Müdigkeit

Tief drin im Jahrtausendwechsel-Schlamassel von Eintracht Frankfurt gab es eine Zeit, in der mir die SGE reichlich egal wurde. Das war die Reaktion auf jahrelangen Diletantismus, Skandale, hire&fire-Attitüde und kategorisch ausbleibenden sportlichen Erfolg. Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit, sie war unübersehbar.
Vielleicht war das für einen Jugendlichen, Heranwachsenen, der ich um diese Zeit war, schon unüblich. Emotionalität, Naivität, Manipulierbarkeit seien als Stichworte genannt. Mit Blick in die Fankurve und das notorisch volle Waldstadion muss man jedenfalls zu dem Schluss kommen, dass ein solches Verhalten in diesen Tagen wohl undenkbar wäre. Ewigtreu mit 15, ewigtreu mit 25, ewigtreu mit 35 – danach fühle ich mich nicht.

Denn heute, gut und gerne 16, 17 Jahre nach meiner ersten, auf all den Peinlichkeiten der Ohms/Hölzenbein/Woodcock/Helaba-Geldkoffer-NummernAbkehr von Eintracht Frankfurt spüre ich diese Abnabelungstendenz erneut.
Bei allen Fehlern, der Stagnation der vergangenen Jahre, zumal der bleiernen letzten zwei, drei Bruchhagen-Jahre, kann ich mit dem Kurs der vergangenen Monate nichts anfangen. Austausch des Kaders samt der Leistungsträger, nichtöffentliche Trainings, Demontage der Vereinsgesichter, Zukauf von x-beliebigen Kickern aus Gottundderweltland: Neue Besen kehren nicht aus Prinzip gut, nicht naturgesetzlich – und als Maxime des Handelns „hauptsache anders“ auszugeben, wirkt eher infantil. Jede Wette: Der Beliebigkeitskader der kommenden Saison fährt im Idealfall keinen Deut erfolgreicher über die Ziellinie als das üblich war, ist und bleibt. Das auf-links-Ziehen des Kaders, das Dasein der letzten paar Gesichter dieses Klubs als bemitleidenswerte Maskottchen führt nicht zur sportlichen Verbesserung sondern zur Ent-Identifikation mit der Mannschaft.
Jubelt man eigentlich nur einem Wappen zu? Wer oder was ist denn dieser „Verein“, zu dem man steht, wenn nicht diejenigen, die ihn mit Leben füllen, ihn auf dem Feld repräsentieren? Da ist die Logik bei einem Profi- doch nicht anders als bei einem Dorfverein, oder? Im Sinne von: Kickt da keiner mehr aus dem Ort, nicht mal mehr aus der Nähe, nicht mal mehr aus der Region oder gar dem Land ist es nicht dasselbe. Meine ich. Fühle ich. Kann man plump als Deutschtümelei abtun, kann man aber auch einfach mal drüber nachdenken. So auf einer Meta-Ebene, in eine Langfristperspektive gedacht.

Ich dachte grundsätzlich immer, dass man Fußballern zujubelt, sich über Stärken/Schwächen austauscht. Nicht, dass man sich als Fans über Betriebswirtschaft unterhält, semi-schlau abwägt, ob drei, vier oder fünf Millionen Euro für Bastian Oczipka „marktgerecht“ sind. Oder ob es ein gutes Geschäft ist, sechs Millionen auszugeben und spekulativ irgendwann 30 Millionen zu erlösen. Wie das mit dem Stadion, mit Betreiberverträgen, mit Altlasten und Etats und so ist. Mir ist das alles zu viel Börse geworden.

Nur eines will sich partout nicht ändern: Der Glaube an die Illusion, dass Eintracht Frankfurt mehr ist, mehr sein kann als ein Mittelfeld-Bundesligist (man schaue mal auf die Ewige Tabelle für Einordnungen über 50, nicht über 5 Jahre). Dass die Infrastruktur, die Voraussetzungen besser wären als anderswo, günstiger als in Mainz oder Augsburg. Dass man nur das Potential, das es angeblich gebe, ausschöpfen müsse. Dann, ja dann … Was eigentlich dann? Reicht es alle Jubeljahre mal fürs Verlieren des Pokalfinals, fürs hin-und-wieder-Reinrutschen in den Uefa-Cup, der nicht mehr so heißt?

