Monatsarchiv: August 2013

Relativ

Ok, auf den Sieg in Braunschweig und auf das Wie müssen wir uns wirklich nichts einbilden, die sind wahrhaftig dünn. Der Hamburger SV, Investorenklub aus Norddeutschland, hatte noch weniger Mühe mit dem Aufsteiger als unsere Eintracht. Aus der Krise heraus jemanden abfiedeln – scheint gegen Braunschweig problemlos möglich zu sein. Nur, dass manche Truppe dann sogar viermal netzt, unsere (nur) zweifach.

So, dann blicken wir aber mal auf das Spiel, das jetzt sechs Tage lang niemand auf dem Schirm gehabt hat und das doch ausgetragen werden muss. Borussia Dortmund also. Ein Punkt und in Frankfurt könnte man vom Attribut, von der Feststellung „man hat sich gefangen“ sprechen. Einzig der Glaube daran fehlt mir. Der Fingerzeit, den ich mir als solchen erhoffte (die gezeigte Souveränität in Braunschweig), hat sich etwas relativiert, und zu dem Stückwerkfußball der Eintracht kommen nun noch die Personalprobleme. In die Länderspielpause zu gehen mit vier Punkten aus vier Spielen – das wäre in Ordnung, man hätte die Härte des Auftaktprogramms abgefangen. Und im anderen, im schlechteren Fall? Dann ist nur zu hoffen, dass man in Frankfurt bei der Aufarbeitung – die nötig sein würde – nicht von der Europa-Liga sediert wird, sich die Vereins-PR es sich schenkt, auf diesen Erfolg zu verweisen. Aber jetzt gibts erstmal Dreimillionen-Mann Vaclav Kadlec zu schauen.

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Die zwei Gesichter

Girondis Bordeaux, Apoel Nikosia, Maccabi Tel Aviv – seien wir ehrlich, viel besser hätte es uns kaum treffen können. Eine Mannschaft die auf Augenhöhe und etwas darüber sein dürfte sowie zwei Teams, die man jedenfalls je einmal schlagen kann und gegen die man zumindest nicht zwei Mal verlieren wird. Da bekommt unsereiner nun schon große Augen – eine Endrunde etwa?

Trotzdem Vorsicht, Parole: langsam, langsam. Die beiden Spiele gegen Agdam haben angdeutet, dass international das Gemüse nicht so lecker ist. Das muss lange gekocht werden um es verspeisen zu können. Und all diese Mannschaften sind international erfahrener, alleine was den Rhytmus angeht, als unsere Eintracht. Und Letztere spielt in einer Liga, in der man pro Jahr 34 knüppelharte Partien zu absolvieren hat, nicht vier bis sechs, wie auf Zypern oder in Israel. Was will er sagen, der Autor? Richtig, Kraft, Energieverschleiß lauten die Stichworte. Donnerstag/Samstag, auch Donnerstag/Sonntag ist ein anderer als der gemächliche Vier-Viertel-Takt, den man gewohnt aufs Parkett bringt.

Die Essenz war, ist und bleibt dieselbe: Erstmal zählt die Bundesliga. Und wenn man sich anschaut welchen Tribut schon das Rückspiel gegen die Aserbaidschaner forderte – personell (Meier, Rode, Flum) wie nervlich (Spielverlauf) – kann man erahnen, wie knackig es bei den Kicks zwischen Bremen und Nürnberg so wird. Einen Vorgeschmack darauf wird es wahrscheinlich am Sonntag ab 17.30 Uhr geben. Sollte am Donnerstagabend nicht im Schongang gespielt worden sein, kann der BVB im Schlafwagen nach Frankfurt reisen um einen Sieg einzufahren.

Spannend ist es allemal zu beobachten, welches der zwei Eintracht-Gesichter man präsentiert bekommen wird. Läuft der FC Lustlos Agdam-Illertissen oder die SG Bayern-Braunschweig auf? Ich bin auf die Antwort gespannt. Und so lange das Leder nicht rollt, schmiede ich Reisepläne. Es gilt, sich einen Traum zu erfüllen . . .

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Freilos für Agdam!

