Monatsarchiv: Februar 2013

Doch nicht so schlecht

Der Pulk jener, die um die drei verbleibenden internationalen Startplätze kämpfen, ist groß. Und in den Spielen gegen die jeweilige Konkurrenz entscheidet sich bei diesem engen Rennen das Wohl und Weh, der sportliche Erfolg, das Endergebnis der Saison. Die Eintracht hat ein knackiges Auftraktprogramm so gemeistert, dass sie keine Federn gelassen hat. Das ist wichtig. Und schaut man sich die Ergebnisse des Spieltags an, erkennt jeder ohne Scheuklappen, dass die Frankfurter vielleicht trotz aller Unkenrufe gar nicht so mau sind, wie mancher das vielleicht gerne hätte. Wenn es mit vermeintlich stotterndem Offensivmotor, jedoch defensiver Festigkeit zu einer weiteren Woche im erlesenen Kreis reicht, ist das zumindest ein Indiz für die Klasse der Eintracht und für die Unberechenbarkeit der Bundesliga.

Hamburg fängt fünf, Mainz spielt 60 Minuten in Überzahl und muss sich beim 15. mit einem Remis begnügen, Stuttgart rückt nach dem Unentschieden in Nürnberg nicht näher … Es könnte wahrlich schlechter laufen. Klar ist aber auch, dass es in den kommenden vier Wochen wieder zu Siegen reichen muss: Gladbach, Stuttgart, Hannover, Fürth – das ist die Reihenfolge. Drei direkte Konkurrenten gilt es zu bespielen; und einen Abstiegskandidaten. Die Ausbeute aus diesen Partien wird maßgeblich darüber entscheiden, ob Eintracht Frankfurt auf der Zielgerade der Bundesliga um etwas Grandioses mitsprintet. Meine besten Wünsche und Hoffnungen werden das Team begleiten.

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Einzelkritik vs. SC Freiburg

Kevin Trapp: Einmal gefordert, schon musste er und hielt er das Ergebnis fest. Wenn er nicht bald im Nationaltrikot aufläuft, muss man als Nationaltrainer nichts können, um den Job zu haben. Allerdings schlug er die Bälle viel zu oft lang und hoch – das war ineffektiv; die Stärke dieses Teams ist eigentlich das flache Anspiel.

Carlos Zambrano: Alles in allem wie sein Nebenmann, nur im Aufbauspiel schwächer. Sinnbidlich sein Solo über 30 Meter mit Flachpass über zwei Meter ins Aus.

Bamba Anderson: Stellungsfehler vor Freiburgs größter Chance, ansonsten problemlos, abgeklärt und sicher mit den ersten Bällen. Das war in Ordnung.

Sebastian Jung: Der bessere von zwei mageren Außen im Offensivspiel. Defensiv so manches Mal mit Problemen gegen Caliguri. Versuchte aber wenigstens mal etwas nach vorne.

Bastian Oczipka: Dribbelte den Ball reihenweise ins Aus, stoppte ihn in selbiges und war so gut wie nie anspielbar. Das war schon sehr nah dran an einer Fünf. Defensiv im Rahmen, die üblichen ein, zwei Stellungsfehler waren dabei.

Pirmin Schwegler: Dass er es nicht mag und kaum beherrscht, unter Druck den sauberen Ball zu spielen, ist nicht neu. Ist aber auch schwer. Er versucht, einen kühlen Kopf zu bewahren – aber es gelingt ihm nicht, das Spiel mit dem zweiten Pass aufzuziehen und schneller zu machen. Aber er versucht es wenigstens; und Fehlpässe spielte er keine.

Sebastian Rode: Verbessert im Vergleich zu den letzten Wochen, aber trotzdem weit hinter seinem Können zurück. Defensiv wackelt es manches mal, offensiv gelingt ihm gar nichts mehr. Verhaspelt sich immer wieder, ihm verspringen die Bälle. Immerhin agil, hielt die Zentralen bei Freiburg in Schach.

Stefan Aigner: Vollkommen aus dem Spiel. Beteiligt sich wieder zu wenig am Kombinationsspiel, versucht nur noch, von außen in die Zentrale und zum Tor zu ziehen.

Stefano Celozzi: Irrlichtete über den Platz, mal rechts, mal links, mal zentral – Bindung zum Spiel fehlte ihm völlig, zudem mit einigen falschen Entscheidungen. Erkennbar, warum ein formschwacher Inui trotzdem den Vorzug erhält.

