Monatsarchiv: Februar 2017

Augenweh

Das schmerzte so richtig in den Augen. Gegen das dankbarste Pokallos sowas zu zeigen, hergespielt zu werden. Torwart Lukas Hradecky als bester Frankfurter. War. Das. Übel.

Eintracht Frankfurt hat es im Pokal nur kurz so gespielt, wie es das Viertelfinale spielen musste um zu gewinnen. Da war Tempo drin, Druck drauf und Willen sowie Konzentration erkennbar. In den ersten 20 Minuten legte die SGE das erhoffte spielstarke und dominante Spiel hin (samt verwehrtem Glasklar-Strafstoß).

Speziell die linke Seite mit Taleb Tawatha und Ante Rebic warf den Motor immer wieder aufs Neue an. Danny Blum verdiente sich ein dickes Daumen hoch. Einzig Michael Hector, der es wie prognostiziert mit Bielefelds Fabian Klos zutun bekam, entpuppte sich von Beginn an abermals als Schwachpunkt. Sein unbedrängt gespielter  Fehlpass am mittelkreis, der fast zum 1:1 führte – ein neuerlicher Graus. Auch sonst gibt er den Wackeldackel im Defensivverbund, ihm fehlt – wie hier zu Saisonbeginn vorhergesagt – die Qualität. Er baute Dinger ein, herrje!

Dann aber, nach gut 35 Minuten war es auch mit der von Dominanz zu Kontrolle abgeschwächten Phase vorüber. Da kippelte die Partie gen Ostwestfalen. Nach Wiederanpfiff dann die Wiederkehr des Schwächeanfalls, im Mittelfeld gab es keinen Zugriff mehr, Zweikämpfe wurden in Reihe verloren, offensive Entlastung war Fehlanzeige. Plötzlich erschien das 1:1 überfällig, es war eine Frage der Zeit. Die Eintracht im Freischwimmermodus. Und immer wieder Hector mit Fehlern schon bei Kleinigkeiten. Das war ab der 50. Minute kein Spiel mehr auf Augenhöhe, Bielefeld wurde in dem Maße besser wie Frankfurt schwächer wurde. Es war zum fürchten. Es war also so wie seit drei Wochen. Nur schlimmer. Die Luft ging raus als Bielefeld die, als sie irgendeine Nadel fanden. Pressing heißt diese Nadel, und die kann gegen Frankfurt noch so stumpf sein. Immerhin sorgte Marco Russ für einen positiven Aspekt.

Ja klar, weiterkommrn ist wichtig und so. Aber wenn nicht mal mehr gegen so einen Gegner ein Sieg, ein hakbwegs souveräner erwartet (!) werden darf, ja Mensch, wie klein muss man sich denn noch machrn?!

Im Hinblick auf das Freiburg-Spiel und die weitere Saison lässt sich nach dieser eine Stunde lang geradezu indiskutablen Leistung Schlimmes befürchten. War. Das. Übel.

10 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Augenschmaus mit Arminia

Eintracht Bielefeld – vergisst man in seinem Text das Wort „gegen“, ist man thematisch ganz schnell bei einer Fußballmannschaft aus der Kreisliga A angelangt, bei den redlichen Kickern aus dem Bielefelder Stadtteil Sieker (gegründet 1900, also ein Jahr nach der glorreicheren Eintracht aus Frankfurt). Jetzt, da wir unser unnützes Wissen um einen Baustein erweitert haben, richten wir den Blick auf das abendliche DFB-Pokalviertelfinale eines Oberen-Drittel-Erstligisten gegen einen Abstiegskampf-Zweitligisten. Für uns, die wir ja wissen, dass Ligazugehörigkeit zumindest bis zu einem gewissen Grat weit weniger ein Indiz für Siegwahrscheinlichkeit ist als die Form der jeweiligen Opponenten, steht ein knackiger Abend bevor.

