Improvisation in Formkrisen-Zeiten

Nun ist es sicherlich unredlich, angesichts von (erstmals) zwei Niederlagen in Folge gegenüber Eintracht Frankfurt die Kritikkeule zu schwingen. Ebenso ist ein Abgesang auf den Europapokal verfrüht. Dass der Leistungs- und Ergebnisknick kommen wird, war zu erwarten. Dass das Glück, das der Spielplan für einen parat hielt und hält früher oder später enden würde, war zu befürchten. Dass die robuste Spielweise zu einer Sperrenflut führen würde, kündigte sich an; spätestens mit dem hochstilisierten Spiel gegen SAP-Heim. Dass die Gegner Mittel gegen die SGE-Spielweise finden würden, war eine Frage der Zeit.

Problematischer als die beiden Niederlagen – wobei man trotz einer gewissen Ähnlichkeit des Auftretens die Partie in Leverkusen unter dem DFB-Pokalspiel-Gesichtspunkt sehen muss – ist der Fall der Defensivbastion. Sowohl gegen Hannover als auch gegen Leverkusen und nun Ingolstadt – bereits gegen Mainz im Dezember – viele Torabschlüsse zugelassen, der Zugriff speziell auf flinke, wuselige Spieler wie sie Ingolstadt vorne hat, Leverkusen sowieso fällt dem Team sichtbar schwer(er) als zuletzt. Das Problem liegt nicht in der durchaus weniger sattelfest gewordenen Innenverteidigung, die nun auf Wochen personell geflickschustert werden muss, sondern vielmehr auf der 6 (Omar Mascarell sitzt seit der Foulspielhäufung in einem Formloch, Makoto Hasebe muss nach hinten wie vorne zu viel sauber regeln) als auch den Außenverteidigerpositionen. Speziell Timothy Chanlder wirkt momentan matt, platt, überspielt wie man so schön sagt. Auch Bastian Oczipka geht seit zwei Wochen die Wege nach vorne weitaus zurückhaltender, in Zweikämpfen sieht das ebenfalls gehemmter aus. Natürlich, mag man sagen, gerade die Außenverteidigeranforderung, permanent über den Platz zu wetzen, ist kraftraubend. Umso wichtiger ist es, dass Guillermo Varela und Taleb Tawatha endlich zu Entlastungsoptionen für ihre „Vorgesetzten“ werden. Und sei es nur für ein, zwei Spiele.

Zu dieser neuen Bestandsaufnahme gesellt sich die spielerische Ratlosigkeit, die eben keine Neuerung, kein aufgekommenes Phänomen aus den vergangenen zwei, drei Wochen ist. Diesen Mangel gibt es spätestens seit Ende November/Anfang Dezember, nur ließ er sich über die defensive Stabilität bemerkenswert gut und erfolgreich ausgleichen bzw. kam das  seinerzeit als Formdellchen Richtung Ende der Hinrunde zum Tragen. Mit dem verletzungsbedingten Wegfall von Marco Fabian und dem Verkauf von Johannes Flum und Szcabolts Huszti in der Winterpause bei gleichzeitigem Ausbleiben von sinnigen Ersatzverpflichtungen, schuf sich Eintracht Frankfurt die Probleme selbst bzw. manifestierte diese. Sehenden Auges riss man eine Lücke in einem einzigen, dem vielleicht neuralgischsten Mannschaftsteil. Im Grunde zeigt sich an dieser Stelle, wenn auch anders gelagert, die Fortsetzung vieler (Winterpausen)Personalfehleinschätzungen der vergangenen Jahre. Einst war es die Abwehr, die nicht verstärkt wurde. Nun geschah es auf der für den Spielaufbau entscheidenden Position.
Denn Pressing, frühes Draufgehen stellt das Team nun schon beim ersten, zweiten Pass vor kaum lösbare Aufgaben. Der lange Schlag hintenraus auf Alexander Meier, der dann irgendwie ablegen soll, ist angesichts der zentralen Personalsituation die einzige verbliebene Option. Das sah jedenfalls gegen Ingolstadt exakt so aus wie zur Trainerzeit von Thomas Schaaf.