Alexander Meier: Ihm gelang so gut wie nichts. Bezeichnenderweise war er aber immer dann am Ball, wenn es beim Team überhaupt mal nach vorne ging.

Katrim Matmour: Was ist in ihn gefahren? Nicht nur, dass er seinen Platzverweis-Fauxpas fast wiederholt hätte. Auch die Rolle als Stürmer füllt er mittlerweile so unkonventionell aus, das man nur noch sagen kann: Er muss da weg.

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Olivier Occean: Wie soll man ihn in so einem Spiel bewerten? War die ärmste Sau auf dem Rasen, so wenig wie aus dem Mittelfeld kam. Legte ein paar Bälle gut ab, Torgefahr stahlte er keine aus. Aber wie auch, wenn nichts in/an den 16er kommt?

Armin Veh: Dass der Schwung raus ist aus der Offensive, beobachten einige schon länger. Dass das so ist, ist auch der Tatsache geschuldet, dass ein Umdenken stattfand und die Defensive – sichtbar – stärker auftritt. Allerdings gilt eine Faustregel für dieses Team: Sobald lange Bälle geschlagen werden, reisst es nichts. Das war gegen Freiburg nicht zum ersten Mal so. Der Kombinationsfußball, den Gegner mittlerweile natürlich auch deutlich erschweren, weil sie sich darauf eingestellt haben, liegt derzeit aber sichtbar brach. Alexander Meier muss, wie in alten Zeiten, quasi 6er, 10er und Mittelstürmer zugleich spielen – viele andere bleiben dieser Tage blass. Die Impulse von der Bank, das sah man am Spiel von Stefano Celozzi, sind gering. Scheinbar kommt jetzt zum Tragen, was zu befürchten war: Für eine Edelrunde, für eine Sensationsspielzeit, fehlt offenbar die Breite, die Variationsmöglichkeiten gehen dem Trainer aus. Er versuchte es mit einer Raute, zwei Flügelspielern als Stürmern – darauf waren die Breisgauer anfangs nicht gefasst. Jedoch gilt: Hast du, gerade vorne, keine Spezialisten, hälst du den Erfolg nicht lange durch. Srdjan Lakic wurde und wird schon jetzt vermisste. Und dabei weiß man auch bei ihm noch nicht, was da wirklich noch geht. Die Wochen der Wahrheit, die jetzt begonnen haben, starten mit einem … ja, was eigentlich? Einem Punktgewinn. Betonung auf Gewinn. Aber zuletzt war es zu oft so, dass man für ein Remis dankbar sein musste. Das ist vielleicht das entscheidende Indiz dieser Tage.

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Zwickts im Rücken, schrillt der Alarm

Sobald ich bei einem Eintracht-Spieler von Rückenproblemen lese, schmerzt es auch in meinem. Zu präsent sind die monatlichen Krankeneinträge beim Ex-Defensiven Chris. Nun bekommt der nervöse Frankfurt-Fan in Nebensätzen erklärt, dass Srdjan Lakic seit langem schon mit einem maladen Rücken zu kämpfen hat. Den Teufel muss ich ja nicht gleich an die Wand malen, aber bei mir klingeln sämtliche Alarmglocken wenn ich sowas mitbekomme. Gerade bei Spielern, die eine Stange Geld gekostet haben und jeden Trainingstag für die Integration ins Team gebrauchen können. Jetzt sieht es also danach aus, dass gegen Freiburg Karim Matmour zum Einsatz kommt. Jenem Außenmittelfeldspieler, dem man das Bemühen im Zentrum nicht absprechen kann – aber er ist untauglich als Spitze, zumal gegen die zweitbeste Abwehr der Bundesliga wird er blass bleiben. Dann doch lieber den geschundenen Olivier Occean. Dieser zeigte gegen Dortmund in einer halben Stunde wesentlich bessere Ansätze als das noch vor kurzem der Fall gewesen ist. Alleine die clevere und technisch anspruchsvolle Kopfballablage auf Lakic (Schuss knapp am Tor vorbei in Halbzeit zwei) war ebenso produktiv wie sehenswert. Mein Plädoyer, falls Lakic – wonach es aussieht – nicht wird spielen können im Breisgau: Den Spezialisten der Improvisation vorziehen.

