal zeitgleich und dauerhaft auftretenden Dauerschwäche von den vier Europapokal-Dauerkarteninhabern Leverkusen, Gladbach, Schalke und Wolfsburg. Dazu wird es nicht abermals die Doublette eines wankelmütigen Dortmunds und ein nicht-astronomisches Bayern München geben, gegen die Spiele nicht von vorneherein verloren sind/waren.

Für eine einträchtliche Europapokalteilnahme hätte es so furchtbar viel ja gar nicht bedurft, vielleicht sogar so wenig wie selten zuvor. Nach einer Sahne-Hinrunde war die einzige Anfordeung die, eine schnöde Klassenerhalts-Halbserie zu spielen: 18,19,20 Punkte. Eine Zahl, die jedes Team das in der ersten Bundesliga bleiben will, je zwischen August und Dezember und zwischen Februar und Mai holen muss. Doch urplötzlich scheitert Frankfurt selbst an diesem Mindestanspruch. Aktuell kann man getrost von einem tabellarischen Absturz ausgehen, der es mit 2011 aufnehmen kann. Höchstwahrscheinlich wird dieser nicht im Tabellenkeller, gar mit dem Abstieg enden. Aber abermals acht, neun, zehn Ränge vom (spät)zwischenzeitichen Optimum zu verlieren (2011 stürzte man von Sieben auf 17) ist angesichts des anhaltenden Leistungseinbruchs keinesfalls ausgeschlossen.

Zwei alarmierende Zahlenvergleiche gefällig? Toremäßig war Eintracht Frankfurt, das nun bei 26 Treffern liegt, zuletzt 2003/2004, einer Abstiegssaison, mit 25 Toren so wie jetzt unterwegs. 2010/2011 , einer Abstiegssaison, erzielte man 24 der 31 Gesamttore in der Hinrunde; nach 23 Spieltagen waren es 24. In der Saison 2007/2008, einer Nicht-Abstiegssaison endend auf Rang 9, hatte man zum selben Zeitpunkt deckungsgleiche 26 Tore.
Auch was die Ausbeute des besten individuellen Torschützen angeht, deuten die Indizien eher auf eine Endplatzierung im zweistelligen Tabellenbereich der Bundesliga hin: Zuletzt wiesen zu diesem Zeitpunkt der Saison lediglich Ervin Skela (6 Tore in 2003/2004, am Ende schoss er 8 Tore, das Team wurde 17.) und Nikos Liberopoulos (5 Tore in 2008/2009, am Ende schoss er 9 Tore; das Team wurde 13.) als beste Torjäger die Trefferzahl auf, die der aktuell beste Frankfurter Torschütze (Alexander Meier, wieder mal) auf dem Konto hat.

Der Grund, wieso die SGE aller entwichenen Luft zum Trotz nicht total abstürzen wird, ist die Zahl der Gegentore, die Abwehr, die erst ein paar Spieltage nach der Offensive einbrach (und durch den Torwart wenigstens das Pokalspiel gerettet bekam). In den vier oben genannten Vergleichs-Spielzeiten kassierte die SGE bis Saisonende 53, 50, 49 bzw. 60 Gegentore. Derzeit steht Frankfurt bei 24, quasi ein Schnitt von einem Gegentor pro Spiel. In den genannten beiden Abstiegssaisons waren es am 23. Spieltag deren 34 bzw. 32, in den zwei oberes/unteres Mittelmaß-Spielzeiten waren 30 bzw. 37.
Auch bei einer verbrieften Niederlage gegen Bayern München am Wochenende mit mehr als einem Tor Unterschied, selbst bei einer 0:4, 0:5, 0:6 Klatsche in der Allianzarena, liegt man in dieser statistischen Kategorie noch unterhalb des Gefahrenbereichs.

Am Verlauf der nächsten Wochen, an der Gesamtprognose wird sich indes auch nichts ändern, wenn Stammspieler wie David Abraham und Jesus Vallejo – die einzigen, die quasi sofort wieder in Tritt kommen werden – in die Mannschaft zurückkehren. Denn auch die Spanischsprachler sind ja ins kollektive Loch mitgerissen worden, ihre Leistungen waren schon vor ihren Ausfällen merklich unterhalb des Hinrunden-Levels. Nur, wenn es Trainer Kovac gelingt eine Formel für das Fußballspielen wiederzufinden, also ein Offensivspiel zu etablieren, dass Torchancen herausarbeitet, kann die SGE die Kurve bekommen. Es wird aber ab sofort wieder so gemacht werden, wie immer in solchen Situationen, es wird eine Erinnerung an den Beginn der Kovsc-Amtszeit geben: hinten dicht und das beste hoffen. Die Kurve, zu was auch immer – erstmal nur zum Klassenerhalt, dem 36. Punkt – wird es krampfhaft zu bekommen gelten. Ernüchternd genug, wenn man nach mehr als der Hälfte der Saison 3. / 4. gewesen ist.

