Losglück

Omar Mascarell hätte mit einer lumberjack-Aktion beinahe ruiniert, wofür zuvor 93 Minuten lang geschuftet worden war. Dem schwachen Elfmeter des Hannoveraners und der prinzipiell starke Lukas hradecky war es zu verdanken, dass mit Eintracht Frankfurt das bessere, aber nicht nur aufgrund der Strafstoßszene glücklichere Team in das PokalViertelfinale. In diesem geht es Zuhause gegen Arminia Bielefeld – diese Saison meint es mit der Eintracht riesig, das bestmögliche Los gesellt sich zur bisher famosen LigaLeistung.

Kurios jedenfalls, dass zwei der Schwächeren SGE-Akteure die Tore erzielten. Der agile aber wirre Tawatha und der blasse Seferovic. Sei es drum, weitgehend überzeugte die Eintracht, auch Neuzugang Max Besuschkow, der gänzlich anders als Marco Fabian aber doch mit drang nach vorne spielt. Makoto Hasebe und Ante Rebic waren indes erneut die stärksten Frankfurter, auch Bastian Oczipka ragte heraus, vor allem in jenen ersten 20,25 Minuten in denen er alleine drei super Chancen abschloss- als Außenverteidiger!

Frankfurt spielte die ersten 20 Minuten Dominant, Hannover kam später besser und gefährlich ins Spiel. Hradecky sei dank ging die Nummer, bei der mancher bekannter Mangel (Michael Hector und das AufbauSpiel bspw) offenkundig wurde, gut aus. Trainer Niko Kovac entschied sich jedenfalls für den Mut – und wurde belohnt.

Dieses Team ist gefestigter denn je, nicht mehr nur von Position 1 bis 9,10,11 mit ausreichender Qualität versehen. Viele Leute machen derzeit viel richtig. Zu guter letzt auch die Pokallosfee.

8 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Nice to have

Wer den / das Blog länger oder regelmäßiger liest, weiß, dass ich trotz aller Emotionalität und vierteljahrhundertiger Verbundenheit mit Eintracht Frankfurt so wenig wie möglich durch die Vereinsbrille betrachte. Jedenfalls versuche ich so gut es geht eine kritische Reflexion auf das Geschehende.

Umso verwunderter bin ich über mich selbst, dass ich das Gejaule über den nicht gegebenen Elfmeter für Darmstadt nicht nachvollziehen kann, dass ich da vollends einschwenke auf die Äußerungen von Trainer Niko Kovac. Ich habe mir die Szene beim Eckball in Echtzeit nun zig Mal angesehen, die Verlangsamungen aus verschiedenen Kameraperspektiven ebenfalls – und wenn dieser Rempler, auf den man ja geradezu hingewiesen werden muss, einen Strafstoß rechtfertigen soll, können wir alle – von Profis bis Kreisligaspielern – mit diesem Sport wirklich aufhören. Dann spielen wir das ganze an der Konsole aus und gut ist.

Ganz im Gegensatz zu der Szene steht das griechisch-römisch Ringen gegen Jesus Vallejo. Das war nicht nur ein klarer, es war ein sprichwörtlich offensichtlicher Elfmeter. Wenn man soweit gehen will und David Abraham in der ersten Halbzeit Cleverness unterstellt, muss man die Aktion des Darmstädters im zweiten Durchgang schlicht als Dummheit bezeichnet.

Ginge die Spiel(verlaufs)bewertung in dieser seltsamen (Nicht-)Elfmeter-Logik weiter, hätte Darmstadt auch gerne 30, 40 Minuten zu zehnt auskommen müssen, der Bodycheck von Marcel Heller in Halbzeit 1 war ein richtig übler und danach leistete er sich noch weitere Foulspiele. Thematisiert nur keiner. Ebenso wenig wie die seltsam überzogenen Verwarnungen gegen Mijat Gacinovic oder Ayman Barkok. Auch das ist eine Form von zweierlei Maß.

