Die Würste

Obwohl das hier ein Blog über und für Eintracht Frankfurt ist, kann ich es mir an diesem Tag nicht verkneifen, etwas zum FC Schalke 04 zu schreiben. Dieser Klub, die dort handelnden Personen – die würde ich nicht mit 50 Millionen Euro versüßt als Funktionäre in Frankfurt haben wollen. Nicht nur, dass das durchaus diletantisch, hamburgerisch anmutet, was die dort in puncto Sport und Entwicklung treiben. Nein, es sind auch noch die richtigen Gesichter, die richtigen Charakter für die Sympathie, die dieser Verein (bei mir) genießt.

Damals, als Mark Wilmots und Co. den Uefa-Pokal gewannen, kann ich meine Anerkennung nicht leugnen. Jahre später, als Schalke 04 sich dann das hybride Gesicht des Arbeiter/Investorenklubs zu geben versuchte, ging es selbst mit dem rudimentären Wohlwollen dahin. Spätestens aber als ich 2005 ein Spiel der SGE in der Veltins-Arena (heißt die noch so?) besuchte und erlebte, wie das Publikum tickt, wie sie ihr Team und die gegnerischen Fans behandeln, war der Ofen aus. Pfiffe gegen einzelne Spieler der eigenen Mannschaft, Buh-Rufe bei 2:0 Führung und bei Auswechslungen, dafür umso mehr offensive Häme gegenüber der unterlegenen, der Pups-Aufsteigertruppe aus Frankfurt.

Ich kann, will und werde nicht leugnen, dass mir irgendwann in dieser Zeit es regelrecht Freude bereitete, wenn Schalke mal wieder unter den eigenen Ansprüchen ins Ziel torkelte, in Geselnkirchen mal wieder der Baum brannte. Wenn das Trainerkarrussell dort wieder Fahrt aufnahm, gelackte Wurst-Könige und zwergige Wurst-Heldt(en) wieder mürrisch auf der Tribüne ausharrten. Wenn sie sich mal wieder vor Augen führen mussten, dass all die Investoren-Millionen nicht gereicht haben und nicht reichen werden, um Borussia Dortmund, geschweige denn Bayern München auf 34 Wochen gesehen den Rang abzulaufen.

1958, da weisen die Geschichtsbücher die letzte Deutsche Meisterschaft für Schalke aus. Für Frankfurt steht da 1959. Beide sind also nie in Bundesligazeiten Schalenträger gewesen. Und sie werden es in diesem Zeitalter auch nicht mehr. Doch ist es, die Tatsache, dass Schalke in den vergangenen 25 Jahren immerhin Pokale gewann außen vor gelassen, schöm zu wissen, dass Schalke 04 mit schöner Regelmäßigkeit die eigenen Ansprüche verkackt und dabei noch schön Welle macht.

Jens Keller, der als Trauerklos gezeichnete, geht als Gewinner aus der lieblosen Ehe mit Schalke 04. Er wird trotz allem ganz froh sein aus dem Klima der Unruhe und des Undanks heraus zu sein. Beim VfB Stuttgart wird er zwar nicht landen, die können nach dem Manager nicht auch noch den Trainer entthronen, aber er wird in Bälde einen neuen Arbeitgeber finden. Da schlägt für ihn dann die entscheidende Stunde: Schafft er es in einem Umfeld mit mehr Ruhe, sportliche Erfolge – auf welchem Niveau/Anspruchslevel auch immer – zu erzielen? Es wird viele geben, die ihm das zutrauen. Seine Position ist eine der Stärke, da er nicht im Misserfolg geht, sondern aufgrund der Jahre andauernden Stimmungsschwankungen in der Führungsetage des Klubs. In Bremen werden sie jedenfalls schon den Pressetext entwerfen, der Jens Keller in die Spur bringen soll. Und wenn der Regen draußen erstmal zur Normalität, es Spätherbst und Winteranfang geworden ist, wird die Tabelle noch ein, zwei weitere Klubs ausweisen, die der Ex-Frankfurter Jens Keller übernehmen könnte. Und wenn in Nürnberg bis zur Winterpause der Hebel nicht umgelegt worden ist, darf er sie – Vorsicht, Wortspiel – aus dem Keller führen.

Ist es nicht schön, dass man sich dieser Tage den Luxus erlauben kann, nicht kontrovers über Eintracht Frankfurt nachzudenken? Mehr davon, liebe SGE!

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Die Würste

  1. Jermaine Jones Junior

    Interessant die Argumentation, dass di Matteo mit Stars umgehen könne. Hmm, Stars… Welche Stars? Vita-Weltmeister Julchen-Hippie-Hip-Milki-Draxler? Ossi-Fährmann? Assi-Prince?
    Interessant ist auch die verlogene Berichterstattung auf Sport1: Di Matteo habe in der Vergangenheit einem kleineren Verein aus der Bundesliga einen Korb erteilt (gemeint ist damit Eintracht Frankfurt), womit sich der FC Schalke 04 durchaus geschmeichelt fühlen könne, da Champions-League-Sieger di Matteo sich freilig nur höheren Aufgaben widme.

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