Lassen wir die Lemminge halt mal eine Weile laufen, vielleicht laufen sie ja dem Erfolg hinterher. Wäre ja schön. Mich kratzt die Skala Eintracht-Erfolg/Misserfolg zumindest vorerst nicht mehr.

Die Wiederkehr des Immergleichen mag man ertragen können, aber gesund lebt derjenige, der sich Pausen vom immerselben Trott gönnen kann. Ich bin müde geworden, des Mahnens müde und mürbe. Und ich bin daher, nach sieben Jahren Daueranalyse drauf und dran mir diese Pause, eine Pause von Eintracht Frankfurt zu verordnen; was jeder Blog-Leser sicher schon angesichts der spärlichen Zahl der neuen Beiträge geahnt haben dürfte.

Sollte es jemanden geben, der dann und wann als Gast-Autor einspringen möchte, der seine Gedanken mitteilen möchte: er/sie schreibe per Mail. Oder in die Kommentarspalte. 

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Kopfgriff

Eintracht Frankfurt international.  Holen zig Nationalitäten in den Kader, wollen schwer die internationale Marke sein/werden und dann scheitert es bei der SGE schon an alltäglich-banalem Kram. Da packst du dir als Beobachter echt an den Kopf.

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Füller

Passiert irgendetwas bei Eintracht Frankfurt? Außer, dass Alexander Meier weggeekelt, Fußballspieler von irgendwoher verpflichtet und uninspirierte Trikots präsentiert werden?

Nein?! Gut, dann lege ich mich wieder zur Ruhe. Vielleicht kenne ich nach dem Aufwachen ja dann irgendwen aus dem Kader, kann den Namen eventuell sogar unfallfrei aussprechen.

Achso, doch, eine Sache muss ichdoch  loswerden: Zehn Spiele muss man übrigens warten, um sich an einer ersten schüchternen Saisonstarts-Bewertung versuchen zu dürfen. Hat der Trainer erlaubt.
Nach einem Drittel der Saison, nach 30 von 102 möglichen vergebenen Punkten. Nach (vier Auftakt)Partien in der Hölle von Freiburg, die nicht wissen wo sie herkommen, zuhause gegen das übermächtige Wolfsburg, im unantastbaren Mönchengladbach und zuhause gegen den Dauermeister aus Augsburg. Das, Spiele gegen das gerüttet Mittelmaß der Liga zu dem man selbst so gerne gehören will, nennen die in Frankfurt ein schweres Auftaktprogramm. Wären Spiele gegen Hessen Dreieich, Eintracht Stadtallendorf und Buchonia Flieden genehmer, gingen die als leichtes, als machbares Auftaktprogramm durch?
So eine Logik hätte sich manch Amtsvorgänger mal erlauben müssen.

 

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Beliebig

Vermutlich ist das Folgende einfach nur das Gekrittel eines alternden Mannes. Von jemandem, der vom Profifußball übersättigt ist und der Monat für Monat zunehmende Distanz zum Sportgeschäft, auch zu Eintracht Frankfurt jedenfalls zu diesem Eintracht Frankfurt gewinnt. Von daher sollte man an dieser Stelle einfach aufhören zu lesen, wenn man es mit Ewigtreue hält.

Vor fast genau einem Jahr erschien hier dieser Blog-Beitrag: Eintracht Frankfurt International

50 Wochen später zeichnet sich die Tendenz ab, die Zahl der „Legionäre“ im SGE-Kader konstant hoch zu halten (60%+) bzw. den Profiußball-Cocktailshaker wieder zu rütten: Viele Kicker aus aller Herren Länder/Ligen verpflichten, zusammenschmeißen und mal schauen, was herauskommt. Fernandes, Haller, Salcedo, nun wohl Jovic, dazu noch weiteres aus der Balkangen-Gerüchteküche, aus Dänemark wabert auch ein Name gen Main, der portugiesische nicht-Hugo namens Almeida tauchte auch schon auf  …

Mir ja schleierhaft: Wieso die zweite Bundesliga mittlerweile völlig ignoriert wird. Gerade nach der abgelaufenen Saison gibt es so einige Spieler, die eine starke Saison gespielt und mit ihren Mannschaften nicht aufgestiegen sind. Beispiele? Offensiv wären Kevin Möhwald von Nürnberg und Steven Skrzybski von Union Berlin zu nennen, auf der Sechs Christoph Buchtmann von St. Pauli, Marcel Sobottka von Düsseldorf oder als Innenverteidiger der hier schon in der Winterpause genannte Saulo Decarli. Mit Ausnahme des Letztgenannten sind das übrigens deutsche Spieler, aller unter 25 Jahre. Und die alle, samt und sonders nicht bei Großfinanziers á la Hannover oder Stuttgart unter Vertrag, sollen unbezahlbar sein, schlicht, weil deutscher Pass und deutsche (zweite) Liga spielend? Nonsens.