 

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Falle falle manche Strecke

Eine Niederlage mit Ansage. Dieses Resultat, selbst der Spielverlauf gegen Freiburg war mit Abpfiff des Pokalspiels irgendwie klar. Die große Überraschung ist das geschossene Tor – und trotz Führung zu verlieren, ist dann ebenso bezeichnend wie alarmierend für Eintracht Frankfurt.

Die Könige der Konjunktive werden nach diesem 23. Spieltag natürlich wieder loslegen. Abseitstor! Reguläres-Rebic-Tor! Feststellungen, die zutreffend sein mögen. Am weiterhin bestehenden Mangel an Grundsätzen des Aufbau- bzw Offensivspiels ändert das alles nichts. Denn wieder kam von Frankfurt über weite Strecken der Partie so gut wie nichts. Ausser die Chance des paar Minuten vor Schluss (!) eingewechselte (!) Meier in der 93. Minute (!) geschah doch nach dem Wiederanpfiff, zumal nach dem 1:2 quasi nichts. Ansätze, keine Abschlüsse. Der Schiedsrichter, so daneben er (auch bei der Entstehung des 1:0?) lag, verhindert das weiterspielen nicht.

Mittlerweile geht ja nicht mal mehr über Kampf etwas. Der Geist ist willig, vielleicht, das Fleisch wird indes schwach und schwächer. In dem Maße schwinden dann auch jedwede Europapokal-Chancen (aus einer einmalig guten Ausgangsposition heraus).

Der Trainer gibt ein hilfloses Bild ab, er verstrickt sich in ewiger Litanei der Schiedsrichterkritik – aber ihm gelingt auf dem Platz nicht mal mehr die Maßgabe des Fußballverhinderns, mittlerweile wird gar zum Toreschießen eingeladen. Das 1:1 war so eine Einladung. Und ein Erstligist schiesst dann halt solche Dinger rein und man verliert,wenn man nur 20,25 passable Minuten hinlegt. Gegen einen Zweitligisten behilft man sich mit „Hauptsache weiter, weil Erfolgserlebnis“-Küchenpsychologie. Tja. Es ist halt, wie so oft keine Ergebniskrise. Es ist eine handfeste spielerische Krise, wie schon unter Armin Veh 2.0 und Thomas Schaaf. Immer mehr Anmut hat die Spielweise davon auch, die vermehrt langen Schläge etwa.

Das Übel ist spätestens seit dem Spiel gegen Ingolstadt nun nicht mehr nur das ohnehin seit Herbst 2016 als solches zu bezeichnende Nicht-Offensivspiel. Der gesamte Defensivverbund ist seit Februar unsichtbar. Das Mittelfeld ist in puncto Zweikampfführung ein Witz, jetzt offenbaren sich mit einem Schlag alle auch individuellen Schwächen. Siehe der offensiv seit jeher dauerblasse Mascarell, der nun auch defensiv keinen Stein mehr zu Boden bringt. Genau dort, im defensiven Mittelfeld liegt das Problem der SGE; nach vorne wie hinten. Der Verkauf von Huszti bzw die Nicht-Neubesetzung auf dieser neuralgischen Position führt zum.aktuell geschehenden Absturz. Gelobt wird trotzdem, Trainer niko kovac spricht gar Komplimente aus – und verkennt in seiner anhaltenden Schiri-Kritik das Verursacherprinzip: Ja, den Ruf samt Konsequenzen hat man sich selbst eingebrockt.

Diese Mannschaft droht gerade in einer Weise sportlich zu impolodieren wie 2011. Es gelingt fast nichts mehr. Und alle Mannschaften gegen die die SGE jetzt in Serie verliert, kriegt vom jeweils nächsten Gegner auf die Mütze bzw entpuppt sich als nicht-formstark. Leverkusen, Ingolstadt, Berlin.