Chris, von dem ich oben sprach,  knüpft übrigens auch bei seinem zweiten Investorenklub nahtlos an den Krankenhausmarathon an. Es ist im Rückblick schier unbegreiflich, wie die Eintracht sieben Jahre an ihm festhalten konnte. Es ist ja nicht so, dass es jemals Anzeichen gab, dass sich sein Körper urplötzlich zum Stahlkorpus entwickelt. Zum Glück ist das Kapitel Gladiator vorbei; auch so ein Trieb, den es überfällig war abzuschneiden. Auch wenn es drastisch klingt, sorry.

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Endlich kein Harakiri mehr

Was genau ist eigentlich so ein Umfeld? Vereine haben das ja scheinbar, doch was zählt da rein? Und wie wird es nervös, dieses nicht greifbare Etwas? Jedenfalls wabert ein Gefühl durch Frankfurt, dass schon den Schwefel aus dem Schlund der Hölle wittert. Da wagt es die Mannschaft, der Aufsteiger doch tatsächlich, gegen den Meister der vergangenen beiden Jahre zu verlieren! Und gegen den bis dato Tabellenzweiten aus Leverkusen ebenfalls. Aufgemerkt: Derselbe Verein, dem vor gut einem Jahr noch attestiert wurde, er steige nicht souverän genug aus der Zweiten Bundesliga auf. Es ist schon bemerkenswert, wie sensibel und in der Reaktion giftig der Fan werden kann. Niederlagen gegen Topklubs und ein Remis gegen den zumindest stabilden, soliden und disziplinierten FC Nürnberg reichen aus, um Floskeln ins Internet zu schütten. Sand im Getriebe, stotternder Motor – der ganze Bums, der lediglich auf einer Beobachtung fußt: der Optik, dem gefühlten Auftritt der Mannschaft. Nur, weil Eintracht Frankfurt keinen Harakirifußball mehr spielt, schwadronieren einige von der Abwärtsspirale.

Dabei wird genau anders herum ein Schuh draus: Endlich (!) ist die Mannschaft reifer und rennt nicht mehr naiv nach vorne. Was das bedeutet, wohin das führen kann, sah man gegen den erstarkten Hamburger SV. Dass man das nicht mal eben analog auf Spitzenteams wie Leverkusen und Dortmund anwenden kann, sollte jedem nicht völlig verblendeten Zuschauer klar sein. Was in Westfalen geschah, war erwartbar. Ebenso vom Ergebnis wie auch vom Spielablauf. Sicher sah es phasenweise nach totaler Ergebenheit, Unterlegenheit aus, was die SGE auf den Platz brachte. Das war es auch. Die Frage darauf sollte aber lauten: so what? Was genau ist eigentlich in der angeblich so stotterigen Rückrunde bislang passiert? Man baute den Vorsprung auf Rang 5 (in Worten: fünf) auf sechs Punkte aus, jetzt bleiben drei – nach einem nicht gerade laschen Anfangsprogramm. Auf Rang sieben sind es fünf Punkte Vorsprung, nach wie vor. Und die Wochen der Wahrheit, wo sich die Tendenz zeigen wird, beginnen genau jetzt. Freiburg bildet den Auftakt, danach kommt Spieltag für Spieltag eine ganze Schar von Teams, die auf Rang sechs schielen. Diese gilt es in Schach zu halten, die meisten davon muss man schlagen, um Ende März noch Ansprüche auf den ganz großen Coup anmelden zu können.

Richtungsweisende Spiele, das hat der gelassene Armin Veh sehr richtig erkannt, gibt es gefühlt jede zweite Woche. Das zu betonen ermüdet deshalb, weil eigentlich auch der Letzte kapiert haben sollte, dass die Bundesliga nunmal eng ist; dass es nicht wie bei Fußball Manager, Fifa oder der Primera Division klaffende Lücken in der Liga gibt, die in Stein gemeisselt sind.

Ich jedenfalls wehre mich bis zum Schluss gegen überzogene Anspruchshaltung. Das resultiert nämlich nur darin, dass man im Mai einer Mannschaft nicht den riesen Respekt zollt, der ihr jetzt schon gebührt – für einen phänomenal frühen Klassenerhalt. Der Fluch der guten Tat, ich werde mir den Schuh nicht anziehen, sollte es am Ende nicht für Europa reichen. Freuen kann ich mich nach wochenlanger Bescheidenheit mindestens genauso gut über einen Coup, wie als wenn ich es Woche für Woche als eine Art Recht empfinde, dass man mir als Fan gefälligst einzuhalten, zu gewähren hat.

