Die Sünde des Niko Kovac

Fußball ist ein Geschäft, das weiß im Kopf jeder. Im Herz schmerzt es 
den Fan aber immer nur, wenn die Mechanismen des Geldverdienens den 
eigenen Klub betreffen. Niko Kovac entpuppt sich nun mit seinem Wechsel 
zum FC Bayern München als der größte Heuchler der jüngeren 
Bundesliga-Geschichte, als der Prototyp eines Wanna-be-Saubermanns. Er 
ist ein Falschspieler. Eben noch Treue, und sei es nur Vertragstreue 
predigen, küchen-wissenschaftlich die Zustände im Profisport anprangern, 
und im nächsten Moment durch die eben noch verteufelte Drehtür gehen? 
Menschen wie Niko Kovac sind der Grund für das so rau gewordene Klima, 
das wir politisch wie gesellschaftlich bemerken. Das Problem sind 
Menschen, die A sagen und B tun, bei denen Worte und Taten nicht 
zusammenpassen. Was Niko Kovac getan hat, wirkt über den Sport hinaus. 
Die Maske ist gefallen, er ist zum Anti-Vorbild geworden, denn im 
Ansehen fallen diejenigen tief, die vorher sehr hoch flogen.

Denn im Leben geht es immer vor allem um das Wie; floskelhaft gesprochen 
machen die Töne stets die Musik. Es geht nämlich nicht darum, den 
Verein, den Arbeitgeber zu wechseln. Auch, wenn es der von vielen so 
verachtete FC Bayern ist. Es geht nicht darum, jemandem einen Weg, eine 
Karriere zu verbauen. Es geht aber sehr wohl um Anstand und um 
Ehrlichkeit. Es geht sehr wohl darum, wie wir miteinander leben und 
umgehen, wie wir miteinander reden und uns behandeln wollen. Und so, wie 
Kovac mit Fans von Eintracht Frankfurt, mit Journalisten, offenbar auch 
den eigenen nahen Kollegen/Vorgesetzten im Verein umgegangen ist, ist 
das Anti-Beispiel dafür, wie es im Umgang miteinander sein sollte.

Eben weil nicht jeder Mensch den Verheißungen des Geldes, oder das, was 
gerne als Perspektive, Chance und Herausforderung verkauft wird, folgt, 
lösen die Kovacs, Dembeles und Co. dieser Welt diese heftigen Reaktionen 
aus. Die normalen Leute versuchen so anständig zu leben, wie es geht, 
mit allen Vorteilssuchen und Flunkereien, die nunmal zum menschlichen 
Makel gehören. Doch wenn eben diesen Menschen immer wieder eine 
Rücksichtslosigkeit, eine Rückgratlosigkeit, eine Skrupelosigkeit, eine 
Charakterlosigkeit vorgelebt wird, die nur Bösewichte in Filmen und 
Romanen zustehen sollte, müssen sie ins Zweifeln kommen. Über 
Grundsätzliches, von ihrem eigenen Lebensentwurf bis hin zur Erziehung 
ihrer Kinder oder zum Umgang mit Fremden.

Selbstverständlich kann und soll Kovac den Verein, den Arbeitgeber 
wechseln können und dürfen. Im Idealfall halt nach Ende einer mal 
eingegangen Verpflichtung. Aber er, wie jeder andere soll seine Schritte 
nicht mit gezinkten Karten tun. Ist selbst dieser zwischenmenschliche 
Minimal-Konsens aufgekündigt worden? Wenn er wechseln wollte, will, soll 
er das sagen. Nach innen wie nach außen. Dann soll er auf seine 
Ausstiegsklausel hinweisen statt über seine angebliche Nähe, Liebe und 
was nicht noch alles zu Eintracht Frankfurt zu fabulieren. Dann soll er 
es machen wie etwa einst Albert Streit, der klipp und klar gesagt hat, 
was für ihn Masse ist. Oder wie Armin Veh, der vor Jahren verbal geteert 
und gefedert wurde als er seinen angekündigten Abschied aus Frankfurt 
mit "mehr gewinnen wollen" begründete.