Man muss übrigens vorab auch mal klar festhalten, dass Darmstadt 98 in dieser Saison eine grottenüble Mannschaft ist, der nicht mal mehr das Zerstören, nicht mal mehr die strukturierte Fußballverweigerung gelingt. Das ist von vorne bis hinten Prinzip Hoffnung. Das war im Hinspiel gegen die SGE so, das war im Rückspiel so. Angesichts dieser massiven und monatelang anhaltenden Mankos herzugehen und die Benachteiligungs-Karte zu spielen – gegen ein Team, das Karte um Karte gezeigt bekommt – , ist albern.

Ein Schwenk noch zu den von mir befürchteten spielerischen Defiziten der Eintracht in Anbetracht des Wegbrechens der Zentral-Achse Huszti/Fabian: Die SGE hat bewiesen, dass sie auch das kompensieren kann. In dem Fall über den Go-To-Guy Ante Rebic auf dem linken Flügel. Trotzdem muss man festhalten, dass es lange danach aussah dass diese Einsilbigkeit nicht funktionieren würde, nach gut einer Stunde war die Eintracht sichtbar ratlos. Da sah man dieselben Staffetten wieder und wieder verpuffen; bis eben Rebic ein eins-gegen-eins gewann. Das Aussteigenlassen eines Gegenspielers, Rebic war tatsächlich der einzige, dem das gelang. Mehrfach. Ansonsten ging das Frankfurt ab, da fehlt dann eben die Dynamik eines Fabian. In diesem Sinne kam für mich die Einwechslung Barkoks eigentlich zu spät, da wollte der Trainer offenbar nicht zu früh ins Risiko gehen. Die Maxime „Gib Rebic den Ball und der macht was damit“ mag in diesem speziellen Fall funktioniert haben, aber spätestens am kommenden Wochenende, beim Spiel in Leverkusen, wird es wieder mehr als einen Ankurbler brauchen. Mijat Gacinovic beispielsweise hat weiterhin so seine Mühe, zu einem Faktor zu werden.
Merkwürdig ist aber vor allem das derzeitige Auftreten von Branimir Hrgota, der eben nicht an die Leistungen, an die Präsenz aus dem Dezember anknüpft. Angesichts der Ersatzpersonalie Haris Seferovic kündigt sich im Sturm ein (seit Wochen befürchtetes) Problem ein. Momentan gilt zumindest in Bezug auf den Sturm (wieder mal): Alles hängt von Alexander Meier ab.

Morgen, wenn es dann in Hannover im DFB-Pokal zur Sache geht, wird Kovac mit Sicherheit personell etwas verändern. Dass eben Meier pausiert, ist gut vorstellbar. Seferovic wird ihn ersetzen. Dass Barkok beginnt, ist im selben Maße denkbar. Und dass es auch in der Defensive eine Änderung gibt, sollte nicht augeschlossen sein.
Wann, liebe Leser, konnte man das in Frankfurt mal bedenkenlos annehmen? Im Sinne von: Wie lange ist es her, dass es eine Frankfurter Mannschaft gab, bei der nach Spieler Nummer 11 der Qualitätsabbruch nicht sofort durchschlägt?!
Der DFB-Pokal, bei dem die SGE unter Friedhlem Funkel ja bisweilen mächtig für Furore sorgte, ist seit Jahren ja alles andere als eine angenehme Sache für Frankfurt. Und auch anno 2016 war der Wettbewerb ja vor allem glückliches Stückwerk. Der Schiedsrichter in der KO-Partie gegen Hannover ist jedenfalls aus Mainz.
Gefühl habe ich keines für dieses Spiel, zu sehr bin ich im Bundesliga-Modus. Denn Leverkusen auf Distanz zu halten, ist meine persönliche Priorität. Vorher Hannover zu bezwingen ist da … nice to have. Hauptsache, man kommt da kräfteschonend, also nach 90 Minuten durch. Leverkusen hat nämlich unter der Woche frei. Und zwei Mal hintereinander zu verlieren, das darf 2016/2017 ruhig konsequent vermieden werden, wettbewerbesübergreifend.