Zum Glück begann das einträchtliche Elend diesmal mit 35, nicht schon bei 25 Punkten. Wäre das anders, könnte man schon wieder die Kerzen anzünden gehen. Wobei Stand jetzt auch ein zum Klassenerhalt nötiger Punkt noch fehlt. Ein Zähler, von dem Stand heute völlig unklar ist, wie und gegen wen der geholt werden soll. Man sollte ihn in zwei Wochen – zuhause, in der imnu gestürmten Festung – gegen Hamburger SV holen. Nicht, dass man was die Tabellendurchreichung angeht noch in völlig unterirdische Regionen abdriftet.

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Rückblickende Vorausschau

Unklar, woher die sich zuletzt eingeschlichene Zurückhaltung von Trainer Niko Kovac rührt. Eine gewisse Angst vor der eigenen Courage tritt immer mehr hervor, sei es die „Nicht-Spitzenmannschaft“-Äußerung oder das vorgebliche „ist mir egal wie der Sieg zustandekam“ im Nachgang des Pokalspiels. Das passt nicht zu der forschen, kecken, fordernden Art und Weise, wie Kovac in den Monaten seit seinem Amtsantritt aufgetreten ist. In den Aussagen der vergangenen gut und gerne zwei Wochen schwingt die alte, elende Demut-Logik mit, es ist von dort an nicht allzu weit zur bruchhagenschen Litanai des „seid froh, dass wir überhaupt Bundesligafußball spielen/sehen (dürfen)“.

Die Eintracht hat sich Rang 3 / 4, auf dem sie nach mehr als der Hälfte der Saison stand, nicht aus Zufall gesichert. Sie haben sich dorthin gekämpft, gespielt, gearbeitet. Mit einem kollektiven Plan, nicht mit individueller Klasse. Denn: Man muss kein Spitzenteam sein um eine Spitzenplatzierung einzunehmen (Kovac selbst hat es vorgemacht) und diese Position zu behaupten (Pal Dardei gelingt das mit Berlin offensichtlich in Serie). Und der Trainer selbst hat in der Wintervorbereitung erkannt, dass man den bisherigen Plan ändern, sich Neues, wenigstens Elemente einfallen lassen muss, um zu bestehen. Aber irgendwo auf dem Weg zwischen Erkenntnis und Umsetzung ist etwas schwer schiefgelaufen. Statt einem irgendwie gearteten Plan hat man eine handfeste spielerische Krise, denn in Frakfurt ist im Februar 2017 der Zufallsfußball zurückgekehrt; genau die Anmut, die man aus den vergangenen zwei Spielzeiten so leidvoll kannte.

Von Kovac, den ja seine Offenheit durchaus auszeichnet(e), hätte ich mir nach Abpfiff des entsetzlichen Schauspiels gegen Arminia Bielefeld jedenfalls eine gewisse Portion Fassungslosigkeit gewünscht. Denn das, was dort 70 Minuten lang angeboten wurde, war eine der unterirdischsten Darbietungen der vergangenen Jahre. Um es nochmal klar zu schreiben: Eintracht Frankfurt ist nach passabler Anfangsphase und mit einer Führung im Rücken vor heimischem Publikum von einer Mannschaft regelrecht schwindelig gespielt worden, die nicht nur Vorletzter der zweiten Bundesliga sondern auch das zweiterfolgloseste Auswärtsteam der beiden deutschen Bundesligen ist (Darmstadt: 0 Punkte, Bielefeld: 3 Punkte). Angesichts all dessen, Stanzen wie „Hauptsache weitergekommen“ in die Welt zu senden, berührt einen angesichts der nötigen Dauer-Paraden des Lukas Hradecky doch eher peinlich.