Doch wie so oft ist trotz der persönlich enttäuschenden Handlung Kovacs 
das eigentliche Problem Eintracht Frankfurts ein anderer. Und das seit 
Jahren. Es ist Bruno Hübner, den ich in meinem stillgelegten Blog 
"Klausel-König" taufte. Wer eine Mannschaft und offenkundig gar eine 
Leitungsebene auf Optionsverträge aufbaut, muss sich über spontane 
Abschiede nicht wundern. Aber keine Sorge, liebe Mit-Fans, die SGE wird 
einen neuen Trainer einstellen. Der macht dann auch seine ein, zwei, 
drei Jahre - wie auch die Spieler. Und so geht das immer weiter, Jahr um 
Jahr, Saison für Saison. Mal in Liga 1, mal in Liga 2, mal auf Rang 7, 
mal auf Rang 17.

Niko Kovac liefert mir persönlich jedenfalls die nachträgliche 
Bestätigung dafür, dass es richtig war, dass ich mich nach dem letzten 
Geradeso-Nicht-Abstieg des Vereins ziemlich radikal aus der jahrelangen 
leidenschaftlichen Anteilnahme am Treiben Eintracht Frankfurts 
verabschiedet habe. Es mutete damals als der richtige Zeitpunkt an, es 
war irgendwie ein emotional sauberer Schritt am nahen Ende mancher 
Spielerkarriere. Wegen eines Erfolgserlebnisses, das in Erinnerung 
bleibt und vor allem wegen der Babytochter, die mehr Aufmerksamkeit 
braucht und kriegen soll, als es Fußballschauen wert sein kann.


Das ist nach vielen Monaten der Ruhe auf diesem Blog, seit September 2017 ein Artikel, der einfach raus muste. Es ist ja nicht so, dass ich das Geschehen rund um die Eintracht völlig ignoriert hätte – aber was sich dieser (Ex)Trainer geleistet hat – das ist Jermaine Jones in verschärft. Und wir alle wissen, was Jones gesagt und gemacht hat, wie es seinen Ruf ruiniert hat. Und ein Kovac iist unter der Maske dann auch  nur ein Jones. Kovac ist sozusagen die „Zeit“ – eine „Bild-Zeitung“ für Intelektuelle.

Dass Christ Kovac mit sich, seinem Seelenleben – wie er vorhin nach Abpfiff des 1:4 in Leverkusen und dem damit verbundenen Bibbern um Erreichen des siebten Platzes wohl sagte – im Reinen ist, glaube ich sofort. Die Eigenart der Religiösität ist, dass Verantwortung bei Bedarf auf eine höhere Macht geschoben werden kann. Unergründliche Wege und so. Moral und Doppelmoral, gerade einem Gläubigen sollte die Unterscheidung klar sein. Formal-juristisch ist das mit dem Vertrag in Ordnung. Unrecht kann es aber trotzdem sein. Wenn aber Formal-Juristerei der Maßstab für einen Christen, für einen Moralisten im 21. Jahrhundert ist, dann ist das Abendland tatsächlich im Rektum.
Haben sich die Balkan-Gene von Brazzo und Kovac jedenfalls gut ergänzt, als sie – na klar – am Donnerstag ihren Import-Export-Deal gemacht haben. Ein Verein wie Bayern München verpflichtet in einer Nacht-und-Nebel-Verhandlung einen Trainer, der de facto noch keinen Erfolg vorzuweisen hat außer, dass er, wie so viele vor ihm und nach ihm, einen abstiegsbedrohten Klub gerettet hat und dann A) ins Mittelfeld der Tabelle und B), bedingt durch nie da gewesenes saisonübergreifendes Losglück in Pokalendrunden führte. Dieser „Coup“ zwischen Salihamidzic/Rummenigge/Hoeneß und Kovac war geplant, er war es vielleicht nicht zwei Monate, aber sicher keine zwei Tage. Womit Kovac der Lügner ist, der er nicht sein will.