4 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Kopie verhindert

Ante Rebic hat das Spiel für Eintracht Frankfurt gegen Darmstadt 98 gewonnen. Er krönte seine Leistung mit einem Tor, das ihm Alexander Meier quasi symbolisch ermöglichte. Symbolisch insofern als das die Erarbeitung des Treffers genau die Stärke, den Willen des ganzen Teams widerspiegelt. Resultat: 35 Punkte, aber eben nur drei vor der Holzklasse, dem 7. Rang, der diese Saison so undankbar sein wird wie selten.

Einige Worte zum Spiel am Sonntag: Ja, Druck baute die Eintracht auf. Aber wie erwartet fehlte bis tief in die zweite Halbzeit der Pass zur Verwertung, es gab faktisch keine Anspiele auf Meier oder Hrgota. Die Außen ziehen in die Mitte, so dass nur die Flügelverteidiger zu hereingaben kommen. Und das sind dann zu 90% jene harmlosen, fast alibimäßigen Halbfeldflanken von links. Grundsätzlich: Die Flanken der SGE waren katastrophal, Gacinovic krönte die Fiaskoflanken in der 65. Minute als er wie mit Amboss im Schuh den Ball gen Auslinie drosch, Chandler konterte in der 69. mit einem Ball hinters Tor.

Gegen die Buffertruppe gelang der SGE  lange herzlich wenig, es blieb bei Ansätzen – trotz Dauerballbesitz. Auch und gerade, weil im Zentrum der Schwung fehlt. Einzig Ante Rebic brachte Überraschendes, Dynamik ins Spiel. Er kreierte das Wenige, er zog nach 42 Minuten in den 16er und bereitete die einzige Chance vor, und nach 70 Minuten feuerte er mal einen Schuss aus 18 Metern ab. Es war die Szene, die den Druck erhöhte,  den Strafstoß zum 1:0 ermöglichte. Dass Rebic dann später den Deckel draufschraubte… siehe oben.

Dabei gingen der SGE nach einer Stunde sichtbar die Ideen aus. Aber sie waren von Anfang bis Ende zu 100% drin in dieser Partie, sie blieben diesmal geduldig und gleichsam offensiv willens. So verhinderte man eine Kopie des Hinspiels. Die Belohnung steht auf der Anzeigetafel.

10 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Zugriff

Ein Spieltag wie gemalt für die Fertigung einer Europapokal-Eintracht. Das gesamte Verfolgerfeld tritt auf der Stelle, nur die direkte Um-die-Plätze-Konkurrenz siegt.

Es ist also mehr als angerichtet für die SGE gegen Darmstadt 98 … um entweder die big Points liegenzulassen (Alt-Frankfurt)  oder den großen Wurf zu schaffen (Kovac-Eintracht).

Nur gut, dass es ein Heimspiel im Waldstadion ist. Andernfalls wäre ich total skeptisch.

Wer gibt also den Offensiv-Sechser? Ayman Barkok müsste natürlich in die Stsrtelf rücken – aber bedeutet das wirklich, dass Mijat Gacinovic schon wieder hemdsärmeln darf? Naja … Heute wird sich jedenfalls weisen wie es um das FußballSPIELEN bei Frankfurt bestellt ist. Davon hat man bekanntlich seit Dezember nicht mehr viel gesehen. Und niederKÄMPFEN wird man Darmstadt nicht, heute muss spielerisch einiges her um den nötigen Sieg einzufahren. 35,33,32 – man greife zu!

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Beiträge

Selbstgerissene Lücke

„Menschliche Entscheidung“, der Huszti-Transfer. Wäre das Tippen auf dem Smartphone nicht so mühsam,könnte ich darüber alleine schon Dutzende Sätze verlieren.

