Die Causa Hübner

Ich verhehle bekanntlich meine Angst um Eintracht Frankfurts (Erst)Klassenzugehörigkeit nicht. Die spielerischen Eindrücke der vergangenen Wochen und Monate waren und sind dürftig genug, die Punktausbeute gegen direkte Konkurrenten ist solala, die Stammspieler fallen in Reihe schwerverletzt und krank (Carlos Zambrano) aus und gegen den torlosen Hamburger SV gibt es eben wegen dieser Tor- und Erfolglosigkeit des Gegners am Sonntag eine Niederlage für die SGE. Denn wenn es eine Gewissheit gibt, neben der Tatsache dass dieser Verein niemals Deutscher Meister wird, dann folgende: Niemand taugt besser als Negativtrend-Brecher als die Kicker aus Frankfurt.

Unterdessen befasst sich die Szene mit einem möglichen Wechsel von Eintracht-Sportmanager Bruno Hübner zum VfB Stuttgart und Armin Veh („Ich habe keine Lust mehr regelmäßig nach Niederlagen die Hand des gegnerischen Trainers schütteln zu müssen“) – als Nachfolger für Fredi Bobic. Abgesehen davon dass es wirklich bitter ist, dass Bobic entlasten worden ist und somit eine realistische Chance besteht, dass Stuttgart erstarkt, wäre ein Wechsel Hübners … zu verschmerzen? Nicht zu kompensieren?

Auf welche Seite man sich schlägt, hängt sicher damit zusammen, wie man Hübners Transferbilanz bewertet. Seine Befürworter führen gerne die Mangelverwaltung, das Haushalten mit wenig Geld als Argument ins Feld. Dafür gelangen ihm einige sehr gute Transfer(entscheidungen), allen voran mit Stefan Aigner, Kevin Trapp und Carlos Zambrano. Das kann man so sehen. Jedoch gehört zum kompletten Bild dann auch die Tatsache, dass er, dass der Verein (wieder mal) vier Millionen Euro in Tschechien versenkte (V. Kadlec). Sieht man Hübner kritischer, könnte man sagen, dass er neben den genannten sehr guten Transfers viele one-hit-wonder nach Frankfurt lotste. Takashi Inui, Bastian Oczipka, die Zweitliga-Stürmer-Riege etwa. Auch an mehr oder minder teuren Fehleinkäufen (und der Rode-Halten-Fehlentscheidung) mangelt es in seiner Amtszeit nicht. Ebenso wenig an Mini-Ausstiegsklauseln (siehe Schwegler und Jung). Die Trainerwahl(en), die der Sportdirektor traf, entpuppen sich bislang als gut. Armin Veh hat das Soll übererfüllt, Thomas Schaaf scheint jedenfalls als Typ der Richtige zu sein.

Um Hübners Wirken, das man bislang vielleicht am besten als durchwachsen, als okay bezeichnen sollte, nachhaltig bewerten zu können ist die aktuell laufende Saison entscheidend. Diesmal hatte / hat er keinen Antreiber á la Armin Veh im Rücken, diesmal sind Personalfragen wohl noch mehr auf seine Entscheidungen zurückzuführen. Dieser Kader ist vielleicht der mit am meisten Bruno-Hübner-Prägung. Was das, was dieser wert ist, weiß man spätestens Mitte Mai 2015. Daran sollte man sich erinnern, egal ob es dann noch einen Sportdirektor Bruno Hübner in Frankfurt gibt, oder nicht.

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6 Kommentare

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6 Antworten zu “Die Causa Hübner

  1. ich_immer_wieder_ich

    wenn es nicht die „lächerlichen“ Ausstiegsklauseln gegeben hätte, hätten wir Schwegler und Jung womöglich frühzeitig und im schlimmsten Fall ablösefrei ziehen lassen müssen.

    Das Sturmdesaster dagegen ist nicht von der Hand zu weisen. Nun hat er aber wahrscheinlich ein glückliches Händchen bewiesen.

    Er hat mit Aigner verlängert, evtl. folgen mit Trapp und Zambrano zwei weitere Spieler. Alex wird ebenfalls noch länger hier bleiben.
    Rode hat man wohl auch gehalten, weil Veh es unbedingt so wollte und Rode Zeichen gegeben hat, dass er verlängern will. Man war ja auch schon in Verhandlungen, als die Bayern dazwischengrätschten.

    Und naja, man kann ja viel über Otsche meckern oder Djakpa. Beides keine Superspieler. Aber nenn mir ein paar Namen, die damals auch für uns verfügbar waren? Mir fällt spontan niemand ein.

    Inui hatte und hat eigtl. noch das Potenzial, konstant der Spieler zu werden, der den Unterschied macht. Warum soll man es da nicht riskieren? Wen haben wir sonst, der auch nur annähernd kreativ ist und locker mal 2 Spieler an sich bindet?