Eine Kompensation an irgendeiner Stelle im Zentrum zeichnet sich naturgemäß nicht ab. Die Optionen, die Trainer Niko Kovac hat, beschränken sich auf die Außenbahnen. Der zunehmend zum Alleinunterhalter mutierende Ante Rebic könnte von Danny Blum, der den anderen Flügel vielleicht re-animieren kann, unterstützt werden. Der andere Unbekannte, Shani Tarashaj wird indes in dem Maße Dauer-Fremdkörper bleiben, wie Mijat Gacinovic Wackelkandidat war, ist und bleibt. Die Namen möglicher Erstaz-Außenverteidiger sind oben genannt.
Je nach (Verletzungs)Verfassung wird der Ruf nach Anderson Ordonez und sogar Marco Russ (U23 …) vernehmbarer werden, da die Aussicht mit Michael Hector plus Innenverteidigungs-Improvisations-Individuum eine üble ist. Tendenziell wird nun Timothy Chandler nach innen rücken, also jener Spieler, der weiter oben als matt, platt, überspielt eingeschätzt wurde. Dass Kovac tatsächlich auf Makoto Hasebe als IV setzt, ist hingegen höchst unwahrscheinlich – und das nicht nur aufgrund der Mascarell-Sperre und schieren Sechser-Not im Kader. Eventuell vertraut der Trainer auch Max Besuschkow als offensiv ausgerichteter Zentralmittelfeldspieler. Schwachbrüstiger als die zuletzt probierten Varianten könnte er auch nicht sein. Zuzutrauen ist Kovac auch, den jungen Furkan Zorba in die Innenverteidigung zu stellen. Immerhin ist der ein Positionsspezialist. Dass er gegebenenfalls neben Holz-Hector debütieren muss, ist natürlich bedauerlich. Aber denkbar.

In Berlin wäre es schon mit der nominell besten Elf happig geworden. Sollte es dem Team nicht gelingen, in Kopf wie Beinen enger zusammenzustsehen, ist auch dieses Spiel mit dem Anpfiff verloren, dann dürfte die Europapokalhoffnung tatsächlich fast frühstmöglich erlischen. Schafft man hingegen eben aufgrund der Gesamtumstände eine kollektive Trotzreaktion, lässt es die Kraft mancher Erschöpften zu und/oder gelingt den Neu-ins-Team-Kommenden das nötige Feuer bei sich und den Mitspielern (wieder) zu entfachen, ist die Partie gegen Heimmacht-Hertha nicht nur aufgrund der Tabellennachbarschaft natürlich völlig offen, ein Remis drin; ebenso bliebe man im Kampf um den realistisch erreichbaren Uefa-Cup-Futtertrog dabei. Die Hand mag sich verschlechtert haben, die Karten liegen aber noch lange nicht auf dem Tisch.

Nochmal: Eine nicht mehr als passable Halbserie, irgendwas um die 20 Punkte, muss man von jedem Team mit Nicht-Abstiegsambitionen – also auch der SGE – erwarten können/dürfen/sollen. An diesem Gesamtziel samt der sich dadurch auftuenden Perspektive ändert auch die ausgebliebenen Pflichtpunkte gegen Audistadt nichts. Man sollte nur aufhören, dieses Sich-Kleingemach-Geschwätz weiter so zu zelebrieren, wie man das zuletzt tat. Sonst wiegt man sich mal wieder selbst in den Schlaf.

 

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Serienende

Gegen Leipzig war das Spiel quasi mit dem Anpfiff verloren, als Lukas Hradecky patzte. Gegen Ingolstadt war das Spiel quasi mit Anpfiff verloren, weil Eintracht Frankfurt von Sekunde eins an total trantütig war. Ähnlich wie gegen Leverkusen, wo der Faktor Kraft noch als Argument funktionierte. Nicht so heute, da waren Beine und Kopf Problemzonen.