Die These, dass der zusammengeschusterte Internationalitätskonstrukt 2016/2017 nicht befriedigt, hat sich jedenfalls in 2017 bestätigt. Die Lehre daraus: weiter so, mit weniger Ausleihen. Das Kuriose ist ja, dass man Ante Rebic – allen Mängeln zum Trotz der offensiv neben Marco Fabian klar beste Frankfurte – für gut und gerne 3 Millionen Euro nicht verpflichtet, aber die Position mit irgendeiner Neuverpflichtung ja zu besetzen gedenkt. Für sicher nicht weniger als 3 Millionen Euro, Stichwort André Hahn (ja, deutsch – und mittlerweile auch kein Kandidat mehr). So oder so: Für noch mehr Geld weiß man noch weniger, wen/was man da qualitativ bekommt.

Es ist ja regelrecht grotesk, was da in Frankfurt (weiter) läuft: Dass beispielsweise ein Marius Wolf (weiter)geliehen wird – ein Reservist eines Aufsteigers – wird schlicht mit dessen deutschen Pass denn mit seiner sportlichen Qualität zutun haben. Man braucht ihn halt, um Verbandsregularien auf dem Papier zu erfüllen. Mit Danny da Costa (einzig verpflichtet, weil dieser Varela-Mensch entgegen ursprünglichem Vereinsvorhaben mit dem Bannstrahl belegt wurde) und Jan Zimmermann gibt es noch zwei weitere, die auf verlorenem Posten stehen werden, also ebenfalls Typ „Zählkandidat“ sind. Diese Deutschenquote wird ja vor allem dann wieder rasierklingenscharf, wenn – wie zu erwarten ist – Yani Regäsel abgegeben wird. Und Alexander Meier. Oder Marco Russ. Keinesfalls ausgeschlossen, letztere Personalien. Wird es ganz eng, gibt es halt wieder Profiverträge für Talent-Asse wie Furkan Zorba (wird ja auch abgegeben) oder Nelson Mandela. Marcel Titsch-Rivero, den kann man bestimmt auch irgendwo noch für einen Äppler und einen Handkäs loseisen.

Aber die Helena macht das schon, sie ist ja immerhin Göttin der Vegetation, sorgt also dafür, dass was wächst. Man hat ja „einige Alternativen“, hat Sportdirex jetzt gesagt. Na dann braucht es wirklich göttlichen Beistand.

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Azteken-Gene

Soeben gab es einen dieser Momente. Einige Sekunden, in denen man das Altern bemerkt(e). Beim Nachschlagen, wann ein gewisser Aaron Galindo bei Eintracht Frankfurt spielte, geschah es. Ich hätte schwören können, dass es so um 2010 herum gewesen ist, also nicht gar so lange her. Jedenfalls zu einer Zeit als dieser Blog wenigstens in seinen Säuglingsschuhen steckte.

Falsch. 2007 war es, als der Innenverteidiger zur SGE wechselte. Zehn Jahre ist das her. Zehn. Himmel hilf … Der Grund wieso ich nachschaute, ist die nun bestätigte (Leih- dann Kaufoptions)-Verpflichtung des mexikanischen Innenverteidigers Carlos Salcedo. Mexikaner – immer schon war ich ein großer Fan dieser Fußballnation, aus dem mittelamerikanischen Land kommen reihenweise gute Spieler. Das Gehalt dort drüben ist offenbar nicht mehr gar so astronomisch – bzw. zahl man in Frankfurt und anderswo in Europa – mittlerweile ähnlich absonderliche Gehälter wie in der mexikanischen Liga, was ja jahrelang eine Mexikaner-Schwemme gen Bundesliga/Europa generell verhinderte. Pavél Pardo, einst bei Stuttgart, was für ein guter Fußballer! Sechser, übrigens …

Nun also nach Marco Fabian, dem fußballerisch besten Frankfurter seit langem, ein defensiver Mexikaner. Bravo, das ist auf dem Papier schonmal ein überzeugender Griff. Einer, der den Abgang von Jesus Vallejo durchaus kompensieren könnte. Jedenfalls dann, wenn Salcedo die mal non chalant, shcon gerade zu vorurteilsgleichen ihm qua „Azteken-Gene“ zugeschriebenen Tugenden mit der Muttermilch aufgesogen haben sollte.