Ich belasse es bei der Aussage, dass das Kokolores ist. In dem Geschäft Profi-Fußball sind solche Aussagen nichts als hilflose PR, da werden ganz andere Dinge eine Rolle gespielt haben. Eine Leistungsverweigerungs-Androhung des … verletzten … Spielers beispielsweise. Man weiß ja, dass verletzte, angeschlagene Spieler die begehrtesten auf dem Transfermarkt sind.

Herrje, der Huszti kam erst recht reuig aus China zurück, nun sucht er sich – die Millionen Euro vor Augen – genau dieses Loch erneut aus. In einer Ausgangslage, in der er einen sportlichen Frühling erlebt. Ziemlich erbärmlich dieser Schritt. Lässt tief blicken.

These:Man wollte bei Eintracht Frankfurt lediglich keine Unruhe reinkriegen, deshalb der Transfer. Dass man sich rund um den Transferstichtag schön hat verarschen lassen, iwo, das war alles genauso geplant, angesprochen und bringt null Schwierigkeiten.

Im defensiven Mittelfeld, wo man personell dünn besetzt ist – gerade mit den offensiv fähigen Akteuren – ist nun die Lücke da, selbst erschaffen. Johannes Flum das Adieu nahegelegt, von Huszti die lange Nase gedreht bekommen – sauber!

Das könnte für diese famose Saison, die angesichts des Faktischen natürlich nur noch mit dem Ziel Europapokal verfolgt werden kann, fatal werden. Gerade so, als ob man bei der SGE alles dafür tun wolle, nicht tatsächlich eben jenes Ziel erreichen zu können.

Huszti, lange ein Ärgernis, dann Stabilisator, nun eben aufgrund dessen Lückenreißer. Ein kurioser Werdegang.

So oder so, diese Entscheidung, diese Entwicklung ist höchst ärgerlich. Nicht nur weil Makoto Hasebes Rolle eine andere geworden und Omar Mascarell ein sperrengefährdeter Akteur ist. Ohne Huszti fehlt einfach ein Ankurbler – und so nimmt sich die Eintracht die Chance agiler, aktiver zu werden. Also Defensivprägung gegen jeden? Vielleicht kann ja dieser Max B. was. Jedenfalls muss Trainer Niko Kovac improvisieren auf dieser sprichwörtlich zentralen Position, zumal ohne Marco Fabian. Irgendwer muss ja die Bälle jetzt auch mal zu Hrgota/Meier bzw zu den jeweiligen Vorbereitern bringen, und zwar mehr als 1,2 mal pro Spiel …

6 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Glückloser unter Glücklichen

In der 92. Minute des Spiels Eintracht Frankfurt gegen Schalke 04 gab es dann eine Szene, wie man sie eigentlich nur von Kreisligaplätzen kennt. In jenen Partien, wenn man lust- und kraftlos eine 0:9-Niederlage zuende spielen muss, die einzig verbliebende Motivation die ist, nicht zweistellig auf die Mütze zu bekommen.

Umso bemerkenswerter mutete besagte Szene an, als Haris Seferovic bei 1:0 Führung des eigenen Teams den Ball ebenso blind wie willenlos ins Zentrum flankte. Wohlgemerkt schlug er den Ball nicht in den 16er oder darüber hinaus, geschweige denn nagelte er mit Körpereinsatz die Pille an der Eckfahne fest um A) Zeit und B) Freistoß, Eckball oder Einwurf zu schinden – er schoss stattdessen den Ball in Richtung Mittelkreis. Das war mehr als eine Fehlentscheidung, als Instinktlosigkeit. Folge: Ballbesitz Gelsenkirchen, Konter. Letztlich folgenlos, aber doch der unzähligste Beleg für den Absturz des Schweizer Stürmers.