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Gestutzt

Als dann endlich abgepfiffen wurde, mochte man Erleichterung und Staunen in den Augen mancher Eintrachtspieler erkennen. Gegen zehn Mann nicht den Hauch einer Chance gehabt, im Gegenteil, an die Wand gespielt worden von einer Mannschaft ohne Stürmer. Dank Dusel und einem Bamba Anderson in Galaform liest sich das Ergebnis passabler als der Auftritt von Eintracht Frankfurt in Dortmund – zumindest in den ersten 15 Minuten – war.

Ja, man kann sie alle bemühen, die Floskeln. Vom übermächtigen Gegner, von der zu großen Nummer, von der Klasse des Gegners. Man kann das alles aber auch mal umdrehen: Wer so trantütig auftritt, wer so genießt (O-Ton Pirmin Schwegler), der gelangt gegen jede Mannschaft ins Hintertreffen. Es war vor dem Platzverweis gegen Dortmund ein seltsam emotionsloser Auftritt des Teams. Und auch danach war, eine kurze Drangphase ausgenommen, lange keine Aggressivität zu erkennen. Dieses Feuer in den Augen, die trotzige Reaktion auf Rückschläge. Im Einheitstempo trabte man der Niederlage entgegen; und so richtig schlimm schien das am Beginn niemand zu finden.

Den Stab muss man über niemandem brechen, schließlich ist es eine Niederlage gegen einen Topklub. Das ist sprichwörtlich eine andere Kategorie. Es ist doch nicht überraschend, dass Reus und Co. einige Level höher spielen als die besten Frankfurter. Da reden wir von Champions League Mitfavoriten gegen ambitionierte Bundesligaaufsteiger. Diese Differenz, diese Messlatte muss man anlegen. Spieler, die Real Madrid mühelos bespielten, von den Topvereinen gejagt werden, gegen die kann man auch 0:3 verlieren. Die Gesamtbilanz: Niederlage gegen den 2. und 3. , Sieg gegen den 6. – liest sich auch in der Rückrunde völlig in Ordnung. Es geht schließlich um die Ränge 5 bis 18; was 1,2 und 3 gegen uns veranstalten, ist irrelevant. Boni wären es gewesen, dort zu punkten.

Es ist Mitte Februar aber an der Zeit, einige vielleicht sogar überfällige kritische Worte in Richtung der Juwelen zu richten. Namentlich: Sebastian Rode und Sebastian Jung. Diese haben gezeigt bekommen, was Champions League Niveau bedeutet. In Gestalt von Marcel Schmelzer und Ilkay Gündogan, ihren Positions-Pendants. Sie sollten sich beide einen Gefallen tun und ihre Leistungen der letzten Wochen sehr gut reflektieren. Wenn sie danach zum Schluss kommen, wechseln zu müssen, dann sollen sie das bitteschön tun. Aber das Ganze in Bälde kommunizieren. Der Rucksack, den sie aus Egoismen mitschleppen, beschwert das ganze Team. Ballast, den niemanden gebrauchen kann. Es gibt keinen Grund, wieso Stefano Celozzi auf der Bank schmoren sollte, wenn Jung mehr mit sich beschäftigt ist, als mit dem, was auf dem Rasen geschieht. Noch offensichtlicher ist es bei Sebastian Rode. Er ist völlig von der Rolle, defensiv wie offensiv. Er verbessert sich seit geraumer Zeit nicht mehr wirklich, seine Dynamik war und ist sein Trumpf; aber Ballverarbeitung, Präzision, oder gar das Schießen – da stagniert er auf einem Niveau, das nicht für mehr reicht als Bayernbank, Dortmund-Tribühne etc. Die Crux für den Verein ist, dass man sich sehr früh aus dem Fenster lehnte was die Personalien angeht; und das man den Kader so aufstellte, dass für genau diese beiden Spieler wenig druckmachende Alternativen im Kader stehen. Stefano Celozzi könnte Sebastian Jung wohl ersetzen, vorübergehend, in einer Denkpause für die 24 zumal. Bei Rode ist das schwieriger. Martin Lanig ist bemüht, aber da bemerkt man einen Knick im Spielfluss, sobald er auf dem Feld steht.