Das, was da auf den Platz gebracht wurde – und das war gegen Bielefeld jetzt nicht mal wesentlich schwächer als etwa gegen Ingolstadt – war und ist höchst bedenklich. Und das im Pokalspiel war nun wahrlich nicht die B-Elf, zu der sie in der Nachlese von manchen gemacht wird. Mit Oczipka und Hasebe fehlten zwei Stammspieler, aber mit Abraham und Mascarell kehrten ebenso viele in die Startformation zurück. Wenn man so will wurden also Wechsel im Defensivverbund nötig – also in dem Mannschaftsteil, auf den es ja gegen so einen Gegner eigentlich niemals hätte so stark hätte ankommen dürfen. Tawatha und Blum sind natürlich zwei Spieler aufgelaufen, die nicht zur Regel-Startelf zähl(t)en – aber beide sind keine Notgroschen, jedenfalls sollten auch sie als Teile eines Erstligakaders in der Lage sein, in einer Partie gegen einen akut abstiegsbedrohten Zweitligisten zu bestehen. Selbst von Michael Hector, mittlerweile ja Zufalls-Stammspieler, hätte man das erwarten können. Von all den anderen namentlich jetzt nicht genannten Akteure sowieso. Dem war aber nicht so, kurioserweise war es sogar – mit Ausnahme von Torwart Lukas Hradecky – lediglich Blum, dem man eine durchweg gute, eine angemessene Leistung im Pokalviertelfinale attestieren kann. Er hörte jedenfalls nicht nach 20 Minuten mit Fußballspielen auf, im Gegensatz etwa zu dem wenigstens in dieser Zeit agilen und auffälligen Ante Rebic.

An den großen Mankos, an der Bestandsaufnahme hat sich selbst gegen Bielefeld nichts verändert: Die SGE bringt in 90 Minuten faktisch keine Bälle mehr in den Strafraum, weder über die Außen noch übers Zentrum. Alexander Meier kommt nicht mal mehr in die Nähe eines Torabschlusses, er ist, wie alle anderen Offensiven mehr mit hin- und herlaufen sowie ackern als mit kombinieren geschweigedenn ablegen oder schießen beschäftigt. Die Vorwärtsbewegung gleich derzeit dem absoluten Stillstand, es wird nichts zwingendes mehr heraufbeschworen, gegen Arminia Bielefeld reichte es über gut und gerne 60 Minuten kaum mehr zu Entlastungsangriffen, Ballbesitz, Tempoverschleppung, Kontrolle. Vom Vereinsversprechen Mijat Gacinovic oder dem furios in die Karriere gestarteten Aymane Barkok kommt derzeit mehr Gefahr für die eigenen Reihen statt Produktives in Richtung Offensivspiel. Bei Barkok kann man das, so ärgerlich lässig er manches mal agiert, verzeihen. Gacinovic müsste wenigstens einen Ticken weiter, reifer sein – aber hier bewahrheitet sich dann eben doch die Vehsche Einschätzung zum Spieler.
Klar, die Unstetigkeit in den Anfangsformationen ist für diese Pleitephase das eine Verantwortlichkeit. Aber es gab ja auch vorher schon stetige Rotation auf ein, zwei Positionen pro Spiel – die sich nie so gravierend auswirkte wie zuletzt. Man sollte grundsätzlich ja erwarten dürfen, dass auch eine geschwächte Mannschaft zumindest konkurrenzfähig ist gegen Teams wie Bielefeld und zuvor schon Ingolstadt. Selbst Berlin trat nun nicht turmhoch überlegen auf, wobei man gegen die meinetwegen in personalgeschwächten Zeiten auch mal so hemdsärmelig auftreten und verlieren durfte, wie man es tat.

Es ist nun an Kovac selbst, auch öffentlich zu formulieren, dass ein neunter, zehnter, elfter Rang am Saisonende einfach  sch**** wäre, da man spät in der Saison, nicht nur irgendwie zwischen dem 9. und 13. Spieltag in den Europapokalgefilden weilte. Die Gefahr ist nämlich weder der Druck oder das Abheben noch das Scheitern an verwegenen Zielen. Die Gefahr ist die Zufriedenheit mit dem bislang Erreichten; denn das sorgt dafür, dass man am Ende eben nichts erreicht.

Das Spiel gegen Freiburg wird so oder so happig, die sind clever, die sind mutig, die sind stabil, die sind schnell. Kurzum: Die sind einfach in vielerlei Hinsicht besser als alle Gegner, die die Eintracht in den vergangenen Wochen vor der Brust hatte. Wenn die SGE also auch nur halbwegs so schwach auftritt wie in den vergangenen Pflichtspielen, sieht sie gegen Freiburg kein Land. Das gibt dann auch keine Klatsche, gab es ja bisher nie, aber eine Niederlage wäre verbrieft. Von mehr als einem Zähler als mögliches Maximum auszugehen, ist schon alleine wegen der Nullgefahr vor des Gegners Tor töricht. Punkt(e) sind angesichts des bevorstehenden Gastspiels im nun in der Spur befindlichen München dringend nötig, sonst steckt Frankfurt richtig fest in der Krise, da hilft dann auch keine Erwartungsbremserei mehr.