Die geschenkte Ecke zum 0:1, der geschenkte Platzverweis durch einen unsäglichen Schiedsrichter, der doppelt verschossene Hasebe-Elfmeter (ein Strafstoß der von der Tribüne aus gesehen keiner war) waren letztlich die passenden Symbole zu diesem Auftritt der SGE. Es war ganz unabhängig von der nominellen Unterzahl und vom hickhack mit dem Referee eine ziemlich triste Darbietung – ohne jede Tiefe im Spiel, Quergeschiebe, Einheitstrott. Dass sich dann Vallejo verletzt (3 Spiele Pause, heisst es) und Mascarell eine dieser richtig dämlichen (Sperr)Karten abholten, passte zu dem Tag. Und jetzt also Daueralarmsrufe Rot wenn Michael Hector auf dem Feld steht; was er ja jetzt über Wochen tun wird.

Zum ersten Mal in der Saison verliert Frankfurt zwei Partien in Folge. Und das durchaus zu recht, der Tag war – im Gegensatz zum Spiel in Leipzig – deshalb ein gebrauchter, weil man ihn dazu machte. Der Gegner war bissiger, ekeliger, williger, insgesamt klarer in der Spielanlage. Nun also die Personalprobleme, die das sich abzeichnende Formtief begleiten – Vieles riecht nach dem Anfang vom Ende der Famossaison mit grossen Europapokalchancen. Jedenfalls geht der SGE nun die Leichtigkeit, Frechheit, Selbstverständlichkeit zunehmend ab. So mancher Spieler wirkt matter als in 2016, einiges sieht weit mehr nach Arbeit aus als es das lange tat, die Gegner pressen vermehrt und bereiten der Eintracht so früh Sorgen im Passspiel. Dss Glück, das der SGE bis jetzt treu wahr, verkriecht sich. Defensiv gibt es plötzlich monatelang nicht gesehene Lücken, offensiv liegt (weiterhin) einiges im Argen, da verschärft sich die ohnehin schwierige Situation.

Auch wenn Ante Rebic glück- und bisweilen kopflos agiert: Wenn er nichts kreiert, Gefahr heraufbeschwört, passiert überhaupt nichts. Der jeweils andere Flügel kommt nicht vor, ist tot. Dementsprechend muss sich Alexander Meier immer mehr fallen lassen um überhaupt mal den Ball zu bekommen, wenigstens mal einen Pass klatschen lassen zu können. In  vorderster Front geschieht kaum noch etwas.

Übrigens: Spielte Haris Seferovic (auf jenem aber auch mit Gacinovic tote Flügel) mit? Ja, doch tatsächlich tat er das. Zu bewundern in der 83. Minute. Um so eine Sturm-Slapstick-Szene wie diese sehen zu dürfen, muss man viel viel Fußball schauen. Marco Fabian fehlt der Offensive jedenfalls an allen Ecken und Enden, aus der Zentrale kommt an Impulsen gar nichts mehr. Immerhin: Sollte es der SGE gelingen, eine insgesamt passable Rückrunde zu spielen – also irgendwas um die 20 Punkte- ist Europa bis zuletzt denkbar.

Dieses Spiel, dieser Stadionbesuch war aber exakt so wie ich es, wie ich Eintracht Frankfurt in (leidvoller) Erinnerung habe. In einer famosen Saison muss ich mir einen der miesesten und bestimmt frustrierensden Kicks anschauen, mit getrübtem Gemüt heimfahren.