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Das Verursacherprinzip

Es ist wieder da, das Demuts-Gequatsche bei Eintracht Frankfurt. „Wir müssen uns alle fragen, ob die Ansprüche nicht zu hoch sind.“ Hat Trainer Niko Kovac vor dem Spiel gegen Aufsteiger VfB Stuttgart gesagt. Seltsam, während ihm das durchgehen gelassen wird, wurden Vorgänger dafür verbal gerupft, geteer, gefedert (übrigens nicht immer zu unrecht). Seltsam auch, dass die Demut von Verantwortlichen immer dann bemüht und vom Gros der Betrachter als widerspruchslos akzeptiert wird, wenn einstmal Ambitionierteres in die sportliche Ferne rückt. (Trainer)Menschlich ist das im Sinne des Selbsterhaltungstriebs nachvollziehbar, in Ordnung ist es trotzdem nicht. Will man etwas erreichen, oder nicht? Oder ist Erfolg bei Eintracht Frankfurt (weiterhin) definiert als status quo, als Heribertbruchhagensches „seid dankbar, dass ihr Erstligafußball sehen dürft“?

Ist das so, und darauf deutet ja nun wahrlich alles hin, sollen sie nicht so pseudo-revolutionär daherkommen, die Kovacs und Fredi Bobics mit ihrem nicht enden wollenden Ausbau des Betreuerstabs und globalen Scoutings.
Aber stimmt schon, wenn der Verein all das nie gehabte Millionengeld ausgibt und es sich weder optisch noch ergebnistechnisch sichtbar auszahlt, ist das natürlich alles ein Empfängerproblem (Fan/Zuschauer), niemals eines vom Absender (Klub). Die Umkehrung des Verursacherprinzips, immer wieder aufs Neue. So ist das seit Jaaaaahren. Und so bleibt das über Jaaaaahre.

Versteht jetzt mancher, wieso ich diesem Geschäft den Rücken kehre? Und das Geschreibsel da oben fußt einzig auf Radiohören, dem Ertragen der zitierten Aussage(n). Ich will gar nicht wissen, wie fassungslos mich das Schauen eines Fußballspiels machen würde. Bis aufs Pokalfinale natürlich. Alles Gute weiterhin!

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Nichts verpasst

Einen Monat ohne eine einzige Minute Eintracht Frankfurt zu sehen, ohne täglich über jeden quersitzenden Pups im SGE-Leib Bescheid zu wissen – eine Wonne war das. Und verpasst hat man ja offensichtlich nichts.

Denn in dem Moment, als man sich dann durchrang, das Spiel der Eintracht gegen den finanziell wie sportlich übermächtigen FC Augsburg live und in Farbe anzuschauen, war das  90 Minuten während Gefühl des Fans genauso wie der Auftritt des Teams: grau, blutleer, emotionslos. Das Spiel mutete fats exakt so an, wie alle drei Dutzend unter Trainer Niko Kovac.

Wieder mal scheint die (einzige) Maxime des Trainers zu sein, dass seine Spieler über die Physis kommen, irgendwie – sprichwörtlich irgendwie – ein Tor schießen und dann hinten dicht machen sollen. Es reicht stets nur für einmal 15 Minuten Druck: diesmal war das zwischen der 46. und 60. der Fall. Oder halt mit dem Mut der Verzweigflung in den letzten fünf Minuten. Hättte Augsburg nur einen der Gegenstöße sauber ausgespielt … müßig. Verloren ist verloren. So wie oben geschildert war es beim Amtsantritt von Kovac, so war es in der vergangenen Saison, so ist es offenbar in dieser Saison. Trotz allem Geldregen, den die SGE-Funktionäre über den Kader gegossen haben. Ein Qualitätssprung? Nicht erkennbar, jedenfalls nicht im Heimspiel gegen … Augsburg. Und beim Blick auf die Tabelle ist nach Abschluss des Saisonbeginns, nach Ablauf der Transferfrist und nach der korrigierenden Länderspielpause auch nicht zu erkennen, dass das auf links gezogene Frankfurt-Sakko besser passt oder auch nur besser aussieht.

Man beachte: Das Auftaktprogramm mit Freiburg, Wolfsburg, Mönchengladbach und Augsburg hatte es schon ganz unabhängig von deren aktueller Platierzung (15, 13, 10, jetzt 6) alles andere als in sich. Das war mit das dankbarste, leichteste Auftaktprogramm, das man sich wünschen konnte. Resultat: vergeigt, wie so oft, resultierend im Mausgraubereich, streng genommen eher bei den Abwärtsguckern der Liga. Vier von zwölf möglichen Punkten aus Spielen gegen die geballte Mittel- bis Unterklasse der Bundesliga: Eintracht Frankfurt International kann genauso gut herumtrudeln, wie die weniger beliebigen Kader in den Vorsaisons. Nur ist das diesmal noch kostspieliger als zuletzt.