Am Dienstag wird sich entscheiden, ob man für Seferovic noch eine symbolische Transfersumme einstreicht. Oder ob es Eintracht Frankfurt tatsächlich fertigbringt einen Spieler, dessen Leistungen seit gut und gerne zwei Jahren daniederliegen, ohne jeden Erlös bedingungslos durchzuschleppen. Unter Professionalitäts-Gesichtspunkten, die man ja seit Amtsantritt von Niko Kovac und Fredi Bobic attestieren muss, ist letzteres eigentlich undenkbar. Soweit kann die Balkangen-Liebe einfach nicht gehen. Es gibt (bis auf Nichtmoserei über seine absturzbedingte Rolle) nichts was für Seferovic spricht, und das – wie unzählige Male geschrieben – seit mindestens eineinhalb Jahren.

An was scheitert also ein schlicht und erfreigend nötiger Verkauf? Am Interesse von anderen Vereinen, weil sich der Schweizer schon derart in den Schatten gespielt hat? Es gibt doch eigentlich immer irgendwo einen potenten Blinden, der nochmal bedenkenlos zulangt. An der Unentschlossenheit der SGE, weil man für das Hier und Jetzt keinen adäquaten Stürmer findet, der dann auch für die nächsten zweieinhalb, drei Jahre Stammspieler-Qualität hat? Das dürfte jedenfalls der wahrscheinlichere Grund sein. Seit Samstag geistert immerhin ein neuer Name, Dawid Kownacki (Polen, Lech Posen, 19 Jahre) durch die Alternative-Fakten-Landschaft namens Internet.

Sollte die Eintracht Seferovic nicht vor Vertragsende abgeben – eine Verlängerung wäre ja geradezu grotesk und kann auch nicht im Sinne des Spielers sein – kann das doppelt teuer werden. Nicht nur in Bezug auf die Kombination Nichtablöse-und-Gehaltszahlung. Auch sportlich, denn ein Voranbringfaktor war, ist und wird er nicht. Und so hängt der Erfolg dann doch schon wieder weitaus mehr an Alexander Meier, dem wieder mal besten Torschützen des Teams, als man zwischenzeitlich dachte. Denn Branimir Hrgota wandelt leistungstechnisch weiterhin zwischen den Welten. Situativ ist er gut, aber auf 70,80,90 Minuten gesehen findet er zu wenig statt – sich auf ihn zu verlassen, könnte schlicht noch ein halbes Jahr zu früh sein. Plus: Der Ausfall von Marco Fabian sorgt fast zwingend dafür, dass Meier/Hrgota vorerst und auf unbestimmte Zeit als Duo auflaufen müss(t)en – und ein Nachlegen von der Bank somit nur mit Seferovic möglich ist. Der Schweizer, der mit seinem Klassenerhaltstor einen Legendenstatus hätte aufbauen können, wird angesichts dieser Ausgangssituation dann irgendwann sicher schon nochmal ein Tor erzielen. Den Seemansknoten wird aber auch dieser Treffer nicht lösen, für ihn selbst dürfte sich die Zeit in Frankfurt mittlerweile ähnlich quälend lang anfühlen wie die bemerkenswerte letzte Absstiegssaison für uns Fans. Seferovic ist der Glücklose unter Glücklichen.

Die causa Seferovic ist wirklich das einzige schwarze Schäfchen in einer hell leuchtenden Herde namens Erfolg. Wieso also durchs Dunkel schlendern, wenn die Sonne endlich mal scheint? So entspannt wie 2016/2017 wird eine Spielzeit nie wieder werden, Leute. Genießt es, so Fußball zu schauen, wie Anhänger der Großkopferten es Jahr für Jahr können!

34 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Sieg im Holzschnittspiel

Diese Spiele nach Sommer- oder Winterpause, sie waren, sind und bleiben einfach Rohkost. Das ist teilweise wirklich ein, zwei Klassen unter dem Niveau, das man im Ligabetrieb-Normalfall sieht. Und so entwickelte sich auch das siegreiche Spiel von Eintracht Frankfurt in Gelsenkirchen zu einem Dauerabtasten. Viel Geplänkel, kaum Tempo, wäre es beim 0:0 geblieben hätte man von einem leistungs- wie optischgerechten Ergebnis gesprochen.