Und die Atmosphäre im Stadion? Geradezu gelangweilt, mit dem unsäglichen Capo-Satz dass man solche Spiele letzte Saison ja verloren habe als man 16. war; also alles nicht schlimm. Devot. Dankbarkeit. Ist das echt die erste Reaktion wenn man gegen eine Holzmannschaft recht klar verliert? Wenn der Blick angesichts der Realität doch nach oben gehen muss?! Diese Orientierung daran, dass es ja alles viel schlimmer sein könnte, ist halt nicht meine Denkwelt, nicht mein Anspruch, sorry. Und ich glaube, da bin ich Trainer Niko Kovac sehr nahe, „Kein Spitzenteam“ hin oder her. Denn man muss bekanntlich kein Spitzenteam sein um ein Spitzenteam zu sein, um wenigstens 20,21,22 Halbserienpunkte zu holen, got it? 😉 Das ist nämlich die Summe eines Teams das 《nur》 den Klassenerhalt, eine ruhige Saison hinlegen will. Kurzum: Machbare Marge.

Das nächste Spiel, das Wie wird sehr spannend – und richtungsweisend. Denn mit Berlin geht es gegen einen, vielleicht sogar DEN direktesten Konkurrenten um den 6./7. Rang.

 

 

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David gegen Audi

Bei sechs Grad, Nässe und etwas Wind in Zeiten der grassierenden Grippeerkrankungen – beste Voraussetzungen also für ein fieses Spiel im Stadtwald. Eintracht Frankfurt mit David Abraham, der FC Audistadt mit wiedergewonnener Stabilität … Die SGE (Heim)macht das heute. Bitte.

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Polsterung

Im US-Sport gibt es einen Statistik-Fetisch, dort wachsen bereits seit Jahrzehnten Datenbanken, die jeder für jede beliebige These ausplündern kann. In Deutschlands Sportberichterstattung wird auch vermehrt irgendwelches Zahlenmaterial herangezogen um Geschichten zu erzählen. Wie lange irgendeine Mannschaft in irgendeinem Stadion nicht mehr gewonnen hat, wie viele Spieler des aktuellen Teams schonmal gegen Mannschaft XYZ gewonnen haben als dort XYZ Trainer war während dieser eine rote Krawatte bei Regenwetter trug …

Dass sich in den vergangenen Stunden jemand in die Bundesliga-Archive begeben hat, dort vielleicht ganz altmodisch Bücher wälzte und darin auf ein Datum stieß, wann zuletzt zeitgleich der Tabellenzweite, Tabellendritte, Tabellenvierte, Tabellenfünfte, Tabellensechste und Tabellensiebte verloren haben – davon ist (noch) nichts bekannt. Der 20. Spieltag 2016/2017 dürfte, so dann meine These zumindest nah dran sein an einem Novum.

Resultat: Eintracht Frankfurt verteidigte verlierend den 3. Rang, der Abstand zum (solange das Pokalfinale nicht angesetzt ist und Aufschluss über die Wertigkeit des 7. Rangs gibt) Nicht-Europapokalplatz ist unverändert. Das ist die Kurzzeitperspektive. Mittel- bis langfristig ist es aber so, dass sich durch den Stillstand im Kampf um die Fußball-Futtertröge Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach an eben jene sportlich wie finanziell lukrativen Positionen herangezogen haben. Und bei den Minimalst-Abständen innerhalb der Top-Sechs, von denen die Hälfte Überraschungs- und selbsterklärte Anti-Spitzenteams sind, wird keiner die nötige Stabilität haben um nicht binnen zwei Spieltagen vom Strahlemann zum Bedröppelten geworden zu sein.
Der Blick speziell auf Gladbach und Leverkusen ist daher geboten – verbunden mit der Hoffnung, dass der Spielplan diesen Mannschaften Knüppel zwischen die Beine wirft, sie nicht so recht in Fahrt kommen, auf Erfolge sogleich Misserfolge folgen. Konkret: Gladbach darf am Wochenende gegen den sympathischen Stolz Ostdeutschlands sehr gerne verlieren, während Augsburg sogleich das aufatmende Bayer ausbremst.