Schaden würde es jedenfalls nicht, wenn der Verein sich nicht länger auf der Nase herumtanzen lässt von den beiden Spielern. 0-Bock-Auftritte, oder 80 Prozent Leistungen kann man sich – trotz erreichtem Klassenerhalt – nicht erlauben. Gegen Freiburg werden nun alle eine Trotzreaktion erwarten. Ein Sieg wird erwartet. Und genau diese Haltung wird einem Kollektiv stets zum Verhängnis. Im Süden wird am Freitag ein Spiel auf Messers Schneide stattfinden; da muss sich niemand täuschen. Takashi Inui wird nicht dabei sein; somit ist ein Formschwacher schonmal ersetzt. Mal sehen, was mit den Juewelen unter der Woche geschieht.

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Einzelkritik vs. Borussia Dortmund

Kevin Trapp: Dass es keine Klatsche wurde, lag – wie so mancher Punktgewinn der Vergangenheit – an ihm. Chapeau. Trotzdem muss er einem leidtun, irgendwie.

Bamba Anderson: Ruhig, abgeklärt, solide, verhinderte das vorzeitige 0:3. Als einer der Wenigen mit einer guten Leistung, mit Abstand bester Feldspieler Frankfurts.

Carlos Zambrano: Anfängerfehler vor dem 0:1, ohne Not den Gegner mit dem Rücken zum Tor attackiert. Er geht mit Wucht in Zweikämpfe, ist da zu bissig. Das Ding war vermeidbar. Danach, aber gegen keinen Stürmer mehr, in Ordnung.

Sebastian Jung: Wenn das Spiel für etwas gut war, dann für Anschauungsunterricht bei Marcel Schmelzer. Nach vorne brachte er nichts, hinten war es wackelig. Mag sein, dass es für Inter Mailand gegen AC Siena reicht. Sollte sich vor Ende März klar werden, was er will. Sonst schaltet er das Interesse an seiner Person selbst Stück für Stück aus.

Bastian Oczipka: Noch einer der Besseren, auch in den vogelwildesten Phasen. Hielt Blasczykowski in Schach. Offensiv versandeten seine wenigen Flanken allerdings auch.

Pirmin Schwegler: Genießen wollte er das Spitzenspiel. Das tat er, sichtbar für alle. Bock vor dem 0:1, lässig und fahrig. Als Dortmund mal runterschaltete, zumindest nicht mehr überfordert und näher dran am Schwungrad.

Sebastian Rode: Es wird menschlich, sehr menschlich was er zeigt. Das 0:2 muss er sich ankreiden lassen, im Stile eines C-Jugendlichen. Die Dynamik ist dahin, die Ballkontrolle wird nicht besser. Vor dem Tor so gefährlich wie Baby Born. Sollte sich klar darüber werden, dass ihm für die großen Adressen noch einiges fehlt.

Takashi Inui: Fleißig war er. Aber wie schon seit geraumer Zeit einfach ineffektiv. Seine Schüsse sind ein Ärgernis und von schnellen Bewegungen im Oberkörper alleine lässt sich halt auf dem Niveau keiner mehr täuschen.

Stefan Aigner: Unsichtbar. Von ihm kam gar nichts. Die Auswechslung nach einer Stunde war überfällig.

Alexander Meier: Musste immer wieder an die Mittellinie zurück um das zutun, was das Mittelfeld nicht zustande brachte: Irgendeine Form von Aufbauspiel. Bemüht, Fleißpunkte, aber auch ohne Durchschlagskraft.

Srdjan Lakic: Ärmste Sau auf dem Platz, wie schon in der Vorwoche ohne jede Zuarbeit aus dem Mittelfeld. Da kann er laufen und köpfen wie er will; eine gute Chance. Seine Leistung ist eigentlich kaum zu bewerten.

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Olivier Occean: Gute Kopfballablage vor Lakics Tor-Chance … danach fiel das 0:3. E kam in ein verlorenes Spiel.

Armin Veh: Er wird das Ganze einzuordnen wissen. Ein Genickbruch ist eine Niederlage, nicht mal eine solch klare, gegen Dortmund nicht. Die Anfangsviertelstunde, an der wird auch er zu knabbern haben. Da war Larifari im Spiel, da fehlte die Linie, die Körperspannung, die Konzentration. Es kann ihm nicht gefallen haben, wie das Team die Einladung der Roten Karte verpuffen ließ. Das war von vorne bis hinten zu wenig, vor allem, da man nicht mal in Überzahl das Spiel gestalten vermochte. Ab jetzt beginnen die Wochen der Weichenstellung – mit Freiburg beginnt es am Freitag, die Wochen darauf geht es hintereinander gegen eine ganze Schar jener, die zur direkten Konkurrenz um Platz 6 werden. Aufrichten und aufpassen ist angesagt.