Der ausklingende August hat Erkenntnisse geliefert. Unsere Mannschaft neigt phasenweise zu Übermut – das war gegen diesen FC Aserbaidschan, der wahrlich nicht so graupig war wie man das erwarten konnte, zu sehen. Das Ballgeschiebe über 40, 50 Minuten mag man angesichts des Resultats, des Weiterkommens locker verzeihen. Doch wenn die Fernosteuropäer ihre Chance nach 25 Minuten über die linke Defensivseite der Eintracht nutzen (was eine 100%ige war), Trapps Patzer Konsequenzen hat und nach dem 2:1 der Aserbaidschaner aus 10 Metern nicht unglaublicherweise am langen Pfosten vorbeischießt, wird das – trotz aller Scheinsouveränität – noch ein richtig enges Höschen. Auch, weil mancher irgendwann die Konzentration merklich schleifen ließ. Stefano Celozzi etwa, auch Stefan Aigner tappte so manches Mal neben seine Schuhe. Selbst Kevin Trapp und die Innenverteidiger schienen vom Dauer-Ballgeschiebe sediert gewesen zu sein. Und Joselu als Einwechselspieler war zumindest eine lehrreiche Erfahrung. Ja, auch die Eintracht hätte durch Aigner noch ein Tor mehr machen können, machen müssen – aber sei es drum. Beruhigen wir uns damit, dass das Pferd eben nur so hoch hüpft wie es muss. Solange man nicht in Richtung Dortmund am Sonntag blickt, stellt sich eine angenehme, zufriedene innere Ruhe ein.

Ich wünsche Agdam jedenfalls, das sie am Freitag das Freilos in die Gruppenphase ziehen. Nicht der elende VfB Stuttgart, der dann nach dem Pokalfinale vergangene Saison ein weiteres Geschenk fürs internationale Geschäft bekommen würde.

Die Choreografie war übrigens fantastisch. Die Stimmung ein Indiz dafür, dass Eintracht Frankfurt eine Bereicherung für den Uefa-Cup, für Europa ist. Das war vielleicht nicht jene Extase die wir vom 34. Spieltag oder dem 3:3 gegen Dortmund vergangene Saison erlebt haben. Aber es war würdig, laut, abwechslungsreich – ein reiner Spaß für jeden Stadionbesucher. Werbung für unseren Verein des Herzens.

Eine Kritik möchte ich dann doch zum Spielerischen noch loswerden: Wieso das Team so lange den Ball hin und herschieben darf, vom Trainer nicht personell verändert und somit das Risiko der Erschöpfung / Verletzung bei Stammspielern eingegangen wird, ist mir schleierhaft. Alexander Meier scheint sich etwas ernsthafter verletzt zu haben, gegen Dortmund am Sonntag wird es wohl sehr eng was seinen Einsatz angeht. Vermeidbar, mehr als ärgerlich ist das gewesen. Durch eine konsequentere Spielweise, das Drängen auf ein 2:0 anstatt die Kugel kreiseln zu lassen, wäre so ein Malheur zu verhindern gewesen. Das Taktieren begünstigte den Spielverlauf ab Mitte der zweiten Halbzeit – und die Kräfte des Personals zu schonen wäre ja nach einem 2:0 bis zur 60. Minute möglich gewesen. Ach, wenn Fußball doch planbar wäre …

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Die Elendszeit hinter sich lassen

Europa sitzt im Zug um 16.52 Uhr. So der Plan. Ein um zwei Stunden verkürzter Arbeitstag – dem Bayern-Fan der mein Chef ist sei Dank – und im Fieber gen Waldstadion. So könnten Donnerstage immer sein. Und doch gesellt sich zur Freude und Zuversicht die Angst vor der einträchtlichen Überheblichkeit. Wie oft hat sich diese Mannschaft schon über den Rasen geschnickst, weil sie dachte, dass sie einen nominell schwächere Gegner schon packt, ihn wegfiedelt. Düsseldorf, Augsburg, Hertha und mit Abstrichen Illertissen sind nur vier Beispiele die sich eingebrannt haben ins Fan-Gedächtnis 2013.

Und doch gilt das, was Uli Stein – der eingefurchte Ex-Keeper der Eintracht – sagte: Gegen die kannst du, darfst du (gerade zuhause) nicht verlieren. Schon gar nicht darfst du gegen den FC Aserbaidschan ausscheiden. 0:1 und weiter – reicht ja auch. Aber den Traum von Europa, eine ganze Saison Schwerstarbeit und Nervenflattern, eine Elendszeit mit Michael SKibbe, Christoph Daum, Caio und Co. hinter sich lassen kann und darf einfach nicht an diesem dankbaren Los scheitern. Wird es auch nicht. Nur wenn die Eintracht sicht selbst schlagen möchte, dann droht es ein Abend des Grauens zu werden.

Gegen Mitternacht gehts aus Frankfurt Nordwesten dann mitm Auto zurück. Und wehe ich muss griesgrämig in meinen Freitagsarbeitstag gehen!!!