Zunächst aber die schnöden Zahlen: Arminia Bielefeld verlor von 30 Pflichtspieduellen gegen die SGE 13, trennte sich neun Mal unentschieden und gewann acht Spiele. Auffälliger Aspekt in dieser Statistik: Die Eintracht gewann zuhause so gut wie immer (zehn von 15 Partien bei zwei Niederlagen und drei Remis), auswärts hingegen gelang selten etwas (drei Siege, sechs Pleiten und sechs Remis). Kurzum: Großes Glück für Frankfurt, dass es im Waldstadion in dieses KO-Spiel geht. Die Eintracht trifft aber gleichsam auf das generell auswärtsschwächste Team der zweiten Liga, in elf Spielen auf fremdem Platz hat Bielefeld in dieser Spielzeit noch nie gewonnen, drei Unentschieden und acht Niederlagen stehen zu Buche (11:24 Tore).

Arminia, so dann der Bogen zum entscheidenden Thema Form, hatte Aufstiegsfavorit Hannover am Wochenende am Rande einer Niederlage, das Spiel endete 2:2 und nach allem was man bei der Recherche liest, war die Arminia die bessere, aktivere, gefährlichere, robustere und willigere Mannschaft; auswärts das Ganze, wohlgemerkt. Gegen St. Pauli, dem bis dato Tabellenletzten der zweiten Liga, gelang am Spieltag zuvor vor heimischem Publikum ein Last-Minute-1:1 durch den torgefährlichsten Spieler, Stürmer Fabian Klos, der es aufgrund seiner Kantigkeit (1,93 Meter groß) sicher eher mit Michael Hector denn mit dem „filigraneren“ David Abraham zutun bekommt.

Eintracht Frankfurt wird in dieser Partie jedenfalls nicht umhin kommen, Fußball zu spielen um weiterzukommen. Es wird schnell und direkt gehen müssen, variantenreich mal über Außen, mal durch die Zentrale, mit kurzen Pässen und keinesfalls langen Schlägen, das Team wird hoch stehen und den Gegner in die eigene Hälfte drücken müssen. In der Vorahnung, dass die Gäste tief stehen, im Bissigkeitsmodus unterwegs sein werden. Im Prinzip konnte und kann es ja kein dankbareres Los für die SGE geben als dieses. Zum einen, weil es neben Lotte der qualitativ schwächste, vor allem aber von der grundsätzlichen Form her schwächste verbliebene Gegner war und ist. Zum anderen, weil man sich selbst im Vorfeld dieses Spiels in eine mehr als nur Ergebnis-Krise manövriert hat. Frankfurt bekommt am Dienstagabend die Chance auf ein sportlich-spielerisches Comeback auf dem Silbertablett serviert. Im Hinblick auf ein mögliches Pokalhalbfinale, vielleicht aber sogar noch mehr im Hinblick auf das eminent wichtige Heimspiel gegen den SC Freiburg am Sonntag, kann man sich wohl zu dieser These hinreißen lassen: Kommt die Eintracht im Pokal weiter, steigt die Erfolgswahrscheinlichkeit in der Bundesliga. Je nachdem wie souverän (und kräfteschonend) das gelingt, kann das der dringend benötigte Kickstart für die Wahrhung von Europa-League-Rang-Hoffnungen sein. Bei Gewürge, das eventuell soagr im Vabanque-Spiel Strafstossschießen endet, können wir getrost von der Forsetzung des spielerisch tristen status quo ausgehen. Gibt es im Pokal gar den Knockout, wird es genau diesen auch in der Liga geben.

Das Aufeinandertreffen zweier Krisenkinder, es wird sicher ein Augenschmaus. Vielleicht wird es zur Abwechslung ja mal ein Hingucker ohne Treterei und Platzverweis, im Bestfall eine Augenweide mit einem Eintracht-Tor (gar aus dem Spiel heraus?!).

 

2 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Ein Nichtziel als Ziel

Das letzte Mal, dass die sportliche Lähmung sich an einer Zahl festmachen lies, ist ziemlich genau vier Jahre her. Damals, im Jahr 2013, schlurfte Eintracht Frankfurt über Wochen der selbst zum Meilenstein erklärten 40-Punkte-Marke hinterher.