Ich schalte Mitte Oktober wieder rein, dann sind aus vier sicher 16 Zähler geworden und die Tickets für das Pokalendspiel in Berlin auch schon gebucht 😉

Habt eine schöne Zeit bis dahin!

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Viel Spaß, viel Erfolg

So, es ist geschafft. Die Vorbereitung ist vorüber, die Bundesligasaison beginnt. Das Rad dreht sich von neuem. Sogar mit einem Torhüter und vielen vielen Feldspielern im Kader. Ich wünsche allen Anhängern von Eintracht Frankfurt viel Spaß, dem Verein viel Erfolg in den bevorstehenden 34 Liga- und ein, zwei, drei, vier Pokalspielen.Möge der Meisterschaftstraum, die Pokalphantasie Realität werden.

Für meinen Teil ist der Beginn der Saison 2017/2018 das Ende des Blogbetreibens, zumindest vorläufig. Sabbatical, sozusagen. Das kündigte ich ja bereits vor Wochen an. Die Kommentarfunktion läuft bereits seit einigen Tagen nur noch über Autorisierung, aus presserechtlichen Gründen wird das nun langfristig so bleiben.

Wir lesen uns. Sporadisch hier, vielleicht mal anderswo. Auf bald, es machte mit vielen von euch lange Spaß. Ich muss aber jetzt erstmal … „schlafen“.

EintrachtTV, übernehmen Sie, dann fühlen sich viele wohler 😉

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KP mit KP

Kevin-Prince Boateng. Kein Problem. Ohne Worte, einfach ohne Worte.

Eintracht Frankfurt im Sommer 2017, ein millionenschweres Schauspiel mit Sympathiefaktor 100.

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Weiter

Zum Weiterkommen in KO-Spielen brauchte es nie Ruhm, nur Ergebnisse. Das ist mit dem 3:0 im DFB-Pokalspiel in der mittelhessischen Nachbarschaft gelungen. Samt haarsträubender roter Karte. Und mit einem haarsträubend schlechten Linksverteidiger sowie jeder Menge Sandkörner im Getriebe. Aber immerhin hat sich Eintracht Frankfurt eingereiht in die Blamagen-Vermeider. Auf geht es also zum nächsten Pokalfastmärchen, heading to Berlin, wie der Englischsprachler sagt.

Und Herr Hradecky? Die verlängern mit dem bestimmt für Unsummen, passt auf. Aber wenns hilft, bitteschön. Geld hat man ja in Frankfurt nun ebenso plötzlich wie bekanntermaßen in Massen.

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Finnisches Kleeblatt

Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich … das Hickhack um Eintracht Frankfurts Torwart Lukas Hradecky geht weiter. Benfica Lissabon, zu Schrotflinten-Seferovic, also wieder mal. Bitte, fort dann halt. Hat halt Vertrag, den zu erfüllen wäre nicht mehr als im normalen Leben gängige Praxis.

Aber was ist Hradecky denn jetzt für die SGE? Identifikationsfigur oder Spekulationsobjekt? So unsäglich, diese Nicht-Haltung der Funktionäre – und der Trainer steht schön dumm dar.

Jetzt also mit Zimbo in die Zukunft? Oder kommt er dann halt ins Tor, der Nach-Hradecky-Neuzugang aus, was hat man denn noch nicht, Ozeanien?! Der Trainer wüsste es sicher am liebsten. Gibt ja nicht schon genug Baustellen im Vorfeld der Saison, die Frankfurt im Ringen mit Augsburg und Mainz sieht.

Stuttgart hat ja indes den Teilzeitprofi Badstuber verpflichtet. Aufsteiger holt einen Deutschen. Kann mir das jemand erklären? Angeblich doch entgegen der Naturgesetze?! Spaß. Geld und so. Das man in Frankfurt halt nicht hat, obwohl man es offenbar hat.

Wäre ich nicht gerade in Portugal und hätte die Sportzeitungen nicht am Kiosk gesehen, hätte ich die Transfer-„Nachricht“ ebenso verpasst wie das offenbar nächste „stark“ herausgespielte Remis. Wenn der neue Keeper erstmal da ist, wirds eh besser. Dann ist der Fokus ein anderer, dann wird sich eingespielt – championstyle!

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