Gut gemacht, lautet das Urteil. Im Gegensatz zur Entscheidung, Marius Wolf – die ganz Aufmerksamen werden den Namen erinnern – weiter im Kader zu halten. Den Hannoveraner, der als Notnagel mal auf den Außen ran musste, leiht (!) man von einem Zweitligaaufsteiger. Völlig absonderlicher Schritt. Denn entweder ist man von Wolf überzeugt, dann verpflichtet man ihn für einen mutmaßlich mittleren bis mittelhohen sechsstelligen Betrag. Oder man lässt die Finger von dem Spieler. Was man jedenfalls nicht macht: Ausleihen von einem Verein auf Augenhöhe, gar von einem Aufsteiger.

Weiter warten wird man auf den Königstransfer, der besser nicht auf der rechten offensiven Außenbahn, sondern im zentral defensiven Mittelfeld verpflichtet wird. Koan Hahn, lautet das Blog-Plädoyer. Ums zu wiederholen: Nicht für die kolportierten fünf, sechs (Hradecky-Urlaub)Verkauf-Millionen. Zwei, zweieinhalb für Hahn, vier für Mr. X auf der Sechs – so eine Aufteilung wäre mir persönlich ja lieber. Um nicht zu sagen: Lieber sechs Millionen für einen gutklassigen defensiven Mittelfeldspieler und den Rest für den Flügel, ja gut, und einen Finnentschechenersatz im Tor. Jan Zimmermann, der sich gegen einen gewissen und mir persönlich nicht mal namentlich erinnerlichen Stefan Ortega bei 1860 nicht durchsetzen konnte, kann man natürlich nicht ernsthaft als Stammtorwart-Kandidat auf dem Schirm haben.

Aber irgendeinen verkaufen die bei der Eintracht ja sowieso noch – oder sparen Gehalt. Das von Alexander Meier, beispielsweise. Dessen Gehalt würden die Herrn Funktionäre sogar sicher 1:1 gen Hradecky geben, ich bin von so einem Szenario felsenfest überzeugt. Vom Willen, jedenfalls. Man wird ihn wahrscheinlich noch für die Deutschen-Quote brauchen, den Ex-Torschützenkönig. So könnte sich auch Wolf erklären … Nachtigall …

Nee, genug jetzt, es begann ja alles so positiv. Azteken-Gene, gerne mehr davon!

 

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Der nächste Resetknopf

Der Druck auf den Resetknopf 1.0 Anfang 2016 ist ja ziemlich daneben gegangen; mit den Regäsels dieser Neuzugangswelt rauschte man in den Fast-Abstieg. Der Resetknopf 2.0 im Sommer 2016 ging kaum weniger schief; Pokalfinale, ja ja, man weiß ja auch wie bzw. gegen wen – aber ligatechnisch ist das doch letztlich ziemlich genau das gewesen, was Eintracht Frankfurt immer so abliefert: Im Optimalfall graues Mittelmaß, läufts etwas schlechter Abstiegskampf mit Coin-flip-Wahrscheinlichkeit, dass es ins Unterhaus geht.
Und nun also Resetknopf 3.0 – einer mit der Tendenz, die Mannschaft noch etwas beliebiger, austauschbarer zu gestalten als vor einem Jahr. Alexander Meier und Marco Russ, zwei der drei letzten Gesichter des Vereins und Kapitäne Eintracht Frankfurts, sind von Trainer Niko Kovac ziemlich ausgebootet worden. Die späte Einwechslung Meiers im Pokalfinale war da nur die Fortsetzung dessen, was schon vor Meiers Verletzung geschah: Entgegen allem Gestümper auf dem Platz wurde ihm nur noch die Rolle des Minutensammlers zugestanden. Und selbst das wohl zähneknirschend. Marco Russ stand in der Bewertung plötzlich hinter Michael Hector, einem Spieler, der den fußballerischen Ansprüchen der Bundesliga nicht im Ansatz genügt, der in vielerlei Hinsicht wie ein Soto-Kyrgiakos-Relikt anmutet. Seltsame Schachzüge, wenn man da eine Strategie vermuten will. Einzig Bastian Oczipka, und dank der abgelaufenen Saison Timothy Chandler sind nach einem alles andere als undenkbarem Vereinswechsel jedenfalls Alex Meiers so etwas wie Identifikationsfiguren. Mau, mauer, Mainmannschaft.