Einer in vielerlei Hinsicht seltsamen Marke, denn 40 Bundesligapunkte sind in keinsterweise eine Schallmauer, in keine der beiden tabellarischen Richtungen. Seit Einführung der Dreitpunktregel heißt die sichere Nichtabstiegszahl 36. Wenn man hingegen berechtige Europa-League-Hoffnungen zum Ausdruck bringen will, sollte man von 50 sprechen. Aber 40, die Zahl im einträchtlichen Nirgendwo, sollte es also erstmal wieder sein. Ein Nichtziel als Ziel. Und da, mitten raus aus der Angst vor der eigenen Courage, grüßt es dann eben, das Minimalismus-Murmeltier.

Zwischen dem 9.Februar und 17. März 2013 holte die SGE drei von 18 möglichen Punkten (am 22. Spieltag damals stand die Eintracht übrigens bei 37 Punkten, jetzt bei 35). Erst am 27. Spieltag übersprang man seinerzeit die 40er-Marke mit einem 3:2 Sieg in Fürth, es waren dann deren 42 – von am Ende 51 Zählern samt Qualifikation für die Europa-League. Kurzum: Gerade noch die Kurve bekommen und vom auch damals tobenden Schneckenrennen um die EL-Plätze profitiert.

Im Hier und Jetzt sind die sportlichen Defizite vielfach beschrieben, die Mixtur aus der seit Herbst anhaltenden offensiven Harmlosigkeit, die zur Rückrunde aufgekommene defensive Instabilität und die spieltagswiederkehrende Treterei samt folgerichtiger Sperren, sind nicht zu kompensieren. Wie auch? Die zusammenfassende Darstellung der Schwächen lässt sich ja auf einen Punkt bringen: Es mangelt an allem, nichts geht mehr zusammen. Dazu kommen Verletzungen und die Schläfrigkeit auf dem Transfermarkt in der Winterpause (zu letzterem bleibt in Bezug auf den Rückrundenverlauf nur zu fragen: Henne oder Ei?) Und nun gesellt sich ganz offenkunding ein gewisser interner Unfrieden hinzu. Das, was Trainer Niko Kovac zum Kollektiv („Trettertruppe“ und „taube Ohren“) und was sowohl er als auch Lukas Hradecky und Timothy Chandler zu Haris Seferovic sagten („Idiotue“ „inakzeptabel“ „saftige Geldstrafe“), lässt dann doch tiefer blicken als man meint. Wobei Kovac ja die Ursünde begangen hat und quasi die Quittung dafür bekam: Er bringt nicht nur genau den Spieler, der seit zwei, zweieinhalb Jahren keine ausreichende Leistung mehr gebracht hat, er bringt ihn in genau dem Moment als der Vereinswechsel spruchreif ist. Zählt man eins und eins zusammen – mangelnde Qualität plus im Kopf anderswo – muss man sich über diese Personalie als Coach am wenigsten aufregen. Offenen Auges ins Verderben gerannt in diesem Punkt. Der lange glänzende Trainer beginnt leider gerade matter zu werden – weniger wegen der Ergebnisse sondern wegen persistentem Spielweisen-Defizit und manch seltsamen PersonalEntscheidungen. Bei den Statements zum Nicht-Tretertruppendasein der SGE hat er ja bereits (zurecht) Kreide gefressen.

Eintracht Frankfurt lässt jedenfalls allem Anschein nach aktuell genau jene riesige Chance auf nachhaltige Entwicklung und Erfolg liegen, die beispielsweise Borussia Mönchengladbach 2011/2012 so famos genutzt hat: vom Relegationsplatz und Fast-Abstieg auf Rang 4. Und wenn man dann so in sich reinhorcht ist da eben diese Stimme der Gewissheit: Wenn einer abreißen lässt, wenn eines der Überraachungsteams absackt, war es klar dass es die Eintracht ist; einfach weil das ins Naturell, in die Erfahrung passt.