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Losglück hold

Das Losglück trägt die Eintracht bis zuletzt, man umgeht tatsächlich bis kurz vor Berlin jeden starken bzw trifft abermals auf den schwächstmöglichen noch im Lostopf befindlichen Gegner.

Aber schade, es hätte bei dem Los Mönchengladbach tatsächlich für das Pokalfinale reichen können. Wenn es ein Heimspiel für und in Frankfurt gewesen wäre. Aber so? Zweifel, Zweifel, Zweifel.

Immerhin dauert es noch eine Weile bis es zum Spiel kommt, vielleicht kippen die Kräfte- und Formverhältnisse ja bis dahin nochmal zu SGE-Gunsten. Oder wenigstens an dem Tag. Machbarer als Bayern oder Dortmund ist das Los Gladbach natürlich allemal.  Wie gesagt: Wenn man wieder sowas wie Form findet.

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Augenweh

Das schmerzte so richtig in den Augen. Gegen das dankbarste Pokallos sowas zu zeigen, hergespielt zu werden. Torwart Lukas Hradecky als bester Frankfurter. War. Das. Übel.

Eintracht Frankfurt hat es im Pokal nur kurz so gespielt, wie es das Viertelfinale spielen musste um zu gewinnen. Da war Tempo drin, Druck drauf und Willen sowie Konzentration erkennbar. In den ersten 20 Minuten legte die SGE das erhoffte spielstarke und dominante Spiel hin (samt verwehrtem Glasklar-Strafstoß).

Speziell die linke Seite mit Taleb Tawatha und Ante Rebic warf den Motor immer wieder aufs Neue an. Danny Blum verdiente sich ein dickes Daumen hoch. Einzig Michael Hector, der es wie prognostiziert mit Bielefelds Fabian Klos zutun bekam, entpuppte sich von Beginn an abermals als Schwachpunkt. Sein unbedrängt gespielter  Fehlpass am mittelkreis, der fast zum 1:1 führte – ein neuerlicher Graus. Auch sonst gibt er den Wackeldackel im Defensivverbund, ihm fehlt – wie hier zu Saisonbeginn vorhergesagt – die Qualität. Er baute Dinger ein, herrje!

Dann aber, nach gut 35 Minuten war es auch mit der von Dominanz zu Kontrolle abgeschwächten Phase vorüber. Da kippelte die Partie gen Ostwestfalen. Nach Wiederanpfiff dann die Wiederkehr des Schwächeanfalls, im Mittelfeld gab es keinen Zugriff mehr, Zweikämpfe wurden in Reihe verloren, offensive Entlastung war Fehlanzeige. Plötzlich erschien das 1:1 überfällig, es war eine Frage der Zeit. Die Eintracht im Freischwimmermodus. Und immer wieder Hector mit Fehlern schon bei Kleinigkeiten. Das war ab der 50. Minute kein Spiel mehr auf Augenhöhe, Bielefeld wurde in dem Maße besser wie Frankfurt schwächer wurde. Es war zum fürchten. Es war also so wie seit drei Wochen. Nur schlimmer. Die Luft ging raus als Bielefeld die, als sie irgendeine Nadel fanden. Pressing heißt diese Nadel, und die kann gegen Frankfurt noch so stumpf sein. Immerhin sorgte Marco Russ für einen positiven Aspekt.

Ja klar, weiterkommrn ist wichtig und so. Aber wenn nicht mal mehr gegen so einen Gegner ein Sieg, ein hakbwegs souveräner erwartet (!) werden darf, ja Mensch, wie klein muss man sich denn noch machrn?!

Im Hinblick auf das Freiburg-Spiel und die weitere Saison lässt sich nach dieser eine Stunde lang geradezu indiskutablen Leistung Schlimmes befürchten. War. Das. Übel.