Dass die Kader-Internationalisierung gescheitert ist, dass sie jedenfalls keinen Vorwärtsschritt brachte, darf wohl als eine Lehre der Spielzeit 2016/2017 feststehen. Die Frage ist, was die Funktionäre nun zutun gedenken?

Gelson Fernandez. Ein Vereinsbummler, zehn Klubs in zehn Jahren. Dazu exakt so torgefährlich wie die anderen SGE-Sechser der Vergangenheit und Gegenwart (zehn Tore in zehn Jahren). Keinesfalls also der Antreiber, der Dampfmacher, den es auf dieser Position bräuchte. Auch im x-ten Jahr nach Sebastian Rode, der ja nun wahrlich auch seine Mängel hatte und hat, tummeln sich im Eintracht-Kader ausschließlich „Ballverteiler“, Zerstörer oder Notlösungen auf dieser so spielentscheidenden Position. Hasebe, Mascarell, Medojevic, Gacinovic, nun Fernandez (Marc Stendera, dem die spielerische Note durchaus zuztrauen wäre, kann man ja getrost abschreiben). Egal für welche Doppelsechs, und egal in welcher Reihung diese auf dem Platz steht, man sich entscheidet: Keines der perspektivischen Duos wäre in der Lage die eklatanten Defizite im Aufbau- bzw. Offensivspiel zu mindern, geschweige denn zu beheben. Einzig ein „Königstransfer“, die Verpflichtung eines Hochqualitativspielers kann das. Dort müsste das Geld, egal ob vorhanden oder nicht, hineingesteckt werden.

Es mutet daher beinahe grotesk an, dass die Funktionäre einem Torwart, Lukas Hradecky, einen Unsummenvertrag hinlegen wollen. Nach allem was so erzählt wird, soll die Finnenspinne knapp unterhalb des Salärs eines Alexander Meiers angesiedelt werden. Was ja völlig absurd wäre. Alleine vom Faktor der (Un)Ersetzbarkeit ist doch – wieder mal – offensichtlich geworden, wer wie einzuordnen ist. Auch in puncto Gehaltsgefüge.
Nein, für einen Torhüter, einen guten aber eben keinen überragenden, darf ein Mittelfeldklub sich nicht derart strecken. Die Baustellen in dieser Mannschaft liegen ganz woanders, das Geld muss in die neuralgischen Positionen fließen – die des Torwarts ist damit nicht gemeint, da gibt es ein Füllhorn Fähiger, und die bereits kolportierten Namen wie Julian Pollersbeck und Ron Robert Zieler zählen dazu. Nicht, dass ein Zieler jemals ernsthaft Naitonalmannschafts-Keeper hätte sein sollen, aber solange sich dieses Label nicht in seinem Gehaltswunsch spiegelt, wäre er qualitativ allemal auf Augenhöhe mit Hradecky zu sehen. Und über die Genannten hinaus gibt es da draußen noch weitere gutklassige Keeper, kurioserweise ist Hradecky selbst ja das beste Beispiel dafür: Was wurde von manchem nach dem Abgang von Kevin Trapp nicht gezittert, ob da jetzt nicht eine riesige Lücke gerissen wird. Wurde es nicht. Was erwartbar war. Und auch nun wieder ist. Ums kurz zu machen: Nein, keinesfalls den Vertrag zu Konditionen verlängern, die derart teuer zu stehen kommen und Investments in weitaus größere Baustellen (defensives Mittelfeld, Innenverteidigung, offensive Außenbahnen) verhindern – im Gegenteil, sofort den Millionenerlös, und seien es statt 7,8 nur 5,6 Millionen Euro einstreichen. Schubkarre und so; aus den gerade skizzierten Gründen.

Ein Name, der nun aufkam und der eine eben solche Summe kosten würde, ist André Hahn. Ein Spieler, bei dem zumindest bestritten werden darf ob er mehr Leistungsfähigkeit besitzt als Ante Rebic, einen Akteur also, der offenkundig nicht, jedenfalls nicht zum Preis von rund 3 Millionen Euro weiterbeschäftigt wird. Für Hahn sollen es ja eher um die 5 (Hradecky)Millionen Euro sein. Fast doppelt so viel – kann Hahn auch doppelt so viel? Das kann man getrost verneinen. Für günstige(re)s Geld macht eine Verpflichtung Sinn, jedenfalls täte sie einem nicht grundsätzlich weh.

Tomi Juric, ein in der Schweiz aktiver Australien(Kroatien)stürmer, ist heute in den ersten „sozialen“ Netzwerken als Namen aufgetaucht. Seine Berateragentur heißt schonmal original „Kick&Rush“ … Name=Programm? Würde ja zum Kovac/Hectorschen Spielstil der vergangenen Monate passen… Spaß beiseite: Es ist sehr wahrscheinlich, dass die SGE noch einen Stürmer verpflichtet. Alexander Meier wird vor dem Absprung stehen, Juric als Balkangen misst – wie Haller – kantige 1,90 Meter. Doof, dass er nicht – wie so viele andere in der vergangenen Saison (Seferovic, Rebic, Gacinovic, Tawatha, Regäsel) – beim dubiosen Liansports unter Beratervertrag steht, dann wäre die Sache klarer. Liansports wäre übrigens auch das ideale Einfalltor für Marko Marin, den Ewigherbeigerüchteten Außen. Er da oben behüte …

Montepelliers Steve Mounié, ein weiterer 1,90-Meter-Turm liest sich da schon deutlich vielversprechender. Der 22-Jährige traf in Frankreich 14 Mal, bereitete drei Treffer vor – und kostet halt das vierfache von Juric. Aus Gründen, kann man meinen.

Danny da Costa ist ein sinnvoller, ein guter Transfer. In einem passablen Maß bundesliga(!)erfahren, Außenbahnspieler und mit 23 Jahren absolut entwicklungsfähig. Die Leverkusener Ausbildung ist jedenfalls nicht die schlechteste in Deutschland.

Stürmer Sebastian Haller ist indes allen Rekordausgaben zum Trotz nichts weiter als eine Wundertüte. Luc Castaignos, man erinnert sich mit Schrecken, war in Holland auch alles andere als eine Nullnummer. Was das wert ist, sah man bei der SGE leidvoll. Skepsis gegenüber Haller ist angebracht; Geld schießt die Tore bekanntlich stets anderswo, remember your Caio 😉

Immerhin: Die Zeichen deuten darauf hin, dass man die richtigen Positionen im Blick hat. Auf der Außenbahn sucht man, im Sturmzentrum hat und sucht man, auf der Sechs hat man – wenn auch nicht ausreichend – und die Torwartfrage wird sich nun endlich klären. Was bleibt, ist die Baustelle Innenverteidigung; und die ist groß. Jesus Vallejo nochmal zu leihen, löst das Problem ja nicht. Weder David Abraham noch Marco Russ, sofern dieser überhaupt noch sollen darf, werden jünger. Und Anderson Ordonez kann, darf nach allem was man gesehen hat keine ernsthafte Zukunftsoption sein.

Frohe Sommerpause so dann, beim Confed-Cup wird man sicher noch den einen oder anderen aus zweiten Reihen rumturnen sehen, den Eintracht Frankfurt vor Turnierbeginn hätte verpflichten können.

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Grünes Gras

Stefan Aigner ist der nächste. Der nächste, der ausserhalb Frankfurts das Gegenteil von dem versprochenen Erfolg hat. Wie all die Ochs, Schweglers, Jungs, Rodes vor ihm. Wie die Hradeckys nach ihm.

Aigner, wie die anderen Genannten war bei der Eintracht ein Leistungs- und Sympathieträger. Ein Vorwärtsgeher, einer der wenigen Qualitätsspieler in der Mannschaft. Und nun ist er Drittligist mit 1860 München, schon auf dem Weg dorthin nur einer von vielen Spielern. Daran ändern auch angeblich vertraglich zugesicherte Häuschen und Co. nichts. Ändern sie die Stimmung, lindern den Schmerz, betäuben die Zweifel?