Spinnen wir den aktuellen Trend, der sich in Ergebnissen ja tatsächlich erst jetzt niederschlägt, den man aber – ich wiederhole mich – bereits im November 2016 erkennen konnte, doch mal pessimistisch fort: Die Eintracht landet mit irgendetwas um die 45 Punkte auf Rang 9 oder 10, der Geschmack dieser Nach-Relegations-Saison ist „verpasste Chance“, nicht „starkes Comback“. Im Zuge dessen, also mangels europäischer Spiele verlassen neben Jesus Vallejo auch Lukas Hradecky und Alexander Meier den Klub. Ante Rebics Zukunft ist aufgrund der Vertragslage und der zugrunde liegenden Transfersumme offen, das sportliche wie finanzielle Gewicht von Mijat Gacinovic hat hingegen abgenommen. Die Korsettstangen 2017/2018 sind die allmählich alternden David Abraham und Makoto Hasebe, der dauer-schwerverletzte Marc Stendera sowie Aymane Barkok als das nächste Zukunfts-Versprechen. Marco Russ gibt den Folklore-Kapitän, Omar Mascarell den aggressiven Anführer und die Transferpolitik geht in dieselbe Richtung wie im Sommer 2016.

Eine lange super verlaufende Saison produziert mittlerweile tatsächlich einige Verlierer. Wo ist sie hin, die Frechheit mehr erreichen zu wollen (als 40 Punkte)? Wieso die Abkehr von der Traumverfolgung hin zum unnötigen Erden („keine Spitzenmannschaft“)? Wieso die kleinen Brötchen, wieso die Fortsetzung der Angst vor grossen Worten und grossen Zielen (die man mit Kleinmacherei nicht erreicht)?

Das Urteil, das man froh sein kann mit 35 Punkten den Klassenerhalt eigentlich schon geschafft zu haben, mag dem zerplatzten Traum geschuldet sein. Zur sicheren 36er-Marke fehlt aber selbst jetzt noch ein Zähler. Den wird die Mannschaft doch wohl noch …?!

Hier setzt nun die optimistische Prognose ein. Nach einem Gewürge gegen Bielefeld, dem man mit ach und krach ein Törchen reintut um ins Pokalhalbfinale einzuziehen (Gladbach als Gegner, auswärts), besiegt man zuhause den SC Freiburg, distanziert damit einen Konkurrenten um Rang 7 und profitiert mittelfristig von der Mischung aus angefressenem Punktepolster auf Leverkusen, Gladbach und Schalke sowie dem generellen Schneckenrennen um die EL-Plätze. Kurzum: Schlägt man Freiburg, kriegt man die Kuh vom Eis, verhindert den freien Fall, hat im Kader wieder mehr Optionen, bleibt im Geschäft, hat noch Chancen auf den grossen Wurf. Dann wird auch personell nach der Saison alles viel rosiger als im Pessimismus-Szenario.

An welchen Ausgang glaubt ihr? Und sagt nicht sowas Feiges wie „Mittelding“

———

Noch etwas Grundsätzliches abschließend: Die Schiedsrichter in der Bundesliga haben in dieser Form echt ausgedient, da muss tatsächlich ein Video-Schiedsrichter herbei. Es ist einfach nur unsäglich, was da (nicht) gepfiffen und „ausgelegt“ wird. Der Kalou rennt erst beim.Abspiel im Abseits rum, liegt dann als Straßensperre vor dem Torwart – und das wird als regulärer Treffer gewertet. Der Gladbacher Stindl dribbelt keine 24 Stunden später den Ball mit der Hand ins Ingoldstädter Tor – zählt. Dazu zahllose Situationen in Stadien quer durch die Bundesliga, wo bei dem einen Referee etwas Foul, Hand, gelbe, rote oder keine Karten die Folge sind, beim anderen genau umgekehrt. Der eine lässt bei vergleichbarer Zahl der Unterbrechungen 7, der andere 2 Minuten nachspielen … Wieso losen wir nicht einfach vorher, wer gewinnt? Roulette ist letztlich ja auch fair.

 

4 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Erwartung erfüllt

Passabel gespielt und verloren- die Prognose ist eingetroffen.  In dem Moment als Berlin sich zum Draufgehen, zum Pressing, zum OffensivSpiel entschied war es mit der Herrlichkeit von Eintracht Frankfurt vorbei. Dss war mit Anpfiff der 2. Halbzeit der Fall. Abseitstor hin oder her.