Doch wenn ein Team hätte gewinnen sollen, müssen, können dann war es Frankfurt. Schlicht deshalb, weil während 90 Minuten kollektiver Nichtgefahr die SGE den konzentrierteren, den reiferen Eindruck machte – und sich trotz der vom Personal her offensiven Grundausrichtung auf die Stärken der Hinrunde besann: das Verteidigen, gleichsam gepaart mit Spielkontrolle über Ballbesitz. Da war viel Verschleppung, keineswegs Offensivdrang mit dabei. Und diese Verlangsamung war es, mit der Schalke bei zunehmender Spieldauer weniger klarkam, was sie entnervte. Trotzdem: Mit Guido Burgstaller hatte die Eintracht mehr Mühe als ihr recht wahr, er hätte zweimal treffen können, einmal (kurz nach Wiederanpfiff) vielleicht sogar müssen.

Aber das sind sie eben, die Unterschiede zu Alexander Meier. Der lief, nach einer ebenso schmucken wie cleveren Freistoßvariante mal wieder dorthin, wo man (Sieg)Tore schießen kann. Ohnehin absolvierte der Kapitän eine starke Partie, holte sich so manchen Ball und führte so manchen Zweikampf wie in vergangenen Zeiten als Quasi-Zehner. Ayman Barkok macht Freude, seine Finesse und Einsatzbereitschaft sind ein Zugewinn, er entwicklet auf eine feinere Art und Weise die Wucht, die Ante Rebic allzu oft in Physis steckt. Makoto Hasebe ordnete und sortierte fleißig wie gewohnt und David Abraham erwies sich nicht nur unmittelbar vor dem 1:0 als abgeklärter Hund. Heinz Lindner parierte im entscheidenden Moment stark, er hat seine Visistenkarte für die weitere Karriere (irgendwo außerhalb Frankfurts) hinterlegt, seine Chance genutzt.

Insgesamt liefert das Spiel, auf andere Art und Weise wie gegen Investorenleipzig, doch weniger Ansatzpunkte für einen Blick in die Form- und Klassenglaskugel als gedacht. Dafür verlief die Partie zu … holzschnittartig. Fakt (kein alternativer, sondern ein echter) ist, dass die Eintracht einen Gegner auf Augenhöhe bezwungen hat (zum zweiten Mal in einer Saison!). Die Sterne vom Himmel zu spielen kann niemals der Anspruch sein, schon gar nicht, weil und wenn mit Arbeit auch nur maximal drei Punkte erreicht werden können. Das hat die SGE geschafft, das ist bemerkenswert gut. Nimmt sie eine Entwicklung, gibt es andere Nuancen als in der Hinrunde, ein Ausbrechen aus dem Muster, dem sich ab Ende November sichtbar abnutzenden Masterplan gerade im Offensivspiel? Davon ist noch nichts zu sehen, im Grunde erkannte man – speziell in den ersten 20 Minuten – dass Schalke auf Spiel- und Herangehensweise der Eintracht eingestellt war. Die wussten, was sie erwartete und hatten dagegen durchaus Mittel. Frankfurt kam nicht vor. Als dann das 1:0 fiel, nach einer Standardsituation, und die Eintracht sich vollends auf ihre Zurückhaltungs- und Wucht-Spielweise verlagern konnte, offenbarte das noch weniger die Stärke Frankfurts als die Schwäcke Schalkes. Aber sei es drum – die Eintracht schaufelt sich drei Zähler aufs Konto, die Tabelle weist das Team mit 32 Punkten – und somit nur noch vier Zähler vom sicheren Klassenerhalt entfernt – aus. Ab jetzt noch 18, 19 Punkte, dann wird es für den Europapokal gereicht haben. Ein Ziel, dass genau mit Siegen wie heute erreicht werden wird. Respekt, Eintracht Frankfurt!

8 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge