Keine Feier ohne Meier

Alexander Meier erhält keinen neuen Vertrag bei Eintracht Frankfurt – und dieser Verein treibt die personelle Entfremdung immer weiter voran.

Unter Fredi Bobic ist der personellen Beliebigkeit keine Grenze mehr gesetzt. Geht A, kommt B. So ist es eben nicht mehr der Klub, der mir ans Herz wuchs, Pokalsieg hin, Pokalsieg her.

Es ist der richtige Zeitpunkt für Abschiede. Irgendwann wird auch dieser Trend enden, dann steige ich sicher auch wieder intensiver ein. War schön neulich am Paulsplatz, fast so schön wie tags zuvor vorm TV. Aber das ist nun so Vergangenheit wie Alex Meier. Wie ein gewisser Marius Wolf. Wie bald Marco Russ.

Viel Erfolg den Verbliebenen; auf dass ihr schnell viele neue Namen und Gesichter lernt. Und Sprachen. Dieses Jahr, dann nächstes Jahr. Übernöchstes. Es geht immer weiter.

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Once in a lifetime

Niederlagen. Wie viele Niederlagen habe ich gesehen! Jahrelang von Marburg, gar von Rostock aus nach Frankfurt gefahren, 1. Liga, 2. Liga – mal gegen Schalke mal gegen Reutlingen, mal 10. nal 17. in der Tabelle. Mal mit, mal ohne Dauerkarte. Und just in dem Jahr, da ich Eintracht Frankfurt bewusst den Rücken kehre, und da ich bewusst das vielleicht fünfte, sechste Saisonspiel sehe, geht der Traum in Erfüllung. Eintracht Frankfurt gewinnt einen Titel. Einen echten, keinen Fuji-Cup oder das Hallenmasters, sondern einen realen mit Wert. Un. Fucking. Fassbar. Einmal pro Leben wird ein Adler sowas erleben (dürfen). Und wir, Freunde und Kritiker, Lover and Hater, wir waren/sind es, die das erleben durften. Wir, die Unglücklichen sind plötzlich zu den Glücklichen geworden. Abstieg? Aufstieg? Jetzt ists egal, selbst in der Oberliga Hessen kann uns das keiner mehr nehmen. Nicht den Titel, nicht den Erfolg, nicht die Emotion, nicht das Erlebnis.

Eine ganze Fan- wie Spielergeneration hat nun das erreicht, was den Yeboahs, Okochas, Beins nie vergönnt war. Die Russ, Meiers, Chandlers, Hasebes, Abrahams und Rebics haben das von Jupp Heynckes einst zerstörte Versprechen eingelöst. Ihnen ist unverhofft die Rache am Dämon, an der Geißel unseres Vereins geglückt. Osram ist Geschichte, ein für alle mal.

Aber nein, von Häme halte ich nichts. Im Gegenteil, ich verachte sie. Denn es war ein extremst duseliger Triumph der SGE gegen Bayern München. Die beiden Lattentreffer, drei Hochkaräter die durch den Fünfer flogen, ein nicht-gegebener Elfer, der so foul war wie Foul foul sein kann: Dusel und Effizenz haben dieses Wunder, ja; Wunder bewirkt. Und eben weil das so ist, darf, soll und muss unsere Freude, müssen unsere Emotionen explodieren. Aber Häme und Sarkasmus? Nein, das ist mehr als unangebracht.

Denn streng sportlich genommen, war Eintracht Frankfurt vergangene Saison näher, verdienter am Pokalsieg.Verdient hin, verdient her – wie oft ist man am kurzen Ende dieser Skala gelandet? Ich erinnere etwa an das Uefa-Cup-Spiel gegen den FC Porto. Oder das Pokalfinale vor mehr als zehn Jahren gegen Bayern München, als Oliver Kahn nur versehentlich den Kopfball von Ioannis Amanatidis pariert. Vielleicht ging man ja vergangenes Jahr oder damals schon beim Fußballgott, den Fußballgöttern in Vorleistung.

Apropos Fußballgott: Ja, Alexander Meier hätte in den Kader gesollt. Aus mehr als emotionalen Gründen. Aber er ist so entschädigt worden, wie vor ihm wohl kein anderer Spieler eines Underdog-Vereins. Er, das Gesicht und der beste Fußballer dieses Vereins hievte den Pokal in die Luft. Etwas, das all den 90er-Jahre-Ikonen nie vergönnt war. Er hat es erreicht. Und auch für ihn gilt: Er ist für diesen Triumph in Vorleistung gegangen; und hat nun einen Abschied bekommen, der märchenhafter kaum sein könnte. Das Bundesligator, nun der Pokalsieg. Das ist der perfekte Schnitt für Alex Meier, in Frankfurt hat er tatsächlich nun alles erreicht, was ein Fußballer erreichen kann. Letzenendes sogar dank Niko Kovac, einem Trainer, der ihn sportlich oft eher geringschätze. Sei es drum. Jetzt der Schritt in die USA? AM14FG wäre es zu gönnen. Runde Sache, runde Karriere. Vielleicht sogar die perfekte Karriere; und wäre ein anderer Charakter Bundestrainer als der, der es ist, hätte ein Meier auch in der Nationalmannschaft seine Einsätze bekommen.

Und Marco Russ? Für ihn gilt eigentlich ähnliches. Sportlich gibt es ja viele Parallelen zu Meier, die beiden sind untrennbar mit der „neuen Eintracht“ ab 2004/2005 verbunden. Russ hat die Krebserkrankung überstanden. Und ist jetzt Pokalsieger. Was könnte man mehr wollen? Für ein paar Uefa-Cup-Spiele eventuell nochmal und weitermachen? Für etwas, das er zumindest schonmal erleben durfte? Auch für ihn wäre nun die große, goldene Tür für das Karriereende geöffnet. Wenn nicht, auch gut, einen wie ihn braucht es als Gesicht. Als Typ.

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Nach der Römerfeier geht es hier weiter. Mit einigen Worten zu Kovac und zu den Gründen, wieso dieser Blog dann wohl tatsächlich komplett dichtmachen wird. Stichwort: Besser kann es nicht werden.

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Größe

Ich weine. Es ist unfassbar. Ich, wir erleben einen Titel für Eintracht Frankfurt! Samt toller Geste für Alex Meier. Das war Größe auch des Trainers.

Bis Sonntag aufm Römer!

PS: Nein, ich nehme von einstigen Aussagen nichts zurück. Aber ich gestehe ein, dass das heute einmalig war und diese Einmaligkeit auch durch Trainer Niko Kovac erreicht wurde. Und das Pokalhochheben mit Meier – eine tolle tolle tolle Szene. Und wohl das Ende einer Dynastie. Danke, Alex! Unvergessen 4 ever!

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Nackt

Und ganz zum Schluss der Bundesligasaison 2017/2018 steht der kroatische Kaiser ohne Kleider da. Der nackte Niko. Wie sich dieser Mann, wie sich dieser Trainer selbst ausgezogen hat – das sucht seines Gleichen. Niko Kovac wird man in Frankfurt charakterlich auf einer Stufe mit Jermaine Jones stellen müssen. Ein Lügner, ein Heuchler. Das wusste man nach dem „Stand jetzt“-Slapstick nun seit einigen Wochen. Damals gab es und konnt es nur die Befürchtung geben, dass diese Nummer Eintracht Frankfurt implodieren lassen wird. Genau so ist es gekommen. Also ist Kovac nicht nur ein Lügner, er ist damit, mit dem Kaputtmachen einer Mannschaft dem Jupp Heynckes der 1990er näher als dem SGE-Fan lieb sein kann.

Mit dem teuersten Kader der Vereinsgeschichte trudelt die Kovac-SGE also auf Rang 8 ein. Beinahe gar auf der 9. Eine Leistung, ein Ergebnis, das vor Kovac schon einige erreichten, nach ihm erreichen werden. Armin Veh hat das vollbracht. Friedhelm Funkel. Selbst das Trainerimitat Michael Skibbe. Also alle Trainer die seit 2004 für eine Weile das Sagen hatten. Für das Feuerwehrmanndasein gilt ähnliches, auch das schafften vor Kovac einige, nach ihm wird das anderen auch gelingen. In Kovac wurde aber von vielen, wieso auch immer, das Besondere gesehen. Der smarte Kerl, Denker und Werteverfechter, ein telegener Typ der sogar Spiele gewinnt! So schien es. Aus dem schönen Schein ist nicht mehr geworden als Durchschnitt. Die Ratten sind dem Rattenfänger hinterher gelaufen, die Lemminge purzelten den Abhang hinunter.
Und das trotz der Millionenausgaben, trotz der Investition in maximale Internationalität in Abgrenzung zu Identität. Hat es sich also bewahrheitet, dass Eintracht Frankfurt sich ein seelenloses Sammelsurium an Spielern zusammengekauft hat. Irgendwelche Leute aus irgendwoher. Und als es dann nicht mehr wie von selbst lief, als auch der letzte Gegner den 60-Minuten-Kraftfußball als solchen erkannte hatte, als das Leistungsloch da war, haben sich viele Spieler in das Schicksal ergeben. Und so schlurft man als einstmals Tabellenzweiter kollektiv zu Rang 8. Das ist so oder so ähnlich alles schonmal passiert. Nur eben für billiger Geld.

So oder so gibt die Eintracht-Führungsriege – nicht zum ersten Mal – ein peinliches Bild ab. Am Trainer festzuhalten, obwohl dieser in mehrfacher Hinsicht vereinsschädigend agiert hat und der sportliche Trend eindeutig war/ist, ist grotesk. Dass Bobic seinen Balkangenossen Kovac nicht entlassen hat, ihn nicht entlassen wird, hängt vor allem mit dem Vertrag, mit der Ausstiegsklausel, mit den im Entlassungsfall wohl ausgeschlossenen Transfereinnahmen zusammen. Klausel hier, Klausel da – das ganze Elend hat mit Bruno Hübner begonnen und geht offenkundig endlos weiter.

Jetzt sedieren sich große Teile der Fanschar erneut mit dem Erreichen des DFB-Pokalfinals. Als ob schon die Reise nach Berlin etwas Zählbares, als ob das der sportliche Erfolg wäre. Zum zweiten Mal in Folge erhielt Eintracht Frankfurt in der jewieligen Runde das einfachste, das einfacherere Los. Und wird gegen Bayern München natürlich alles mobilisieren – und eben doch verlieren. Schulterklopfen. Warme Worte. Kein Titel, kein Europa. An der Gesamtschau, an der Gesamtbilanz der Saison ändert das Pokalfinalerreichen jedenfalls nichts. Wenn man irgendwann in der Rückrunde auf Rang 2, auf Rang 3 stand und ein Punktepolster von acht, neun Zählern auf den ersten Nicht-Europapokalplatz aufwies, ist alles andere als eine Europapokalqualifikation eine Enttäuschung. Die SGE ist wieder mal abgestürzt, wie stets in einer Rückrunde. Diesmal nur eben nicht von 8,9 oder 10 auf 14,15 oder 16, sondern von den Finanz-Futtertrögen in die Holzklasse samt Holzmedaille. Strukturell ist dasselbe passiert, was immer passiert: Luft einmal raus, wird nie wieder Luft reingepumpt.

Und es hat nur Minuten gedauert, da sagten die Bobics, Hübners, Hellmanns, Fischers und Kovacs Sachen wie, dass man doch eigentlich eine ruhige Saison spielen wollte. „Einzigartig“ sei das gewesen, sagte Kovac gar. Man habe „overperformed“. Dazu: siehe oben. Die Sachen, die in den nächsten Stunden und Tagen gesagt werden, sind dann noch DInge wie: Dass man das jetzt erreichte Ergebnis vor der Saison mit Kusshand genommen hätte. Dass man also alles und mehr erreicht habe und man doch als Fan und Beobachter dankbar für das Gezeigte sein solle. Also all die Argumentationslinien, wofür Leute wie Heribert Bruchhagen – nicht zu unrecht – abgewatscht worden sind. Es kommt halt den meisten nicht drauf an, was jemand sagt, sondern wer es sagt.

Nun ist diese Spielzeit also vorbei. Und das Rad wird sich weiterdrehen, so wie immer. Spieler gehen, Spieler kommen. Trainer gehen, Trainer kommen. Mir persönlich ist dieses kindlich-trotzige, sich selbst den Zeit-, Geld- und Emotionsaufwand rechtfertigende „Aber wir Fans sind immer da und bleiben es“ einfach zu wenig geworden, sorry.

Hebt Alexander Meier, hebt Marco Russ in einer Woche dann doch den DFB-Pokal in den Himmel, werde natürlich auch ich kurze Zeit später auf dem Römer stehen und die Erfüllung meiner Fan-Träume feiern. Das wäre für das Profifußballverfolgen tatsächlich der Abschluss, den ich mir wünschen würde.

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Die Sünde des Niko Kovac

Fußball ist ein Geschäft, das weiß im Kopf jeder. Im Herz schmerzt es 
den Fan aber immer nur, wenn die Mechanismen des Geldverdienens den 
eigenen Klub betreffen. Niko Kovac entpuppt sich nun mit seinem Wechsel 
zum FC Bayern München als der größte Heuchler der jüngeren 
Bundesliga-Geschichte, als der Prototyp eines Wanna-be-Saubermanns. Er 
ist ein Falschspieler. Eben noch Treue, und sei es nur Vertragstreue 
predigen, küchen-wissenschaftlich die Zustände im Profisport anprangern, 
und im nächsten Moment durch die eben noch verteufelte Drehtür gehen? 
Menschen wie Niko Kovac sind der Grund für das so rau gewordene Klima, 
das wir politisch wie gesellschaftlich bemerken. Das Problem sind 
Menschen, die A sagen und B tun, bei denen Worte und Taten nicht 
zusammenpassen. Was Niko Kovac getan hat, wirkt über den Sport hinaus. 
Die Maske ist gefallen, er ist zum Anti-Vorbild geworden, denn im 
Ansehen fallen diejenigen tief, die vorher sehr hoch flogen.

Denn im Leben geht es immer vor allem um das Wie; floskelhaft gesprochen 
machen die Töne stets die Musik. Es geht nämlich nicht darum, den 
Verein, den Arbeitgeber zu wechseln. Auch, wenn es der von vielen so 
verachtete FC Bayern ist. Es geht nicht darum, jemandem einen Weg, eine 
Karriere zu verbauen. Es geht aber sehr wohl um Anstand und um 
Ehrlichkeit. Es geht sehr wohl darum, wie wir miteinander leben und 
umgehen, wie wir miteinander reden und uns behandeln wollen. Und so, wie 
Kovac mit Fans von Eintracht Frankfurt, mit Journalisten, offenbar auch 
den eigenen nahen Kollegen/Vorgesetzten im Verein umgegangen ist, ist 
das Anti-Beispiel dafür, wie es im Umgang miteinander sein sollte.

Eben weil nicht jeder Mensch den Verheißungen des Geldes, oder das, was 
gerne als Perspektive, Chance und Herausforderung verkauft wird, folgt, 
lösen die Kovacs, Dembeles und Co. dieser Welt diese heftigen Reaktionen 
aus. Die normalen Leute versuchen so anständig zu leben, wie es geht, 
mit allen Vorteilssuchen und Flunkereien, die nunmal zum menschlichen 
Makel gehören. Doch wenn eben diesen Menschen immer wieder eine 
Rücksichtslosigkeit, eine Rückgratlosigkeit, eine Skrupelosigkeit, eine 
Charakterlosigkeit vorgelebt wird, die nur Bösewichte in Filmen und 
Romanen zustehen sollte, müssen sie ins Zweifeln kommen. Über 
Grundsätzliches, von ihrem eigenen Lebensentwurf bis hin zur Erziehung 
ihrer Kinder oder zum Umgang mit Fremden.

Selbstverständlich kann und soll Kovac den Verein, den Arbeitgeber 
wechseln können und dürfen. Im Idealfall halt nach Ende einer mal 
eingegangen Verpflichtung. Aber er, wie jeder andere soll seine Schritte 
nicht mit gezinkten Karten tun. Ist selbst dieser zwischenmenschliche 
Minimal-Konsens aufgekündigt worden? Wenn er wechseln wollte, will, soll 
er das sagen. Nach innen wie nach außen. Dann soll er auf seine 
Ausstiegsklausel hinweisen statt über seine angebliche Nähe, Liebe und 
was nicht noch alles zu Eintracht Frankfurt zu fabulieren. Dann soll er 
es machen wie etwa einst Albert Streit, der klipp und klar gesagt hat, 
was für ihn Masse ist. Oder wie Armin Veh, der vor Jahren verbal geteert 
und gefedert wurde als er seinen angekündigten Abschied aus Frankfurt 
mit "mehr gewinnen wollen" begründete.

Doch wie so oft ist trotz der persönlich enttäuschenden Handlung Kovacs 
das eigentliche Problem Eintracht Frankfurts ein anderer. Und das seit 
Jahren. Es ist Bruno Hübner, den ich in meinem stillgelegten Blog 
"Klausel-König" taufte. Wer eine Mannschaft und offenkundig gar eine 
Leitungsebene auf Optionsverträge aufbaut, muss sich über spontane 
Abschiede nicht wundern. Aber keine Sorge, liebe Mit-Fans, die SGE wird 
einen neuen Trainer einstellen. Der macht dann auch seine ein, zwei, 
drei Jahre - wie auch die Spieler. Und so geht das immer weiter, Jahr um 
Jahr, Saison für Saison. Mal in Liga 1, mal in Liga 2, mal auf Rang 7, 
mal auf Rang 17.

Niko Kovac liefert mir persönlich jedenfalls die nachträgliche 
Bestätigung dafür, dass es richtig war, dass ich mich nach dem letzten 
Geradeso-Nicht-Abstieg des Vereins ziemlich radikal aus der jahrelangen 
leidenschaftlichen Anteilnahme am Treiben Eintracht Frankfurts 
verabschiedet habe. Es mutete damals als der richtige Zeitpunkt an, es 
war irgendwie ein emotional sauberer Schritt am nahen Ende mancher 
Spielerkarriere. Wegen eines Erfolgserlebnisses, das in Erinnerung 
bleibt und vor allem wegen der Babytochter, die mehr Aufmerksamkeit 
braucht und kriegen soll, als es Fußballschauen wert sein kann.


Das ist nach vielen Monaten der Ruhe auf diesem Blog, seit September 2017 ein Artikel, der einfach raus muste. Es ist ja nicht so, dass ich das Geschehen rund um die Eintracht völlig ignoriert hätte – aber was sich dieser (Ex)Trainer geleistet hat – das ist Jermaine Jones in verschärft. Und wir alle wissen, was Jones gesagt und gemacht hat, wie es seinen Ruf ruiniert hat. Und ein Kovac iist unter der Maske dann auch  nur ein Jones. Kovac ist sozusagen die „Zeit“ – eine „Bild-Zeitung“ für Intelektuelle.

Dass Christ Kovac mit sich, seinem Seelenleben – wie er vorhin nach Abpfiff des 1:4 in Leverkusen und dem damit verbundenen Bibbern um Erreichen des siebten Platzes wohl sagte – im Reinen ist, glaube ich sofort. Die Eigenart der Religiösität ist, dass Verantwortung bei Bedarf auf eine höhere Macht geschoben werden kann. Unergründliche Wege und so. Moral und Doppelmoral, gerade einem Gläubigen sollte die Unterscheidung klar sein. Formal-juristisch ist das mit dem Vertrag in Ordnung. Unrecht kann es aber trotzdem sein. Wenn aber Formal-Juristerei der Maßstab für einen Christen, für einen Moralisten im 21. Jahrhundert ist, dann ist das Abendland tatsächlich im Rektum.
Haben sich die Balkan-Gene von Brazzo und Kovac jedenfalls gut ergänzt, als sie – na klar – am Donnerstag ihren Import-Export-Deal gemacht haben. Ein Verein wie Bayern München verpflichtet in einer Nacht-und-Nebel-Verhandlung einen Trainer, der de facto noch keinen Erfolg vorzuweisen hat außer, dass er, wie so viele vor ihm und nach ihm, einen abstiegsbedrohten Klub gerettet hat und dann A) ins Mittelfeld der Tabelle und B), bedingt durch nie da gewesenes saisonübergreifendes Losglück in Pokalendrunden führte. Dieser „Coup“ zwischen Salihamidzic/Rummenigge/Hoeneß und Kovac war geplant, er war es vielleicht nicht zwei Monate, aber sicher keine zwei Tage. Womit Kovac der Lügner ist, der er nicht sein will.

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Das Verursacherprinzip

Es ist wieder da, das Demuts-Gequatsche bei Eintracht Frankfurt. „Wir müssen uns alle fragen, ob die Ansprüche nicht zu hoch sind.“ Hat Trainer Niko Kovac vor dem Spiel gegen Aufsteiger VfB Stuttgart gesagt. Seltsam, während ihm das durchgehen gelassen wird, wurden Vorgänger dafür verbal gerupft, geteer, gefedert (übrigens nicht immer zu unrecht). Seltsam auch, dass die Demut von Verantwortlichen immer dann bemüht und vom Gros der Betrachter als widerspruchslos akzeptiert wird, wenn einstmal Ambitionierteres in die sportliche Ferne rückt. (Trainer)Menschlich ist das im Sinne des Selbsterhaltungstriebs nachvollziehbar, in Ordnung ist es trotzdem nicht. Will man etwas erreichen, oder nicht? Oder ist Erfolg bei Eintracht Frankfurt (weiterhin) definiert als status quo, als Heribertbruchhagensches „seid dankbar, dass ihr Erstligafußball sehen dürft“?