Zu allererst sollte Eintracht Frankfurt sein Heimspiel gegen den FC Ingolstadt gewinnen; etwas, das viele sicher als durchaus zwingend, gar als Pflichtaufgabe ansehen. Und das ist auch so. Denn unabhängig vom derzeitigen Tabellenstand der SGE, hätte auch in Zeiten des fiesesten Abstiegskampfs der Anspruch sein müssen, den 17. der Bundesliga zu bezwingen, zumal im Waldstadion. Das hat mit überzogener Anspruchshaltung, um diese Leier und Litanei der „immer-schweren-Gegner“ schonmal vorab zu entkräften, nichts zutun.

Der Faktor Kraft wird bis Samstag keiner mehr sein, personell (David Abraham) darf man hoffnungsvoll sein, die Defensive dürfte weitaus weniger zutun bekommen und selbst bei Hochbetrieb geordneter stehen als im Rheinland. Die Sorge um die Offensiv-Form ist die, die bleibt. Hinter Alexander Meier und Ante Rebic fallen derzeit alle ab, Mijat Gacinovic befindet sich im Dauertief, Haris Seferovic sowieso (bei leicht aufsteigender Tendenz gegen Zweitligist Hannover), Branimir Hrgota bleibt ein nur situativ starker Spieler und Shani Tarashaj der große Frankfurter Fremdkörper.
Das Fehlen von Marco Fabian schlägt daher immer mehr durch, dass der junge Max Besuschkow – der gegen Zweitligist Hannover durchaus überzeugen konnte – die nötige Finesse, die nützlichen Tempowechsel reinbringen könnte, erscheint nicht nur angesichts seines gänzlich anderen Spielstils unwahrscheinlich. Das Manko, dass aus dem zentralen Mittelfeld generell (zu) wenig zwingender Offensivimpuls kommt, ist oft genug benannt worden. Lahmen unter diesen Umständen die Flügel, gelingt der Eintracht zu wenig nach vorne, die Torgefahr bleibt aus (was gegen Ingolstadt zum Negativfaktor werden würde) die Entlastung für die Defensivabteilung (die gegen Ingolstadt vermutlich weniger entscheidend sein wird) wird immer geringer.

Am Samstag entscheidet die Durchschlagskraft, das Chancen-Erzwingen durch die Offensivspieler darüber, ob die Eintracht bei ihrer „Es-werden-keine-zwei-Spiele-in-Folge-verloren“-Serie bleibt. Wie zwei Absätze weiter oben schon geschrieben: Gegen Ingolstadt muss die SGE jederzeit gewinnen wollen und können. Das obere Tabellendrittel darf sich meinetwegen ja gerne uusammenschieben – wenn das Frankfurter Polster auf die Holzklasse gleichbleibt.

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Kraft und Gegenkraft

Ein Zufall ist es nicht, dass mit Eintracht Frankfurt, Hertha BSC Berlin und Borussia Dortmund genau die Mannschaften am Samstag die Bundesligaspiele verloren haben, die in der ersten englischen Woche des Jahres 2017 gespielt haben. Getrost kann man auch das Spiel von Bayern München in Ingolstadt, dass in der 90. und 93. Minute die Tore verzeichnete hinzuzählen um zu verdeutlichen, wie viel Substanz diese Teams unter der Woche in ihren Spielen verloren haben.
Einzig Schalke, die mit Sandhausen einen vergleichsweise dankbaren Gegner bespielten und Mönchengladbach (gegen Fürth)- also die, die ihre Pokalspiele recht früh und mühelos entschieden, feierten am Bundesligasamstag Erfolge. Der Ausreißer in der Aufzählung ist der Hamburger SV, der nach den formstarken Kölnern nun Ostdeutschlands neuen Stolz schlug.

Dementsprechend ist es seitens der Eintracht-Verantwortlichen und allen Vereins-Beobachtern völlig legitim, die 0:3-Niederlage in Leverkusen vor allem mit der Kraftfrage zu beanworten. Leverkusen hatte mehr als doppelt so lange Zeit für Regeneration und gezieltes Training als eine matte, müde SGE. Das Ergebnis ist das Ergebnis – und tatsächlich hätte man ja zwischenzeitlich sogar ausgleichen können, erst durch Mijat Gacinovics Zeitlupenschuss aus neun Metern, dann durch Branimir Hrgotas Anti-Meier-Abschluss. Sei es drum, die Niederlage geht ebenso in Ordnung wie sie erwartbar gewesen ist.