Mit recht kurioser Aufstellung, typ: hauptsache Balkan-Gene, spielte die SGE eigentlich so weiter wie man das von zuletzt kannte – einzig Biss und Konzentration waren wieder da. Spielerische Elemente hingegen brachte auch die (Not)Würfelelf nicht auf den Platz. Haris Seferovic, der Dauerflop, stand mit seiner Tätlichkeit symbolisch für dieses andauernde Mangel an fussballerischem bei Überbetonung von Härte.

Es geht also so dahin mit der SGE, von allen Überraachungsteams ist man das erste das implodiert. Tja. Ist halt irgendwie klar. Trudelt eine Wahnsinns-Saison wohl ins Mittelmaß aus. Eine Spielzeit bei der es (für Europa) zuzugreifen gegolten hätte.

Und so gelingt der ganz grosse Wurf nach dem Fastabstieg dann wieder nur anderen  (Mönchengladbach…) aber in Frankfurt wird man alles daran setzen nicht die verpasste Chance sondern die Zielerfüllung in den Vordergrund zu setzen. Noch ist ja alles drin, man ist schliesslich weiter oben dran.

Aber die Mängel werden dann leider doch in dem Maße offenkundiger wie der glaube an den Uefa-Cup abnimmt.

15 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Luft

Der Fan lebt ja von Gefühlen. Schon im Vorfeld von Spielen ist da stets diese schwer greifbare Ahnung wie ein Spiel laufen und ausgehen wird. Irrational, esoterisch.

So ganz dann aber doch nicht, über die Jahre eignet sich jeder so seinen Erfahrungsschatz an, man hat ja schliesslich viel gesehen und erlebt.

Dass Eintracht Frankfurt den Gang nochmal findet, den es spätestens nach dem Spiel gegen brumsschwache Darmstädter verloren hat, das fühlt die Magengegend des Blog-Autors nicht. Vielmehr ahnt er ein passables Auftreten, jedebfalls ein besseres als gegen Leverkusen und Ingolstadt, bei gleichzeitiger Pleite in Berlin. So verfrüht und auch unfair die Aussage ist, die Luft ist irgendwie rausgelassen worden. Sportlich, spielerisch ist das hier wiederholt thematisiert worden. Atmosphärisch war die Stimmung vor, während und nach dem Heimspiel gegen Ingolstadt im und außerhalb des Stadions dahingehend bezeichnend: Das Kollektiv nahm zur Kenntnis. Feuer? Fehlanzeige.

Dazu gesellen sich die seltsam beharrlich getätigten Aussagen zu Schiedsrichtern seitens Trainer Niko Kovac. Nicht zum ersten Mal verteidigt er vorwärts was die Foul- und Kartenflut bei der SGE angeht. Im Einzelfall mag er recht haben, aber am Gros der Entscheidungen sind – qua Verursacherprinzip- die Spieler selbst schuld. Schon in den vergangenen ein, zwei Saisons fiel die (Handlungs)Langsamkeit von Eintracht Frankfurt auf. Das ist trotz vielen Veränderungen im Kader so geblieben. Man ist zu oft zu spät im.Zweikampf, Resultat sind Fouls und irgendwann eben Verwarnungen.

Speziell Omar Mascarell stellt sich zunehmend als Sechser vom alten Schlag heraus bzw fällt dahinter zurück. In Duellen gegen den Mann recht ruppig, nach vorne ohne Impulse, spielt er seit 2,3 Spielen sukzessive mehr Bälle nsch hinten als nach vorne. Carsten Ramelow wäre stolz. Der Spanier steht derzeit symbolisch für das Manko der Eintracht.

In Berlin wird sich im Willensbereich, der tatsächlich zuletzt zu leiden schien, etwas tun. Man wird sich nicht derart den Schneid abkaufen lassen. Reicht das, um A) die Personalprobleme und B) die Form“delle“ zu kompensieren?

Mir ist ja irgendwie nach 1:2 aus Frankfurter Sicht, bei wie gesagt passabler Leistung – wobei ein 1:1 von mir als erleichterndes Symbol gefeiert werden würde. Ihr so?