    Aigner, Anderson, Zambrano, Trapp sind unter Hübner gekommen und gehören zu unserem Fundament (ok, Anderson mit Abstrichen). Hasebe, Medojevic, Russ, Lanig sind ebenfalls solide, wenn man davon ausgeht, dass die letzteren Beiden als Nr. 12 bzw. 13 geholt wurden.

    Zudem ist man nun bereit, auch mal Leihen ohne KO einzugehen und überhaupt gibts endlich etwas Fantasie bei den Transfers. Siehe eben Piazon, Kadlec, Demidov, Seferovic.

    Auch bei mir ist Hübner nicht unumstritten, eben wegen der Geldverbrennung im Sturm. Aber da muss man auch Veh mal hinterfragen, denn insb. bei Lakic und Kadlec hatte ich das Gefühl, dass Armin die beiden unbedingt wollte. Dann muss er ja gewusst haben, was er bekommt und welche Knöpfe er drücken soll.

  2. Jermaine Jones Junior

    Ich finds witzig, dass wir sportlich und wirtschaftlich schon fast auf Augenhöhe mit dem VfB sind. Spricht man da schon vom Stuttgarter Fall oder vom Frankfurter Aufstieg? Ich weiß es net…

  3. Jermaine Jones Junior

    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Hübner zum VfB wechselt. Als ausgebildeter Industriekaufmann und ehemaliger Fußballer, da möge er in das Anforderungsprofil theoretisch hineinpassen.
    Es wird aber nicht passieren. Aus folgender Beobachtung:
    Es fällt auf, dass bundesligaweit jeder Sportdirektor einen Bezug zum Verein hat. Siehe Rudi Völler, sie Hübner (spricht gut und gern hessisch), sie Wahl-Münchner Sammer (dessen Sohn seit eh und je bei den FC Bayern Junioren kickt). Genau deswegen wird Jens Lehmann Sportdirektor.
    Hübner wird sich den VfB nicht antun, weil die Ausgangslage schlimm(er) ist als bei uns. Auch dort müsste er mit knappem Etat arbeiten- unter Argusaugen. Und wenn ich an Hübners empfindliche Reaktion nach den kritischen Reporterfragen bei der Präsentation Piazons erinnere, dann vermute ich, dass er eher bei seinem jetzigen Job bleibt als sich den Horrorstress in Cannstatt zu geben.

    • Das hat mich doch mal schön zum lachen gebracht, das mit dem Horror in Canstatt!

      Aber du siehst es auch schon so, dass man eher die Wahl zwischen zwei Übeln hat, oder? Ich glaub, Frankfurt ist echt medienmässig (viel zu) kuschelig im Vergleich zu Stuttgart, in Frankfurt sind die Kollegen Journalisten ja doch sehr Hübner-freundlich.

      • Jermaine Jones Junior

        Meine Eintracht sehe ich niemals als „Übel“ 😉 Dafür liebe ich diesen Verein über alles. Für immer.
        Im Ernst, wenn selbst Fredi Bobic entlassen wird, der Gott weiß als Spieler dem VfB sehr gedient hat, dann… Nein, das mit Bruno passt einfach vorne und hinten nicht. Diese suspekte und weltfremde Vereinsführung der Schwaben verunsichert einen schon von weitem. Die Entlassung Bobics erinnert mich an 2 Anekdoten: Trainer Toni Schumacher bei Fortuna Köln, als er zur Halbzeitpause gefeuert wurde, und Bruno Pezzey, dem man unter Dusche von seinem beschlossenen Verkauf informierte. Unglaublich, dass ich sowas Skurriles nochmal erleben darf. Ein Fall für Arndt Ziegler und dem WDR.

      • Schon witzig, dass man als Anhänger eines Chaosklubs (der 90er) mittlerweile über die Diletanten 2.0 spotten kann. Herrje, was war das zum Haare raufen als die ganzen Dumpfbacken rund um Ohms, Hölzenbein, Gernot Rohr, Woodcock etc. am Start waren. Dazu dann so zwar in dem Moment erfolgreiche, aber eben auch dubiose Szene-Gestalten wie Rolf Heller und Geatano Patella. Ich muss echt sagen: Da ist mir der knorrige, meinetwegen mittlerweile zu konservative Heribert Bruchhagen samt Geist und Entourage doch 10000 Mal lieber. Wer weiß, was, wer ab 2016 kommt. Ich fürchte da nicht all zu gutes, wenn ich mir den Hintergrund von Herrn Hellmann ansehe oder gar überlege, was extern so an Erwartungshaltungs-Anfeuerern rumrennt.

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