Und dank der anderen Samstagsspiele ist weit weniger passiert als hätte passieren können – wobei der entscheidende Punkt nicht der sein wird, wie es sich innerhalb der momentan dort platzierten Eins bis Sechs/Sieben verhält, sondern in welchem Maße/ob/wie konstant eben Bayer Leverkusen und Borussia Mönchengladbach ihren Rückstand aufholen und in die Europapokalränge streben. Vor allem Gladbach scheint willens und in der Lage mit Siebenmeilenstiefeln heranzufliegen, bei Leverkusen darf man da – auch das sind Eindrücke aus dem Spiel gegen Frankfurt – aus Eintrachtsicht positiv skeptischer sein. Zwar gewann Bayer dieses Sechs-Punkte-Spiel, aber die Umstände unter denen das der Fall war, lassen weit weniger Rückschlüsse auf das Potential dieser Mannschaft zu als man im Rheinland hoffen mag. Aber wen interessiert schon Leverkusen? Der Frankfurter Blick richtet sich bereits seit deren Tor zum 2:0 zum anderen Sympathicus-Konzern, zu den Audiautobauern aus Ingolstadt.

Die Ingolstädter haben unter ihrem neuen Trainer einiges von dem zurückerlangt, was sie verloren zu haben schienen. Eine kompakte, schwer zu bespielende Mannschaft, die den FC Bayern am Rande des Punktverlustes hatte. Allerdings: Nach vorne tun sie sich schwer, drei Tore in einem Spiel – gegen den bis vor einer Woche noch siechenden HSV – sind alles, was in der Rückrunde bislang an Treffern gelang. Gegen Bayern, Schalke und Hertha setzte es jeweils torlose, aber doch (knappe) Niederlagen. Von daher ist eindeutig, mit was und wem es die Eintracht am Samstag zutun bekommen wird: Darmstadt reloaded. Wobei das ganz so nicht stimmt, denn Ingolstadt wird sich nicht derat allem verweigern und zumindest eine Kontertaktik versuchen. Für Frankfurt ist es daher unerlässlich, dass man nach vorne ähnlich unbeirrt weiterspielt wie zuletzt, wie gegen Hannover und auch phasenweise, so zwischen Minute 15 und 30 gegen Leverkusen. Aber David Abraham, Innenverteidiger, muss dafür gesund werden, mit Michael Hector nimmt die Qualität des Teams, die Sicherheit im Kollektiv schlicht deutlich ab, was sich auch gegen den Audi-Fußballclub auswirken würde.

Wer im Vorfeld ein Bier mit mir trinken möchte, findet mich in der Nordwestkurve. Die Schwiegereltern machen es möglich 😀

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Schlafwandler

Die Fälligkeit von Eintracht Frankfurt ist vor dem Anpfiff thematisiert worden. Das Gegentor in der 4. Minute in Leverkusen, dessen Entstehung erschien wie ein frühes Symbol, ein rascher Fingerzeig in diese Richtung. Dass man letztlich dann gar vergleichsweise die Hucke vollbekam… irgendwie war es einfach an der Zeit.

So ganz zufällig kommen Szenen wie jene zum 0:1 ja nicht zustande, sie hängen mit Personellem zusammen. Dieses Passivslalom-Gegentor wäre mit der etatmässigen Innenverteidigung, also mit David Abraham nicht gefallen. Nicht das Michael Hector in dieser Szene die Hauptschuld trägt. Aber die … Rettungsaktion … darf so nicht enden, dss Wegschlagen eines Balls zählt immerhin zu den simpleren Tätigkeiten im Fußball.

Auch die vergebene Großchance in der 26. Minute ist eine solche quasi-personelle: Wer wird bestreiten, dass ein Alexander Meier diesen Ball, anders als Branimir Hrgota reingeschossen hätte? Zugegeben: Das war zumindest nicht gar so simpel.