Ist das so, und darauf deutet ja nun wahrlich alles hin, sollen sie nicht so pseudo-revolutionär daherkommen, die Kovacs und Fredi Bobics mit ihrem nicht enden wollenden Ausbau des Betreuerstabs und globalen Scoutings.
Aber stimmt schon, wenn der Verein all das nie gehabte Millionengeld ausgibt und es sich weder optisch noch ergebnistechnisch sichtbar auszahlt, ist das natürlich alles ein Empfängerproblem (Fan/Zuschauer), niemals eines vom Absender (Klub). Die Umkehrung des Verursacherprinzips, immer wieder aufs Neue. So ist das seit Jaaaaahren. Und so bleibt das über Jaaaaahre.

Versteht jetzt mancher, wieso ich diesem Geschäft den Rücken kehre? Und das Geschreibsel da oben fußt einzig auf Radiohören, dem Ertragen der zitierten Aussage(n). Ich will gar nicht wissen, wie fassungslos mich das Schauen eines Fußballspiels machen würde. Bis aufs Pokalfinale natürlich. Alles Gute weiterhin!

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Nichts verpasst

Einen Monat ohne eine einzige Minute Eintracht Frankfurt zu sehen, ohne täglich über jeden quersitzenden Pups im SGE-Leib Bescheid zu wissen – eine Wonne war das. Und verpasst hat man ja offensichtlich nichts.

Denn in dem Moment, als man sich dann durchrang, das Spiel der Eintracht gegen den finanziell wie sportlich übermächtigen FC Augsburg live und in Farbe anzuschauen, war das  90 Minuten während Gefühl des Fans genauso wie der Auftritt des Teams: grau, blutleer, emotionslos. Das Spiel mutete fats exakt so an, wie alle drei Dutzend unter Trainer Niko Kovac.

Wieder mal scheint die (einzige) Maxime des Trainers zu sein, dass seine Spieler über die Physis kommen, irgendwie – sprichwörtlich irgendwie – ein Tor schießen und dann hinten dicht machen sollen. Es reicht stets nur für einmal 15 Minuten Druck: diesmal war das zwischen der 46. und 60. der Fall. Oder halt mit dem Mut der Verzweigflung in den letzten fünf Minuten. Hättte Augsburg nur einen der Gegenstöße sauber ausgespielt … müßig. Verloren ist verloren. So wie oben geschildert war es beim Amtsantritt von Kovac, so war es in der vergangenen Saison, so ist es offenbar in dieser Saison. Trotz allem Geldregen, den die SGE-Funktionäre über den Kader gegossen haben. Ein Qualitätssprung? Nicht erkennbar, jedenfalls nicht im Heimspiel gegen … Augsburg. Und beim Blick auf die Tabelle ist nach Abschluss des Saisonbeginns, nach Ablauf der Transferfrist und nach der korrigierenden Länderspielpause auch nicht zu erkennen, dass das auf links gezogene Frankfurt-Sakko besser passt oder auch nur besser aussieht.

Man beachte: Das Auftaktprogramm mit Freiburg, Wolfsburg, Mönchengladbach und Augsburg hatte es schon ganz unabhängig von deren aktueller Platierzung (15, 13, 10, jetzt 6) alles andere als in sich. Das war mit das dankbarste, leichteste Auftaktprogramm, das man sich wünschen konnte. Resultat: vergeigt, wie so oft, resultierend im Mausgraubereich, streng genommen eher bei den Abwärtsguckern der Liga. Vier von zwölf möglichen Punkten aus Spielen gegen die geballte Mittel- bis Unterklasse der Bundesliga: Eintracht Frankfurt International kann genauso gut herumtrudeln, wie die weniger beliebigen Kader in den Vorsaisons. Nur ist das diesmal noch kostspieliger als zuletzt.

Ich schalte Mitte Oktober wieder rein, dann sind aus vier sicher 16 Zähler geworden und die Tickets für das Pokalendspiel in Berlin auch schon gebucht 😉

Habt eine schöne Zeit bis dahin!

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