19 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Improvisation in Formkrisen-Zeiten

Nun ist es sicherlich unredlich, angesichts von (erstmals) zwei Niederlagen in Folge gegenüber Eintracht Frankfurt die Kritikkeule zu schwingen. Ebenso ist ein Abgesang auf den Europapokal verfrüht. Dass der Leistungs- und Ergebnisknick kommen wird, war zu erwarten. Dass das Glück, das der Spielplan für einen parat hielt und hält früher oder später enden würde, war zu befürchten. Dass die robuste Spielweise zu einer Sperrenflut führen würde, kündigte sich an; spätestens mit dem hochstilisierten Spiel gegen SAP-Heim. Dass die Gegner Mittel gegen die SGE-Spielweise finden würden, war eine Frage der Zeit.

Problematischer als die beiden Niederlagen – wobei man trotz einer gewissen Ähnlichkeit des Auftretens die Partie in Leverkusen unter dem DFB-Pokalspiel-Gesichtspunkt sehen muss – ist der Fall der Defensivbastion. Sowohl gegen Hannover als auch gegen Leverkusen und nun Ingolstadt – bereits gegen Mainz im Dezember – viele Torabschlüsse zugelassen, der Zugriff speziell auf flinke, wuselige Spieler wie sie Ingolstadt vorne hat, Leverkusen sowieso fällt dem Team sichtbar schwer(er) als zuletzt. Das Problem liegt nicht in der durchaus weniger sattelfest gewordenen Innenverteidigung, die nun auf Wochen personell geflickschustert werden muss, sondern vielmehr auf der 6 (Omar Mascarell sitzt seit der Foulspielhäufung in einem Formloch, Makoto Hasebe muss nach hinten wie vorne zu viel sauber regeln) als auch den Außenverteidigerpositionen. Speziell Timothy Chanlder wirkt momentan matt, platt, überspielt wie man so schön sagt. Auch Bastian Oczipka geht seit zwei Wochen die Wege nach vorne weitaus zurückhaltender, in Zweikämpfen sieht das ebenfalls gehemmter aus. Natürlich, mag man sagen, gerade die Außenverteidigeranforderung, permanent über den Platz zu wetzen, ist kraftraubend. Umso wichtiger ist es, dass Guillermo Varela und Taleb Tawatha endlich zu Entlastungsoptionen für ihre „Vorgesetzten“ werden. Und sei es nur für ein, zwei Spiele.

Zu dieser neuen Bestandsaufnahme gesellt sich die spielerische Ratlosigkeit, die eben keine Neuerung, kein aufgekommenes Phänomen aus den vergangenen zwei, drei Wochen ist. Diesen Mangel gibt es spätestens seit Ende November/Anfang Dezember, nur ließ er sich über die defensive Stabilität bemerkenswert gut und erfolgreich ausgleichen bzw. kam das  seinerzeit als Formdellchen Richtung Ende der Hinrunde zum Tragen. Mit dem verletzungsbedingten Wegfall von Marco Fabian und dem Verkauf von Johannes Flum und Szcabolts Huszti in der Winterpause bei gleichzeitigem Ausbleiben von sinnigen Ersatzverpflichtungen, schuf sich Eintracht Frankfurt die Probleme selbst bzw. manifestierte diese. Sehenden Auges riss man eine Lücke in einem einzigen, dem vielleicht neuralgischsten Mannschaftsteil. Im Grunde zeigt sich an dieser Stelle, wenn auch anders gelagert, die Fortsetzung vieler (Winterpausen)Personalfehleinschätzungen der vergangenen Jahre. Einst war es die Abwehr, die nicht verstärkt wurde. Nun geschah es auf der für den Spielaufbau entscheidenden Position.
Denn Pressing, frühes Draufgehen stellt das Team nun schon beim ersten, zweiten Pass vor kaum lösbare Aufgaben. Der lange Schlag hintenraus auf Alexander Meier, der dann irgendwie ablegen soll, ist angesichts der zentralen Personalsituation die einzige verbliebene Option. Das sah jedenfalls gegen Ingolstadt exakt so aus wie zur Trainerzeit von Thomas Schaaf.