Insgesamt lieferte die SGE ein seltsames Spiel ab. Bis auf 15 Minuten Mitte der ersten Halbzeit kam man nicht so recht aus dem Quark, das Aufbau- und Offensivspiel wirkte im selben Maße bemüht wie matt. Defensiv wackelte Frankfurt manches mal, phasenweise wurde das Team in Handballmanier rund um und im.eigenen Strafraum eingeschnürt, besaß Leverkusen gefühlte Minuten den Ball um ihn sich von links nach rechts durch die Mitte und zurück spielen zu können. Das 2:0 musste fast in dieser Gestalt fallen. Und auch Lukas Hradecky machte mit beim kollektiven Nichtvolldasein, er rutschte zwei, drei mal aus und schlug mehr als einen Rückpass ins Seitenaus. Mehr Symptom als Fehler – unf er verhinderte in der schlussphase weitere 1,2 Einschläge. Conclusio: Abraham ist DER Faktor in der Viererkette.

Ante Rebic draußen zu lassen war überdies keine gute Idee von Trainer Niko Kovac, der Kroate fehlte der Eintracht im ersten Abschnitt spürbar. Aymane Barkok könnte eher den abermals mauen Mijat Gacinovic ersetzen als Rebic  (in der aktuellen Form). Zu oft verzettelt er sich im 1gegen1, hat noch Defizite im Positionsspiel – beim 2:0 sah er dementsprechend alt aus. Auf der Sechs fehlte der Zug nach vorne, der von den Außen diesmal nicht kompensiert werden konnte. Das sind dann ein paar Kleinigkeiten zu viel um zu bestehen. Gepaart mit dem Kraftverlust der englischen Woche reicht es offenkundig nicht mal zum halbwegs passablen bestehen bei einem kriselnden aber individuell eben doch starken Team. Sei es drum.

Die SGE machte ja auch eigentlich gar nicht so viel falsch, ein klassischer Remisverlauf wurde lange auf den Rasen gebracht – man schlug sich eben tatsächlich erst selbst bevor man geschlagen wurde. Und nun zieht Bayer also näher an die SGE  heran anstatt dass diese den Abstand hält oder gar ausbaut. Und dann die Blicke nsch Leipzig und Dortmund … Das passte aber zum irrationalen Gefühl in den Stunden vor Anpfiff.

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Der Weg zum Geldhahn

Der Dichte im oberen Tabellendrittel ist es geschuldet, dass alle dort platzierten Überraschungs-Mannschaften bis zuletzt zittern werden müssen, ob es tatsächlich für den ganz großen Wurf – eine Europapokalplatzierung – reicht. Die Gefahr, dass Eintracht Frankfurt am Ende den, angesichts des offenen Möglichkeiten-Fensters, hässlichen Rang sieben oder acht belegt, wird vor Mitte Mai nicht weichen. SAP Hoppenheim, Hertha BSC Berlin, FC Köln und die SGE: Zwei, maximal drei aus vier werden am Ende in der Sonne stehen. Irgendwer wird aber im Schatten verweilen. Und ganz unabhängig vom einträchtlichen Werdegang, bei aller Tiefstapelei mit Verweis auf die Katharisis des Fast-Absteigers zum Europapokalanwärter, wäre das Verpassen der Europa League zum jetzigen Zeitpunkt bereits eine große Tragik. Einfach, weil es genau diese Saisons, diese Phasen sind in denen die Mittelklasse-Mannschaften die Gelegenheit beim Schopfe packen, sich den Zugang zum Geldhahn sichern müssen.