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Meinungsstärke

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bin die Hängepartie um Sebastian Rode und Sebastian Jung bereits leid. Auf zwei Ebenen.

Ebene 1: Der Verein

Wo ist denn das Problem, wieso lügt man sich derart in die Tasche? Wenn ein Verein einen gewissen Betrag bietet, ist Eintracht Frankfurt – und alle Klubs dieser Größenordnung – gezwungen, Spieler zu verkaufen. Ein Transfer, der fünf, sechs, sieben Millionen Euro bringt, rettet einer ganzen Struktur einen Abstieg, oder zwei sportlich maue Erstligajahre. Jeder andere Schritt wäre naiv, töricht. Auch wenn es ein noch so schönes Symbol wäre, das Auflehnen gegen die Marktgesetze. Aber das Leben richtet sich nunmal nicht nach Symbolen. Die Struktur, die Gesetze verändern den Akteur; nicht der einsame Akteur die Gesetze. Eine bittere Erkenntnis, aber Don-Quijote-Spielchen funktionieren halt nicht. Jedenfalls preschte Heribert Bruchhagen seinerzeit zu forsch vor mit der Aussage, Rode werde vor 2014 nicht verkauft. Auf der anderen Seite spüren die Führungskräfte auch, dass mit den genannten Personalien die Zukunft des Trainers verbunden ist. Armin Veh zu verlieren wäre mitunter dramatischer als die Spieler ziehenlassen zu müssen. Nur ist offenbar das Eine ohne das Andere nicht denkbar.

Ebene 2: Die Spieler

Albert Streit sagte einst klipp und klar: Ich möchte weg aus Frankfurt. Er hat das einfach klar kommuniziert, keine Faxen gemacht. Kein Herumlavieren, keine Spielchen über Bande mit dem Berater. Keine Wasserstandsmeldungen, kein „ich schließe nichts aus“-Geschwafel. Was Albert Streit, der sicher nicht zu den Sympathieträgern der Fußballöffentlichkeit zählt, auszeichnet und ehrt, ist Meinungsstärke. In Zeiten, in denen Stromlinienförmigkeit allgegenwärtig ist, kommt schon ein Minimum an Rückgrat einer Sensation gleich. Wäre in Frankfurt jemand einem Sebastian Rode oder Sebastian Jung böse, wenn er zu einem Topverein wechselt, dort viel Geld verdient und – wenn er denn nicht auf Bank oder Tribühne versauert – in den höchsten Wettbewerben spielt? Ziemlich sicher nicht, bis auf die Ideologen in den eigenen Reihen. Enttäuscht wäre man, ja. Aber zu verstehen wäre der Schritt. Wieso also dieses sebastianische Zeitspiel? Ganz einfach: Testballons sind unterwegs, man wiegt sich und wird gewogen. So lange legt man sich nicht fest, so lange gibt man den Vertragstreuen und fädelt hintenrum die Dinge ein. Oder man verlängert und behauptet dann eisenhart, Eintracht Frankfurt sei stets der erste Ansprechpartner gewesen, man habe nur die Perspektive genau aufgezeigt haben wollen. Irgendeine dieser Sprechblasen wird kommen, wenn sich einer von beiden zur Vertragsverlängerung durchringen kann.

Conclusio:

Was kann den passieren? Die Eintracht sahnt im „schlimmsten Fall“ 7, 8,9, vielleicht ja zehn Millionen Euro für beide Spieler ab. Auch kein schlechter Deal; immerhin sind ihre Leistungen der vergangenen Wochen auch menschlich. Und wenn die Erfahrung eines lehrt, dann, dass die allermeisten Spieler ersetzbar sind. Ich zumindest stehe, bei aller Wertschätzung und Sympathie für beide Sebastians, auf diesem Standpunkt. In Bezug auf Armin Veh bleibt nur zu sagen, dass es zwar verständlich ist nicht wieder einen Neuaufbau dirigieren zu wollen. Trotzdem findet er in Frankfurt ein Standing, eine Rückendeckung und Sympathie vor, die er nirgendwo sonst so hätte. Das ist ein Pfund, dass Veh nicht aufs Spiel setzten sollte, er hat dafür keinen Grund. Zumal er einem Trugschluss aufsäße: Der Weggang von zwei Spielern – wenn auch entwicklungsfähigen – ist nicht zu vergleichen mit den Zäsuren der vergangenen eineinhalb Jahre.

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