Man fragt sich immer wieder, was in diesen Fussballprofis vorgeht. Als ob irgendeiner von denen die dritte, die vierte Millionen Euro nötig hätte. Klar, die, die es zum Profi geschafft haben, nach vielen Mühen und Entbehrungen, müssen in 10, 12, 14 Jahren so viel Geld erwirtschaften wie Ottonormalmensch in 40,45,50 Erwerbsjahren. Bei den entgrenzten Sportlergehältern und der Tatsache, dass der eine oder andere Euro auch nach der Karriere noch verdient werden kann und wird, ist Verständnis aber völlig unangebracht. Die Nomaden ziehen weiter, mal verdienen sie Erfolgsprämien, mal kassieren sie Schmerzensgeld. Verdient wird immer, mal in diesem, mal in jenem Trikot.

Der schon angesprochene Lukas Hradecky wird ebenfalls diesem Zyklus folgen. Sich woanders wiegen lassen, sich auf vermeintlich grünerem Gras betten. Um dann, an den stillen Abenden sich eben doch zu grämen, dass man das, was man hatte zugunsten der nächsten Ungewissheit aufgegeben hat. Als Herausforderung gelabelt, natürlich.

Unterdessen verkauft Berlin einen sehr guten, aber sicher keinen überragenden Innenverteidiger (J.A. Brooks) für 20.Millionen Euro (!) zum Fast-Absteiger (!) Wolfsburg. Dieses Geschäft ist, auch gänzlich ohne Helene Fischer und Kaneras an Weizrnbiergläsern verkommen.

Einer Fussballmannschaft zujubeln? Mitfiebern? Wieso eigentlich? Selbst die Kirche ist ehrlicher (und jeder Pfarrer ärmer) als die Sportler, Funktionäre, Berater. Und jeder Fan sowieso.

Nun kommen zur erstklassigen Eintracht also Haller, Jovic, Fernandes. Jo, schön. Die nächsten Nomaden. Die nächsten Wundertüten, die nächsten Internationalen, die nächsten Syline-Superfans-Superstadion-Sprungbrett-Spieler. Gäääääähn. Und mit Mijat Gacinovic, unproduktivem Offensivaußen und leidlicher Sechsernotlösung verlängert man den Vertrag. Aha.

Beim Pokalfinale sprach mich ein Mitschauer, Freiburg-Fan an. Mit der Eintracht befasst er sich null, wie ausserhalb Hessens quasi jeder. Er fragte bei der Kamerafahrt entlang der Spieler vor Anpfiff: „Habt ihr eigentlich noch Deutsche?“ Ich, im reflexartigen Verteidigungsmodus, zählte sie auf – nur Bastian Oczipka spielte, Timothy Chandler wurde mir auch noch zugestanden. Da nickte der Gegenüber still und wissend.

Ich will nicht die Internationalitäts-Kiste von vor einem Dreivierteljahr erneut aufmachen, aber hat sich der Kurs denn tatsächlich bewährt? Man ist knapp über dem Niveau der Vorsaison gelandet, dank einer nicht nur punktemäßig brillianten Hinrunde. Einzig und allein. Der erste Einbruch, November/Dezember 2016, die erste Krise ab Februar 2017 und es kam nie wieder Luft in den Ballon. Der war geplatzt. Und das Erreichen des Pokalfinals, da lüge man sich als Frankfurt-Funktionär besser nicht in die Tasche, ist dem von Runde 1 bis zum Endsüiel holde Los- und Spielglück zu verdanken, keineswegs dem Faktor Qualität.

Was also ist die Bilanz? Verpasste Chance (n), Treten auf der Stelle, Status quo mit Tendenz gen Abstieg beim Blick auf 14,15 der Bundesligakonkurrenten.

Die nun eingelegten Patronen müssen ihr Ziel treffen. Mehr noch als vor/während der abgelaufenen Spielzeit. Denn 2017/2018 gibt es maximal 3,4 Augenhöhe-Konkurrenten im einträchtlichen Keller, nicht abermals Kleine, Augebhöheteams und ein weiteres halbes Dutzend Großkaliber.

Und wer weiss, vielleicht feiert man in einem Jahr den Klassenerhalt auf dem Römer. Die Meisterschaft des Mini-Mannes – mit Tankard als Helene Fischer für … nunja, Arme.

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