Eine Kompensation an irgendeiner Stelle im Zentrum zeichnet sich naturgemäß nicht ab. Die Optionen, die Trainer Niko Kovac hat, beschränken sich auf die Außenbahnen. Der zunehmend zum Alleinunterhalter mutierende Ante Rebic könnte von Danny Blum, der den anderen Flügel vielleicht re-animieren kann, unterstützt werden. Der andere Unbekannte, Shani Tarashaj wird indes in dem Maße Dauer-Fremdkörper bleiben, wie Mijat Gacinovic Wackelkandidat war, ist und bleibt. Die Namen möglicher Erstaz-Außenverteidiger sind oben genannt.
Je nach (Verletzungs)Verfassung wird der Ruf nach Anderson Ordonez und sogar Marco Russ (U23 …) vernehmbarer werden, da die Aussicht mit Michael Hector plus Innenverteidigungs-Improvisations-Individuum eine üble ist. Tendenziell wird nun Timothy Chandler nach innen rücken, also jener Spieler, der weiter oben als matt, platt, überspielt eingeschätzt wurde. Dass Kovac tatsächlich auf Makoto Hasebe als IV setzt, ist hingegen höchst unwahrscheinlich – und das nicht nur aufgrund der Mascarell-Sperre und schieren Sechser-Not im Kader. Eventuell vertraut der Trainer auch Max Besuschkow als offensiv ausgerichteter Zentralmittelfeldspieler. Schwachbrüstiger als die zuletzt probierten Varianten könnte er auch nicht sein. Zuzutrauen ist Kovac auch, den jungen Furkan Zorba in die Innenverteidigung zu stellen. Immerhin ist der ein Positionsspezialist. Dass er gegebenenfalls neben Holz-Hector debütieren muss, ist natürlich bedauerlich. Aber denkbar.

In Berlin wäre es schon mit der nominell besten Elf happig geworden. Sollte es dem Team nicht gelingen, in Kopf wie Beinen enger zusammenzustsehen, ist auch dieses Spiel mit dem Anpfiff verloren, dann dürfte die Europapokalhoffnung tatsächlich fast frühstmöglich erlischen. Schafft man hingegen eben aufgrund der Gesamtumstände eine kollektive Trotzreaktion, lässt es die Kraft mancher Erschöpften zu und/oder gelingt den Neu-ins-Team-Kommenden das nötige Feuer bei sich und den Mitspielern (wieder) zu entfachen, ist die Partie gegen Heimmacht-Hertha nicht nur aufgrund der Tabellennachbarschaft natürlich völlig offen, ein Remis drin; ebenso bliebe man im Kampf um den realistisch erreichbaren Uefa-Cup-Futtertrog dabei. Die Hand mag sich verschlechtert haben, die Karten liegen aber noch lange nicht auf dem Tisch.

Nochmal: Eine nicht mehr als passable Halbserie, irgendwas um die 20 Punkte, muss man von jedem Team mit Nicht-Abstiegsambitionen – also auch der SGE – erwarten können/dürfen/sollen. An diesem Gesamtziel samt der sich dadurch auftuenden Perspektive ändert auch die ausgebliebenen Pflichtpunkte gegen Audistadt nichts. Man sollte nur aufhören, dieses Sich-Kleingemach-Geschwätz weiter so zu zelebrieren, wie man das zuletzt tat. Sonst wiegt man sich mal wieder selbst in den Schlaf.

 

3 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge

Serienende

Gegen Leipzig war das Spiel quasi mit dem Anpfiff verloren, als Lukas Hradecky patzte. Gegen Ingolstadt war das Spiel quasi mit Anpfiff verloren, weil Eintracht Frankfurt von Sekunde eins an total trantütig war. Ähnlich wie gegen Leverkusen, wo der Faktor Kraft noch als Argument funktionierte. Nicht so heute, da waren Beine und Kopf Problemzonen.

Die geschenkte Ecke zum 0:1, der geschenkte Platzverweis durch einen unsäglichen Schiedsrichter, der doppelt verschossene Hasebe-Elfmeter (ein Strafstoß der von der Tribüne aus gesehen keiner war) waren letztlich die passenden Symbole zu diesem Auftritt der SGE. Es war ganz unabhängig von der nominellen Unterzahl und vom hickhack mit dem Referee eine ziemlich triste Darbietung – ohne jede Tiefe im Spiel, Quergeschiebe, Einheitstrott. Dass sich dann Vallejo verletzt (3 Spiele Pause, heisst es) und Mascarell eine dieser richtig dämlichen (Sperr)Karten abholten, passte zu dem Tag. Und jetzt also Daueralarmsrufe Rot wenn Michael Hector auf dem Feld steht; was er ja jetzt über Wochen tun wird.