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Augenschmaus mit Arminia

Eintracht Bielefeld – vergisst man in seinem Text das Wort „gegen“, ist man thematisch ganz schnell bei einer Fußballmannschaft aus der Kreisliga A angelangt, bei den redlichen Kickern aus dem Bielefelder Stadtteil Sieker (gegründet 1900, also ein Jahr nach der glorreicheren Eintracht aus Frankfurt). Jetzt, da wir unser unnützes Wissen um einen Baustein erweitert haben, richten wir den Blick auf das abendliche DFB-Pokalviertelfinale eines Oberen-Drittel-Erstligisten gegen einen Abstiegskampf-Zweitligisten. Für uns, die wir ja wissen, dass Ligazugehörigkeit zumindest bis zu einem gewissen Grat weit weniger ein Indiz für Siegwahrscheinlichkeit ist als die Form der jeweiligen Opponenten, steht ein knackiger Abend bevor.

Zunächst aber die schnöden Zahlen: Arminia Bielefeld verlor von 30 Pflichtspieduellen gegen die SGE 13, trennte sich neun Mal unentschieden und gewann acht Spiele. Auffälliger Aspekt in dieser Statistik: Die Eintracht gewann zuhause so gut wie immer (zehn von 15 Partien bei zwei Niederlagen und drei Remis), auswärts hingegen gelang selten etwas (drei Siege, sechs Pleiten und sechs Remis). Kurzum: Großes Glück für Frankfurt, dass es im Waldstadion in dieses KO-Spiel geht. Die Eintracht trifft aber gleichsam auf das generell auswärtsschwächste Team der zweiten Liga, in elf Spielen auf fremdem Platz hat Bielefeld in dieser Spielzeit noch nie gewonnen, drei Unentschieden und acht Niederlagen stehen zu Buche (11:24 Tore).

Arminia, so dann der Bogen zum entscheidenden Thema Form, hatte Aufstiegsfavorit Hannover am Wochenende am Rande einer Niederlage, das Spiel endete 2:2 und nach allem was man bei der Recherche liest, war die Arminia die bessere, aktivere, gefährlichere, robustere und willigere Mannschaft; auswärts das Ganze, wohlgemerkt. Gegen St. Pauli, dem bis dato Tabellenletzten der zweiten Liga, gelang am Spieltag zuvor vor heimischem Publikum ein Last-Minute-1:1 durch den torgefährlichsten Spieler, Stürmer Fabian Klos, der es aufgrund seiner Kantigkeit (1,93 Meter groß) sicher eher mit Michael Hector denn mit dem „filigraneren“ David Abraham zutun bekommt.

Eintracht Frankfurt wird in dieser Partie jedenfalls nicht umhin kommen, Fußball zu spielen um weiterzukommen. Es wird schnell und direkt gehen müssen, variantenreich mal über Außen, mal durch die Zentrale, mit kurzen Pässen und keinesfalls langen Schlägen, das Team wird hoch stehen und den Gegner in die eigene Hälfte drücken müssen. In der Vorahnung, dass die Gäste tief stehen, im Bissigkeitsmodus unterwegs sein werden. Im Prinzip konnte und kann es ja kein dankbareres Los für die SGE geben als dieses. Zum einen, weil es neben Lotte der qualitativ schwächste, vor allem aber von der grundsätzlichen Form her schwächste verbliebene Gegner war und ist. Zum anderen, weil man sich selbst im Vorfeld dieses Spiels in eine mehr als nur Ergebnis-Krise manövriert hat. Frankfurt bekommt am Dienstagabend die Chance auf ein sportlich-spielerisches Comeback auf dem Silbertablett serviert. Im Hinblick auf ein mögliches Pokalhalbfinale, vielleicht aber sogar noch mehr im Hinblick auf das eminent wichtige Heimspiel gegen den SC Freiburg am Sonntag, kann man sich wohl zu dieser These hinreißen lassen: Kommt die Eintracht im Pokal weiter, steigt die Erfolgswahrscheinlichkeit in der Bundesliga. Je nachdem wie souverän (und kräfteschonend) das gelingt, kann das der dringend benötigte Kickstart für die Wahrhung von Europa-League-Rang-Hoffnungen sein. Bei Gewürge, das eventuell soagr im Vabanque-Spiel Strafstossschießen endet, können wir getrost von der Forsetzung des spielerisch tristen status quo ausgehen. Gibt es im Pokal gar den Knockout, wird es genau diesen auch in der Liga geben.

Das Aufeinandertreffen zweier Krisenkinder, es wird sicher ein Augenschmaus. Vielleicht wird es zur Abwechslung ja mal ein Hingucker ohne Treterei und Platzverweis, im Bestfall eine Augenweide mit einem Eintracht-Tor (gar aus dem Spiel heraus?!).

 

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