In diesem Sinne ist die heutige Partie von Eintracht Frankfurt bei Leverkusen ein Sechspunktespiel. Bayer ist von den vier schwächlenden Großkopferten noch am nahesten dran an der SGE, umso wichtiger ist eine Nicht-Niederlage aus SGE-Sicht. Einen direkten Konkurrenten könnte man so auf Distanz halten; wofür es ja nicht mal den Wahnsinn von drei Punkten bräuchte. Gegen Schalke 04 erreichte man das Maximum bereits, es bleiben eben noch vor allem Bayer und Mönchengladbach, deren Weg nach oben mal ausbremsen muss. Nicht, dass in das Ausscheidungsrennen der Überraschungsteams doch noch ein, zwei Spitzenteams reinpfuschen.

Dass die Eintracht so ihre Probleme bekommt, wenn personell etwas nicht 100%ig passt, das hat die Pokalpartie in Hannover gezeigt. Eine Viererkette ohne das Duo Abraham/Vallejo fällt in ihrer Qualität dann doch sichtbar ab, und wenn es dazu – wie seit Spätherbst – im Sturm generell klemmt (Alexander Meier mäßig im Spiel war, Haris Seferovic wie zuletzt auch Branimir Hrgota blass bleiben), rückt Torwart Lukas Hradecky sofort in einem Maße in den Mittelpunkt, wie man es anno 2016/2017 nicht oft sah.

Die Aufstellung gegen Leverkusen wird daher spannend werden. Dass Meier eine Pause bekommt, erscheint fast zwingend. Gegen Hannover wirkte er matt, war jedenfalls längst nicht der Faktor, der er sein kann und der er beispielsweise gegen Darmstadt auch war. Für ihn könnte Seferovic in die Spitze gehen, weil Mijat Gacinovic den Flügel besetzt. Hrgota würde dementsprechend seinen Nimbus ziemlich schnell wieder verloren haben. Das Aus von David Abraham könnte teuer werden, mit Michael Hector bleibt der defensive Unsicherheitsfaktor im Team. Im Aufbauspiel mangelt es bei ihm deutlich und ein 1gegen1 vs. Brandt, Volland oder Chicharito würde sich mit Abraham doch besser anfühlen.
Irgendwie, völlig esotherisch dahergeschrieben, erscheint die SGE heute im Rheinland fällig. Das alles, diese Saison geht weiterhin irgendwie zu glatt, zu reibungslos, zu erfolgreich, völlig eintracht-untypisch also. Ein Trendstopp – und sei er hoffentlich nur so temporär – muss und wird ja mal kommen. Heute? Von der Papierform her deutet in dieser Saison umgekehrter Vorzeichen tatsächlich nichts auf eine Pleite der Eintracht bei Bayer hin. Und unter 100 000 Eintracht-Fans wird es 100 000 Gefühle/Vorahnungen zum Spielverlauf und Ergebnis geben, weshalb meine ebenso (un)maßgeblich ist wie die der anderen 99 999 – von daher muss und soll dieses subjetive Empfinden keinen interessieren. Trainer Niko Kovac, den Zauberer, am wenigsten.

Er wird genau wissen, dass die positiven Eindrücke des Pokalachtelfinals überwiegen. Etwa die Verstetigung der Leistung(en) von Ante Rebic. Der Kroate schaffte es zum ersten Mal, zwei Spiele in Folge mehr als nur sporadisch, situativ sein Können zu zeigen. Er ist momentan der Go-to-guy des Teams, speziell der Offensive (Makoto Hasebe ist das in der Defensive). Auch Max Besuschkow hat angedeutet, eine Verstärkung, jedenfalls eine passende gutqualitative Ergänzung sein zu können. Bei Taleb Tawatha setzte sich hingegen fort, was man bisher sah: Ziemlich wilde Karussellfahrten nach vorne wie nach hinten. Diese Brachialität kann aber speziell gegen Hintendrinsteher positiv sein, noch zu einem wichtigen Faktor in den nächsten Wochen werden.
Ändert alles nichts an diesem subjektiven Gefühl, dass dieser Spieltag den Eintracht-Fan mal nicht dauergrinsend in die Arbeitswoche entlassen wird. Am großen Ganzen, am Gesamteindruck würde auch das nicht rütteln.

 

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