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Gnädiger Gott

Abseits der Tatsache, ein internationales Heimspiel zu haben, werden wir Eintracht-Fans am Donnerstagabend etwas anderes Nicht-Alltägliches erleben: Stehblocks, die keine Stehblocks sind. Sitzschalen werden da montiert, die Kapazität reduziert sich von 51 500 auf 48 000 Menschenseelen. Darunter wahrscheinlich geschätzt 2 bis 50 aserbaidschanische Fußballfreunde. Dass sich irgendjemand jedoch an das Stehverbot hält, ist unwahrscheinlich. Je nach Zusammensetzung der Blöcke, jedenfalls. Ich hoffe jedenfalls, dass die Eintracht so geschickt war und die eigentlichen Stehdauerkarten-Inhaber auch in ihren Blöcken belassen zu haben. Zumindest die 70, 80 Prozent die nicht aus Kapazitätsgründen automatisch woanders ge-seated (wie der Amerikaner sagt) werden müssen.

Wenn der Fußballgott ein wenig Gnade fürs geschundene Eintrachtherz kennt, wird er uns ausnahmsweise mal den Luxus des entspannten Fußballspiels gönnen. 2:0 Sieg in Aserbaidschan, da darf nach menschlichem Ermessen für einen Bundesligisten wirklich nichts mehr schiefgehen. Aber wir haben die lari-fari-Eintracht in dieser Saison ja schon erlebt, Stichwort Illertissen. Gewarnt sind wir – bei aller berechtigten Zuversicht.

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Es bleibt kompliziert

Drei Punkte, die Minimalstzielsetzung des Auftaktprogramms mit Berlin, Bayern, Braunschweig und Dortmund, sind geschafft. Vier Punkte, das sagte ich vor der Saison, sehe ich persönlich als Maß, das die Eintracht mindestens erreichen sollte aus diesen Begegnungen. Von sechs Punkten Ausbeute sprach ich, den es bedürfe um einen Platz in Richtung erste 8 anzupeilen. Nun sind es jene drei, und ein Spiel gegen den Primus der Liga steht noch aus. Die werden sich vermutlich nicht nochmal so bekriegen lassen wie vor einem Jahr als es am Ende zu einem 3:3 für Frankfurt reichte; ein denkwürdiges und eines der emotionalsten Spiele der vergangenen Jahre (der 34. Spieltag 2013 außen vor). Kurz: Wahrscheinlich bleibt es bei drei von zwölf Zählern.

Die „Frankfurter Rundschau“ hat im Vorfeld des Donnerstag-Kicks gegen Aserbaidschan die These aufgestellt, dass nun, wenigstens nach dem Dortmundspiel die Saison für die Eintracht so richtig beginne. Das kann man so sehen angesichts des denkbar übelsten und undankbarsten Auftaktprogramms aller Bundesligisten. Allerdings ist nach wie vor nicht so klar wo die Eintracht leistungsmäßig steht. Eine – das kann man trotz der jüngsten Steigerung behaupten – maue Vorbereitung mündete in üble Leistungen gegen Illertissen und Berlin. Dann folgte das wenig aussagekräftige Spiel gegen Bayern – wo man sich, ähnlich aber wie das stabiler wirkende Nürnberg, wacker schlug. In Aserbaidschan war dann ein bisschen was gut, vieles okay, einiges schlecht. Und in Braunschweig dominierte man einen Gegner, der vielleicht der schwächste der vergangenen Jahre war. Es ist daher immernoch schwierig eine Aussage über den Leistungsstand, das Leistungsvermögen – kurz: die Perspektive zu treffen.

Der Pfeil geht nach oben, das kann man jedoch festhalten. Wie stark, das wird sich wohl erst in eineinhalb Wochen, gegen Werder Bremen, zeigen. Aber: Einen Gegner derat zu bespielen wie Frankfurt die Eintracht aus Braunschweig, braucht Klasse. Das geht nicht aus der Lameng. Das ist es, was am meisten Mut macht. Aber bitte keinen Übermut, denn der FC Aserbaidschan kann – das sahen wir ja im Fernsehen – auch nach vorne spielen. Zwei, drei Tore können auch die machen. Also wirds 48 000 Kehlen brauchen am Donnerstagabend. Denn dran denken: Wir kamen in der Vergangenheit und werden in Zukunft selten in den Europa-Genuss kommen. Also Vollgas bei der Stimmung geben. Und nochn bisschen Kraft für Sonntag sparen, um an die gelbe Wand zu pinkeln.