Zum ersten Mal in der Saison verliert Frankfurt zwei Partien in Folge. Und das durchaus zu recht, der Tag war – im Gegensatz zum Spiel in Leipzig – deshalb ein gebrauchter, weil man ihn dazu machte. Der Gegner war bissiger, ekeliger, williger, insgesamt klarer in der Spielanlage. Nun also die Personalprobleme, die das sich abzeichnende Formtief begleiten – Vieles riecht nach dem Anfang vom Ende der Famossaison mit grossen Europapokalchancen. Jedenfalls geht der SGE nun die Leichtigkeit, Frechheit, Selbstverständlichkeit zunehmend ab. So mancher Spieler wirkt matter als in 2016, einiges sieht weit mehr nach Arbeit aus als es das lange tat, die Gegner pressen vermehrt und bereiten der Eintracht so früh Sorgen im Passspiel. Dss Glück, das der SGE bis jetzt treu wahr, verkriecht sich. Defensiv gibt es plötzlich monatelang nicht gesehene Lücken, offensiv liegt (weiterhin) einiges im Argen, da verschärft sich die ohnehin schwierige Situation.

Auch wenn Ante Rebic glück- und bisweilen kopflos agiert: Wenn er nichts kreiert, Gefahr heraufbeschwört, passiert überhaupt nichts. Der jeweils andere Flügel kommt nicht vor, ist tot. Dementsprechend muss sich Alexander Meier immer mehr fallen lassen um überhaupt mal den Ball zu bekommen, wenigstens mal einen Pass klatschen lassen zu können. In  vorderster Front geschieht kaum noch etwas.

Übrigens: Spielte Haris Seferovic (auf jenem aber auch mit Gacinovic tote Flügel) mit? Ja, doch tatsächlich tat er das. Zu bewundern in der 83. Minute. Um so eine Sturm-Slapstick-Szene wie diese sehen zu dürfen, muss man viel viel Fußball schauen. Marco Fabian fehlt der Offensive jedenfalls an allen Ecken und Enden, aus der Zentrale kommt an Impulsen gar nichts mehr. Immerhin: Sollte es der SGE gelingen, eine insgesamt passable Rückrunde zu spielen – also irgendwas um die 20 Punkte- ist Europa bis zuletzt denkbar.

Dieses Spiel, dieser Stadionbesuch war aber exakt so wie ich es, wie ich Eintracht Frankfurt in (leidvoller) Erinnerung habe. In einer famosen Saison muss ich mir einen der miesesten und bestimmt frustrierensden Kicks anschauen, mit getrübtem Gemüt heimfahren.

Und die Atmosphäre im Stadion? Geradezu gelangweilt, mit dem unsäglichen Capo-Satz dass man solche Spiele letzte Saison ja verloren habe als man 16. war; also alles nicht schlimm. Devot. Dankbarkeit. Ist das echt die erste Reaktion wenn man gegen eine Holzmannschaft recht klar verliert? Wenn der Blick angesichts der Realität doch nach oben gehen muss?! Diese Orientierung daran, dass es ja alles viel schlimmer sein könnte, ist halt nicht meine Denkwelt, nicht mein Anspruch, sorry. Und ich glaube, da bin ich Trainer Niko Kovac sehr nahe, „Kein Spitzenteam“ hin oder her. Denn man muss bekanntlich kein Spitzenteam sein um ein Spitzenteam zu sein, um wenigstens 20,21,22 Halbserienpunkte zu holen, got it? 😉 Das ist nämlich die Summe eines Teams das 《nur》 den Klassenerhalt, eine ruhige Saison hinlegen will. Kurzum: Machbare Marge.

Das nächste Spiel, das Wie wird sehr spannend – und richtungsweisend. Denn mit Berlin geht es gegen einen, vielleicht sogar DEN direktesten Konkurrenten um den 6./7. Rang.

 

 

4 Kommentare

Eingeordnet unter Beiträge