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Einzelkritik vs. Eintracht Braunschweig

Kevin Trapp: Zögerlich im Herauskommen, da hätte es bei einem Heber fast gerappelt. Sonst sicher, wenn auch nicht geprüft.

Carlos Zambrano: Steckt im Formtief. Ihm unterlaufen viele Stellungs- und Abspielfehler, bringt sich oft selbst in Gefahr. Grund? Mangelnde Fitness? Angeschlagene Gesundheit?

Bamba Anderson: Souverän, ließ im Gegensatz zum Nebenmann nichts anbrennen. Weniger lange Bälle als zuletzt. Einmal gegen Kumbela zu weit weg, allerdings hätte da der Außenverteidiger auch einrücken müssen.

Bastian Oczipka: Zwar abermals keine gescheite Flanke in den Strafrazm, aber diesmal nur ein böser Fehlpass und sonst, bis auf eine Situation ohne Defensiv-Probleme auf und mit seiner Seite. Bestes Pflichtspiel seit langem.

Stefano Celozzi: Grundsolide und fehlerlos in der Defensive, im Spielaufbau und der Offensive aber kann er Sebastian Jung nicht so recht ersetzen. Trotzdem war seine Leistung sehr in Ordnung.

Sebastian Rode: Weit weniger agil und auffällig als sonst, dafür deutlich effektiver. Machte das Zentrum komplett dicht, versuchte es offensiv zwei, drei Mal aus der Distanz. So ist das gut.

Johannes Flum: Weiter viele Abspielfehler, wirkte manches Mal überfordert mit dem Ball am Fuß. Biss sich jedoch ins Spiel, und defensiv dominierte er die Zentrale nach Belieben.

Stefan Aigner: Typisches Spiel, ist selten zu sehen um dann seine Aktion konsequent durchzuziehen. Ihm gelang recht wenig, rackerte sich aber auch defensiv rein. Arbeitet die Formkurve leicht nach oben.

Takashi Inui: Seine mangelnde Spielübersicht ist weiterhin ein Ärgernis, siehe Bälle von Torauslinie aufs Außennetz gedroschen. Aber: Er erwirbelt sich die Situationen, rannte sicht nicht mehr ganz so leicht fest und ging auch defensiv hinterher. Leichtverbessert.

Alexander Meier: Der Türöffner ist jetzt auch noch im Billiard erfolgreich. Und das in einem Spiel, in dem er längst nicht so präsent war wie üblich. Zwei böse und leichtsinnige Abspielfehler am Mittelkreis im zweiten Abschnitt.

Vaclav Kadlec: So naja. Eine gute Szene als er auf Meier ablegte und der verzog, eine andere passable wo er aber aus spitzem Winkel sinnlos aufs Tor schoss anstatt in die Mitte zu passen, beides in Halbzeit 1. Danach unsichtbar. Ihm fehlte sichtbar – logischerweise – die Bindung zum Team.

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Marco Russ: Stand neben den Schuen. Wackelig, unpräzise, vermeidbare Fouls. Kann Zambranos Formschwäche derzeit nicht zu seinen Gunsten nutzen.

Maritn Lanig: Verwaltete die Partie runter, unauffälliger Auftritt – für einen Defensiven ist das ein Lob.

Jan Rosenthal: Gute Ansätze nach der Einwechslung, rückte das Team insgesamt nochmal fünf, zehn Meter weiter nach vorne in der Grundformation.

Armin Veh: In dieser Ausgangsposition eine derart souveräne, dominant auftretende Mannschaft auf das Feld zu bringen, ist bemerkenswert. Ein nie gefährdeter Sieg in einem Spiel, das lediglich zu lange 0:0 stand – weil vieles im Endeffekt nicht zwingend war. Jedoch: Über den Mix aus Ballkontrolle und Zeit kommt die Lücke, der Abschluss und das Tor. Das Durchpusten von Veh, dem Team und allen Fans war durch die ganze Republik zu hören. Mehr denn je stellt sich die Frage nach Pirmin Schwegler. Es ist das siebte Spiel in Serie in den man ohne ihn ungeschlagen bleibt. Zufall? Trotz unterschiedlichen Personals? Nein. Es braucht elf topfitte, gesunde Spieler – dann geht in und mit Frankfurt etwas. Solange der Kapitän nicht bei 100 Prozent Gesundheit und Fitness ist, muss man ihn draußen lassen, Status hin, Status her. Andere können es offenbar bisweilen besser – und das tut dem Team gut.

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